Johann Ludwig Tieck (1773-1853): Verzweiflung (1821)

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Gedichttext hinauf

Johann Ludwig Tieck
Verzweiflung

So tönet denn, schäumende Wellen,
Und windet euch rund um mich her!
Mag Unglück doch laut um mich bellen,
Erbost sein das grausame Meer!

Ich lache den stürmenden Wettern,
Verachte den Zorngrimm der Flut;
O, mögen mich Felsen zerschmettern!
Denn nimmer wird es gut.

Nicht klag' ich, und mag ich nun scheitern,
Im wäßrigen Tiefen vergehn!
Mein Blick wird sich nie mehr erheitern,
Den Stern meiner Liebe zu sehn.

So wälzt euch bergab mit Gewittern,
Und raset, ihr Stürme, mich an,
Daß Felsen an Felsen zersplittern!
Ich bin ein verlorener Mann.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Tieck, Johann Ludwig
Titel: Verzweiflung
Thema: Liebe
Erscheinungsjahr: 1821
Zeilen: 16
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Rezensent/in: Reshat Ramadani
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Verzweiflung“ von Johann Ludwig Tieck (1773 – 1853) gehört zu den weniger bekannten Gedichten der Epoche der Romantik. Dennoch enthält die 1821 veröffentlichte „Verzweiflung“ deutliche Merkmale jener Zeit. Es ist ein Gedicht einer ganzen Sammlung mit dem Titel „Des Jünglings Liebe“, und somit beschreibt Tieck hier die emotionale Befindlichkeit eines jungen Mannes.

Das Gedicht besteht aus 4 Strophen mit jeweils 4 Versen und durchgehendem Jambus als Versfuss, wobei jeweils der erste und dritte Vers mit einer weiblichen und folgend der zweite und vierte Vers mit einer männlichen Kadenz enden. Die insgesamt 16 Verse sind im Reimschema des Kreuzreims verfasst, worin gewisse Parallelen zwischen dem 1. bzw. 2. Vers und dem 13. bzw. 14. erkennbar sind. Enjambements sind keine vorhanden.

Das Werk beschreibt die Gefühlswelt eines verliebten Jünglings (vgl. 1. Abschnitt), der einer vergangenen Liebe nachtrauert und erkennen muss, sie nicht mehr erreichen zu können. Zwar wird hier die Natur in ihrem schrecklichsten Auftreten beschrieben, jedoch soll es als Spiegel der Innenwelt, also der Seele, des jungen Mannes dienen. Der Verliebte durchlebt eine emotional intensive und schwere Phase, welche in Bildern wie schäumende Wellen (1. Vers) und grausames Meer (Vers 4), sowie der brausenden Wetterlage, wie herabziehende Gewitter und rasende Stürme (13. & 14 Vers) gezeigt wird. Die Sehnsucht richtet sich hier auf Unerreichbares, aus diesem Grunde wird sie nie befriedigt und kann um ihrer selbst willen dauerhaft genossen und ausgelebt werden. Die psychisch gequälte Seele wird somit von Tieck mit den geläufigsten Merkmalen der romantischen Bewegung beschrieben.

Um die Vorstellungskraft des Lesers zu unterstützen und um ihn die unerfüllbare Sehnsucht des lyrischen Ichs spüren zu lassen, zeigt sich das tobende Naturschauspiel als besonders geeignet. Da die Beschreibung der Emotion immer äusserst schwierig ist, können Bilder mit Hyperbeln als rhetorische Figur die Gefühlswelt einfacher aufzeigen, was in der „Verzweiflung“ durchgehend in einem gewissen Mass vorkommt. All dies trägt dazu bei, dass Tiecks Gedicht als äusserst spannend und einfühlsam daherkommt. Es ist einfach zu lesen und erweckt die Aufmerksamkeit des Lesers vom ersten Vers an.

Schlagworte:

* Liebe
* Natur
* Sehnsucht

Verfasser/in hinauf

Reshat Ramadani , Neue Kantonsschule Aarau (4A), hat drei weitere Favoriten:

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-- ReshatRamadani - 11 May 2007