Ist Gott tot?

21 Apr 2005 - 17:45 | Version 13 |
Nach einer Textanalyse von Nietzsches "Die fröhliche Wissenschaft"
Zu klären:
  • Nihilismus von Nietzsche
  • Aktueller Bezug (in Essay) ist Gott immer noch tot?
  • mit Kant vergleichen --> Kritik der reinen Vernunft (These und Antithese für den Beweis eines Gottesdaseins)
  • Bezug zum Theodizeeproblem oder Abgrenzung (Einführung)
  • Vergleich mit Religionswissenschaft (EF) --> moderne Religionen, wobei Mensch die Freiheit und Verantwortung hat, eigene Religion/Glauben zu wählen
  • Ursprung, dass Gott tot ist in Reformation? --> Beginn des Individualismus, da man keinen Priester mehr braucht, um direkt zu Gott zu beten. Jeder kann es selber tun.
  • Ausblick: Religionskritik bei S.Bischof (EF)
  • Ansatz Bonhoeffers bei Nieztsche? --> Gott als Leben und nicht als Ideal (Jesus Christus)

Nihilismus

(Aus: Brockhaus Philosophielexikon)
Der Nihilismus bezeichnet allgemein jeden Standpunkt, der auf der absoluten Verneinung bestehender Glaubenssätze, der Möglichkeit allgemein gültiger Erkenntnis, sozialer und politischer Verhältnisse oder einer Wertordnung beruht. Der Begriff Nihilismus wurde erst durch Friedrich Heinrich Jacobi im Rahmen seiner Kritik idealistischer Positionen in die philosophische Diskussion eingeführt. Zu einem allgemein verbreiteten Ausdruck wurde Nihilismus erst durch den Roman "Väter und Söhne" (1861) des russischen Schriftstellers Iwan Turgenjew. Er wendete ihn in einem politischen Sinn auf die russischen Revolutionäre an, die sich als Anarchisten sahen. Eine umfassende nihilistische Deutung der gesamten abendländischen Philosophiegeschichte legte als erster Friedrich Nietzsche vor. Sowohl bei Platon als auch im Christentum besteht ihm zufolge ein Dualismus, da der "wahren" Welt der Ideen, die ewig und unveränderlich ist, die "scheinbare" Welt des Werdens und der Vergänglichkeit gegenübergestellt wird. So interpretiert Nietzsche die Geschichte des Abendlandes als eine Verfallsgeschichte, eine Bewegung der Dekadenz, in der die ursprünglichen unabhängig vom Menschen gedachten Werte ihre Geltung und Gültigkeit verlieren. Nihilismus bezeichnet damit zum einen die Entwertung der bisherigen obersten Werte und schloss zum anderen die "Umwertung aller bisherigen Werte" ein. Nietzsches Deutung des Nihilismus übte seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine grosse Wirkung aus, v.a. auf den literarischen Expressionismus.

Existenzphilosophische Deutung
In der Existenzphilosophie untersuchte Karl Jaspers den Nihilismus und legte Versuche seiner Aufhebung vor. Jaspers zufolge ist der Nihilismus neben der "Dämonologie" und der "Menschenvergötterung" eine Gestalt der "Unphilosophie", nämlich die der "offenen Glaubenslosigkeit".

