EDUARD MÖRIKE (1804-1875): Im Frühling (1828)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

EDUARD MÖRIKE
Im Frühling

Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag mir, alleinzige Liebe,
Wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,
Sehnend,
Sich dehnend
In Lieben und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wann werd ich gestillt?

Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
Es dringt der Sonne goldener Kuss
Mir tief ins Geblüt hinein;
Die Augen, wunderbar berauschet,
Tun, als schliefen sie ein,
Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.
Ich denke dies und denke das,
Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.
Halb ist es Lust, halb ist es Klage.
Mein Herz, o sage,
Was webst du für Erinnerung
In golden grüner Zweige Dämmerung?
Alte unnennbare Tage.

Quellenangabe:
hier klicken

Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Mörike, Eduard
Titel: Im Frühling
Thema: Liebe, Sehnsucht
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1828
Zeilen: 25
Link: hier
Rezensent/in: RaphaelRoth
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht "Im Frühling" von Eduard Mörike entstand im Jahr 1828. Es stammt aus einer frühen Schaffensperiode des Künstlers und enthält viele Elemente aus der Natur, was typisch für Mörike ist. Diese Elemente werden personifiziert, oder als Metaphern verwendet. In diesem Zusammenhang steht auch der Titel "Im Frühling" für einen Neuanfang beziehungsweise für die Flucht in die Natur. Dies ist typisch für die Biedermeierzeit. Man verlässt die reale Welt und flieht in eine Gegenwelt, die in diesem Gedicht durch die Natur repräsentiert wird. Ein weiteres typisches Element des Biedermeier ist die Sehnsucht. Man sehnt sich nach Veränderungen, macht aber nichts dafür sondern man zieht sich zurück, wie es das lyrische Ich in Mörikes "Im Frühling" tut.

Die Handlung besteht daraus, dass das lyrische Ich die Natur beobachtet und sich nach Liebe sehnt. Im ersten Teil geht es um die Zukunft. Der Frühling wird direkt angesprochen und gefragt was passieren wird: "Frühling, was bist du gewillt?". Im zweiten Teil hingegen steht die Vergangeheit im Vordergrund. Es geht um die Erinnerung an frühere Zeiten, frühere Liebschaften: "Mein Herz, o sage, was webst du für Erinnerung?"

Die Form des Gedichts ist unregelmässig, man kann es aber grob in drei Strophen unterteilen. Alle drei bestehen aus Jamben, wobei die Verslängen stark variiern, von einfüssig bis fünffüssig kommt alles vor. Diese Variation scheint zufällig und ohne Muster. Sie passt jedoch zum Inhalt des Gedichts: Das lyrisches Ich lässt ihrem/seinem Blick auf die Natur beziehungsweise ihren/seinen Gedanken scheinbar freien Lauf. Ein weiterer Hinweis dafür ist das unregelmässige Reimschema.

Die nahliegendste Methode zur Deutung ist die Literaturhistorische. Die tiefe Sehnsucht, die vermittelt wird, ist typisch für die Biedermeierzeit. Man will eine Veränderung, setzt sich aber selber nicht dafür ein und lässt der Geschichte freien Lauf und hofft, dass es schon gut gehen wird, dass die Veränderung von alleine zustande kommt. Man wünscht sich einen Neuanfang, einen neuen "Frühling".

Verfasser/in hinauf

RaphelRoth, Neue Kantonsschule Aarau (4c), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1: wikipedia.org
  • Quelle 2:
  • Quelle 3: