CHRISTIAN MORGENSTERN (1871-1914): Palmström (1906)

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Gedichttext hinauf

CHRISTIAN MORGENSTERN
Palmström

Palmström steht an einem Teiche
und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
Auf dem Tuch ist eine Eiche
dargestellt sowie ein Mensch mit einem Buch.

Palmström wagt nicht, sich hineinzuschneuzen.
Er gehört zu jenen Käuzen,
die oft unvermittelt-nackt
Ehrfurcht vor dem Schönen packt.

Zärtlich faltet er zusammen,
was er eben erst entbreitet.
Und kein Fühlender wird ihn verdammen,
weil er ungeschneuzt entschreitet.

Quelle:
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Vorgelesen:
www.christian-morgenstern.de
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Morgenstern, Christian
Titel: Palmström
Thema: Humor (Ästhetik & Ehrfurcht)
Gedichtform: Ballade
Erscheinungsjahr: 1947
Zeilen: 12
Link: hier
Rezensent/in: TobiasStaubli
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Christians Morgensterns (1871-1914) ‚Palmström’ ist ein Gedicht des Palmström-Zyklus, welcher neben den Galgenliedern wohl zu Morgensterns bekanntesten Werken zählt. „In seinen frühen lyrischen Werken thematisierte Morgenstern oft das Schaurige und Groteske, doch später wandte er sich vor allem der Sprache als inhaltlichen Gegenstand seiner Gedichte zu.“(1) Er „erkannte in der Sprache die Fähigkeit zum Spiel“ und seine „phantasiereiche Sprach- und Spielwelt“(1) erfreut sich heute immer noch grosser Beliebtheit.

In ‚Palmström’ hält sich der gleichnamige Protagonist in der Natur auf und nimmt sein schönes rotes Taschentuch aus der Tasche. Doch als er in sein Taschentuch ‚hinzuschneuzen’ möchte, wird er plötzlich von Ehrfurcht übermannt und wagt es nicht mehr das Taschentuch zu beflecken. Deshalb geht er ‚ungeschneuzt’ von dannen, um das Schöne zu bewahren.

Die Form des Gedichts ist eher komplex und Regelmässigkeiten sind schwer zu erkennen. Zwar verwendet Morgenstern ausschliesslich Trochäen als Metrum, doch diese variieren stark in der Länge. Jede Strophe weist jedoch einen 5- hebigen Trochäus auf, der, so könnte man sagen, die Haupthandlung jeder Strophe darstellt. Während der Kreuzreim in der 1. &3.Strophe eine sanfte Ein- und Ausleitung bewirkt, führt der Paarreim in der 2.Strophe dazu, dass das Hauptgeschehen des Gedichts akzentuiert wird. Allgemein gilt jedoch zu sagen, dass in Morgensterns Gedichten weniger die Form, sondern vielmehr die Wortwahl und Wortspiele eine Rolle spielen.

Bei Morgensterns Gedichten steht vor allem die Unterhaltung im Zentrum und manchmal werden sie sogar als „Nonsens-Poesie“(2) tituliert. Trotzdem gibt es viele Interpretationsmöglichkeiten, die zumeist jedoch relativ vage sind. Die Natur und vor allem Bäume („Nichts ist für mich mehr Abbild der Welt und des Lebens als der Baum“(Morgenstern)(3)) genossen schon immer einen hohen Stellenwert in Morgensterns Leben. Wenn man die ‚Eiche und der Mensch mit dem Buch’ als Symbole für die Ewigkeit und Weisheit betrachtet, so könnte man daraus schliessen, dass es Morgenstern sehr am Herzen liegt, dass Tugenden wie Weisheit, Ewigkeit, Reinheit und Ehrfurcht wieder mehr Wertschätzung erfahren.

Indem Palmström ins Spöttische gezogen wird (‚Kauz’) und alle, die sein Verhalten als seltsam betrachten, als gefühlslos bezeichnet werden,entsteht ausserdem auch eine gewisse Kritik der Gesellschaft, die die Natur nicht respektiert oder sie sogar beschmutzt.(‚schnäuzen’)

Verfasser/in hinauf Tobias Staubli, Neue Kantonsschule Aarau (2005b), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

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