Georg Trakl (1887-1914): Verklärter Herbstl (1912)

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Gedichttext hinauf

AUTOR/IN
Gedichttitel

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Name, Vorname
Titel: Verklärter Herbst
Thema: Herbst
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: 1912
Zeilen: 12
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Rezensent/in: Andreas Meier
Schwierigkeit: leicht

Interpretation hinauf

Das Gedicht erschien 1912 in einem Gedichtband. Georg Trakl (1887-1914) wurde in Salzburg als Sohn eines Eisenhändlers geboren und hatte eine unglückliche, isolierte Kindheit, aus der sich ein Hang zum Depressiven entwickelte. Im Jahre 1904 fing er mit ersten Versuchen im Dichten an und 1905 beendete er die Schule, um ein Praktikum in einer Salzburger Apotheke zu beginnen. In dieser Zeit experimentierte er zum ersten Mal mit Rauschgiften. 1914 kam er als Militärapotheker in den Ersten Weltkrieg und erlebte die Schlacht bei Grodek, die ihn tief erschütterte. Wenig später starb er an einer, möglicherweise absichtlich eingenommenen, Überdosis Kokain.
Das Gedicht ist formal sehr streng in 4-hebige Jamben mit alternierender Kadenz gegliedert. Stilistisch ist auffallend, dass jede Zeile ein eigenes Bild darstellt. Die Sprache ist melodisch und vokalreich. Das Gedicht hat sehr wenige rhetorische Figuren, die vorhandenen werden eingesetzt, um den ruhigen, fliessenden Charakter des Gedichts zu unterstützen. Im Vergleich zu Trakls anderen Werken ist die Sprache sehr schlicht, wenn auch die einzelnen Bilder als Versatzstücke verwendet werden, inhaltlich finden sich aber keine grossen Unterschiede.
Das Gedicht weist verschiedene literaturgeschichtliche Einflüsse auf. Die kurzen, einzelnen Bilder sind expressionistisch, thematisch lehnt sich das Gedicht, mit seiner Sehnsucht und der vorhandenen Natur, an die Romantik an, ist von daher also neoromantisch.
Durch die Thematik des Gedichts, wie auch durch seinen Inhalt, lässt sich ein klarer Bezug zum Lebensende herstellen. Das Ende, also der Tod, ist allgegenwärtig in Trakls Gedicht, da die meisten Zeilen ein Ende zum Thema haben. In einigen anderen Zeilen ist das Ende nicht auf den ersten Blick zu erkennen, zum Beispiel beim Vogelzug oder dem Landmann, der mit „Es ist gut“ ausdrücken will, dass es abgeschlossen ist. Der starke Bezug zum Tod und dessen positive Darstellung, durch die schönen Vergleiche und den fröhlichen Rhythmus, ja die zum Ausdruck gebrachte Todessehnsucht, rühren vermutlicherweise von Trakls Jugend.
Ebenso präsent wie der Tod ist die Natur in diesem Gedicht. Sie ist der Gefährte des Einsamen, Georg Trakl, und stellt eine ewig beständige Grösse dar. Wie auch der Tod, wird die Natur als etwas sehr Positives, Troststiftendes angesehen.

Verfasser/in hinauf

Main.Vorname Name, Neue Kantonsschule Aarau (Abteilung), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:Wikipedia
  • Quelle 2: Walther Killy: "Ueber Georg Trakl", Vandenhoeck 1967

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