Theodor Storm (1817-1888): Die Stadt (1852)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Theodor Storm
Die Stadt

Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohn Unterlaß;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras.

Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
Du graue Stadt am Meer;
Der Jugend Zauber für und für
Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
Du graue Stadt am Meer.

Quelle:
hier

Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Storm, Theodor
Titel: Die Stadt
Thema: Stadt
Erscheinungsjahr: 1852
Zeilen: 15
Link: hier
Rezensent/in: Vera Hertig
Schwierigkeit: leicht

Interpretation hinauf

Theodor Storm (1817-1888), der heute vor allem für sein novellistisches Werk bekannt ist, zählt zu den wichtigsten Dichtern des „Poetischen Realismus“. Lyrik ist für Storm gleichbedeutend mit Einfachheit, d.h. die Wortwahl und die Motive sind eher begrenzt. Seine Gedichte sind, trotz der einfachen Wortwahl, durch ihren grossen Stimmungsgehalt gekennzeichnet. Mit dem Gedicht „Die Stadt“ beschreibt Theodor Storm die Beziehung zu seiner nordfriesischen Heimatstadt Husum und setzt ihr ein Denkmal.

Das Gedicht besteht aus drei Strophen zu jeweils fünf Verse. Als Metrum werden meist vierfüssige Jamben verwendet, nur der jeweils letzte und zweite Vers einer Strophe bestehen aus dreifüßigen Jamben. Es reimen sich der erste, dritte und vierte sowie der zweite und fünfte Vers jeder Strophe.

Auffällig ist, dass sich die Strophen trotz des einheitlichen Metrums und Aufbaus inhaltlich stark voneinander unterscheiden und die Stadt jedes Mal unter einem anderen Gesichtspunkt beschrieben wird. In der ersten Strophe wird die Umgebung der Stadt gänzlich negativ dargestellt. Es herrscht eine trübsinnige und melancholische Stimmung, die besonders durch die Motive "grau" („graue Stadt“ und „grauen Meer“ V.1) und „Eintönig“ (V. 5) beschrieben und durch schwerfällig wirkende Metaphern wie „Der Nebel drückt die Dächer schwer" (V. 3) verstärkt wird.

In der zweiten Strophe tritt die Beschreibung der Natur in den Vordergrund. Weiterhin werden eher negativ zu beurteilende Eindrücke geäußert. Daneben wird jedoch zusätzlich eine ruhige und unbewegliche Atmosphäre geschaffen ("Am Strande weht das Gras." V. 10). Inhalt und sprachliche Form stimmen hier überein: Die Eintönigkeit der grauen Stadt in der ersten und teilweise auch in der zweiten Strophe spiegelt sich in der Eintönigkeit des Zeilenstils und in den Wortwiederholungen wieder. In der dritten Strophe kommt es mit dem Einführen eines lyrischen Ichs zu einem inhaltlichen Bruch. Der Wendepunkt des Gedichtes stellt die Zeile „Doch hängt mein ganzes Herz an dir“ (V. 11) dar. Hier werden nun erstmals auch positive Aspekte der Stadt genannt, was auch die Verwendung einer emotionaleren Sprache („Jugend Zauber“ V. 13 und „Ruht lächelnd“ V. 14) zeigt.

Zusammenfassend geht es in dem Gedicht um eine Person, die eine Stadt trotz ihrer Eintönigkeit und Öde sehr liebt und schätzt. Aufgrund dieser engen Verbundenheit erscheinen dem lyrischen Ich die offensichtlichen Nachteile der Umgebung und Natur eher nebensächlich.

Verfasser/in hinauf
Vera Hertig , Neue Kantonsschule Aarau (4A) hat noch einen weiteren Favoriten:
* Gustav Falke: Zwei

Quellen & Links hinauf
* http://www.onlinekunst.de/gedichte/storm_stadt.html

-- VeraHertig - 11 May 2007