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Philosophische Spuren auf dem WIKI

11 May 2005 - 07:27 | Version 47 |

Konzept

  • den Inhalt der letzten Lektion in Kürze festhalten (kein Verlaufsprotokoll!)
  • eigene Überlegungen beitragen, z.B.
    • einen Aspekt weiterführen
    • eine stillschweigende Voraussetzung aufdecken
    • eine offene Frage formulieren und beantworten
    • eine Gegenposition / Gegenthese entwickeln

  • Jeder Kursteilnehmer/in verfasst im Turnus einen Beitrag, in alphabetischer Reihenfolge. Die Beiträge werden bewertet, Note zählt 50%.

  • Bewertungshinsichten:
    • Der Inhalt der Lektion ist korrekt wiedergegeben, so kurz wie möglich, so ausführlich, wie nötig. (4P.)
    • Die Überlegungen
      • sind eigenständig / originell (4P.)
      • führen den Inhalt der Lektion weiter (4P.)
    • Inhaltsangabe und Überlegungen sind korrekt und nachvollziehbar formuliert (4P.)


08.03.05

In diesen Stunden haben wir uns weiterhin mit dem Leib-Seele-Problem auseinander-gesetzt und folgendes behandelt:

* Gedicht von Robert Gernhardt: Noch einmal: Mein Körper

* Was bleibt vom Ich? – Die reduktionistische Sicht der Moderne

* Julien de La Mettrie: Der Mensch als blosse Materie

Gedicht von Robert Gernhardt – Noch einmal: Mein Körper

Mein Körper rät mir

Ruh dich aus!

Ich sage: Mach ich,

altes Haus.

Denk aber: Ach, der

Sieht’s ja nicht!

Und schreibe heimlich

Dies Gedicht.

Da sagt mein Körper:

Na, na, na!

Mein guter Freund,

was tun wir da?

Ach gar nichts! Sag ich

aufgeschreckt,

und denk: Wie hat er das entdeckt?

Die Frage scheint recht

Schlicht zu sein,

doch ihre Schlichtheit

ist nur Schein.

Sie lässt mir seither

Keine Ruh:

Wie weiss mein Körper

Was ich tu?

Aufgabe: Zuteilung von Monismus/Dualismus und Idealismus/Materialismus

Dieses Gedicht vertritt die dualistische Position, da der Körper und das Ich nicht identisch sind. Es besteht eine Konversation zwischen dem Ich und dem Körper und beide haben eine gewisse Eigenständigkeit, was klar auf den Dualismus hindeutet.

Wer steht im Mittelpunkt bzw. welches der beiden ist ausschlaggebend?

Der Körper? -> Er sieht, was ich mache und hat daher die Oberhand.

Das Ich? -> Der Körper hat eine passive Rolle, beobachtet das Ich nur. Der Körper sieht zwar, was das Ich tut, aber das Ich handelt.

Wer ist nun die bestimmende Instanz?

Der Körper wird hier als die bestimmende Instanz angesehen, da er eine Beobachterrolle einnimmt und die Kontrollfunktion über das Ich hat. Er führt nichts aus. Das Verhältnis zwischen Körper und Seele ist hierbei asymmetrisch – diese Asymmetrie kann man mit der Aussage "Wie weiss mein Körper, was ich tu?" besonders gut erkennen. Es wird deutlich, dass das Ich nicht die ganze Gewissheit über den Körper, der somit mehr Informationen besitzt, hat, und beherrschende Instanz wird. Obwohl das Ich hier idealistisch ist, überwiegt die dualistisch materialistische Position durch das ganze Gedicht hindurch.

Dieses Gedicht spielt also mit diesen beiden Gegensätzen.

Lösung: Das Gedicht "Noch einmal: Mein Körper" von Robert Gernhardt ist somit dualistisch materialistisch geprägt.

Was bleibt vom Ich? – Die reduktionistische Sicht der Moderne

Als Einleitung haben wir folgendes Zitat von Francis Crick gelesen:

"Sie, Ihre Freuden und Leiden, Ihre Erinnerungen, Ihre Ziele, Ihr Sinn für Ihre eigne Identität und Willensfreiheit – [...] Sie sind nichts weiter als ein Haufen Neurone! Diese Hypothese ist so weit von den Vorstellungen der meisten Menschen entfernt, dass man sie wahrlich als erstaunlich bezeichnen kann."

Francis Cricks Aussage: Nach Francis Crick können alle Vorgänge im Menschen auf das Körperliche ( "Haufen Neurone" = Nervenzellen) beschränkt zurückgeführt / von ihnen abgeleitet werden.

Meine Ansicht: Ich stimme dieser Aussage überhaupt nicht zu, da ich überzeugt bin, dass jeder Mensch etwas "Eigenes" besitzt, das seine Persönlichkeit ausmacht. Somit hat jede Person ein Ich, welches handelt, sowie Gefühle und Emotionen aufweist Ww . Aus diesem Grund kann meiner Meinung nach nicht alles auf den Körper reduziert werden.

Julien de La Mettrie vertritt die These von Francis Crick und sucht nun in seinem Text Argumente und Gründe für die Reduktion von Geist auf Hirn (Körper). Arg (La Mettrie lebte im 18. Jh.; er kann also nicht die These von F. Crick vertreten haben.)

Was ist eine Reduktion?

"Das Wort Reduktion (Zeitwort reduzieren) ist aus dem latein. reducere (= zurückführen) abgeleitet und bedeutet in der gehobenen Alltagssprache eine Verringerung des Ausmasses einer Eigenschaft." (entnommen von http://de.wikipedia.org/wiki/Reduktion) Wörtliche Zitate kennzeichnen! Und: Die zweite Bedeutung von "Reduktion", auf der gleichen Seite zu finden, wäre die Ausschlaggebende gewesen: "In einigen Wissenschaften hat das Wort Reduktion vielfach eine spezielle Bedeutung, deren Gemeinsamkeit in der Rückführung auf eine tiefere oder günstigere Stufe oder auf zugrundeliegende Tatsachen besteht." - DB

Das bedeutet also:

"X ist nichts anderes als Y"

Dies möchte ich anhand des Beispiels mit den Wolken erklären. Wenn das Wetter nicht schön ist, hat es meistens Wolken, welche die Sonne verdecken. Geht man in den Bergen wandern, merkt bzw. sieht man, dass diese Wolken eigentlich nichts anderes sind als Nebel. Kocht man Wasser bis zu einem gewissen Grad, verdampft es und man erkennt, dass der Nebel eine Art Wasserdampf ist. Somit wurden also die Wolken auf den Wasserdampf reduziert.

Reduktion -> Wolken = Nebel = Wasserdampf

(Anmerkung: Die Wissenschaft macht genau solche Reduktionsschritte.)

Julien de La Mettrie: Der Mensch als blosse Materie

Wie begründet la Mettrie die Reduktion von Geist auf Hirn?

Zeile 1-47

- Die Seele muss, wie der Körper, ernährt werden -> die Seele stirbt ohne "körperliche" Nahrung

- Die Seele steht in Wechselwirkung mit dem Körper (Zustand) -> gegenseitiges Beeinflussen Abhängigkeit so stark, dass beides dasselbe sein muss.

- Das Denken entwickelt sich unter den Organen # unverständlich - DB

- Die Fähigkeit der Seele hängt vom Bau des Gehirns und des ganzen Körpers ab -> Seele = eigentümlicher Aufbau des Gehirns -> "erleuchtende erleuchtete Maschine"

- Auch wenn der Mensch als einziges Lebewesen das Naturgesetz befolgt, heisst das nicht, dass der Mensch keine Maschine ist. im KLartext? Warum hervorgehoben? - DB

Zeile 48-97

- Seele = leerer Begriff -> keine Vorstellungen

- Der Teil, der uns das Denken ermöglicht = Seele = Teil des Körpers -> sonst wäre die Reaktion des Körpers bei Denkvorgängen nicht möglich -> denn: Gehirn denkt -> Blut wird erhitzt. Daher muss das Denken ein Arbeitsprozess eines Organs sein.

- Das Fieber des Geistes überträgt sich auf die Blutgefässe

- Anspannung der Nerven -> Schmerzen und Fieber, was den Geist verwirrt

- Körper und Seele reagieren aufeinander -> überanstrengter Geist beeinträchtigt den Körper

Daher kommt La Mettrie zu folgendem Schluss: Wieso verdoppeln, was offensichtlich nur eins ist? = Formulierung der Reduktion - DB

Zeile 98-126

- Mensch = Zusammensetzung von Triebfedern -> Seele ist die Hauptfeder, materieller Teil des Gehirns

- Körper = Uhr

- Nährstoffe = Uhrmacher -> der Körper wird also durch die Nährstoffe in Bewegung gehalten.

Mit der Reduktion von Leib Arg ("Seele" oder "Geist") zu Ww (auf) Hirn vertritt La Mettrie die eine materialistisch-monistische Position. Der Mensch ist nach ihm eine Zusammensetzung von Triebfedern, wobei die Seele die Hauptfeder darstellt.

Was hat dies nun für ethnische Diese Verwechslung darf Ihnen nicht mehr unterlaufen - DB Konsequenzen?

La Mettrie nimmt an, dass wenn man so denkt, man weise, gerecht, sorglos und ein guter Mensch wird, der niemals egozentrisch ist. Da der Materialist überzeugt ist, dass er nur eine Maschine ist, wird er also nie schlecht handeln und somit die goldene Re-gel befolgen – also keinem das antun, was er nicht will, dass man es ihm antut. La Mettrie zieht nun die Schlussfolgerung Arg (den Schluss muss er längst gezogen haben!) , dass der Mensch eine Maschine ist und es somit im ganzen Universum nur eine einzige Substanz, jedoch in unterschiedlicher Gestalt, gibt.

