Eduard Mörike (1804-1875): Der Feuerreiter (1824)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Eduard Mörike
Der Feuerreiter

Sehet ihr am Fensterlein
Dort die rote Mütze wieder?
Nicht geheuer muß es sein,
Denn er geht schon auf und nieder.
Und auf einmal welch Gewühle
Bei der Brücke, nach dem Feld!
Horch! das Feuerglöcklein gellt:
Hinterm Berg,
Hinterm Berg
Brennt es in der Mühle!

Schaut! da sprengt er wütend schier
Durch das Tor, der Feuerreiter,
Auf dem rippendürren Tier,
Als auf einer Feuerleiter!
Querfeldein! Durch Qualm und Schwüle
Rennt er schon und ist am Ort!
Drüben schallt es fort und fort:
Hinterm Berg,
Hinterm Berg
Brennt es in der Mühle!

Der so oft den roten Hahn
Meilenweit von fern gerochen,
Mit des heilgen Kreuzes Span
Freventlich die Glut besprochen -
Weh! dir grinst vom Dachgestühle
Dort der Feind im Höllenschein.
Gnade Gott der Seele dein!
Hinterm Berg,
Hinterm Berg
Rast er in der Mühle!

Keine Stunde hielt es an,
Bis die Mühle borst in Trümmer;
Doch den kecken Reitersmann
Sah man von der Stunde nimmer.
Volk und Wagen im Gewühle!
Kehren heim von all dem Graus;
Auch das Glöcklein klinget aus:
Hinterm Berg,
Hinterm Berg
Brennts! -

Nach der Zeit ein Müller fand
Ein Gerippe samt der Mützen
Aufrecht an der Kellerwand
Auf der beinern Mähre sitzen:
Feuerreiter, wie so kühle
Reitest du in deinem Grab!
Husch! da fällts in Asche ab.
Ruhe wohl,
Ruhe wohl
Drunten in der Mühle!

Quelle:
hier klicken

Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Mörike, Eduard
Titel: Der Feuerreiter
Thema: Feuer/Tod
Gedichtform: Ballade
Erscheinungsjahr: 1827
Zeilen: 51
Link: hier
Rezensent/in: JenniferNussbaum
Schwierigkeit: einfach

Interpretation hinauf

Der Feuerreiter ist eines der ersten Gedichte von Eduard Mörike (1804-1875), welches um etwa 1824 entstand, zu der Zeit, als er in Tübingen Theologie studierte. Die damals vorherrschende Epoche wird Biedermeier-Zeit genannt, „eine Epoche, in der der Rückzug ins Private eine Alternative zum heftigen Kampf um politische Gleichheit bot.“(Quelle1, Z3)
Das Gedicht wurde erstmals in Mörikes Roman „Maler Nolten“(1832) veröffentlicht. Zehn Jahre später überarbeitete er das Gedicht und schrieb eine neue dritte Strophe dazu.
Seine Ballade erzählt von einem Feuerreiter, der auf seinem Pferd in die brennende Mühle reitet und verbrennt. Am Ende erlischt das Feuer und ein Müller findet seine Überreste. Das lyrische Ich (implizit) sieht dabei zu und betet für den Reiter.
Das Gedicht ist in fünf Strophen unterteilt, welche mit einer Art Refrain enden. Es fällt auf, dass das Ende der ersten zwei Strophen identisch ist. In der dritten Strophe wird dann ein Wort verändert, in der Vierten eine Zeile, und in der letzen sogar alle drei Verse. Parallel zu diesen Veränderungen brennt die Mühle, verbrennt und das Feuer erlischt.
Die Ballade hat eine klare Gliederung und ein festes Metrum. Die fünf Strophen bestehen aus Trochäen: jeweils die ersten sieben Verse sind fünfhebig, die nächsten zwei sind zweifüssig und der letzte ist dreihebig. Die einzige Ausnahme ist der letzte Vers der vierten Strophe, welcher einfüssig und zudem eine Waise ist. Durch diesen wird der Untergang der Mühle und des Feuerreiters hervorgehoben. Dieser Vers ist auch der einzige Unterbruch des streng durchgezogenen Reimschemas. In jeder Strophe sind die ersten vier Verse jeweils im Kreuzreim und die nächsten sechs im umarmenden Reim (abbcca) geschrieben. Nebst der Regelmässigkeit des Gedichtes spielen auch noch Klangelemente eine wichtige Rolle. Vor allem in den ersten zwei Strophen lassen sich sehr viele warme Vokale wie ü, ei, i, e und eher wenig kühle Vokale finden. Diese Vokale helfen dem Leser sich das Feuer vorzustellen und es zu fühlen.
Interessant ist, dass Mörike das Gedicht nochmals überarbeitete und eine dritte Strophe einfügte, welche sich vor allem mit dem Glauben befasst. Damit passt das Gedicht noch besser in die Biedermeier-Zeit, in welcher die Religion ein wichtiges Thema darstellt. Bedeutend in dieser Epoche ist ebenfalls die Vergänglichkeit, welche durch den Untergang der Mühle und des Feuerreiters thematisiert wird.

Verfasser/in hinauf

JenniferNussbaum, Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

.