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Geboren am 15.10.1844 in Röcken bei Lützen, als Sohn eines lutherischen Pfarrers. Er studierte zunächst in Bonn Theologie und alte Sprachen. Ein Jahr später ging er nach Leipzig und erhielt 1869 eine Professur für klassische Philologie in Basel. Unter seinen Bekanntschaften war vorallem die Begegnung mit Richard Wagner bedeutsam. Die zunächst enge Freundschaft schlug dann aber bald in tiefe Abneigung und schliesslich in Gegnerschaft um. Ab 1871 verschlechterte sich Nietzsches Gesundheitszustand und 1879 war er gezwungen sein Lehramt in Basel aufzugeben. Die folgenden 10 Jahre lebte er als freier Philosoph. Sein Gesundheitszustand (vorallem seelischer Natur) verschlechterte sich jedoch weiter und endete schliesslich in seinem Tod am 25.8.1900 in Weimar. Seine Philosophie lässt sich grob in drei Schaffensperioden einteilen:
1. Phase: Nietzsche steht völlig unter dem Einfluss von Arthur Schopenhauer und Wagner. Er stellt sich kritisch gegen seine Zeit und seine Zeitgenossen, um auf diese Einfluss zu nehmen und zugunsten einer kommenden Zeit zu wirken. Er wendet sich gegen den bürgerlichen Bildungsbegriff.
2. Phase: Nietzsche befreit sich von seinen Vorbildern und wird zu einem scharfen Kritiker der traditionellen Moral. Er versucht in dieser Zeit die Selbsttäuschung aufzudecken, denen menschliche Wertungsweisen und Schätzungen unterliegen. Er erweist sich jetzt als Wortführer des Nihilismus. In der gesamten abendländischen Philosophie sieht er die Entwertung der höchsten Werte wirksam, dabei bringt er den Nihilismus auf die Formel: "Gott ist tot!"
3. Phase: Nietzsche legt den konstruktiven Teil seiner Philosophie dar ("Also sprach Zarathustra"). Er verweist in der Überwindung Gottes auf den Übermenschen --> Umwertung aller Werte

TextErschliessung

Die Religionskritik von Friedrich Nietzsche

Platon ist für Nietzsche das grösste Unglück in der Geschichte Europas. Dank Platon hatten wir nämlich eine Welt hinter der Welt konstruiert. Jetzt wurde zwischen Ideenwelt und Erscheinungswelt unterschieden - man glaubte eine höhere metaphysische Welt hinter der des Alltags. Diese Hinterwelt ist jedoch nach Nietzsche eine Illusion, eine Projektion des Menschen, durch die er sich aus seiner Welt, seinen Aufgaben und seinem Alltag flüchtet. Um unsere niederen Triebe zu verdecken haben wir diese Illusion geschaffen - die Idee des Guten um unsere Schlechtheit, die Idee des Wahren um unsere Lügen und die Idee des Schönen um unsere Hässlichkeit zu verdecken. Diese Ideen haben keinerlei Wirklichkeit ausserhalb des Wünschens der Menschen. Gott steht symbolisch für diese Hinterwelt (ist Teil von ihr) und ist wie sie nur eine Illusion. Der Mensch kann also nur frei (von Illusionen) sein, wenn eben jener Gott tot ist. Denn mit dem Tod Gottes fällt alles: der Glaube an eine vergöttlichte Natur, an eine letzte Ordnung, eine Zweckhaftigkeit, eine Zielgerichtetheit, eine Vernünftigkeit. Es entfällt jede Ethik, die zwischen Gut und Böse unterscheiden will. Die Folge eines Tod Gottes ist der Nihilismus: Der Zusammenbruch aller Werte und Wahrheit.

Friedrich Nietzsche (1844-1900):
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Gedankenexperiment zu Nietzsche
Nietzsche's Einstellung ist mir mehr als einleuchtend. Im Laufe der Zeit hat der religiöse Mensch gewisse Entwicklungen durchschreiten müssen. Aus der primitiven Religion über die archaische und historische Religion befinden wir uns jetzt in Europa im Zeitalter der frühmodernen und modernen Religion. Während religiöse Symbolsysteme, religiöses Handeln und religiöse Organisation früher stark von der Kirche und der Geistlichkeit dominiert waren, sind wir jetzt gefordert, unseren eigenen Symbolismus zu finden. An was wollen wir glauben? Wollen wir überhaupt glauben? Dem Menschen ist die absolute Freiheit gegeben. Für den religiösen Menschen findet die Religion nicht mehr in der Kirche statt, sondern im Leben. Auf der Suche nach unserem eigenen Glauben stossen wir häufig auf andere Lebensweisen und nicht unbedingt andere Religionen. Doch ist eine Lebensweise nicht auch eine Religion?
Nietzsche hat eine Erklärung für diese Veränderungen gefunden. Er hat erkannt, dass der Gott, den die Kirche darstellte, nur ein Ideal ist und nicht real. Nach Platon's Vorstellung ist damit Gott eigentlich nur eine Illusion und eine reine Projektion der Menschen.