Eigene Überlegungen

Das Argument von La Mettrie, dass eine Wechselwirkung zwischen Seele und Körper besteht, unterstütze ich voll und ganz. Ein kranker Körper verwirrt den Geist und macht ihn "willenlos", so wie auch umgekehrt ein überanstrengter Geist den Körper krank macht. Dies bestätigt ein simples Beispiel aus der Psychologie. Körperliche Probleme können (müssen aber nicht) Auswirkungen auf die Psyche haben, sowie auch umgekehrt. Daher kann meiner Meinung nach der Körper ohne Seele und die Seele ohne Leib nicht existieren (vgl. Psychosomatik). Aber wie steht es mit LMs Folgerung, dass beides so eng zusammenhängt, dass es dasselbe sein muss? - DB

Weitere Überlegungen zum Leib-Seele-Problem:

Das Verhältnis zwischen Bewusstsein und Materie ist nicht nur in der Philosophie, sondern mittlerweile auch in den Naturwissenschaften eine zentrale Frage. Braucht das Bewusstsein eine materielle Grundlage oder hängt die sinnlich wahrnehmbare Materie nur vom menschlichen Bewusstsein ab? Dieses Leib-Seele-Problem ist trotz den grossen Anstrengungen bis heute noch ein ungelöstes Problem. Ich vertrete die dualistisch-materialistische Position, da ich davon ausgehe, dass einer-seits die Seele existiert und andererseits nicht alles auf das Gehirn reduziert werden kann oder darf. Obwohl die Seele noch von niemandem gesehen wurde oder fotografiert werden konnte und somit für die Wissenschaft nicht fassbar ist, gehe ich davon aus, dass sie vorhanden ist. Ich denke nicht, dass Geist und Körper eins sind, weil ich nicht glaube, dass beim Tod eines Menschen "alles" verschwindet. Wäre ich monistisch eingestellt, müsste ich davon ausgehen, dass beim Tod nicht nur der Körper, sondern auch die Seele mitstirbt, da diese ja eins sind. Wenn dies jedoch so sein würde – wie ist es dann möglich, dass es Menschen, sogenannte Medien, gibt, die Kontakt mit verstorbenen Leuten aufnehmen können? Ihre Einstellung ist konsequent. Andererseits schwierig, eine Hypothese ("Seele") durch eine sehr bestreitbare Tatsache (Kontakt zu Verstorbenen)zu stützen. - DB

"Das Denken ist das Selbstgespräch der Seele." (Platon)

Gedankenexperiment:

Worin besteht nun meiner Meinung nach der Unterschied zwischen Leib und Seele? Obwohl ich den Menschen nicht mit einer Maschine gleichsetze (siehe weiter unten) möchte ich folgendes Gedankenexperiment durchführen, um meine dualistische Position zu erläutern. Vergleichen wir den Computer (die Hardware) mit dem Körper des Menschen. Beide "gehorchen" Regeln – physikalischen und chemischen. Das Programm des Computers, seine Software, ist mit dem menschlichen Informationssystem, also unseren fünf Sinnen zu vergleichen. Der Körper und die Sinne bilden also den Leib des Menschen – somit ist Leben möglich. Zudem besitzt der Körper eine Seele, die mit dem Besitzer des Computers verglichen werden kann. Dieser kann über den Computer entscheiden und ihn programmieren. Der Mensch wird also durch die Seele zum Leben befähigt. Wie der Besitzer über den Computer verfügt, verfügt auch die Seele über den Leib. Daraus ergibt sich nun eine Erklärung, warum die Seele nicht gefunden werden kann: Denn auch bei noch so kleinster Zerlegung des Computers in Einzelteile und intensiver Analyse seiner Software, kann man den Besitzer nicht er-kennen. Ebenso kann man zwar die Konstruktion und die Funktion des menschlichen Körpers erforschen und begreifen, nicht aber die Seele selbst.

Eine originelle Idee, beim Gedankenexperiment einen Besitzer als leitende Instanz einzuführen; üblicherweise nahm man die Software als diese leitende Instanz. Eine Schwierigkeit ist, dass die Seele wohl nicht ein so äusserliches, loses, unspezifisches Verhältnis zur jeweiligen Person haben wird wie ein Computerbesitzer zu seinem Computer. Wenn sie denn so etwas ist wie der Kern eines Menschen, dann muss sie auch einen irgendwie ausgezeichneten Bezug zu ihm haben. Ausserdem können wir den Computerbeistzer natürlich befragen, über sein Surfverhalten, seine Programmierfähigkeiten usw. Das können wir bei der Seele nicht. Die Position, die im Gedankgenexperiment zum Ausdruck kommt, ist stark idealistisch: Die Seele kann wie der Besitzer unabhänig existieren. - DB

Der Mensch – also eine Maschine?

Nach La Mettrie funktioniert der Mensch als Maschine und wird auch als solche dargestellt. Ich finde jedoch, dass der Mensch nicht als (intelligente) Maschine angesehen werden darf, da es meiner Meinung nach doch einige Unterschiede gibt. Meiner Ansicht nach ist jeder Mensch ein Unikat und von seiner eigenen und einzigartigen Le-bensgeschichte geprägt. Ich behaupte, ein Computer hat keine menschliche Geschichte oder Erfahrung. Zudem haben Computer keinen menschlichen, biologischen Körper - sondern können lediglich mechanisch nachgebaut werden. Der Mensch agiert in einer Gesellschaft, wobei die Wahrnehmung des eigenen Körpers, das Bewusstsein, und der Körper anderer ein wichtiger Teil ist. Zu dieser Soziali-sation gehören auch (biologische) Bedürfnisse, wie beispielsweise der Hunger oder der Durst. Computer aber haben keine solchen Bedürfnisse. Ein weiterer wichtiger Punkt, der für mich ganz deutlich zeigt, dass der Mensch keine Maschine ist, sind die Emotionen und das Körpergefühl, das wir haben – im Gegensatz zu Maschinen nicht eingebaut bzw. künstlich. Computer können emotionale Bedürf-nisse nicht befriedigen. Liebe sowie menschliche Zuneigung können durch keine Maschine erzeugt werden. Computer können auch soziale Bezüge nicht ersetzen und sind daher keine (Ersatz)Gesprächspartner. Maschinen mögen zwar bis zu einem gewissen Grad intelligent sein, dennoch können sie meiner Meinung nach weder ethische noch moralische Werte vermitteln, da sie diese nicht besitzen.

Obwohl die Wissenschaft heutzutage sehr weit fortgeschritten ist, glaube ich nicht, dass der Mensch und sein Gehirn eines Tages durch eine noch so intelligente Maschine ersetzt werden kann.

Sie haben Recht, dass die Analogie Leib = Computer / Seele = Software nicht wiet trägt, und Sie sprechen wichtige Aspekte des Menschseins an, von denen man zweifeln kann, dass sie künstliche reproduzierbar sind (z.B. Lebensgeschichte, v.a. aber Normenbezug). Andererseits sind kognitive und emotionale Funktionen Leistungen des Hirns, so dass man annehmen muss, dass sie auch reproduzierbar sein werden, wenn es gelingt zu versehen, wie das Hirn sie erzeugt bzw. sie ihrerseits das hirn beeinflusen können. - DB

-- TanjaWirth - 10.April 2005


22.02.05

Leib-Seele-Problem

(auch Geist/Gehirn ; Mind/Brain)

Das Leib-Seele-Problem ist eines der bis heute nicht völlig geklärten Themen. Viele Philosophen der Neuzeit (z.B. Descartes) haben sich ausgiebig damit befasst und sind trotz ihrer Bemühungen bis heute auf keine endgültige Lösung gestossen. Ergänzung: Das Problem ist seit dem 19. Jh. zunehmend Gegenstand der medizinischen Forschung, heute unter dem Titel Neurowissenschaften. Die Philosophie wird das Leib-Seele-Problem nicht lösen, aber sie kann aufgrund ihrer Tradition und mit ihren reflektierenden Methoden die Ergebnisse der Neurowissenschaften, dort, wo sie anmassend sind (z.B. bei der Beurteilung der menschlichen Freiheit, bei wohlfeilen pädagogischen Ratschlägen), zurückweisen und auch immer wieder dazu beitragen, das Problem sinnvoll zu formulieren. - DB Es handelt sich bei diesem Problem um die Frage nach dem Zusammenhang zwischen geistigen und physiologischen Prozessen, wobei die geistigen Prozesse sich im Bewusstsein oder auch der Seele abspielen, während die physiologischen sich auf die körperliche Ebene beziehen.

Bewusstsein ist die Instanz, in der mentale Zustände (Qualia) wie beispielsweise Schmerz, Wut und Farbempfindung repräsentiert werden. Es wird als die Fähigkeit verstanden, zu erleben, im engeren Sinne zu erkennen und damit auch kraft Beobachtung, Urteil und Verhalten sich selbst im Kontrast und in seiner Beziehung zu seiner Umwelt wahrzunehmen (siehe auch Selbstbewusstsein) und sich als Individuum zu verstehen. Ein naturwissenschaftliches Verständnis des Bewusstseins liegt nicht vor. Selbst eine allgemein anerkannte präzise Definition von Bewusstsein ist bisher nicht gelungen. (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein)

Begrifferklärungen zu den verschiedenen Bewusstseinstheorien:

__Genauer geht es hier darum, dass Theorien über das Bewusstsein grob nach den vier folgenden Gesichtspunkten eingeteilt werden können.__ - DB

Materialismus
Der Begriff Materialismus (abgeleitet von Materie) bezeichnet eine philosophische Grundrichtung, die - im Gegensatz zum Idealismus - davon ausgeht, dass Gedanken und Ideen Erscheinungsformen der Materie sind.

Umgangssprachlich wird der Begriff auch kritisch im Sinne einer Lebenseinstellung verwendet, die hauptsächlich durch Streben nach materiellem Besitz und Wohlstand gekennzeichnet ist.

Idealismus
Der Idealismus wird in der Philosophie als eine Anschauung verstanden, welche die Welt und das Sein als Idee, Geist, Vernunft oder Bewusstsein versteht, während die Materie lediglich eine Erscheinungsform deren Ungewöhnlicher Pronomengebrauch! - DB ist.

