JOSEPH VON EICHENDORFF (1788-1857): Die blaue Blume (unbekannt)

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Gedichttext hinauf

JOSEPH VON EICHENDORFF
Die blaue Blume

Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.

Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au'n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.

Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut.

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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Eichendorff, Joseph von
Titel: Die blaue Blume
Thema: Sehnsucht
Gedichtform:  
Erscheinungsjahr: unbekannt
Zeilen: 12
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Rezensent/in: Désirée Häfeli
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

In „Die blaue Blume“ von Joseph von Eichendorff ist eine Person (lyrisches Ich) sehnsüchtig und verzweifelt auf der Suche nach der Vollendung seines Lebens. Das lyrische Ich tritt deutlich hervor und schildert dabei sein bisher erfolgloses Streben nach dem idealen Leben.

Von Eichendorff lebte von 1788 bis 1857 und gilt als bedeutender deutscher Lyriker der Romantik. „Die blaue Blume“ entstand wahrscheinlich ungefähr um 1810, vor dem Hintergrund seiner Studienzeit und einer Bildungsreise. Wie zahlreiche Gedichten aus seiner Hand weist „Die blaue Blume“ Merkmale eines Wanderlieds auf.

Die blaue Blume gilt als Sinnbild der Romantik. Sie verkörpert das Motiv der unbeschreiblichen Sehnsucht nach Liebe, innerer Einheit und Unendlichkeit, was wiederum zu Unerreichbarkeit führt. In von Eichendorffs Gedicht steht die blaue Blume metaphorisch für die Optimierung des Lebens, den Fund des Lebenssinnes und des grenzenlosen Glücks (V.4).

„Die blaue Blume“ besteht aus 3 Strophen, die je 4 Verse zählen. Diese sind 3-hebig, in (halben) Kreuzreimen gehalten und enden abwechselnd mit weiblicher und männlicher Kadenz. Es ist kein einheitliches Versmass auszumachen. Auffällig sind die zahlreichen Daktylen in der 1. und 2. Strophe, die dem Gedicht den „Wandercharakter“ geben. Sie wirken wie ein Rhythmusgeber und, genauso wie die Enjambements (V.3/4, 5/6, 7/8, 11/12), als Antrieb der Schritte des lyrischen Ichs auf der Suche nach der blauen Blume. Weiter ist das Gedicht von mehreren Anaphern (V.1/2, V.5/9, V.8/12), Alliterationen (blaue Blume) und Assonanzen (V.8/12 „au“) geprägt. Mit den Wiederholungen der Wörter „suche“, „(blaue) Blume“ und „wandre“ hebt das lyrische Ich das eigentlich einzige und deshalb zentrale Thema stark hervor.

In der 1. Strophe teilt das lyrische Ich dem Leser mit, dass es sich auf der für ihn essentiellen, jedoch erfolglosen Suche nach der blauen Blume befindet. Man erfährt auch gleich, weshalb das lyrische Ich diese Blume unbedingt finden will: Es glaubt in ihr sein ganzes Glück. Die 2. Strophe ist eine Schilderung der idyllischen Landschaft, die während der Suche neben dem lyrischen Ich vorbeizieht. Es durchstöbert dabei noch hoffnungsvoll und zuversichtlich jeden Winkel der Natur, um die sehnsüchtig herbeigewünschte Blume zu entdecken. In der letzten Strophe kommt es schliesslich zur Ernüchterung. Das lyrische Ich ist nach langer und trotzdem vergeblicher Suche entmutigt und wird wehmütig; es hat kaum mehr Geduld und Vertrauen. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Weg zum vollendeten Leben ein sehr schwieriger, wenn nicht sogar unmöglicher ist.

Verfasser/in hinauf

Désirée Häfeli, Neue Kantonsschule Aarau (4A), hat drei weitere Favoriten:

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