Religionsgeschichte.doc: Religionsgeschichte

Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft

"Die Erkenntnis richtet sich nicht nach den Gegenständen, sondern die Gegenstände nach der Erkenntnis"
Im transzendentalen Idealismus versucht Kant rationale Erkenntnis mit der empirischen (mit den Sinnen) Erkenntnis zu verbinden, da nach Kant die Erkenntnis auf Erfahrung (empirisch) sowie auf Denken (rational) beruht. Wie jedoch müssen diese beiden Aspekte der Erkenntnis zusammenwirken, um eben jene zu gewinnen?
Seine Transzendentalphilosophie beschäftigt sich nicht mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart der Gegenstände. Danach richtet die Erkenntnis sich nicht nach den Gegenständen, sondern die Gegenstände nach der Erkenntnis. Quellen der Erkenntnis sind dabei die Anschauung (empirisch), die (Verstandes-) Begriffe und die Ideen. Die Ideen sind gleichzeitig bei Kant die letzte Instanz mit der die Vernunft arbeitet. Ideen sind Vernunftbegriffe von etwas Unbedingtem, Ganzen, z.B. Gott, Freiheit, Seele, etc, die die durch Verstandesbegriffe (Kategorien) gewonnenen Erkenntnisse einordnen.

Gott bei Kant

Kant hat in 4 Thesen und ihren Antithesen die Widersprüche dargestellt, die aus den Scheinbeweisen für eine Erklärung der Welt entstanden sind. Eine dieser Thesen und ihre Antithese lautet: Es gibt als Teil oder Ursache der Welt ein notwendiges Wesen und es existiert nicht.
Dieses Ideal der reinen Vernunft, das Kant zu beweisen und zu widerlegen versucht, ist Gott. Seine Widerlegung beruht dabei auf dem Nachweis, dass dieses Objekt (notwendiges Wesen) niemals auf Erfahrung gründen kann. Somit ist das höchste Wesen ebenso unbeweisbar wie unwiderlegbar.

Der4.AntinomiederreinenVernunft.doc: These und Antithese für den Beweis eines höchsten Wesens

Immanuel Kant (1724-1804):
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Gedankenexperiment zu Kant

Aus der heutigen Sicht, trifft Kant's Ansatz zu: Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die heutige Wissenschaft herausgeformt. Als Wissenschaften werden nur noch bezeichnet, welche experiementierbar wiederholbar sind. Theologie schnitt dabei besonders schlecht ab. Die Theologen hatten nämlich plötzlich ein gewaltiges Problem: Die Wunder, die Jesus Christus vollbracht hatte, waren experiementierbar nicht wiederholbar und damit war die Theologie keine Wissenschaft mehr. Auch Kant's Ansatz handelt davon. Gott ist nicht beweisbar und damit auch nicht annehmbar (als Wissenschaft). Das könnte aber auch bedeuten, dass der Mensch Gott nicht metaphysisch betrachten, sondern Gott einfach leben sollte. Wie schon bei Nietzsche, der Gott als Ideal und damit als Illusion darstellt, besagt Kant's These, dass Gott für die Menschen im Grunde unerreichbar und unerforschbar bleibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass man ihn nicht in sein Leben einbeziehen darf.

Nietzsche und Kant im Vergleich bezüglich Gott und Religion

  • beide im Vergleich zu Platon --> Ideen
  • Ursache für Gottesglauben --> Warum braucht der Mensch einen Gott und braucht er überhaupt einen?

Funktion von Gott
  • Gott als Einschränkung/Behinderung zur Entfaltung des Menschen (Nietzsche)
  • und bei Kant? --> Gott als Zweck zur Entfaltung
  • teleologische (zweckgerichtete) Natur (Kant)

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