Monismus
Das Wort Monismus kommt von „mono“= eins. Der Monismus bezeichnet eine philosophische Lehre, die alles in der Welt auf ein einziges stoffliches oder geistiges Prinzip, bzw. auf die Einheit von Stoff und Geist, zurückführbar sieht. In unserem Zusammenhang: Reduktione von Geist auf Hirn oder von Hirn auf Geist - DB

Dualismus
Von lat. „dualis“= zwei enthaltend. Der Dualismus besagt, dass das Bewusstsein zwei Prinzipien enthalte irreführende Raummetapher - DB , welche entweder aus entgegen gesetzten oder einander gleichgestellten Seinsbereichen sind. Folglich sind Leib und Seele nicht doch! gerade! von einander getrennt und existieren bereits seit Ewigkeiten gemeinsam. Problematische Folgerung: Dualismen rechnen in der Regel mit einer Trennbarkeit von Leib und Seele, insbesondere der Seele vom Leib, z.B. Descartes, aber auch Vorstellungen der Unsterblichkeit der Seele oder der Seelenwanderung. - DB

Zu diesen 4 Bewusstseinstheorien haben wir folgende Tabelle zusammengestellt:

  Dualismus Monismus
Materialismus Es existieren sowohl Körper wie auch Geist, der Geist wird jedoch lediglich als eine Begleiterscheinung von materiellen Prozessen angesehen und existiert somit nicht eigenständig. Es existiert kein Geist! -> 2 Seiten des Selben
Idealismus Das Hirn ist existent, jedoch wird der Geist als wichtiger betrachtet. Alles ist Geist. Die Materie ist eine besondere Form des Geistes.

Gedicht: Robert Gernhardt „Siebenmal mein Körper“

In diesem Gedicht entspricht das Ich der Seele, wobei eine idealistische Position vertreten wird. Der Körper wird als etwas Schmutziges dargestellt, wobei das Ich aber nicht ohne diesen Leben kann. Monismus oder Dualismus? Die Position des Gedichts ist, wie wir gesehen haben, subtiler. Z.B. scheint das Ich nicht unabhängig vom Körper existieren zu können "Er bringt mich langsam um." -> eine Art materialistisches Korrektiv - DB

Times Umfrage

Im April 1996 lag der Times eine Beilage mit vier Fragen bei. Anhand dieser wollte die Zeitung herausfinden, was die Menschen wirklich über das Bewusstsein denken.

Auch wir haben diese Fragen zu beantworten versucht, was sich als relativ schwierig herausstellte. Bei folgenden Bereichen stiessen wir auf Uneinigkeiten:

Unterschiede des Bewusstseins Tier - Mensch

Wir waren uns alle einig, dass Tiere ein Bewusstsein besitzen, jedoch waren wir uns nicht sicher, inwiefern sich dieses in Qualität und Quantität von unserem unterscheidet.

Unterschiede in der Qualität sind einfach zu finden, so können Tiere weder lesen noch schreiben oder rechnen.

Aber auch in der Intensität gibt es viele Unterschiede. So hören manche Tiere wie Hunde oder Delfine, oder auch Fledermäuse höhere Tonarten als wir Menschen (z.B. Hundepfeife). Ein weiteres Beispiel wäre das Gehör oder der Geruchsinn, welcher sowohl bei Katzen als auch bei Hunden besser ausgeprägt ist.

Unterschiede des Bewusstseins Mensch - Mensch

Nehmen alle Menschen die Dinge in der gleichen Intensität wahr? Oder gibt es Unterschiede? Einige von uns waren der Meinung, dass vor allem Die Qualität des Bewusstseins bei allen Menschen gleich sein müsse, da alle die Selben Voraussetzungen hätten.

Bei genauerem Überlegen kamen wir jedoch zum Schluss, dass sich das Bewusstsein von einem Menschen zum anderen sowohl in Qualität, wie auch Intensität unterscheidet.

Die Unterschiede können sowohl alters- wie auch kulturabhängig sein; gleichzeitig können aber auch in der selben Alters- oder Kulturgruppe Unterschiede auftreten.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel hierzu:

Bei einem Experiment mussten die Versuchspersonen die Anzahl Spieler zählen, die ihnen im Fernsehen gezeigt wurden. Unter den Spielern befanden sich einzelne Schimpansen Nur einer, d.h. ein verkleideter Mensch, der zwischendruch übers Spielfeld ging. - DB -> jene, die konzentriert auf den Bildschirm schauten, übersahen die Schimpansen -> auf das Detail achtende Personen, fanden die Schimpansen ohne weitere

Dies veranschaulicht sehr schön die qualtitativen Unterschiede in der menschlichen Wahrnehmung. Oder auch nicht so schön. Denn es geht beim Experiment nicht darum, ob jemand GRUNDSÄTZLICH die kognitive Fähigkeit hat, den Affen wahrzunehmen. Das wäre ein qualitativer Unterschied. - DB

Beispiele für die Intensität findet man leicht, wenn man bedenkt, dass nicht alle Menschen gut genug sehen, riechen oder hören können.

Bedeutung der Kunst für die Erforschung des Bewusstseins

Ob nun die Kunst das Bewusstsein der Menschen beeinflusst oder nicht, darüber waren sich manche nicht ganz einig. Für manche sei die Kunst wichtig, für andere hingegen egal, wurde argumentiert. Ein wichtiger Punkt jedoch ist, dass sich das Bewusstsein einer Epoche eindeutig in der Kunst wiederspiegelt. Somit wäre die Auseinandersetzung mit der Kunst für die Erforschung des Bewusstsein bestimmt durchaus aufschlussreich.

Bedeutung der Computer für die Erforschung des Bewusstseins

Ein Computer kann heutzutage viele Dinge erledigen; er kann telefonieren, Tickets verkaufen und vieles mehr. Doch sind diese Bereiche sehr begrenzt. Ein Computer kann nur bis zu einem bestimmten Grad selbst denken - und zwar soweit, wie es im einprogrammiert wurde. Also doch nicht SELBST! - DB Es gibt inzwischen auch "lernfähige" Computer, doch sind auch deren Kapazitäten beschränkt. Computer können also nur in einem gewissen Rahmen eigenständige Entscheidungen treffen (wodurch sie meiner Meinung nach nicht über ein eigenes Bewusstsein verfügen).

Überlegungen: Der Mensch versucht immer stärker, ein Wesen zu schaffen, dass ihm Arbeit abnehmen und selbst denken kann. So übernimmt die Maschine immer mehr unserer Arbeiten - wodurch viele überflüssig und arbeitslos werden. Doch ist dies nicht die einzige Gefahr. Erinnern wir uns an den Film "Matrix"; sollte die Menschheit es eines Tages tatsächlich fertig bringen, eine künstliche Intelligenz (KI) zu schaffen, so wird sich diese uns alsbald zu entledigen wissen. Denn wie der Mensch nun mal ist, strebt er nach Perfektion und will ein Wesen, das möglichst alles kann. Ein Wesen also, das stark, intelligent und ein Alleskönner ist. Wozu sollte der Mensch neben einem solchen Wesen also noch existieren? Der Film "I robot" hat dies nach "Matrix" wiederum schön zu veranschaulichen versucht. Wie auch der Mensch, so streben die KI =IntelligenzEN? nach Macht und wollen die Herrschaft übernehmen. Wird es je einmal soweit kommen? Oder wird die Menschheit vorher zur Besinnung kommen?

Ergänzend möchte ich jedoch sagen, dass ein Roboter in meinen Augen nie einen Mensch ersetzen kann. Er mag zwar seine Arbeiten erledigen können, Befehle auszuführen wissen, ja sogar Kochen, Putzen und zur Arbeit gehen können, doch was ihm fehlen wird sind Gefühle. Er wird weder Schmerz noch Freude empfinden können. Weiter wird er auch keine Triebe kennen, also auch keinen Hunger oder Durst - seinen Ölbedarf wird ihm dazu eine Anzeige melden. Roboter würden um ihresgleichen nicht trauern, da sie ja keine Zuneigung kennen und somit auch keine Trauer. Aus psychologischer Sicht könnte man wohl sagen, dass dem Roboter das "es" vollkommen fehlt. Das "Überich" wären die Befehle und das Programm, mit dem er gespeist wurde und das "Ich" dann wohl die künstliche Intelligenz.. doch kann ein Roboter ein "Ich" überhaupt entwickeln, da es ja über kein "es" verfügt? Deshalb haben Roboter meiner Meinung nach auch kein Bewusstsein, da dieses viel umfassender ist als das, was ein Roboter zu leisten vermag. Und wie das Wort allein schon sagt, man muss sich auch "bewusst sein", dass man ein Bewusstsein hat, dass man lebt - ob sich ein Roboter dessen wohl bewusst ist?

Sinnvolle Anwendung eines psychologischen Modells (Freuds Instanzenmodell). Ein solcher Ansatz ist wohl aussichtsreicher als die blosse Behauptung, Roboter hätten keine Gefühle. - DB

Bei der dritten Aufgabe, waren wir uns alle einig, nämlich dass das Bewusstsein mit dem ganzen Körper und der Welt zu tun hat, in welcher der Körper existiert.

In der Antike soll oft These f) für richtig gehalten worden sein, und diese besagt, dass es sowohl das Reich des Geistes, wie auch das Reich der Materie gäbe (Dualismus), das Bewusstsein jedoch ausschliesslich mit dem Geist zu tun habe. Auch heute noch existiert der Glauben an die Seelenwanderung oder die sogenannte "Astralreise", bei welcher der Geist, also das Bewusstsein, den Körper verlässt um so auf Reisen zu gehen.

Filmsequenz aus der Sendung "Delta"

Wie ist das Bewusstsein verbunden mit dem Gefühl für Raum und Zeit, dem Empfinden für Körper und dem Gedächtnis?

Das Bewusstsein ist das Zusammenspiel von Sinnen, Muskeln und Neuronen. Elektrische Aktivitäten können in der Grosshirnrinde anhand von EEG erfasst werden. Ein Beispiel hierzu:

Will der Mensch eine (spontane) Handbewegung ausführen, so erzeugt dies einen elektrischen Impuls. Es erfolgt ein Spannungsaufbau des sogenannten Bereitschaftspotentials. Dies geschieht ca. eine halbe Minute Sooo lahm sind wir nun auch wieder nicht: 0.5 SEKUNDEN! - DB vor der eigentlichen Bewegung. Diese Bewegung sollte doch aber spontan erfolgen? Wie kann der Körper also bereits zuvor reagieren? Sind wir folglich überhaupt noch frei in unserem Handeln oder ist dieses nicht vielmehr vorgegeben?

