MyriamsBurgtheater

MyriamsHoerspiel

MyriamsInterpretation

Myriam Pelet


NachttextMyriam

Grundidee

Die Grundidee für meinen Text ist die folgende: Ich bin alleine mit dem Velo auf dem Nachhauseweg durch die Nacht und lasse mir diverse Gedanken durch den Kopf gehen. Mir ist etwas unheimlich, weil ich alleine bin und viele seltsame Geräusche höre. Ich erlebe die Nacht mit all ihren Facetten...

Textsorte: Klappentext

Form

  • kurz
  • gepflegte Ausdrucksweise

Inhalt

  • ohne Schluss
  • etwas über den Schriftsteller erzählen
  • gelungenes oder nicht gelungenes Buch
  • relevant
  • positive Schilderung des Buches
  • Fragen ohne Antworten aufwerfen

1. Mein Text als Klappentext

Eine simple Handlung, die sehr spannend von der jungen Newcomer-Autorin Myriam P. in der ich-Form geschildert wird. Die Geschichte handelt sich um eine Jugendliche, die sich in der Nacht alleine auf den Nachhauseweg begibt. Dabei wirkt die Nacht auf all ihre Sinne. Von wo her dringt dieses Geräusch, das wie ein Keuchen klingt? Wer verfolgt mich mit schnellem Schritt? Sie stellt sich viele Fragen, die ihre Angst stark zum Ausdruck bringt. Der Roman handelt sich um die Nacht und um die Gefühle, die im Dunkeln aufkommen. Die gelungene Erzählung lässt einen auf weitere Romane von der Autorin Myriam P. hoffen.

Reflexion

Es ist nicht leicht einen kurzen, jedoch nicht allzu kurzen Text zu schreiben. Der Text muss den Leser in den Bann ziehen, so dass er die Lust verspürt das Buch gleich zu verschlingen. In dem bin ich noch nicht geübt. Das Arbeiten am Computer ist einfacher, weil man ständig wieder vebessern kann ohne dass es dann ein Chaos gibt.

Textsorte: Gedicht

2. Mein Text als Gedicht

fahren das Velo alleine durch die Nacht

kalt der Wind seltsam die Geräusche

hell der Mond leer die Strassen

erschöpft mein Körper froh zu Hause

Reflexion

Wir haben in der Schule leider nie die Textsorte "Gedichte" genau angeschaut. Deshalb weiss ich auch nicht auf was man bei einem Gedicht achten muss.


Der Dieb auf leisen Pfoten

London. - Ein britischer Kater klaut wie ein Rabe und bringt damit seine Besitzerin in Schwierigkeiten. Frauchen Alin Daffin aus Taunton in Südwestengland macht sich nun nach einem Bericht der englischen Zeitung "Mirror" vom Freitag Sorgen, dass die Leute denken könnten, sie habe ihren Kater Tommy zum Stehlen erzogen. Offenbar hat Tommy einen guten Geschmack - in letzter Zeit ist er mit Schuhen, Designerkleidung und Brieftaschen nach Hause gekommen. Daffin glaubt, dass Tommy sich nachts durch die Klappe in der Haustür aus dem Staub macht und in fremde Häuser durch dort angebrachte Katzenklappen eindringt. "Am Anfang war es noch ganz lustig, aber dann wurden die Sachen immer wertvoller", sagte Daffin. Bisher hat es die Katzenliebhaberin dem "Mirror" zufolge noch nicht geschafft, die Besitzer der mittlerweile 50 Gegenstände ausfindig zu machen. (Reuters/Tagesanzeiger 09.10.99)

Textversion als Inserat
Gesucht! Seit gestern (zwischen etwa 15.00 und 17.40 Uhr) vermisst Herr van den Flühen, wohnhaft im südlichen Teil Londons, seine überaus preiswerten Strümpfe. Er hat sie bei einer Auktion in Paris ersteigert. "Es sind Originalstrümpfe von Ludwig dem XIV.", betont er. Sie sind rotfarben und haben ein mit Goldfaden handgenähtes Kronenmuster. Beide Strümpfe sind zusätzlich mit den Initialen LXIV versehen. Die Strümpfe wurden Herrn van den Flühen aus seiner Garderobe enfernt, währenddessen er seinem Bürojob nachging. In seiner Wohnung sind jedoch keine Einbruchsspuren zu sehen, weder eine aufgebrochene Tür noch Fingerabdrücke. Das ist mittlerweile der 50.Raub diesen Monat. Bei all den bisher gestohlenen Waren handelt es sich entweder um wertvolle Schuhe, Designerkleidung oder Brieftaschen. Wer im letzen Monat Aussergewöhnliches beobachtet hat, wird gebeten, sich unverbindlich bei der Zentralpolizeistation London zu melden.

