Wilhelm Busch (1832-1908): Bewaffneter Friede (1900)

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Gedichttext hinauf

Bewaffneter Friede
Wilhelm Busch

Ganz unverhofft, an einem Hügel,
Sind sich begegnet Fuchs und Igel.
"Halt", rief der Fuchs, "du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
Der immer noch gerüstet geht?-
Im Namen seiner Majestät,
Geh her und übergib dein Fell!"
Der Igel sprach: "Nur nicht so schnell!
Laß dir erst deine Zähne brechen,
Dann wollen wir uns weitersprechen."
Und allsogleich macht er sich rund,
Schließt seinen dichten Stachelbund
Und trotzt getrost der ganzen Welt,
Bewaffnet, doch als Friedensheld.

Quelle:
[Deutsche Lyrik - Eine Anthologie, herausgegeben von Hanspeter Brode]

Vorgelesen:
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Kurzinformation hinauf

Autor/in: Busch, Wilhelm
Titel: Bewaffneter Friede
Thema: Krieg
Gedichtform: Ballade und Fabel
Erscheinungsjahr: 1900
Zeilen: 16
Link:  
Rezensent/in: FabienneOertig
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Bei diesem Gedicht handelt es sich um die Fabel von Wilhelm Busch (1832-1908). Entstanden ist sie 1900 im „bürgerlichen Realismus“, eine Epoche, die die Realität poetisierte und nur das Schöne und Erbauliche darstellte. Geschichtlich befindet sich dieses Gedicht in der Zeit des Wettrüsten im Wilhelminischen Zeitalter vor dem ersten Weltkrieg. Die Fabel wird als belehrendes Stilmittel eingesetzt.

Das Gedicht behandelt die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, somit das Wettrüsten der Grossmächte in Europa. Ein versteckter Sprecher erzählt über das Zusammentreffen zweier Tiere, dem Fuchs und dem Igel. Der Fuchs versucht den Igel zu betören und ihn zu überlisten. Der gewitzte Igel fällt aber nicht auf diese Falle herein und entgeht dem Fuchs mit seinem Stachelkleid als bewaffneter Friedensheld.

Die Sprache und Form ist sehr schlicht und einfach gehalten. Das Gedicht folgt einem strengen Metrum, einem vierfüssigen Jambus, der in den Zeilen 1,2,5,6,11,12 weibliche Kadenzen aufweisst. Es enthält einen einfachen Paarreim, wobei das ganze Gedicht aus reinen Endreimen besteht. Die wichtigste rhetorische Figur ist die Personifikation. Der Fuchs und der Igel repräsentieren die europäischen Grossmächte im Wilhelminischen Zeitalter.

Zur Zeit des Wilhelm II (Kaiser in Deutschland) herrschte ein Wettkampf im Aufrüsten der Kriegsflotten der Grossmächte. Deutschland bemühte sich ihre Wasserflotte aufzurüsten, was die anderen Grossmächte beunruhigte. Der Fuchs und der Igel können beide als Vertreter Deutschlands und der europäischen Grossmächte gesehen werden, die sich gegenseitig versuchen auszustechen. Mit dem „Majestät“ in Zeile 8 oder dem „König“ in Zeile 4 wird explizit eine Grossmacht angesprochen. Das Gedicht spricht in einer klaren Form über Misstrauen und List. Die Lehre daraus besagt, dass man dem Krieg trotzen kann, denn vielfach versteckt sich hinter einer guten Sache trotzdem etwas schlechtes.

Verfasser/in hinauf

Fabienne Oertig, Neue Kantonsschule Aarau (4c), hat drei weitere Favoriten:

Quellen & Links hinauf

  • Quelle 1:
  • Quelle 2:
  • Quelle 3:

-- FabienneOertig - 27 Oct 2006