Johann Ludwig Tieck (1773-1853): Geliebter, wo zaudert (1797)

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Gedichttext hinauf

Johann Ludwig Tieck
Geliebter, wo zaudert

Geliebter, wo zaudert
Dein irrender Fuß?
Die Nachtigall plaudert
Von Sehnsucht und Kuß.

Es flüstern die Bäume
Im goldenen Schein,
Es schlüpfen mir Träume
Zum Fenster hinein.

Ach! kennst du das Schmachten
Der klopfenden Brust?
Dies Sinnen und Trachten
Voll Qual und voll Lust?

Beflügle die Eile
Und rette mich dir,
Bei nächtlicher Weile
Entfliehn wir von hier.

Die Segel, sie schwellen,
Die Furcht ist nur Tand:
Dort, jenseit den Wellen
Ist väterlich Land.

Die Heimat entfliehet,
So fahre sie hin!
Die Liebe, sie ziehet
Gewaltig den Sinn.

Horch! wollüstig klingen
Die Wellen im Meer,
Sie hüpfen und springen
Mutwillig einher,

Und sollten sie klagen?
Sie rufen nach dir!
Sie wissen, sie tragen
Die Liebe von hier.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Tieck, Johann Ludwig
Titel: Geliebter, wo zaudert
Thema: Liebe
Erscheinungsjahr: 1797
Zeilen: 32
Link: hier
Rezensent/in: Reshat Ramadani
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Geliebter, wo zaudert“ von Johann Ludwig Tieck (1773 – 1853), welches 1797 veröffentlicht wurde, gehört zwar zu den weniger bekannten Gedichten der Epoche der Romantik, dennoch enthält es wesentliche Merkmale jener Literaturepoche und kann daher deutlich zugeordnet werden.

Das Gedicht besteht aus 8 Strophen mit je 4 Versen, wobei jeweils die ungeraden Verse im Daktylus und die geraden im Jambus verfasst sind und durchgehend mit einer weiblichen Kadenz enden. Die insgesamt 32 Verse bilden das Reimschema des Kreuzreims. Enjambements ziehen sich durch das gesamte Gedicht über jeweils zwei Verse, wobei zwischen dem 5. und 7. Vers Parallelismus und Assonanzen bestehen. Das erste Wort des 16. Verses beinhaltet eine Synkope.

1527 wurde „Die wundersame Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Peter von Provence“ von Veit Warbeck nach einem alten französischen Ritterroman ins Deutsche übersetzt. Tieck fühlte sich von dieser Geschichte des erfolgreichen Ritters, dessen Liebe und Trennung zu einer Frau, sowie folgendem Wiedersehen, sofort inspiriert, woraus 18 Gedichte entstanden. So beschreibt jenes Werk die Gefühlswelt eines verliebten Mädchens, welches sehnsüchtig auf ihren Geliebten wartet. Sie ist von ihm getrennt und wartet auf ein baldiges Wiedersehen, um dann auch mit ihm zu verschwinden und das Elternhaus zu verlassen. Sie träumt von einer gemeinsamen Zukunft in der Ferne. Ihre Emotionen werden mit Naturbeschreiben verdeutlicht, so „flüstern die Bäume“ ( Vers 5 ) beziehungsweise „hüpfen und springen die Wellen im Meer“ ( Vers 26/27).

Die Liebe sowie die kommende Freiheit in der Ferne sind für das lyrische Ich noch unerreichbar, wodurch eine Sehnsucht besteht, welche vollends ausgekostet wird. Das lyrische Ich richtet sich mit der Bitte der Erfüllung dieser Sehnsucht an ihren Geliebten, wodurch man sich als Leser gleich angesprochen fühlt. Die Sehnsucht des lyrischen Ichs nimmt von Vers zu Vers zu, was man als Leser mitfühlt. All dies trägt dazu bei, dass Tiecks Gedicht als äusserst spannend und einfühlsam daherkommt. Es ist einfach zu lesen und erweckt die Aufmerksamkeit des Lesers vom ersten Vers an.

Schlagworte:

* Liebe
* Sehnsucht
* Natur

Verfasser/in hinauf

Reshat Ramadani, Neue Kantonsschule Aarau (4A), hat drei weitere Favoriten:

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