Myriams Original
Ein attraktiver Kater schleicht sich auf sanften Pfoten durch den prächtig bepflanzten Garten der nur spärlich von der nächsten Strassenlaterne beleuchtet wird. In der Mitte des grossen Grundstücks steht ein Brunnen, der leise vor sich hin plätschert. Das Wasser fühlt sich kühl an und der Geschmack ist wohlschmeckend. Der Kater ist schätzungsweise fünfeinhalb Jahre alt. Der Glanz von seinem Fell ist entschwunden. Das Fenster im zweiten Stock ist spärlich geöffnet. Man hört ein gleichmässiges Schnarchen, dass mit dem Brummen eines Bären vergleichbar ist. Dumpf schlägt die Glocke des emporragenden Kirchturms elf Mal. Aus dem Nachbarhaus ist ein Klirren zu hören, gefolgt von einem deutlich hörbaren Fluchen. In der frischen Nachtluft hängt der Geruch modriger Blätter. Ein Wind weht rauschend über die Wiese und wirbelt das Laub wild durcheinander. Einige Blätter bleiben in meinen offenen Haaren hängen. Der Kater bewegt sich bedächtig in Richtung Hecke. Geschickt schlüpft er in den bereits vorhandenen Durchlass. Zwei Atemzüge später steht er auf der menschenleeren Strasse. Er schaut die Strasse auf und ab und marschiert dann mit eiligen Schritten nach links. Seine Augen funkeln wie zwei Sterne in der Nacht. In der Strasse hängt der Duft nach Pommes, Tomatensauce und Apfelkuchen. Beim Duft des Apfelkuchen läuft mir das Wasser im Mund zusammen...

Danielas Überarbeitung
Ich, eine Katzendame, stehe vor einem Mauseloch und warte Ein attraktiver Kater schleicht sich auf sanften Pfoten durch den prächtig bepflanzten Garten der nur spärlich von der nächsten Strassenlaterne beleuchtet wird. In der Mitte des grossen Grundstücks steht ein Brunnen, der leise vor sich hin plätschert. Das Wasser fühlt sich kühl an und der Geschmack ist wohlschmeckend. Der Kater ist schätzungsweise fünfeinhalb Jahre alt. Der Glanz von seinesm Fells ist verblasst entschwunden. Oder: Sein Fell scheint mir seltsam glanzlos im schwachen Licht der Laterne. Das Fenster im zweiten Stock ist spärlich bloss einige Zentimeter geöffnet. Man hört ein gleichmässiges Schnarchen, dass mit dem Brummen eines Bären vergleichbar ist. Dumpf schlägt die Glocke des emporragenden Kirchturms elf Mal. Aus dem Nachbarhaus ist ein Klirren zu hören, gefolgt von einem deutlich hörbaren Fluchen. In der frischen Nachtluft hängt der Geruch modriger Blätter. Ein Wind weht rauschend über die Wiese und wirbelt das Laub wild durcheinander. Einige Blätter bleiben in meinen offenen Haaren hängen. Der Kater bewegt sich bedächtig in Richtung Hecke. Geschickt schlüpft er in den bereits vorhandenen Durchlass Durchschlupf. Zwei Atemzüge später steht er auf der menschenleeren Strasse. Er schaut die Strasse auf und ab und marschiert dann mit eiligen Schritten nach links. Seine Augen funkeln wie zwei Sterne in der Nacht. In der Strasse hängt der Duft nach Pommes, Tomatensauce und Apfelkuchen. Beim Duft des Apfelkuchen läuft mir das Wasser im Mund zusammen... ---> Sollte man nicht etwas von Tommy und seinen kriminellen Tätigkeiten erfahren?