Überlegungen: Ich denke nicht, dass unser Handeln vorgegeben ist und wir dadurch in unsere Freiheit eingeschränkt sind. Angenommen mich zwickt es am Arm, so nehme ich automatisch meine Hand um dort zu kratzen. Diese Bewegung folgt beinahe von sich aus - sie erfolgt zwar spontan, ist aber doch wie vorprogrammiert Terminologie! Wenn "automatisch", dann nicht "spontan" = "frei"! - DB. Trotzdem bezweifle ich, dass wir dadurch in unserer Freiheit oder unserem Willen eingeschränkt sind, denn ich könnte meine Hand durch meinen Willen auch davon abhalten, mich zu kratzen. Wie aber ist es bei der "Handlung" des Abhaltens? Auch da müsste sich doch 1/2s VOR dem Bewusstwerden des Abhaltens ein entsprechendes - VORBEWUSSTES - Bereitschaftspotential messen lassen. Dennoch ein sinnvoller Ansatz: Viele unserer Handlungen erfolgen in der Tat nur wenig bewusst, z.B. beim Sitzen die Fussposition wechseln oder reflexartig auf etwas reagieren, bevor wir noch wissen, was es ist. Diese Art von Handlungen ist wohl nicht typisch für das, was wir unter einer freien Entscheidung verstehen. - DB

Das zweite Experiment bestätigt meine Ansicht, dass unser Handeln nicht vorgegeben ist. Diesmal sollte die Hand willentlich bewegt werden, also ein Entschluss dazu gefasst werden. Dies erzeugte einen vollkommen anderen Spannungsaufbau, der langsamer erfolgte als beim ersten Experiment. Aber in welchem zeitlichen Verhältnis stehen hier Bereitschaftspotential und Bewusstsein des Entschlusses? - DB

Hierzu ein Beispiel aus dem Alltag, das wohl jeder von uns auf eine ähnliche Weise kennt. Nehmen wir an, wir betreten einen Raum durch eine geschlossene Tür. Automatisch drücken wir auf den Lichtschalter, da wir es uns so gewohnt sind und wir es uns vorgenommen haben - auch wenn das Licht bereits an ist. Die Handlung ist also bereits vorprogrammiert. Obwohl wir erkennen, dass das Licht bereits brennt, reagiert unser Gehirn nicht schnell genug, um den Befehl das Licht anzuschalten zu ändern. "Vorprogrammiert" wenig treffend. Es geht eher um eine Gewohnheit, einen erworbenen Reflex. - DB Das Selbe kann einem beim Verlassen eines Raumes passieren - wie es bei mir häufig der Fall ist. Ich drücke automatisch den Lichtschalter um das Licht zu löschen, obwohl sich noch jemand im Raum befindet.

Besonders leicht soll es uns allerdings fallen, Gesichter zu erkennen. Mittels MEG, welches die Magnetfelder der Aktionsströme in Nervenzellen misst, lässt sich erfassen, ob uns ein Gesicht bekannt ist oder nicht.

Ein weiterer Punkt ist, dass der Kontext in dem wir etwas sehen, anscheinend eine führende Rolle zu spielen scheint. Auch hierzu ein Beispiel.

In der Reihe l2 l3 l4 erkennen wir l3 klar als Zahl.

In der Reihe A l3 C hingegen ist das selbe Zeichen für uns ein Buchstabe, nämlich B.

Unser Gehirn ist also fähig, solche Zeichen in Relation zu ihrer Umgebung zu bringen und diese passend zu entschlüsseln.

Überlegungen: Vor einiger Zeit bekam ich ein Mail zugesandt mit einem eigentlich unleserlichen Text - müsste man meinen. Die einzelnen Buchstaben der Wörter waren total durcheinander gebracht - trotzdem konnte ich den Text ohne Mühe lesen. Anscheinend ist bewiesen, dass unser Gehirn "durcheinander gebrachte" Wörter lesen kann, sofern Anfangs- und Schlussbuchstabe stimmen. Dies fand ich sehr faszinierend, deshalb hier de Text dazu:

Afugrnud enier Sduite an enier Elingshcen Unvirestiät ist es eagl, in wlehcer Rienhnelfoge die Bcuhtsbaen in eniem Wrot sethen, das enizg wcihitge dbaei ist, dsas der estre und lzete Bcuhtsbae am rcihgiten Paltz snid. Der Rset knan ttolaer Bölsdinn sien, und du knasnt es torztedm onhe Porbelme lseen. Das ghet dseahlb, wiel wir nchit Bcuhtsbae für Bcuhtsbae enizlen lseen, snodren Wröetr als Gnaezs. Smtimt's?

Die "Übersetzung": Aufgrund einer Studie an einer Englischen Universität ist es egal, in welcher Reihenfolge die Buchstaben in einem Wort stehen, das einzig wichtige dabei ist, dass der erste und letzte Buchstabe am richtigen Platz sind. Der Rest kann totaler Blödsinn sein, und du kannst es trotzdem ohne Probleme lesen. Das geht deshalb, weil wir nicht Buchstabe für Buchstabe einzeln lesen, sondern Wörter als Ganzes. Stimmt's?

Allerdings scheint auch hier eine Erschwerung möglich zu sein. Folgend ein "durchgemixter" Text von Immanuel Kant:

Daß der bei witeem götßre Tiel der Mncsheen (drutaner das gznae shncöe Gcsehclhet) den Scritht zur Menikügidt, außer dem daß er birhlcsweceh ist, acuh für sher giechräflh hatle: dfüar seogrn shocn jnee Vonerümdr, die die Ocfrashuibet üebr sie gsgütit auf scih gmmeeonn heban. Ndhceam sie ihr Hieavush zsuret dmum gcmaeht hbean und sifrtolägg vhtüeteren, daß dsiee rheiugn Göpsfcehe ja kneein Shrtcit aeßur dem Gelagegwänn, darin sie sie enrpeetisrn, weagn dtufern, so zgeein sie ihnen nechhar die Gaefhr, die inehn droht, wenn sie es vrecusehn alieln zu gheen. Nun ist deise Gefhar zawr eben so gorß nchit, denn sie wrüedn durch eagimniel Faelln whol edlcnih gheen lneern; aleiln ein Bpiesiel von der Art mhcat doch srcüechhtn und sccrekht giihmenen von aleln feerrnen Vserehcun ab.

Ich denke, dies war nun doch etwas schwieriger.. Eigene solche Texte lassen sich mit dem "Textzwirbler" kreieren, hierzu die URL: Textzwirbler

Dieses zweite Beispiel soll vor Augen führen, dass der Kontext für das Textverständnis eine wichtige Rolle spielt, oder auch nur schon das Wissen über den Kontext. Wüsste man im Vornherein, dass Kant's Text von der Aufklärung handelt, wäre die "Übersetzung" wahrscheinlich leichter gefallen, auch wenn man den gesamten Inhalt des Textes nicht im Detail kennt.

Aufgaben
  • Text von J.Kuchta (Hirnanatomie/ -physiologie) lesen
  • Beantworten folgender Fragen: 1) Was weiss man über den Zusammenhang von Hirntätigkeit und Bewusstsein (kognitive Funktionen?) 2) Mit welchen Methoden erkannte man diese?

-- JacquelineTschumi - 20 Mar 2005

Danke für die Einarbeitung des zusätzlichen Materials und die Überlegungen dazu. Es zeigt, wie sehr die Frage nach dem Zusammenspiel von Hirn und Bewusstsein die einzelnen Disziplinen übergreifen muss: Hier Aspekte aus der Psychiologie der Wahrnehmung. Der Beitrag der Philosophie besteht darin zu fragen, ob die e,pirischen befunde wirklich das zu zeigen vermögen, was sie zu zeigen beanspruchen, so z.B., ob der Aufbau eines Bereitschaftspotentials identisch ist mit dem, was wir Entscheidung, Entschluss nennen. Denn was misst man da? DASS eine bestimmte Aktivität stattfindet, nicht aber, WAS sie bedeitet. Das ist eine Frage der Interpretation, gehört mithin zum Feld der Philosophie. - DB


30.11.04

Zur weiteren Klärung der Frage, was Identität ist, haben wir uns mit folgenden Punkten beschäftigt:

  • Gedankenexperiment zur Identität: "Das Schiff des Theseus"
  • Identität unter dem Gesichtspunkt der Logik
  • 2 Texte zur personalen Identität (von John Locke und Jürgen Habermas)

Gedankenexperiment zur Identität: "Das Schiff des Theseus"

Kurze Zusammenfassung des Experimentes: Ein Schiff Theseus I wird repariert, wobei nach und nach jedes seiner Teile ersetzt wird. Der Kapitän bleibt die ganze Zeit über an Bord. Nach vollständigem Austausch der Teile wird das Schiff in Theseus II umgetauft, aus den alten Teilen wird erneut ein Schiff gebaut und Theseus III benannt.

Geschichtlicher Hintergrund: Nach griechischer Sage wurden jedes Jahr Jünglinge per Schiff nach Kreta gesandt, um dort dem Minotaurus geopfert zu werden und dadurch das Volk vor Unglück zu bewahren. Eines Tages war Theseus einer dieser Jünglinge: Er konnte den Minotaurus bezwingen und dem Fluch ein Ende setzen. Seither versandten die Griechen alljährlich ein nach ihm benanntes Schiff Theseus nach Kreta, um ihre Dankbarkeit auszudrücken.

Es lassen sich folgende Schlussfolgerungen aufstellen (nach Herrn Burger):

  • Theseus I = Theseus II => raum-zeitliche Kontinuität* (da der Kapitän das Schiff nie verlassen hat)
  • Theseus I = Theseus III => Struktur (I&II bestehen aus derselben Zusammensetzung von Teilen)
  • Theseus II ist nicht Theseus III (da beide Schiffe im Hafen sind)
* Beziehung, die sich über Raum und Zeit erhält / gleich bleibt

mögliche Antworten zu den Fragen zu Theseus (Antworten aus der Klasse):

a) Wie viele Schiffe gibt es?

