Rainer Maria Rilke (1875-1926): Schlussstück (1901)

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Gedichttext hinauf

Rainer Maria Rilke
Schlussstück

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Rilke, Rainer Maria
Titel: Schlussstück
Thema: Tod
Erscheinungsjahr: 1901
Zeilen: 6
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Rezensent/in: Christine Fischer
Schwierigkeit: leicht

Interpretation hinauf

Rainer Maria Rilke (1875-1926) hat das Gedicht „Schlussstück“ 1901 verfasst. In
dieser Zeit war er erst gerade von einer Russlandreise zurückgekehrt.
Das Gedicht stellt die subjektive Wahrnehmung Rilkes gegenüber dem Tod dar. Er nimmt
den Tod als sehr mächtig („gross“) wahr und glaubt, dass wir ihm unterlegen sind
(Verse 1-3). Wir können nicht vorhersehen, wann und wie der Tod uns einholt, denn
mitten in unserem Leben wird er sich ins uns drin bemerkbar machen (Verse 3-6). Der
wiederholte Ausdruck „mitten“ scheint wichtig zu sein. Denn man kann die Sätze „mitten
im Leben“ und „mitten in uns“ als zusammenhängend betrachten und die Bedeutung,
dass wir das Leben sind, herauslesen.
Das Gedicht ist sehr kurz gefasst und in einer schlichten Sprache geschrieben. Es besteht
nur aus einer Strophe und 6 Versen. Mann kann jedoch sagen, dass das Gedicht aus 2
Teilen besteht, nämlich aus den ersten drei und den zweiten drei Versen. Es werden dort
zwei verschiedene Aspekte über des Tods beschrieben, einerseits seine Macht und
andererseits seine Unabsehbarkeit. Das Metrum wird zuerst mit Jamben angegeben, geht
dann aber in einen Daktylus über, was eine sehr schnelle, aber traurige Wirkung
hervorruft. Das Reimschema ist ebenfalls sehr speziell gewählt, denn es besteht
einerseits aus einem umarmenden, gleichzeitig aber auch aus einem Kreuzreim
(xbabba). Auffällig ist, dass das Schema mit den Kadenzen übereinstimmt, das heisst,
dass der 1., 3. und 6. Vers mit einer betonten und die restlichen mit einer unbetonten
Silbe enden. Man nimmt so die 3 Wörter „Seinen“, „meinen“ und „weinen“ als trauriger
wahr. Ebenfalls erscheint der 4. Vers als sehr bedeutend, da er als einziger 4 Betonungen
enthält.
Die relativ simple Aussage des Gedichtes lässt wenig Spielraum für weite
Interpretationen übrig. Man kann dadurch jedoch auch klar die Themen Tod und
Vergänglichkeit erkennen. Diese sind vor allem durch ihre Unabsehbarkeit geprägt. Das
Gedicht kann sehr gut dem Impressionismus zugeordnet werden, da sein Thema durch
persönliche Eindrücke geschildert wird. Der Zeitpunkt der Dichtung war während der
Schwangerschaft von Rilkes Frau, wobei man diese mit dem Lauf des Lebens und somit
auch der Vergänglichkeit in Verbindung bringen kann. Was sicherlich auch eine Rolle
spielt, ist die Beziehung von einer Person zu ihrem Leben („mitten im Leben, mitten
in uns“).

Thema/Schlagworte hinauf

- Tod
- Vergänglichkeit des Menschen
- Aphorismus

Verfasser/in hinauf

Christine Fischer, Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat keine weiteren Favoriten:
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Quellen & Links hinauf

http://www.rilke.de/gedichte/schlussstueck.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Maria_Rilke

http://www.deutschonline.de/Deutsch/Gesch/ImprSymb.html

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-- ChristineFischer - 31 May 2007