THEODOR STORM (1817-1888): Hyazinthen (1851)

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Gedichttext hinauf

Theodor Storm
Hyazinthen

Fern hallt Musik; doch hier ist stille Nacht,
Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen:
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.

Es hört nicht auf, es rast ohne Unterlass;
Die Kerzen brennen und die Geigen schreien,
Es teilen und es schliessen sich die Reihen,
Und alle glühen; aber du bist blass.

Und du musst tanzen; fremde Arme schmiegen
Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt!
Ich seh dein weisses Kleid vorüberfliegen
Und deine leichte, zärtliche Gestalt. --

Und süsser strömend quillt der Duft der Nacht
Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Storm, Theodor
Titel: Hyazinthen
Thema: Sehnsucht
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1851
Zeilen: 16
Link: hier
Rezensent/in: FlorenceForster
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

"Hyazinthen" ist freilich nicht das bekannteste Gedicht Theodor Storms (1817-1888), doch eines, in welchem die Leidenschaft und das Geheimnisvolle am besten zur Geltung kommen. Entstanden im Jahre 1851 und geprägt durch den Realismus strahlt das Gedicht solch packende Verzweiflung aus, dass es den Leser mühelos in seinen Bann zieht.

Die Dramatik wird vertreten von zwei Liebenden, von welchen die Frau den Drang verspürt zu tanzen, während der Mann sich um sie sorgt. Es wird nicht ausdrücklich klargestellt, wo sich das Gedicht abspielt, doch die Pflanzen geben den Hinweis, dass es sich in der Natur abspielt. Zusätzlich zur Landschaft spielen die Musik sowie die Nacht eine zentrale Rolle. Das explizite lyrische Ich verleiht dem Gedicht ausserdem eine persönliche Note.

Der Realismus setzt sich am deutlichsten im Schreibstil in Szene, die Sprache wirkt klar und eindringlich. Das Gedicht besteht aus einem Kreuzreim (abab) in der ersten als auch in den letzten beiden Strophen. Im Ausgleich dazu findet man in der zweiten Strophe einen umarmenden Reim (abba). Es besteht aus einem fünffüssigen Jambus , der das Gedicht fliessend ablaufen lässt. Der Zeilenstil wird nur in den Zeilen 10 und 14 unterbrochen, welche zwei Enjambements darstellen. Die Wiederholung der zwei Zeilen „Ich habe immer, immer dein gedacht; ich möchte schlafen, aber du musst tanzen“ lässt darauf schliessen, dass Storm beabsichtigte, den Schwerpunkt darauf zu legen. Das Gedicht erscheint immer lebhafter und tragischer, je weiter man liest, der Höhepunkt der Dramatik liegt dabei unverkennbar auf den Zeilen 14 und 15: „ Und süsser strömend quillt der Duft der Nacht und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.“

Die Leichtigkeit des Gedichtes verschliessen dem Leser fatalerweise annähernd die Augen vor dem Hintergrund, denn es besitzt viel mehr Tiefe, als man dies beim ersten Lesedurchgang bemerken könnte. Lässt man das Gedicht erst einmal auf sich wirken, erkennt man die unzähligen Deutungsmöglichkeiten. Eine der augenscheinlichsten ist die Thematik Frau, denn Storm wurde schon in frühestem Kindesalter von weiblichen Geschlecht verletzt und als obdies nicht genug gewesen wäre, starb kurz darauf auch seine Mutter. Diese Begebnisse mussten ihn wohl äusserst geprägt haben.

Das tiefschürfende Gedicht lässt den Leser mitfiebern und sinnieren, es regt zum Nachdenken und Überdenken an, denn es ist nicht allzu offensichtlich, ob das Gedicht von Liebe, von Tod oder von beidem handelt.

Verfasser/in hinauf

Main.Florence Forster, Neue Kantonsschule Aarau (3B), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1: Wikipedia.org/TheodorStorm
  • Quelle 2:
  • Quelle 3:

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