Manuela Mauchle

11 Sep 2005 - 14:31 | Version 48 |


NachttextentwicklungManuela

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11.09.05

Interpretation von Ilse Aichingers ‚Knöpfe’

Erste Lese- und Hörerfahrung: Das Stück ist dunkel-geheimnisvoll und erinnert in gewisser Weise an einen Horrorfilm (weil Menschen in Knöpfe verarbeitet werden à Übelkeit erregende Vorstellung). Es hat viel mit dem zweiten Weltkrieg zu tun, der mir persönlich langsam etwas zum Hals raushängt. Die Hörerfahrung hat mein inneres Auge mehr angeregt als der blosse Text. Im Ganzen hat mir das Stück nicht so gefallen. Der Text ist zwar gut und lässt auch zum Nachdenken anregen, aber mich persönlich hat er nicht angesprochen, ich mag halt andere Texte lieber.

Verstehenshorizont: Ich habe keinen Krieg und auch keine Nachkriegszeit erlebt. Wenn wir in der heutigen Zeit keine Stelle bekommen, erhalten wir Arbeitslosengeld, diese Leute im Text nicht. Ich gehe zurzeit auch noch zur Schule und suche noch keine Arbeit, aber diejenigen, die im Moment eine Arbeitsstelle suchen haben es auch nicht leicht, wie John im Text. Zwar hat sich der Arbeitsmarkt etwas erholt, aber er ist immer noch nicht so super. Ich kann deshalb die Situation von John gut nachempfinden. Mit der Hauptperson habe ich gemeinsam, dass auch ich weiblich bin, und dass ich selber denke. Ich würde mal behaupten, dass auch ich, wenn ich unter Druck gestellt werde, aufhöre zu denken.

Beschreibung: Die Hauptperson der Geschichte arbeitet gezwungenermassen in einer Fabrik, in der Knöpfe hergestellt werden. Dort ist ein seltsames Geräusch hinter der Wand, das vermutlich mit dem Herstellungsprozess der Knöpfe zusammenhängt. Die Arbeiterinnen sind mehr und mehr von der Fabrik und den Knöpfen abhängig. Wenn sie verschwinden, entsteht ein neuer Knopf mit ihrem Namen à Menschen werden zu Knöpfen verarbeitet!

Die Szenen sind meistens recht kurz. Etwa ein bis zwei Seiten. Die Dialoge werden meistens von zwei Personen geführt, ab und zu auch von drei. Die Sprache ist in einem normalen Hochdeutsch geschrieben. Genau so, wie wenn zwei Mensch miteinander reden würden.

Deutungsansätze: Historisch: Die Geschichte spielt sich in der Nachkriegszeit ab. In dieser Zeit erholt sicher der Arbeitsmarkt und viele Menschen hoffen auf eine Arbeit. Die Leute beginnen wieder zu hoffen und neuen Mut zu schöpfen. Auch begannen da die Leute sich sehr für Amerika und England zu interessieren, da diese Länder die ‚Befreier’ waren. Alle wollten sich an ihnen orientieren, das könnte auch der Grund dafür sein, das sich das Stück in England und nicht in Österreich abspielt. Feministisch: Eigentlich haben die Frauen und Männer in diesem Text die gleichen Rechte, jedoch nutzen eindeutig die Männer ihre Macht. Sie sagen was die Frauen zu tun haben und kommandieren sie auch herum. Die meisten Frauen(Rosie und Jean) sind auch von den Männern(Bill und Jack) abhängig, aber irgendwie wollen sie gar nicht selber denken und für sich die Verantwortung übernehmen, sie sind froh, dass es jemand anderes macht. Was aber zeigt, das die Frauen doch etwas Macht haben, ist die Tatsache, dass die Hauptperson eine Frau ist und sich auch versucht gegen die Männer zu wehren und nicht von ihnen abhängig zu werden.

Literaturgeschichtlich: Es ist Nachkriegszeit und der Krieg sitzt vielen Menschen noch in den Knochen, er wird auch noch lange in den Köpfen der Menschen festsitzen. Ich behaupte mal, dass manche Menschen damit fertig werden, indem sie darüber schreiben. Vor allem in dieser Zeit werden viele Texte zur Kriegszeit verfasst.

Wertung: Der Text hat einen gewissen Gegenwartsbezug, weil auch in unserer Zeit viele Menschen ohne Arbeit sind und auf eine hoffen. Er hat mich auch zum Nachdenken angeregt, nämlich was es bringt, wenn man selbst denkt. Man kann damit Menschen ihren Plan vereiteln, aber auch grossartiges leisten. Die Autorin hat sehr direkt gezeigt, dass es wichtig ist selber zu denken und auch selber zu handeln und nicht einfach das zu tun, was andere einem vorsagen, denn dann läuft man in sein verderben.

Ich würde mal sagen der Text ist typisch für diese Zeit, denn nach dem Krieg wollten die Leute mit dem schrecklichen Erlebnis irgendwie fertig werden und dafür gibt es zwei Möglichkeiten, nämlich darüber zu schreiben oder es zu verdrängen. Nach meiner Meinung ist der Text typisch für die Autorin, da sie denn Krieg selbst erlebt hat und das als Halbjüdin auch noch auf die schrecklichere Weise. Sie schrieb viel über denn Krieg. Die Geschichte spielt in England ab und nicht in Deutschland oder Österreich wie die Hörspiele, die wir vorher gehört haben. Die Sprache, die Aichinger verwendet hat ist eher konventionell. Es ist die Sprache, die man untereinander redet. Nicht gerade Gassensprache, sondern ein normales Hochdeutsch.