GEORG TRAKL (1887-1914): An die Verstummten (1913)

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Gedichttext hinauf

Georg Trakl
An die Verstummten

O, der Wahnsinn der großen Stadt, da am Abend
An schwarzer Mauer verkrüppelte Bäume starren,
Aus silberner Maske der Geist des Bösen schaut;
Licht mit magnetischer Geißel die steinerne Nacht verdrängt.
O, das versunkene Läuten der Abendglocken.

Hure, die in eisigen Schauern ein totes Kindlein gebärt.
Rasend peitscht Gottes Zorn die Stirne der Besessenen,
Purpurne Seuche, Hunger, der grüne Augen zerbricht.
O, das gräßliche Lachen des Golds.

Aber stille blutet in dunkler Höhle stummere Menschheit,
Fügt aus harten Metallen das erlösende Haupt.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Trakl, Georg
Titel: An die Verstummten
Thema: Stadt
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1913
Zeilen: 11
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Rezensent/in: Laura Beck
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht „An die Verstummten“ verfasste Georg Trakl im Jahre 1913. Georg Trakl wurde 1887 in Salzburg ins gehobene Bürgertum hinein geboren. Er war einer der bedeutetsten Dichter des deutschsprachigen Impressionismus und später auch des Expressionismus. Während des 1.Weltkrieges half er in einem Lazarett, konnte mit den Eindrücken dort jedoch nur schwer umgehen. Nach einem Nervenzusammenbruch starb Georg Trakl 1914 in einem Krakauer Krankenhaus an einer Überdosis Kokain.
„An die Verstummten“ kann dem deutschsprachigen Expressionismus zugeordnet werden. Diese Stilrichtung stützt sich auf das Hässliche dieser Welt. Es wurden vor allem die Grässlichkeiten der Stadt, des Geldes und der Menschen in den Vordergrund gehoben.
Die 11 Zeilen des Gedichtes sind in drei Versen zu 5, 4 und 2 Zeilen angeordnet. Ein Versmass, sowie ein Reimschema ist nicht ersichtlich. Die Interjektion „O“ wird in Zeile 1, 5, und 9 wiederholt.
George Trakl verurteilt in diesem Gedicht die Stadt und ihre Auswirkungen auf die Menschen und die Natur. Die „verkrüppelten Bäume“ (Z.2) „an schwarzer Mauer“ (Z.2) deuten auf die Umweltverschmutzung durch die Fabriken hin. Das Gedicht weist auf die Nachteile des Materialismus, bzw. des Geldes hin. Diverse Begriffe unterstürzen diese These. „Hure“ (Z.6) ist ein Symbol für die Käuflichkeit, die „purpurne[n] Seuchen“ (Z.8) sind eine Andeutung auf die Kirche und den Geldwert und „Hunger“ (Z.8) verdeutlicht die Wichtigkeit des Geldes fürs Überleben. Auch das „Lachen des Goldes“ (Z.10), bzw. des Geldes, als die „grünen Augen“ (Z.9), symbolisch für die Hoffnung, zerbrechen, deutet auf diese These hin. Der Titel unterstützt diese Annahme, da er sich auf die Machtlosigkeit und Schwäche, durch Krankheit und Hunger verursacht, der somit verstummten Stadtbewohner bezieht.
Das Gedicht ist sehr eindrücklich und beschreibt die Situation in der Stadt sehr plastisch. Wenn man dieses Gedicht liest, sieht man die verunreinigten Strassen einer Grossstadt, wo Prostituierte und seuchenkranke Menschen herumwandern und an Hunger leiden.

Verfasser/in hinauf

Laura Beck , Neue Kantonsschule Aarau (4a), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

Wikipedia
Purpur
Weitere Interpretation

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-- PascalFrey - 22 Apr 2007

-- LauraBeck - 11 May 2007