ProbeSchreibtestMartin

Piano-Mann

23 Jun 2006 - 10:49 | Version 12 |

1. Innerer Monolog " Kein Ausweg"

Ich will nicht mehr. So kann ich nicht mehr weiterleben. Ich habe meine Arbeit verloren. Ich bin eine Schande für meine Familie. Mein Vater würde sich für mich schämen, wenn er hören würde, dass ich meinen Job verloren habe. Wie soll es jetzt weiter gehen? Zurück nach Hause? Nein, ich will nicht. Auswandern? Und woher soll ich das Geld nehmen? Ich glaube die einzige Möglichkeit die mir noch offen steht, ist mich selbst umzubringen. Wie? Mit Tabletten? Von einer Brücke? Vor den Zug? Gibt es denn wirklich keinen anderen Ausweg? Kann ich nicht einfach irgendwo neu anfangen? Irgendwo, wo mich niemand kennt, nicht mich, aber auch nicht meine Vergangenheit. Kann ich nicht nach England? Ich könnte doch einfach irgendwo in einer englischen Stadt an einem Morgen aufwachen und niemand würde mich dort kennen. Aber was soll ich dann da? Ohne Englisch... Soll ich dort wieder anfangen zu arbeiten? Wozu? Um dann wieder gefeuert zu werden? Kann ich nicht einfach ein sorgenfreies Leben führen? Ich glaube das geht nicht, der einzige Weg ist das Ende meines Lebens. Aber wie? Welches ist der schmerzloseste Tod? Von einer Brücke, das geht am schnellsten... Und wo? Irgendwo ins Wasser. Vielleicht wäre das ein guter Abschluss, mein Leben dort zu beenden, wohin ich mich schon immer sehnte...

2. Erlebte Rede "Kein Ausweg"

Er wollte nicht mehr. So konnte er nicht mehr weiterleben. Er hatte seine Arbeit verloren. Er war eine Schande für seine Familie. Sein Vater hätte sich für ihn geschämt, wenn er gehört hätte, dass er seinen Job verloren hatte. Wie sollte es jetzt weiter gehen? Zurück nach Hause? Nein, er wollte nicht. Auswandern? Und woher sollte er das Geld nehmen? Er glaubte die einzige Möglichkeit, die ihm noch offen stand, was sich selbst umzubringen. Wie? Mit Tabletten? Von einer Brücke? Vor den Zug? Gab es denn wirklich keinen anderen Ausweg? Konnte er nicht einfach irgendwo neu anfangen? Irgendwo, wo ihn niemand kennen würde, nicht ihn, aber auch nicht seine Vergangenheit. Konnte er nicht nach England? Er konnte doch einfach irgendwo in einer englischen Stadt an einem Morgen aufwachen und niemand hätte ihn dort gekannt. Aber was sollte er dann da? Ohne Englisch... Sollte er dort wieder anfangen zu arbeiten? Wozu? Um dann wieder gefeuert zu werden? Konnte er nicht einfach ein sorgenfreies Leben führen? Er glaubte das geht nicht, der einzige Weg war das Ende seines Lebens. Aber wie? Welches war der schmerzloseste Tod? Von einer Brücke, das ging am schnellsten. Und wo? Irgendwo ins Wasser. Vielleicht wäre das ein guter Abschluss gewesen, sein Leben dort zu beenden, wohin er sich schon immer sehnte...

3. Auktoriales Erzählen "Kein Ausweg"

Es war ein frischer Sommermorgen, die ersten Sonnenstrahlen finden den Weg in die Augen von Andreas. Nichts wünscht er sich jetzt sehnlicher, als die Zeit zurück drehen zu können. Er verlor gestern Abend seine Arbeit in einem Pariser Restaurant. Die Beziehung mit seiner Freundin Julia läuft auch nicht mehr so gut wie früher einmal. Sein Leben war aus seiner Sicht nicht mehr lebenswert. Seine Familie wird ihn verachten, wenn er nach Hause zurückgeht. Es gibt keinen Ausweg. Er kann sich nur das Leben nehmen. Alles andere bringt ihn nicht weiter. Er liegt auf einem Steg, die eine Hand im Meer hängend. Er stellt sich vor, wie es wäre, wenn er reich und berühmt wäre, wenn er ein sorgloses Leben führen könnte. Ein Mann kommt auf den Steg, wirft die Angelrute aus und setzt sich neben Andreas. Der Stumme, der sich einmal das Leben nehmen wird, mag es nicht, wenn sich ein Fremder neben ihn setzt und erst recht nicht in diesem Moment. In einem Moment voller Trauer und Unglückseligkeit. Beide schweigen - niemand sieht dem Anderen in die Augen. Der Fischer fragte sich was Andreas hier wohl macht. "Vielleicht hat er getrunken?!", dachte er. Nein Andreas hatte nicht gesoffen, und wenn doch dann nur sein Selbstmitleid. "What are you thinking about?". Der Piano-Mann verstand nicht recht. "I kant schpik inglisch.", erwiderte er und klag dabei wie ein kleines Balg. Erkonnte es schon, das Englisch, er war aber nicht scharf drauf, einem wildfremden Mann sein Leben zu öfffnen. Andreas stand auf, nahm seine Jacke, winkte dem Fischer und verschwand aus Sicht des Anglers hinter dem nächsten Haus.


_Sprachlich sicher und rhythmisch durch die Fragen recht abwechslungsreich. Der Innensicht noch mehr Aussensicht beimischen: Gedanken entstehen nicht im luftleeren Raum, das Bewusstsein misch ständig innen und aussen. Als Gedankenbewegung aber in sich schlüssig._


MartinMichel - 01 Sep 2005