Theodor Fontane (1819-1898): Ueberlass es der Zeit (1851)

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Gedichttext hinauf

Theodor Fontane
Überlass es der Zeit

Erscheint Dir etwas unerhört,
bist Du tiefsten Herzens empört,
bäume nicht auf, versuch’s nicht mit Streit,
berühr’ es nicht, überlass es der Zeit.

Am ersten Tag wirst Du feige Dich schelten,
am zweiten lässt Du Dein Schweigen schon gelten,
am dritten hast Du’s überwunden:
alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Fontane

Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Fontane, Theodor
Titel: Ueberlass es der Zeit
Thema: Zeit
Erscheinungsjahr: 1851
Zeilen: 12
Link: hier
Rezensent/in: Stefi Karbacher
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Theodor Fontane ist 1819 in Neuruppin geboren und verstarb 1898. Seine ersten Gedichte entstanden im Herbst 1840. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern des poetischen Realismus. Das genaue Entstehungsdatum des Gedichtes ist nicht bekannt. Man weiss aber, dass Fontane „Überlass es der Zeit“ zwischen 1840 und 1851 geschrieben hat.

In diesem Gedicht „Überlass es der Zeit“ lässt Fontane das lyrische Ich einen Ratschlag erteilen und diskutiert den Einfluss der Zeit auf den Menschen. In der ersten Strophe wird der Ratschlag sich nicht aufzuregen, wie „Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit“ (V.3) belegt, erteilt. Besser ist es, die Ungerechtigkeit der Zeit zu überlassen. Mit den Worten „wirst du feige dich schelten“ erklärt das lyrische Ich, dass dies oftmals nicht einfach ist, da ein solches Verhalten fälschlicherweise auch als Schwäche gedeutet werden kann. Dieser Zwiespalt wird auch durch den chaotischen Versfuss des Gedichtes ausgedrückt. Hauptsächlich handelt es sich um Trochäen und Jamben, die jedoch von Daktylen sowie von Anapästen unterbrochen werden. Jene ungeordneten Versfüsse bringen die aufgewühlten Gefühle desjenigen, an den der Ratschlag gerichtet ist, zum Ausdruck. Aber bereits in Vers sechs wird beschrieben, wie man mit sich ins Reine kommt und darauf hingewiesen, dass manches im ersten Moment dramatischer erscheint als nach einer gewissen Zeit „alles ist wichtig nur auf Stunden“ (V.8). Durch das konstante Reimschema wird diese erlangte, innere Ruhe unterstrichen. Der Paarreim wird durch das ganze Gedicht hindurch beibehalten. Dies soll die gleichmässige laufende Zeit, welche ein Gefühl von Ordnung und Sicherheit vermittelt, darstellen. In den letzten beiden Zeilen stellt Fontane die Zeit dem Ärger gegenüber. Er bezeichnet den Ärger als „Lebensvergifter“ (V.9), da man in der Wut oft unüberlegt und verletzend reagiert. Die Zeit hingegen wird als „Friedensstifter“ (V.10) bezeichnet. Sie kann Konflikte verhindern, wenn sich zwei zerstrittene Parteien zu erst beruhigen, bevor sie miteinander verhandeln. Ein paar Tage später werden beide Seiten ihr Problem schon als viel kleiner empfinden. In diesem Gedicht behandelt Fontane ein typisches Thema des Realismus. Er setzt sich mit dem menschlichen Handeln unter dem Einfluss der eigenen Natur auseinander. Fontane schildert, wie ein Mensch im Normalfall auf Ungerechtigkeit aufbrausend reagiert, erklärt aber, dass man mit geistiger Gabe, dem Verstand, gegen den Instinkt handeln kann.

Theodor Fontande möchte mit diesem Gedicht eine Lebensweisheit weitergeben. Er will mit diesem Ratschlag „Überlass es der Zeit“ dazu beitragen, dass es zu weniger Auseinandersetzungen kommt. Und man soll sich ein Beispiel an der stetig gehenden Zeit nehmen, in dem man versucht ruhig und besonnen zu handeln.

Verfasser/in hinauf

Stefi Karbacher , Neue Kantonsschule Aarau (4b)

Quellen & Links hinauf

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-- PascalFrey - 22 Apr 2007

-- StefiKarbacher - 08 May 2007