Philipp von Zesen (1619-1689): Ach, was wollt ihr trüben Sinnen (um 1660)

Gedicht | Kurzinformation | Interpretation | Verfasser/in | Quellen | LEXIKON

Gedichttext hinauf

Philipp von Zesen
Ach, was wollt ihr trüben Sinnen

Ach, was wollt ihr trüben Sinnen
Doch beginnen!
Traurigkeit hebt keine Not,
Es verzehret nur die Herzen,
Nicht die Schmerzen,
Und ist ärger als der Tod.

Auf, o Seele! du musst lernen,
Ohne Sternen,
Wenn das Wetter tobt und bricht
Wenn der Nächte schwarze Decken
Uns erschrecken,
Dir zu sein dein eigen Licht.

Quelle:
hier

Vorgelesen:
keine Aufnahme
Kurzinformation hinauf

Autor/in: Zesen, Philipp von
Titel: Ach, was wollt ihr trüben Sinnen
Thema: Hoffung
Erscheinungsjahr: um 1660
Zeilen: 12
Link: hier
Rezensent/in: Andrea Adamer
Schwierigkeit: mittelschwer

Interpretation hinauf

Das Gedicht „Ach, was wollt ihr trüben Sinne“ wurde vom deutschen Dichter Philip von Zesen (1619-1689) verfasst. Über das genaue Entstehungsdatum des Gedichts ist wenig bekannt. Dies war aber während der Zeit des Barocks in Deutschland und des Dreissigjährigen Krieges, der das Land zerstörte und auch nach seinem Ende den Menschen noch viel Leid zufügte. Viele Dichter dieser Zeit befassten sich mit der Verarbeitung dieses Krieges. So auch Philipp von Zesen. Das lyrische-Ich in diesem Gedicht schildert die verzweifelte Lage („ach, was wollt ihr trüben Sinnen“ wiederholt im Titel und ersten Vers), in der man sich befindet. Auch appelliert sie an alle hoffnungslosen Seelen, nicht vollends zu verzweifeln und sich nicht selbst durch ihren Kummer zu zerstören. Sie sollen ihr eigenes Licht in der Dunkelheit sein und sich selbst den Weg weisen. Das Gedicht besteht aus zwei gleich aufgebauten Strophen mit je sechs Versen. Der Trochäus mit vier oder zwei Hebungen bringt die hoffnungslose Situation, in der sich viele Leute befanden, noch mehr zum Ausdruck. Man erkennt auch, dass sich das Hebungsschema mit 4, 2, 4 Hebungen immer wiederholt. Das Gedicht besteht aus vielen Ausrufsätzen, so wird noch deutlicher, dass das lyrische-Ich die anderen auffordert, an sich zu glauben. Man kann das Gedicht sehr schnell als Appell an die Bevölkerung deuten. Sie soll sich aufrappeln und auch in den schlimmsten Momenten („wenn das Wetter tobt“) an sich glauben und sich ermutigen („dir zu sein dein eigen Licht“). Sie soll ihr eigener Fels in der Brandung sein, der ihr auch in der grössten Verzweiflung Halt gibt. Das lyrische-Ich weiss genau, wie man sich in einer solchen Situation fühlt. In der ersten Strophe schildert sie sehr detailliert, wie es einem ergeht. Jedoch bleibt der eigentliche Auslöser für die verzweifelte Lage beim Lesen des Textes nicht ersichtlich, was zu verschiedenen möglichen Annahmen führt. Die wichtigen Themen dieses Gedichts sind die Verzweiflung und die hoffnungslose Situation, aber auch der Appell und die Ermutigung, die Hoffnung nicht zu verlieren und an sich selbst zu glauben, gehören dazu. Allgemein kann man sagen, dass es nicht sehr schwierig ist, die Aussage des Gedichts zu erkennen. Jedoch braucht es Hintergrundinformationen, um eine Ahnung zu erhalten, weshalb diese Personen sich in einer solchen verzweifelten Lage befanden.

Verfasser/in hinauf

Andrea Adamer, Neue Kantonsschule Aarau (4B), hat einen weiteren Favoriten:

Quellen & Links hinauf

-- AndreaAdamer - 25. Oktober 2007