Myriams Schlussversion
Ich, eine Katzendame, stehe vor einem Mauseloch in einem prachtvollen Nachbarsgarten und warte, bis die Maus sich zeigt, die ich zuvor bis hierher gejagt habe. Meine fünf Jungen zu Hause sind hungrig, denn mein Frauchen ist äusserst sparsam mit dem Futter. Doch plötzlich zieht etwas anderes meine Aufmerksamkeit auf sich...Ein attraktiver Kater schleicht sich auf sanften Pfoten durch den prächtig bepflanzten Garten der nur spärlich von der nächsten Strassenlaterne beleuchtet wird. In der Mitte des grossen Grundstücks steht ein Brunnen, der leise vor sich hin plätschert. Von der Jagd leicht erschöpft, habe ich vorhin ein wenig Wasser aus dem Brunnen getrunken. Es war kühl und sehr wohlschmeckend. Der Kater ist schätzungsweise fünfeinhalb Jahre alt. Sein Fell scheint mir glanzlos im schwachen Licht der Laterne. Das Fenster im zweiten Stock ist bloss einige Zentimeter geöffnet. Man hört ein gleichmässiges Schnarchen, dass mit dem Brummen eines Bären vergleichbar ist. Dumpf schlägt die Glocke des emporragenden Kirchturms zwölf Mal. Aus dem Nachbarhaus ist ein Klirren zu hören, gefolgt von einem deutlich hörbaren Fluchen. In der frischen Nachtluft hängt der Geruch modriger Blätter. Ein Wind weht rauschend über die Wiese und wirbelt das Laub wild durcheinander. Einige Blätter bleiben in meinem Fell hängen. Der Kater bewegt sich sacht in Richtung Hecke. Geschickt schlüpft er in den bereits vorhandenen Durchschlupf. Zwei Atemzüge später steht er auf der menschenleeren Strasse im Lichte der Strassenlaterne. Aber das ist ja Tommy, schiesst es mir durch den Kopf. Tommy ist in letzter Zeit ein grosses Thema bei uns Katzen in der Nachbarschaft, denn es wird gemunkelt, dass er wertvolle Dinge anderer stiehlt. Bis jetzt konnte keine Katze einen Beweis liefern. Bei den Menschen sind die Diebstähle auch ein grosses Thema. Er schaut die Strasse auf und ab und marschiert dann mit eiligen Schritten nach links. Unbemerkt hefte ich mich an seine Fersen. Seine Augen funkeln wie zwei Sterne in der Nacht. In der Strasse hängt der Duft nach Pommes, Bratwurst und Schweinskotlethe. Beim Duft der Bratwurst läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Wie lange muss das her sein, seit ich das letzte Mal eine Bratwurst gespiesen habe? Tommy biegt in meine Strasse ab. Ich folge ihm leise. Das kann doch nicht sein! Der schleicht sich durch MEINEN Garten und geht schnurstracks auf MEIN Katzentürchen zu. Mit einem leise „Plopp“ ist er auch schon im Haus verschwunden. Ich warte noch eine Minute und gehe dann auch durchs Katzentürchen ins Haus. Schnell ziehe ich das Holzbrettchen vor das Katzentürchen, welches meine Herrin manchmal davor stellt. “Damit es nicht so zieht“, sagt sie. Ich schleiche auf leisen Pfoten in den Salon und stürze mich auf Tommy, der sich gerade eben das Amulett meiner Herrin um den Hals gehängt hat. Vor Schreck läuft er in die Wand und bleibt bewegungslos auf dem Boden liegen. Ich gehe etwas näher und kann ein schnelles atmen vernehmen. Einige Minuten später geht das Licht an und meine Herrin steht in der Türe. Sie muss wohl von dem Lärm, der Tommy beim Lauf in die Wand verursacht hat, aufgeweckt worden sein. Zuerst schaut sie auf Tommy nieder, der ihr Amulett um den Hals trägt und dann auf mich. Sie schnappt sich das Telefon und ruft die Polizei an, die dann nach einer kleinen Ewigkeit bei uns auf der Türschwelle erscheint. Sie nehmen den immer noch bewusstlosen Tommy mit sich. Nachdem sie gegangen sind nimmt mich meine Herrin hoch und streichelt mich. Wie lange hat sie das schon nicht mehr gemacht... Sie stellt mich auf den Boden und schlürft zum Kühlschrank und holt eine Bratwurst heraus, die sie mir dann auf einem Teller serviert. Seit diesem Tage an gibt uns unsere Herrin nie mehr zu wenig essen. Was mit Tommy danach geschehen ist weiss ich nicht mehr genau. Ich glaube er wurde in eine Psychiatrische Klinik für Tiere eingeliefert.


_Kommentar bk: Am beeindruckendsten ist für mich in Ihrem Text neben den atmosphärischen Schilderungen die eigenwillige Perspektive, die Sie wählen, und der entsprechend ganz neue Verlauf, den die Geschichte so nimmt. Durch den Perspektivenwechsel gelingt es Ihnen, neue Aspekte in die Handlung einzubringen. Das führen Sie am Ende zu einer sehr schönen Pointe (mit der Bratwurst, die Sie im Übrigen ja auch zuvor schon einführen). Gelungen z.B. auch der Kniff, mit dem die Katzendame Tommy einfängt ("Schnell ziehe ich das Holzbrettchen vor das Katzentürchen, welches meine Herrin manchmal davor stellt. “Damit es nicht so zieht“, sagt sie."). - Worauf Sie noch achten müssen: Der Text wirkt z.T. etwas abgehakt. D.h. zwischen den Sätzen hat es Lücken, die Sie schliessen müssen (z.B. "der sich gerade eben das Amulett meiner Herrin um den Hals gehängt hat. Vor Schreck läuft er in die Wand und bleibt bewegungslos auf dem Boden liegen"). Lesen Sie zu diesem Zweck den Text immer wieder halblaut durch und versuchen Sie zu hören, ob es flüssig klingt und ob die Übergänge so stimmen._


