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-- PatriziaZanetti - 17 Mar 2005

Soll wahre Freundschaft selbstlos sein?

Darf wahre Freundschaft nicht auch auf eigennützige Vorteile abzielen?

Vorverständnis

Jeder Mensch stellt sich wahre Freundschaft anders vor, dennoch gehen alle Vorstellungen wahrer Freundschaft wahrscheinlich in die gleiche Richtung. Kaum jemand wünscht sich von seinen Freunden hintergangen oder ausgenutzt zu werden; gewisse positive Erwartung (Respekt, Toleranz, Selbstlosigkeit, Vertrauen, Ehrlichkeit,...) steckt jedermann in seinen Freund. Keine gute Voraussetzung ist sicherlich, wenn Freundschaften nur des Nutzens wegen geschlossen werden. Mir ist es sehr wichtig, dass ich meinen Freunden genau so viel Nutzen bringe, wie sie mir bringen. Beide Parteien sollten durch die Freundschaft Vorteile erhalten. Man sollte sich in einer Freundschaft jederzeit gegenseitig unterstützen, einander gut zu hören können, Ratschläge erteilen, zusammen Spass haben, etc. . Ob jedoch für die wahre Freundschaft absolute Selbstlosigkeit notwenig ist? Dieser Frage versuche ich anhand meiner selbstgewählten philosophischen Texten nachzugehen.

Philosophische Texte

Haupttext: Freundschaft und Egoismus (Kap. 32 + Teile vom Kapitel 33), Arthur Schopenhauer

Selbstlosen Freundschaften steht der humane Egoismus entgegen.

Text 2: Auszug aus einem Brief an Lucilius, Lucius Annäus Seneca

Freundschaften sollen nicht nur aus eigenem Nutzen geschlossen werden; Freundschaften müssen selbtslos sein.

Begriffsdefinitionen

„Freundschaft“ aus dem „Metzler Philosophie-Lexikon“:
„In der Kosmologie des Empedokles heisst die Kraft, die Elemente verbindet und zum Einen und Schönen wirkt, philia, die durch die Liebesgöttin personifiziert ist. Platon trennt (im Dialog Lysis) Liebe und Freundschaft, diese wird zu einem Prinzip der Lebensphilosophie und prägt weithin die griechische Gesellschaft. Bei Aristoteles ist Freundschaft etwas Lebensnotwendiges und Schönes, sie führt über Lust und Nutzen hinaus zur „Bestheit“ (arete), die sich in der Gemeinschaft der Guten verwirklicht („seine Seele in zwei Körpern“). Für Epikur und seine Schüler gehört Freundschaft auch in der Politikferne und unter dem Aspekt von Nutzen und Sicherheit zu den beglückendsten Gütern [.....] Im Organisationsgeflecht moderner Gesellschaften will Freundschaft auch die Zusammengehörigkeit innerhalb verschiedener Gruppen (Schule, Beruf, Politik, Sport) verstärken. Sie bleibt dabei auf einzelne Lebensbereich beschränkt.“

selbstlos = uneigennützig

eigene Hypothesen
  • „Pure Selbstlosigkeit in einer Freundschaft ist unmöglich.“

  • „Selbstlose Personen werden ausgenützt.“

  • „Man erkennt die wahre Freundschaft erst im Unglück.“

eigene Fragen
  • Ist es normal, dass man in einer Freundschaft egoistische Gedanken hat? Darf man überhaupt in einer engen Freundschaft egoistisch sein?

  • Wie fest muss ich mich dem Freund / der Freundin hingeben?

  • Wie wichtig ist es überhaupt Freundschaften zu pflegen?

Zitat

"Wenn ich mit meinem ganzen Wesen an Dir hängen werde, wird mir nirgends Schmerz noch Mühe sein, und mein Leben, ganz voll von Dir, wird wirkliches Leben sein." (Augustinus, Bekenntnisse, Buch 10, Kap. 28)