2 Schiffe, da...
  • … das 3. das gleiche ist wie das 1. (genau gleiches Material)
  • … gesamthaft nur Material für 2 Schiffe, nicht aber für 3 vorhanden ist
  • … es nur 2 Schiffe im Hafen gibt: 1 altes und 1 neues

3 Schiffe, da…
  • … es eine Zwischenphase gibt: Das Schiff ist in der Zeit zwischen dem Austausch des 1. und des letzten Teiles nicht mehr Th I, aber auch noch nicht Th II. Durch Miteinbezug der zeitlichen Komponente ergibt sich: Th I (Schiff 1) // Th I/II (Schiff 2) // Th II und III (Schiff 1&3 bzw. Schiff 3&1 (je nachdem, ob nun Th I = Th II oder Th I = Th III ist))

b) Falls Th I nicht gleich Th II ist - ab wann ist gibt es Th I nicht mehr bzw. ab wann gibt es Th II?

  • bis alle Teile ausgetauscht sind bzw. bis das letzte Teil ausgetauscht ist
  • nach Austausch des 1.Teiles gibt es Th I nicht mehr / mit dem Austausch des letzten Teiles ergibt sich Th II (übereinstimmend mit der Theorie der Existenz einer Zwischenphase (siehe a))
  • nach der Schiffstaufe (eher nicht, da der Name doch eher ein äusserliches Merkmal ist, das nicht viel zur Identität beiträgt: So ist ein Mensch, auch wenn er sich umtaufen lässt, doch immer noch derselbe)

c) Was ist ausschlaggebender für die Identität der Schiffe: raum-zeitliche Kontinuität oder Struktur?

  • die raum-zeitliche Kontinuität (Th I = Th II): Das Schiff ist stets fahrtüchtig, man kann jederzeit damit losfahren, es ist also immer das gleiche. => Gebrauch ausschlaggebend
  • Struktur / Zusammensetzung der Teile (Th I = Th III): Die beiden Schiffe sind identisch, weil sie genau gleich aussehen, aus dem gleichen Material bestehen. => Aussehen ausschlaggebend

=> mögliche Schlussfolgerung: Die Identität von etwas ist abhängig von der Zeit und von der Struktur (Zusammensetzung)!

Platons "imaginärer Einwand" zum Experiment:

Wenn man das Experiment anhand von Platon betrachtet, gelangt man unwillkürlich zur Idee des Schiffes: Nach Platon’s Ideenlehre wären alle 3 Schiffe Abbilder der Idee, des Urbildes (des Schiffes); man müsste sich deshalb viel mehr mit der Frage nach dem Wesen des Schiffes befassen als damit, welches Schiff mit welchem (nicht) identisch ist.

Eigene Überlegungen

Das Beispiel von Theseus zeigt sehr gut die Schwierigkeit klar sagen zu können, was Identität wirklich ausmacht. Ich sehe allerdings das Problem des Experimentes darin, dass es sich einseitig auf die Identität eines Gegenstandes beschränkt: Theseus ist ein Schiff, es stellt sich die Frage, ob sich die Erkenntnisse 1:1 auf den Menschen übertragen lassen. Ich habe deshalb versucht, mir das Experiment anhand des menschlichen Körpers vorzustellen: Biologisch gesehen verändert sich unser Körper während seines Lebens ständig - wir verlieren tagtäglich Haare, winzige Hautteilchen, etc., so dass nach Ablauf von ca. 7-8 Jahre theoretisch gesehen jede Zelle vollständig ausgetauscht/erneuert ist. (Natürlich müsste man auch miteinbeziehen, dass sich während unseres Lebens nicht nur die physische Substanz, sondern auch unser Denken ändern kann. - Dies möchte ich hier aber bewusst weglassen, da davon beim Schiff nicht die Rede ist.) Man kann also sagen, dass sich das äusserlich Wahrnehmbare stets ändert und ersetzt, aber würden wir deshalb nach 7 Jahren sagen, wir seien nicht mehr der gleiche Mensch?! Ziehen wir das Beispiel noch weiter: Angenommen, ein (wohl bemerkt aussergewöhnlich begabter) Chirurg würde nun aus den "alten" Zellen einen neuen Menschen zusammenbasteln. Der "ursprüngliche" Mensch wäre von dessen Anblick wahrscheinlich durchaus erstaunt, er würde aber kaum behaupten, das sei er, sondern nur eine billige Kopie seiner selbst. Seine Umgebung würde vielleicht im ersten Moment den "zusammengebastelten" Menschen für den richtigen halten, aber würden sie es auch noch, wenn sie beide nebeneinander sehen würden, mit ihnen sprechen würden? Ich behaupte wiederum nein. (Somit eröffnet sich auch ein neuer Aspekt: Macht es nicht einen Unterschied, wer das Schiff (in meinem Fall den Menschen) betrachtet? Man selbst, oder Aussen-stehende?). Zu ähnlichen Überlegungen gelange ich, wenn ich mir das Experiment anhand der boomenden Schönheitsoperationen vorstelle: Hier wird der Mensch ebenfalls (z.T. massiv) verändert, aber sagen wir deshalb, er sei nicht mehr der gleiche? Wiederum würde ich sagen auf den 1. Blick vielleicht ja, aber über kurz oder lang wird sowohl der Mensch selbst als auch die Umgebung ihn immer noch als denselben Menschen betrachten. Ich würde also sagen, dass nicht der erneuerte Körper des Menschen sein eigentliches Wesen ausmacht, sondern eher etwas, das über die Zeit hinweg erhalten bleibt: Die meisten Menschen würden dieses etwas wohl am Ehesten als Seele definieren. Um wieder zum Beispiel von Theseus zurückzukehren, mag zwar beim Schiff die Struktur eine gewisse Rolle spielen, aber für die Griechen war vermutlich auch mehr die Idee, das was sie mit dem Schiff assoziiert haben (Freiheit o.ä.), wichtiger als die Materie.

Mit dem Unterschied Gegestand / Mensch sprechen Sie einen entscheidenden Punkt an, den wir im Unterricht ausgelassen haben. Beim Menschen spielt ja die Innenperspektive für die Identität eine entscheidende Rolle.

Ich habe dazu auch schon ein Gedankenexperiment des russische Autors Stanislaw Lem beigezogen. Ein Autorennfahrer, Johns, verliert im Laufe seiner Karriere durch Unfälle fast alle seine Organe. Diese werden jedes Mal durch künstliche ersetzt, sogar sein gesamtes Gehirn. Weil Johns die Prothesen nicht bezahlt, kommt es zu einem Prozess, in dem die Herstellerfirma deren Rückgabe fordert. Johns bzw. das Prothesenwesen gleichen Namens würden damit zu existieren aufhören. Die Firma argumentiert, dass Johns selber ohnehin nicht mehr existiere, sondern nur dieses Konglomertat von Prothesen (= Aussenperspektive). Johns ist empört, weil er aus seiner Sicht immer noch die gleiche Person ist (= Innenperspektive).

Die personale Identität scheint demnach weniger in der Zusammensetzung von Teilen zu gründen, sondern etwas über sie Hinusgehendes zu sein. Eine Schwierigkeit dabei ist, dass dieses Zusätzliche nur immer von innen erfahrbar ist. Ein andere Frage ist, wie psychische Strukturen und Prozesse mit physiologischen Sturkturen und Prozess Prozessen im Gehirn verknüpft sind (Leib-Seele-Problem). Davon abgeleitet auch die Frage, ob es möglich ist, psychische Strukturen und Prozesse in eine andere "Hardware" zu übertragen als es unser Gehirn ist (==> künstliche Intelligenz). Das wird im nächsten Semester eins unserer Themen sein. - DB

Identität unter dem Gesichtspunkt der Logik

  • 1. Grundsatz der Identität: A = A (A ist mit sich selbst identisch / etwas ist immer mit sich selber gleich)
  • 2. Satz vom Widerspruch: A nicht gleich ¬ A (Alles, was nicht A ist, ist etwas anderes, z.B. B)
  • 3. Satz vom ausgeschlossenen Dritten. Entweder A oder ¬ A (A kann nicht gleichzeitig sich selbst und etwas anderes sein)

Eigene Überlegungen

Die Grundsätze der Logik können uns eigentlich nicht wirklich zu einer Lösung bei der Frage nach der Identität helfen: Ihre Überlegungen sind zwar durchaus verständlich, jedoch bietet die Logik keine weiterführenden oder neuen Erkenntnisse, sie bleibt schlussendlich zu streng mathematisch. Ich sehe gerade darin aber auch eine wichtige allgemeine Erkenntnis bezüglich der Identität: Identität ist kein Begriff, der sich einfach mal so im Lexikon nachschlagen lässt, der in Form einer simplen, gedruckten Definition vorliegt. Unser Pass, unsere Identitätskarte scheinen zwar auf den ersten Blick unserer Identität einen festen Rahmen zu geben, sie zu bestimmen, aber die darin aufgeführten Daten (Name, Grösse, Nationalität oder gar das Foto) bleiben letzten Endes oberflächlich, sie sagen eigentlich nichts über uns aus; sie lassen sich sogar beliebig austauschen oder fälschen. Weiterhin sehe ich darin aber auch eine gewisse Paradoxie: Diese Angaben sind zwar nichts sagend, trotzdem klammert sich der Mensch in gewisser Weise an sie (sind sie doch der einzige schriftliche Beweis unserer Existenz): Wenn wir beispielsweise unseren Namen hören, fühlen wir uns sofort angesprochen und die Vorstellung, keinen eigenen Namen zu haben, würde (zumindest für mich) bedeuten, einen Teil seines Selbst zu verlieren, auch wenn mehr in einem fiktiven als in einem wirklichen Sinne.

Personale Identität (Definition nach Herrn Burger)

"Personale Identität ist die Fähigkeit, sich selber durch räumliche und zeitliche Veränderungen hindurch als gleichbleibend zu erfahren." (raum-zeitliche Kontinuität) (eigene Ergänzung: "und sich dabei von anderen Menschen unterscheiden zu können, sich als eigenständiges Individuum zu sehen")

Anschliessend fasse ich die wichtigsten Punkte der Texte von Locke und Habermas kurz zusammen:

John Locke: "Über Identität und Verschiedenheit"

Nach Locke ist das Bewusstsein ( = Fähigkeit des Menschen zu wissen, was er tut) für eine eigene Identität ( = raum-zeitlich konstant) entscheidend. Durch dieses Bewusststein unterscheidet er (der Mensch) sich von anderen.