SEENOT

Kopenhagen. – Ein Däne hat bei Schiffchenspielen in seiner Badewanne einen nächtlichen Rettungseinsatz der Küstenwache ausgelöst. Der 52-Jährige rief von seiner Wanne aus das Hochsee-Rettungskommando an und gab mehrere Notrufe durch. Der Mann sei betrunken gewesen und habe sich als Kapitän eines Frachters mit zwölf Mann Besatzung ausgegeben, berichtete am Freitag die dänische Zeitung Sjaellands Tidende. Während er mit seinem Spielzeug hantierte, habe er behauptet, westlich der Ostseeinsel Bornholm in Seenot geraten zu sein. Sein Frachter habe sich um 45 Grad auf die Seite geneigt, ein Besatzungsmitglied sei von Bord gespült worden. Die Küstenwache hat daraufhin laut Zeitungsbericht zwei Rettungsschiffe in das Gebiet geschickt. Nach eineinhalb Stunden hätten die Schiffe die Suche nach dem vermeintlichen Havaristen aber abgebrochen. Später habe die Polizei die Telefonnotrufe zurückverfolgt und den Badewannenkapitän entlarvt. (SDA/Reuters)

Textversion mit eigenem Stil
Ich weiss nicht mehr genau wann es war ... 19.25 Uhr, 05.00 Uhr, 14.30 Uhr? Ich glaube es war 24.20 Uhr. Soviel ich weiss war ich in meiner Wohnung in Kopenhagen und habe ein Bad genommen oder eine Dusche? ... Nun denn, ich sass in meiner Badewanne und habe gespielt ... aber mit was? Mit dem Quietsch-Entchen, dem Föhn, der Spritzkanne? Einem Schiffchen? Ja, genau! Ich spielte mit dem Schiffchen aus blauem Plastik, dass mein Sohn auf seinen vierten Geburtstag bekommen hat. Oder war es der dritte? ... Na egal, fest steht ich spielte mit dem Schiffchen. Aber was passierte dann? Ich habe telefoniert. Doch wer war diese Person, mit der ich telefoniert habe? Mein Chef, der Pfarrer? Es war ein Mann mit einer dunklen ... Haut? Haarfarbe? Nagellack? Stimme, eine tiefe, dunkle Stimme hatte der Mann am anderen Ende des Telefonkabels. Er war Einer der Küstenwache, seltsam, seltsam ... Ich legte denn Schirm, also, den Hörer beiseite und spielte weiter „Seenot“ mit meinem Schiffchen. Auf meinem blauen Plastik Schiffchen befand sich eine Besatzung von, was soll ich sagen ... zwölf-sechsundachtzig Mann und ich war der Kapitän des Frachters. Westlich der Ostseeinsel (Korsika oder Sizilien? Japan oder Kuba?) neigte sich unser Schiff dann um und ein Bierfass? Puderdöschen? Nein, ein Besatzungsmitglied wurde von Bord gespült. Auf irgendeine Art und Weise bemerkte ich, dass ich den Backofen, also das Telefon noch nicht ausgeschaltet hatte und schaltete es dann aus. Ich konnte es mir nicht erklären (das kann ich mir immer noch nicht), doch nach etwa eineinhalb Stunden, oder war es weniger, rief mich die Küstenwache an und fragte mich ob ich mir einen Scherz erlaubt hätte?! Seltsam, seltsam ...


