VORNAME NAME (Geburtsjahr-Todesjahr): Gedichttitel (Entstehungsjahr)

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Gedichttext hinauf

Erich Mühsam
Das Verhör

Sie heißen? fragte mich der Direktor.
Ich nannte den Namen.
Geboren?
Ja!
Wann? meine ich.
Ich nannte das Datum.
Religion?
Geht sie nichts an.
Schreiben sie also: mosaisch! - Der Beamte schrieb.
Was tun sie?
Ich dichte.
Wa-s?
Ich trinke.
Delyriker! schrieb der Beamte.

Das Verhör dauerte noch lange. Schließlich wurde mir die Fragerei zu
bunt. Zum Donnerwetter! schrie ich. Bin ich denn hier in
einem Tollhaus?
Allerdings, erwiderte der Direktor freundlich und ließ mich in eine
Zwangsjacke stecken.

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Vorgelesen:
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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Mühsam, Erich
Titel: Das Verhör
Thema: Verhör
Gedichtform: Anti-Gedicht
Erscheinungsjahr:  
Zeilen: 21
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Rezensent/in: WinnieGut
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Verfasser/in (mit 3 Favoriten)
Meinungsfreiheit und Rebellion
Erich Mühsam:
Das Verhör
Erich Mühsam (geboren 1878, ermordet im KZ 1934) war in jeder Hinsicht ein typischer Vertreter des Expressionismus. Er war politisch aktiv, glaubte an die Freiheit des Denkens und liess sich dies von niemandem verbieten. Mit seinen Gedichten und Schriften versuchte er auf die politischen Umstände aufmerksam zu machen. Der eigenwillige und aufrührerische Charakter des Autors lässt sich im Gedicht „das Verhör“, das um 1910 entstand, deutlich erkennen. Der Bruch mit herkömmlichen grammatischen Strukturen sowie die Wortneuschöpfungen sind Merkmalen des Expressionismus, die auch in Mühsams Gedichten vorkommen. „Der Revoluzzer“, „Trutzlied“ und „Gesang der jungen Anarchisten“ sind weitere Gedichte von Erich Mühsam, die den damaligen Zustand sehr treffend beschreiben und kritisieren.
„Das Verhör“ handelt von einem Dichter, der von einem Direktor und einem Beamten verhört wird. Der erste Teil des Gedichts wird durch einen knappen Dialog dargestellt und gibt dem Leser so eine gewisse Nähe zum Geschehen. Da sich der Dichter ungeduldig, rebellisch, stur und respektlos verhält, wird er in einer Zwangsjacke abgeführt.
„Das Verhör“ ist ein Anti-Gedicht und weist keine klare Gliederung, keine Gedichtform, kein Reimschema oder Metrum auf. Es passt sich so auch dem rebellischen Verhalten des sturen, expliziten lyrischen Ichs an. Das Gedicht zeigt beissenden Humor, der durch den Gebrauch von Neologismus in der Zeile vierzehn noch verstärkt wird. Die klare Struktur des Verhörs wird unterstrichen durch Parallelismen, Inversionen und Anaphern im ersten Abschnitt.
Der Hauptteil des Gedichts widerspiegelt eine Zeit der Rebellion gegen den Staat und verlangt Meinungsfreiheit. Dies wird auch klar ausgedrückt, in dem Erich Mühsam dieses Gedicht ohne die typischen Merkmale der Lyrik schreibt. Zudem kommt das trotzige Verhalten des expliziten Ichs, das sich klar gegen den Beamten sträubt und den Staat sozusagen als „Irrenhaus“ bezeichnet, zum Ausdruck. Dieses Denken mag vielen Leuten damals gefehlt haben. Das Gedicht war sicherlich auch als Aufforderung und Denkanstoss für den Leser gemeint.

Quellen: http://www.mdw.ac.at/I112/html/forschung/artikel/hen-buecherverbr.html http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_M%C3%BChsam http://www.erich-muehsam.de/

Verfasser/in hinauf

Main.Vorname Name, Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:http://www.muehsam.de/cp/emt/emt.html *2:Quellen:http://www.mdw.ac.at/I112/html/forschung/artikel/hen-buecherverbr.html
  • Quelle 3:http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_M%C3%BChsam
  • Quelle 4:http://www.erich-muehsam.de/

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