Eine persönliche Identität zu haben bzw. eine Person zu sein bedeutet für Locke, sich selbst unabhängig von Zeit und Ort als sich selbst zu sehen. Voraussetzung dafür ist die Existenz eines Bewusstsein: Nur indem man sich seiner eigenen Handlungen bewusst ist, diese als seine eigenen auffasst und wahrnimmt, dass man eben wahrnimmt, gelangt man zu einer Identität (diese reicht dabei soweit zurück wie das Bewusstsein zurückreicht). Das Bewusstsein begleitet laut Locke das Denken und unterscheidet den einzelnen Mensch von allen anderen.

Wichtig für das Verständnis des Textes ist dabei noch zu erwähnen, dass eine raum-zeitliche Kontinuität nicht bedeutet, dass wir um Laufe unseres Lebens stets unser Denken und unsere Meinungen behalten: Der Mensch verändert sich durchaus, gewinnt an Erfahrungen und Empfindungen, dabei bleibt aber ein "harter Kern" (das Selbst /Ich) erhalten. Schön zeigt sich dies am Beispiel eines Fotoalbums: Wenn wir heute Bilder von uns vor 10 Jahren betrachten, werden wir wohl mit einem Lächeln feststellen, dass wir diesen rosa Pullover nicht mehr freiwillig anziehen würden oder der Hot Dog auf unserem Teller nicht mehr mit unserem heutigen Vegetarier-Dasein vereinbar ist. Schlussendlich würde wir aber doch alle sagen: "Das bin ich, vor 10 Jahren."

Eigene Überlegungen

Das eigene Bewusstsein erachte ich als einen zentralen Punkt bezüglich der Identität: Für den Menschen ist es sehr wichtig, sich seiner selbst bewusst zu sein und vor allem auch zu bleiben, so reden und denken wir alle gerne über unsere Erinnerungen und Empfindungen nach, sie sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Ich sehe z.B. an mir selber, wie wichtig mir Fotos oder bestimmte Gegenstände sind: Sie alle sind schlussendlich "Beweis" meiner Taten, meiner Existenz. Wenn einem diese genommen werden, (z.B. durch Gedächtnisverlust, Alzheimer) wird uns zwangsläufig auch ein Stück unserer Identität, ein Stück unseres Selbst genommen. Fraglich bzw. offen bleibt allerdings, wie Locke den Zustand des Schlafes oder einer Hypnose beurteilen würde: Bei beiden sind wir nicht bei Bewusstsein, trotzdem tätigen wir (je nach dem) Handlungen (reden, Bewegungen), die (scheinbar) Aufschlüsse über unser Ich geben können („Das Unterbewusstsein macht sich bemerkbar“, wie man zu pflegen sagt) – nicht umsonst greifen viele Menschen auf Traumdeutungs- oder Hypnosebücher zurück, um durch Analyse solcher Zustände des Nichtbewusstseins etwas über sich selbst zu erfahren.
Bei der raum-zeitlichen Kontinuität finde ich es wichtig, den eigenen Willens als grundlegende Voraussetzung dafür zu sehen (ich greife hier schon mal auf Habermas vor): Wenn ich mich (freiwillig) entscheide, ab morgen Terrorist zu werden, dann kann ich trotz dieser radikalen Einstellungsänderung ich selbst bleiben. Anders verhält es sich aber, wenn ich zu dieser Entscheidung "gezwungen werde" (ich denke dabei an das in der Psychologie behandelte Stockholmsyndrom, bei dem sich die Opfer völlig mit ihren Tätern identifizieren): Oft hört man in diesem Zusammenhang, dass Opfer sich ihrer eigenen Taten gar nicht bewusst sind (hier hätten wir ein weiteres Problem des Bewusstseins: Kann hier noch vom selben Menschen gesprochen werden, sprich, darf diese Person überhaupt für ihr Verbrechen bestraft werden?!) bzw. etwas tun, was sie unter normalen Umständen nie tun würden, da die Geiseln völlig die Sicht und das Verhalten einer anderen Person einnehmen (Sie verlieren ihr eigenes Bewusstsein, geben also in diesem Sinne ihre Identität auf => Identitätsverlust). Fruchtbares Gedankenexperiment! Was hiesse aber im ersten Fall "sie selber bleiben"? Doch nur eine FORMALE Identität, die Einheit Ihres Bewusstseins. INHALTLICH (bzgl. Überzeugungen, Wünschen, Selbstbild usw.) wären Sie kaum die selbe. Gerade da zeigt sich wie Schwäche oder die Abstraktheit von Lockes Konzept der Person. - DB

Jürgen Habermas: "Vernünftige Identität"

Nach Habermas ist unsere personale Identität immer von einer sozialen Identität abhängig: Wir wachsen in einem System von Regeln und Normen auf und erst wenn wir uns damit auseinandersetzen und unseren Platz in der Gesellschaft finden, können wir eine eigene Identität heranbilden. Identität baut sich schlussendlich nicht nur von Innen aus, sondern sie muss auch von Aussen anerkannt werden.

Persönliche Identität bedeutet für Habermas mit sich selbst identisch zu bleiben, unabhängig von (unumgänglichen) Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur (dies ist jedoch nur möglich, wenn diese Veränderungen von einem selber besonders aber von ANDEREN - DB anerkannt werden können). Habermas unterscheidet zwischen personaler Identität (individuelle Identität; an eigenen Werten orientiert) und sozialer Identität (Identität in der Gruppe/als Mitglied einer Gruppe; an allgemeinen Rollen, Erwartungen, Normen & Regeln orientiert), wobei letztere die Bedingung für die Identität des Einzelnen darstellt: Das Bewusstsein allein reicht nicht zur Entwicklung einer Identität, sondern das Bild von sich selbst muss auch von aussen anerkannt werden. Habermas beschreibt dabei die individuelle Identitätsentwicklung als einen Prozess, den er am Beispiel des Kindes illustriert: In einer ersten Phase lernt das Kind sich von seiner Umwelt zu unterscheiden und abzugrenzen und so eine natürliche Identität aufzubauen. Um danach in einer zweiten Phase zur Person zu werden, muss das Kind lernen, sich in seiner sozialen Umwelt einzugliedern zu wissen, seinen Platz zu kennen. Indem es sich in derselben integriert und dabei eine Rollenidentität (Rollenbilder können z.B. der Beruf oder die Stellung innerhalb der Familie sein) entwickelt, erlangt es eine Ich-Identität. Zuletzt zeigt Habermas die Paradoxie des "Ich"-Begriffes auf: Das Wort "Ich" ist bei allen das gleiche (wird von jedem Menschen (und das sind ja bekanntlich weltweit nicht gerade wenige!) verwendet) und doch ist es für jeden etwas ganz Persönliches, die Bezeichnung seiner eigenen Person.

Eigene Überlegungen

Der Mensch darf nicht nur als für sich stehendes Wesen betrachtet werden, sondern auch seine Umwelt ist von hoher Bedeutung: Unser Platz in der Gesellschaft gibt uns eine Rolle, eine Aufgabe - Wir wissen, wie wir uns verhalten müssen/sollten, erhalten durch die Gruppe eine gewisse Sicherheit, einen Halt (So ist beispielsweise wichtig, sagen zu können "Ich bin Schweizer(in)" und dadurch eine gewisse Orientierung, eine Zugehörigkeit in der Welt zu erlangen (wir werden Teil von etwas Grösserem)). Gleichzeitig schränken diese Normen die natürliche Identität auch ein (wir können nicht alles tun, was wir gerne möchten), aber gerade dadurch wird der Mensch dazu angeregt, sowohl seine eigenen Normen als auch die der Gesellschaft kritisch zu überdenken. Die schwierige aber auch wichtige Aufgabe des Menschen erscheint mir dabei, sich einerseits in die Gesellschaft einzugliedern, seine eigenen Vorstellungen aber dabei nur in dem Masse einzuschränken, in dem sie für einen selbst vertretbar bleiben: Weder eine völlige Versteifung auf die eigenen Werte und Wünsche, noch eine einseitige Anpassung an die Umgebung kann zu einer wirklichen Persönlichkeit führen. Wenn ich das in Ihrem Alter auch so klar hätte sehen können... wink - DB

In der Existenz in der Gruppe sehe ich noch eine weitere wichtige Grundlage für eine eigene Identität: diejenige der Unterscheidung. Sowohl bei Locke (Titel: „Über Identität und Verschiedenheit“) als auch bei Habermas (das Sich-Unterscheiden (Z.9/10)) nimmt die Differenzierung, das Anders-Sein eine zentrale Rolle ein: Jeder möchte eine einzigartige, individuelle Person sein. Damit wir diese Feststellung überhaupt machen können, braucht es andere Menschen: Erst indem wir mit anderen zusammenleben, sehen wir, was wir eigentlich sind, was wir (nicht) können, lernen wir unsere Schwächen aber auch unsere Stärken kennen. Diesen Vergleich brauchen wir schlussendlich auch, um uns immer weiter-zuentwickeln, um uns selbst zu hinterfragen. Der Mathematikspezialist beispielsweise schätzt und erkennt seine Fähigkeiten erst, wenn er sieht, dass es andere gibt, die diese Fähigkeit nicht besitzen und er lernt erst, stets an denselben zu arbeiten, wenn er sieht, dass es andere mit ähnlichen Ambitionen gibt. Zusammenfassend finde ich das Beispiel des Baumes von Kant (5. Satz des Weltbürgertums) sehr passend: Der Baum, der isoliert für sich steht wächst zwar frei, aber auch schief und ungeordnet, während der Baum im dichten Wald, konfrontiert mit seiner Umgebung, seinen Mitmenschen, schliesslich schön und gerade wächst!

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Habermas und Locke

  • Bei Locke wird die personale Identität allein durch das Bewusstsein ermöglicht, während Habermas die Wichtigkeit von Bewusstsein und Anerkennung von aussen (im Allgemeinen die Existenz einer sozialen Identität) betont
  • Habermas schildert die Identitätsentwicklung als eine 2-phasigen Prozess (bei Locke gibt es keine Entwicklung, das Bewusstsein ist einfach vorhanden)
  • Habermas’ Text ist im Allgemeinen ausführlicher, so erwähnt er beispielsweise die Paradoxie des Ich-Begriffes.