_Kommentar bk: Sie haben sich von Q. inspirieren lassen und dabei originelle Abwandlungen des Schemas erarbeitet. Am besten gefällt mir dabei der Satz "Es war ein Mann mit einer dunklen ... Haut? Haarfarbe? Nagellack? Stimme, eine tiefe, dunkle Stimme hatte der Mann am anderen Ende des Telefonkabels." Da gelingt es Ihnen, das Vorbild Q. noch zu übertreffen, indem Sie das Wort 'dunkel' auf alle möglichen Dinge anwenden, bis Sie endlich auf die richtige und sehr überraschende Lösung kommen - ausgezeichnet! Gut auch, wie Sie die mündliche Sprachform imitieren z.B. in: "eine Besatzung von, was soll ich sagen ... zwölf - sechsundachtzig Mann". Nicht überall ist der Text so originell, v.a. der Schluss wirkt etwas überhastet. Wie lässt sich der Text abrunden? Wie können Sie 'noch eins drauf setzen'? Und: Versuchen Sie sich noch in einem eigenen, selbst erarbeiteten Stil._



Hey Peter, du kannst dir gar nicht vorstellen, was mir passiert ist! Ich wurde gefeuert und zwar fristlos! Und das alles nur wegen dem einen kleinen Patzer den ich mir erlaubt habe ... Er ist eigentlech gar nicht wirklich nennenswert, aber dich nimmt es sicher Wunder, weshalb die mir so eine Frechheit antun konnten. Alles fing am Samstag Abend an. Ich hatte mit Gertrud abgemacht. Gertrud ist die, die ich bei der Partnervermittlung vermittelt bekam. Wobei ... Sie ist einfach nicht aufgetaucht. Drei Stunden sass ich im "Oldies but Goldies" mit Blick auf die Türe und wartete. Wartete darauf, dass sie gleich mit einer roten Rose (unser Erkennungszeichen) vor mir stehen wird und mich anlächeln wird ... Doch wie es mein Schicksal so wollte, dieser Wunsch blieb mir unerfüllt. Um mir meine Wartezeit etwas zu verkürzen und die Enttäuschung zu überspielen trank ich ein wenig Apperitiv. Es musste wohl etwas viel gewesen sein ... Der Kellner schank mir mit der Zeit keinen Alkohol mehr aus und sagte, er fände ich hätte schon genug gehabt. Ich musste wohl etwas agressiv geworden sein, denn plötzlich befand ich mich auf der Strasse vor dem Club. Ich machte mich auf den Nachhauseweg. Unterwegs fing es dann noch an zu regnen. Völlig durchnässt kam ich in meiner Wohnung an. Als erstes liess ich warmes Badewasser in die Wanne einlaufen.


_Kommentar bk: Schade, dass Sie nicht fertig geworden sind. Trotzdem ein kurzer Kommentar. Mich überzeugen in Ihrem Text die vielen Einzelheiten des täglichen Lebens, mit denen der Erzähler aufwartet: "Gertrud ist die, die ich bei der Partnervermittlung vermittelt bekam. Wobei ... Sie ist einfach nicht aufgetaucht. Drei Stunden sass ich im "Oldies but Goldies" mit Blick auf die Türe und wartete." Das ist witzig und meist recht flüssig geschrieben ("... und wartete. Wartete darauf ...") Ebenfalls gelungen, wie Sie die beschränkte Perspektive einsetzen und z.B. die Betrunkenheit des Mannes nur andeuten._
Liebes Tagebuch Weihnachtshausen, 04.12.01

Ich bin empört! Da verleugnet doch eine Primarlehrerin meinen Ruf. Sie behauptete während eines Unterrichts es gäbe mich nicht. So ein Unsinn, wenn die wüsste, dass es mich gibt ... Die Kinder hörten ihr voller Aufmerksamkeit zu. Sie klebten an ihren rot geschminkten Lippen. Mit Tränen in den Augen liefen sie nach Hause und erzählten ihren Eltern, was die Lehrerin geschwatzt hat. Sie machten ihren Eltern den Vorwurf, dass sie sie angelogen haben. Die Eltern mussten sie zuerst beruhigen. Es ist ja nicht das erste Mal, das die Leute den „Weihnachtsmann“ anzweifeln. Ich verliere langsam auch den Glauben an mein Business, aber was soll ich tun? Ich kann mich nicht einfach aus dem Staub machen und meine Kollegen im Stich lassen. Ich bin schliesslich der Erfahrenste unter Allen. Die Tradition kann auch schlechthin gebrochen werden, schon mein Vater und mein Grossvater und dessen Vater usw. waren Weihnachtsmänner. Ein Traditionsbruch wäre unverzeihlich ... Ich überlege mir fieberhaft, wie ich meinen Ruf wieder herstellen kann. Jedoch glaube ich, dass schon zuviel passiert ist. Ach du meine Güte, wie bin ich wütend auf diese blöde Primarlehrerin. Die macht mich noch Arbeitslos! Wie kann sie nur nicht an mich glauben? Soll ich meine Karriere beenden und etwas anderes machen? Aber nein, dies ist nicht möglich, ich kann meine Berufung nicht einfach ignorieren. Wie sollen die Eltern jemals wieder dieses Gerücht aus der Welt schaffen?