Was kann die Philosophie zur Lösung des Leib-Seele-Problems beitragen?

Erläuterung der Frage

Die Erforschung des Zusammenspiels von Hirn und Bewusstsein - grob gesagt - liegt heute in den Händen der sogenannten Neurowissenschaften. Diese Forschung erzielte im letzten Jahrzehnt spektakuläre Erkenntnisse (z.B. ...). Dadurch angespornt oder verleitet äussern sich Neurowissenschaftler heute öffentlich zu Themen wie Didaktik, Strafrecht, Willensfreiheit oder Religion. Sie wenden ihre Erkenntnisse gewissermassen als Schlüssel zur Erklärung sozialer und kultureller Phänomene, die mit ihrem Fachbereich im engeren Sinne nichts zu tun hat. Diese Tendenz, die eigene Wissenschaft, wenn sie erfolgreich ist, zur Leitwissenschaft machen zu wollen, d.h. eigentlich, sich selber als ausgezeichnete Methode der Weltdeutung zu etablieren, ist in der Geschichte der Wissenschaft immer wieder zu beobachten. Sie zeigt sich z.B. in der Physik, der analytischen Psychologie, der Soziologie, der Ethnologie... Was hat nun aber die Philosophie damit zu tun?
  • Sie ist einerseits der Ort, an dem die Frage nach dem Zusammenhang von Leib und Seele bzw. Hirn und Geist zunächst verhandelt wurde. Klassische Positionen, die ihrer Struktur nach immer noch eine Rolle spielen wurden im 17./18. Jahrhhundert formuliert (Descartes, La Mettrie).
  • Sie ist nach wie vor die erste Adresse für Fragen der Freiheit, z.B. Willensfreiheit.
  • Ihr analytisches Instrumentarium ermöglich es ihr, Ansprüche und Argumente anderer Wissenschaften kritisch zu prüfen, stillschweigende Voraussetzungen aufzudecken.
... Die Philosophie wird also das Leib-Seele-Problem nicht lösen, aber sie kann prüfen, wie weit die Deutungsansprüche verschiedener Neurowissenschaftler (Roth, Spitzer) tragen. Sie kann konkret ein Argumentarium gegen irregeleitete Reduktionismen formulieren.

Vorwissen

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-- DominiqueBurger - 07 Mar 2005

Finde ich sehr interessant. Ich hatte zuletzt (vor einigen Jahren) nicht das Gefühl, dass die Neurowissenschaften etwas brauchbares beisteuern können. Hast du Beispiele dafür? -- HelmutLeitner

Mein Interesse hier ist ein anderes. Aber ich halte die Erkenntnisse, die man über Anatomie und Physiologie des Gehirns gewonnen hat, schon für beachtlich. In Angelsachsen dürfte es noch man Weiteres geben.

- DB