  • Sowohl Locke als auch Habermas betrachten die raum-zeitliche Kontinuität als wichtiger Bestandteil der Identität
  • Für beide ist das Verschiedensein / die Unterscheidung von anderen stark mit Identität verbunden.

Kritik an Habermas und Locke

Zusammenfassend könnte man also sagen, dass für eine gelungene Identität sowohl die individuelle Lebensgeschichte, das eigene Bewusstsein, als auch die Einbettung in eine soziale Identität wichtig sind. Klingt also nach einer einfachen So-finde-ich-zu-meiner-Identität-Formel. Oder etwa doch nicht?! Kurz angesprochen wurde im Unterricht, dass es sich sowohl bei Locke als auch bei Habermas um einen traditionellen Ich-Begriff handelt: Die Dynamik und Aufsplitterung der Aussen- und Innenwelt wird entweder völlig ausgeblendet (Locke) oder unterschätzt (Habermas: die soziale Identiät ist feststehend).

Eigene Überlegungen

Mobilität und Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft können in der heutigen Identitätsfindung ein ernsthaftes Problem darstellen: Es ist nicht mehr möglich, eine Identität zu bilden und dann aufrechtzuerhalten, sondern dieselbe sieht sich immer wieder mit neuen Situationen und Veränderungen konfrontiert. Die Rollenbilder von Mann und Frau beispielsweise lassen sich nicht mehr mit 100%iger Sicherheit festlegen, ja sie vermischen sich sogar zunehmend. Zwar bringt diese Entwicklung viele Freiheiten für beide Geschlechter mit sich, gleichzeitig aber auch die Schwierigkeit, mit denselben umzugehen. War früher die Frau Synonym für Haushalt und Kindererziehung (oder so ähnlich…), hat das Rollenbild der Frau von heute viele Facetten, wobei sich diese nicht selten widersprechen: So muss eine erwerbstätige Frau und Mutter beispielsweise je nach Situation zwei völlig unterschiedliche Rollen einnehmen: der Bankchef erwartet von ihr einen professionellen und gewinnbringenden Umgang mit Geschäftspartnern, während das Kind zu Hause mit viel Gefühl und Liebe umsorgt werden will; die einzige Gemeinsamkeit der Forderungen des Chefs und des Kindes ist ein verlangter 24h/Tag-Einsatz seitens der Frau. Aber auch innerhalb der Rolle im Beruf kann es Widersprüch-lichkeiten geben: Die Frau muss, will sie sich im harten Businessleben durchsetzen, professionell und selbstbewusst auftreten. Tut sie dies in einem zu festen Masse, wird schnell einmal behauptet: Das ist ja gar keine Frau mehr, die ist völlig gefühlskalt und berechnend (sie erfüllt den ihrem Geschlecht zugeschriebenen Grad an Sentimentalität nicht), ist sie allerdings zu feinfühlig und kann sich nicht durchsetzen, wird ihr Inkompetenz unterstellt (sie erfüllt ihre Rolle als professionelle Angestellte nicht).

Ausblick und Aufgaben für die nächste Stunde
  • Lektüre Text H. Keupp: Was sind die Bedingungen für eine gelingende Ich-Entwicklung unter der heutigen Dynamik unserer Umwelt (Aufsplitterung der sozialen und ökonomischen Umwelt)?
  • "Mein Identitätsmanagement": Verfassen eines Textes zum eigenen Erleben unter den von Keupp gesammelten Aspekten des Identitätsmanagements

Beeindruckend! Sehr präzise Wiedergabe des Lektioneinhalts mit ausgezeichneten und sehr dichten eigenen Überlegungen. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Zumindest, was die Qualität betrifft. Von der Ausführlichkeit her übertreffen Sie jede Erwartung bei weitem!! - DB

-- ManuelaStadelmann - 21 Dec 2004


23.11.04

Während einer Stunde setzten wir uns intensiv mit den Texten zu Ich und Identität auseinander.

Fragen zu den Texten Ich/Identität:

  • a) Was ist erläuterungsbedürftig ?
  • b) Welche Texte entsprechen eigener Erfahrung ?
  • c) Welche Texte sind uns fremd ?

a) Erläuterungen zu den folgenden Texten:

(9) ist ein Gedichtauszug von Gottfried Benn, einem Dichter des Expressionismus. Das Gedicht sagt aus, dass das Ich durch die umgebende Zeit gefährdet ist. Das Ich ist den wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie beispielsweise Atombomben Arg Produkt der wiss. Erkenntnis - DB und Atomstrahlen, schutzlos ausgesetzt. Das Ich ist verloren in einer Welt, die aus kleinsten Teilchen besteht.

Ich kann diese Angst gegenüber der Wissenschaft gut nachvollziehen. Für einige Leute ist die Erlaubnis für die Forschung an Stammzellen der erste Schritt in Richtung des geklonten Menschen. Ich kann diese Befürchtung teilen. Denn wer kann uns garantieren, dass die Wissenschaft nicht eines Tages die Möglichkeit entwickeln wird einen Menschen zu klonen. Ein Ich im Reagenzglas zu kreieren und es nicht mehr dem Zufall der Natur zu überlassen. Dies kann sich heute kaum jemand vorstellen. Aber wer weiss, der Wissenschaft sind ja keine Grenzen gesetzt.

(12) ist der Meinung, dass es keine Identität gibt. Man kann der Identität höchstens eine behördliche Existenz nachweisen mit der Identitätskarte oder der AHV-Nummer. In unserer Welt ist nichts beständig. Wir passen uns immer wieder an die neuen Gegebenheiten an. Nicht einmal der Körper ist ein Zeichen dafür, dass wir eine Einheit sind. ( Auch die Schritte unserer Füsse sind nicht immer gleich. Sie wechseln dauernd.) Man kann keine Bedingungen finden, die angeben, dass das Ich eine Einheit ist. Die Konsequenz dafür ist die Aufsplitterung des Ichs in verschiedene Facetten. Man kann nicht genau bestimmen, wer man ist, da man sich stets verändert. Es gibt auch keine Antwort mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Tatsache ist, dass wir existieren, aber nicht als eine einheitliche Grösse. Wer also unter diesen Bedingungen das Selbst sucht, kann das Ziel der Erkenntnis der Identität nicht finden. Man sucht die Identität, aber man kann wegen den äusseren Einflüssen nicht zur Identität werden. Folge davon ist die Verzweiflung und der Wahnsinn.

a) b) übereinstimmend

  • 5
  • 10
  • 13
  • 11
  • 6
  • 12

b) c) fremd

  • 9
  • 8
  • 11
  • 12

(5) Man hat in der Jugend irgendeine dunkle Vorstellung, wie man sich entwickeln will. Man hat den Wunsch nach etwas und strebt zu diesem Ziel hin. Man wird das Ziel zu einer Einheit zu werden irgend einmal erreichen. Meiner Meinung nach steckt in jedem Menschen der Wunsch nach Selbstverwirklichung. Jeder hat in seinem Innern ein Bild von sich, das man anstrebt und erreichen will. Ein anderes Ziel vieler Leute in Europa ist beispielsweise die Autonomie. Man will sich vom Einfluss der Eltern und deren Unterstützung loslösen und auf eigenen Beinen stehen. Das ist in Drittweltländern nicht möglich. Dort gibt es keine AHV und die Eltern sind im Alter auf die Versorgung durch ihre Kinder angewiesen.

(13) Der arbeitende Mensch hat in der heutigen Welt keine eigene Identität mehr. Die Bedeutung des Wortes Arbeit hat sich grundlegend verändert. Früher wurde für einen Beruf auch gewisse Fähigkeiten vorausgesetzt, um diesen Beruf überhaupt ausüben zu können. Diese Fähigkeiten wurden dann mit der Zeit immer weiter entwickelt. Heute ist das ganz anders. Die Arbeit wird nun mit dem Namen Projekt betitelt. Man beginnt bei jedem Projekt wieder bei Null, dabei muss man sich kurzzeitig Fähigkeiten aneignen. Beim nächsten Projekt sind diese Fähigkeiten überflüssig, denn dieses verlangt ganz anderes Können. Das ist die Mobilität der Arbeit. Die Arbeit ändert sich immer wieder. Es kommt zu keiner Gewöhnung. Da die Arbeit in der heutigen Zeit nicht genau definiert ist und sich fortwährend ändert ist es schwierig oder unmöglich als arbeitender Mensch eine Identität zu haben. Ein anderer Aspekt ist, dass der Mensch durch Fernarbeit und Fernkommunikation keine persönlichen Kontakte aufbauen kann, die beständig sind. Die neuen Kommunikationsmittel, wie das Internet, ermöglichen dem Menschen alles vom Computer aus zu erledigen. Man kann über das Internet einkaufen, Rechnungen bezahlen und sogar mit Kollegen kommunizieren. Dabei muss der Mensch nur vor dem Computerbildschirm sitzen, ohne das Haus zu verlassen. Ein Mensch kann aber nur eine Identität finden, wenn er mit anderen Menschen in Kontakt tritt aber nicht über den Computer, sondern von Angesicht zu Angesicht. Ohne menschliche Kontakte, kann sich der Mensch nicht von anderen Menschen unterscheiden, also auch keine eigene Identität erreichen.

(13) ist meiner Meinung nach ein Widerspruch zu (5). Bei (5) wird der Wunsch nach Autonomie von der Gesellschaft angestrebt. Aber wenn man (13) als Realität sieht, in welcher der arbeitende Mensch keine eigentliche Identität hat, bleibt die Selbstverwirklichung ein unerfüllter Traum.

(10) ist von Herrmann Hesse und handelt von der permanenten Weiterentwicklung des Ichs. Das Ich verändert sich immer wieder und wird so reifer. Man kann aber nie das Ziel erreichen, wo das Ich fertig entwickelt ist. Man soll immer wieder weitergehen um Stufe für Stufe Neues zu erfahren. Sobald man still steht, tritt der Alltag ein, der mit der Zeit zur lähmenden Gewohnheit wird. Dies sieht man beispielsweise in der Medizin. Man kann nach dem Medizinstudium nicht glauben, dass man jetzt alles weiss, was man als Arzt benötigt. Denn die Medizin entwickelt sich immer weiter. In der Forschung werden immer wieder neue Erkenntnisse gewonnen, wie beispielweise ein neues Medikament zur Behandlung einer Krankheit. Darum ist es wichtig, dass man sich als Arzt immer weiterbildet und auf dem neusten Stand ist. Die Forschung verändert die Medizin fortlaufend. __Gibt es hier einen Zusammenhang mit dem vorhin diagnostizierten Identitäts- bzw. Autonomieverlust? Erfülle ich Hesses Vorstellung der permanenten Weiterentwicklung, wenn ich mich zwar ständig weiterbilde, aber doch Arzt bin und bleibe?__ - DB

Vergleich (10) mit (5): Bei (5) wird das Ziel, welches man anstrebt irgend einmal erreicht. Man wird sein Selbst finden. Bei (10) dagegen ist es unmöglich je ein Ende zu erreichen. Das Ich wird sich immerfort weiterentwickeln und es gibt keine endgültige Stufe, wo das Ich fertig entwickelt ist.

(11) äußert, dass das Ich und Du gemeinsam eine Einheit bilden. (11) sticht ein wenig heraus im Vergleich zu allen anderen Texten. Es ist der einzige Text, der einen sozialen Aspekt beinhaltet. Man bildet nicht alleine eine Einheit, wie in (5), sondern mit jemandem zusammen. Für mich ist dieser Text eher fremd. Ich glaube, dass man nur für sich alleine herausfinden kann, wer man selber ist. Aber um die eigene Identität herauszufinden, ist der Austausch mit anderen Menschen wichtig. Nur so kann man sich von ihnen unterscheiden. Ist das nicht ein Widerspruch? "nur für sich allein..." vs. "Austausch mit anderen wirchtig." Vielleicht ist's keiner, wenn Sie den Gedanken genauer entwickeln. - DB

(8) handelt vom Identitätswechsel. Das Äusserliche verändert sich, aber das Innere bleibt bestehen. Das Ich ist immer noch dasselbe, aber die Identität wechselt. (Ein Mensch wird zu einem Käfer.) Mir ist dieser Text fremd. Ich kann mir eher das Gegenteil vorstellen, dass man sich innerlich verändert. Durch verschiedene Erfahrungen, die der Mensch täglich macht, kann er seine Einstellungen ändern. So kann sich beispielsweise ein geiziger Mensch zu einem grosszügigen verändern. Kennen Sie "Die Verwandlung"? Sonst, warum sie nicht auf Ihre Deutschmaturaliste setzen? Die Verwandlung kann eine Reaktion des Ich auf etwas sein, was ihn bedroht hat, oder von dem er das zumindest denkt. Oder die Verkörperung eines inneren Konflikts. Jedenfalls einw vielschichtige Veränderung, die ja übrigens sehr plötzlich aufgetreten ist. Also nicht wie Wandlung von geizig zu grosszügig. - DB

In einer Gruppenarbeit wurden drei Plakate zu den Texten Ich/Identität gestaltet. Die Texte wurden von den drei Gruppen unterschiedlich eingeteilt in:
  • -biographisch
  • -kulturgeschichtlich
  • -Phasen der Identitätsarbeit

Ich-Texte kulturgeschichtlich betrachtet:

Selbstgewissheit:

17. Jh./18. Jh.

  • -Descartes (3)
  • -Rousseau (4)
  • -Goethe (5)

19 Jh.

  • -Nietzsche (6)

Selbstverlust:

20 Jh.

  • -Botho Strauss (12)

Im 17. Jh./ 18.Jh. ist man sich klar darüber, was das Ich ist Mehr sogar, wie gesagt: bei Descartes "unerschütterliches Fundament" wissenschaftlicher Wahrheit - DB. Man hat eine Selbstgewissheit Ich ist sich seiner selbst gewiss, völlig durchschaubar - DB. Im 19. Jh. beginnt der Glaube an die Selbstgewissheit zu splittern Eher diese Gewissheit selber - DB. Im 20. Jh. ist die Auflösung dieser Gewissheit. Man empfindet einen Selbstverlust.

Danke sehr für Ihren Beitrag, der die Textfragmente noch einmal Revue passieren lässt. Gemessen am Ertrag ist die Darstellung des Inhalts der Texte eher zu ausführlich. Toll wäre eine systematische Übersicht über ihre Aussagen zu Ich und Identität. - DB

NadineRoth - 1.Dezember04

16.11.04

Ziel der heutigen drei Lektionen: Wir wollen Kant mit einer Schlussbesprechung abschliessen, die Begriffe "Idee", "Vernunft", "Geschichtsphilosophie" sowie "das Böse" definieren, einander vorstellen und erklären und sie schlussendlich mit den neun gelesenen Sätzen von der "Idee zu einer Gesellschaft in weltbürgerlicher Absicht" in Verbindung bringen.

Dok1.doc: Schema: Kant Begriffe Warum nicht mnit der wikieigenen Zeichnungsfunktion? - DB

Idee
Kant versteht unter Ideen Vernunftbegriffe, die nur rein spekulativ gelten, also nie wirklich erreicht werden können. Solche Begriffe sind zum Beispiel "Gott", "Freiheit", "die Welt als Ganzes", usw. Sie haben nur eine regulative Form Arg Funktion - DB , das heisst sie bestimmen, regulieren zwar die Art, wie wir leben, indem wir bestrebt sind unsere Ideen zu erkennen, doch sind sie als solche nicht erkennbar Ww missverständlich: 2x "Erkennen", aber mit verschiedener Bedeutung.. Für die Menschen sind nur Dinge erkennbar, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Mit diesen machen wir Erfahrungen, das heisst zum Beispiel, wenn wir etwas Neues sehen, also mit unseren Augen wahrnehmen, so wissen wir nun, wie dieses Neue aussieht – wir haben eine Erfahrung gemacht. Unser Verstand ordnet nun diese Erfahrung ein. Er ist es, der eine gewisse Ordnung in alle die vielen Erfahrungen bringt, die wir mit unseren Sinnen machen. Wenn wir zum Beispiel ein neues Auto gesehen habe, wird der Verstand es wohl zu den anderen Autos, die wir schon gesehen haben einordnen. Nach dieser Einordnung kommt nun die Idee zum Zuge. Sie bringt nochmals eine Ordnung in die vorherige Ordnung. Dies geschieht bereits nicht mehr auf der Sinnesebene Das ist allerdings auch schon beim Verstand der Fall!. Die Ideen Eigentlich die Vernunft, Ideen sind nur das "Mittel"! ordnen nur mit ihrer regulativen Funktion die Ordnung unseres Verstandes. Darum können Ideen nicht nachgeprüft oder erfahren werden. Sie sind abstrakt und unseren Sinnen nicht zugänglich. Ideen entstehen aus dem Verstand Nein, Vernunft!, erst mit dem Besitz des Verstandes Vernunft kann der Mensch Ideen entwickeln und sich danach richten. Somit sind Ideen eine Schöpfung des Menschen allerdings keine subjektive Schöpfung, die er jedoch nie erkennen kann.
Ich bin hier nicht ganz derselben Meinung wie Kant, denn ich glaube nicht, dass solche Ideen wie Gott, Freiheit, usw. nicht erkannt werden können. Natürlich weiss ich, dass die meisten Menschen wirklich nicht in der Lage sind, diese Ideen zu erkennen, doch gibt es meiner Meinung nach immer wieder Menschen, die dies schaffen. Ich denke konkret zum Beispiel an Mönche verschiedener Religionen, oder auch sonst an Gläubige. Letzthin hat mir ein Schulkollege, ein sehr gläubiger Christ, sein Erlebnis berichtet, bei dem er Gott erkannt hat. Ich denke, solche Erlebnisse kann man individuell erfahren und somit auch Ideen wie Gott erkennen. Man darf aber auf keinen Fall verallgemeinern - das heisst, man darf nicht sagen, Gott ist für jeden Menschen erkennbar. Meiner Meinung nach sind es einfach individuelle, einzigartige, eigene Erfahrungen, die, wenn wir uns mit der Erkenntnis von zum Beispiel einem Gott beschäftigen, uns widerfahren und uns somit zu einer Erkenntnis verhelfen. Auch Kant hat sich mit dem Phänomen einer - angeblich - übersinnlichen Erkenntnis auseinandergesetzt: vgl. "Träume eines Geistersehers". Kant bewzeifelt ja nicht, dass ein Gott existiert, sondern nur, dass man seine Existenz erkennen oder beweisen kann, so wie man z.B. Naturgesetze durch wiederholbare Experimente beweisen kann. Ihr Kollege beruft sich offenbar auch auf eine durch Sinne vermittelte Erfahrung, diese aber ist offensichtlich singulär, nicht reproduzierbar, sondern nur ERZÄHLBAR. - DB

Kant's Ideenlehre verglichen mit Platon's Ideenlehre:
KANT
• Ideen sind abstrakte Gegenstände (Gott, Seele, Freiheit, Unsterblichkeit, …)
• Ideen sind nicht erreichbar
• Ideen haben nur regulative Funktion
• Ideen können nicht erfahren werden

PLATON
• Ideen sind reale Gegenstände (Idee des Tisch__es__, Blume, Hund, …)
• Welt der Ideen ist eigentlich seiende Welt
• Sinneswelt ist nach dem Vorbild der Ideen geformt – Abbilder der Ideen
• Ideen sind objektiv – sie bestehen einfach SO einfach nun auch wieder nicht! - DB

Vernunft
Nach Kant ist Vernunft die Fähigkeit die allgemeinen Grundlagen des Erkennens, die wir mit dem Verstand ordnen, zu überprüfen und zu überdenken. Die Vernunft bezieht unsere Erfahrungen auf die Einheit eines obersten Zweckes, auf die Idee. Mit dem Verstand könne wir nur erkennen, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, mit der Vernunft versuchen wir die Ideen, die aus ihr entstehen, zu erkennen, was wir jedoch nicht schaffen, denn die Ideen sind nicht erfahrbar, also nicht überprüfbar. Es ist die Vernunft, die es uns also ermöglicht, nach Gründen zu suchen und Gründe zu finden. Kant macht zwischen der Vernunft und dem Verstand also einen wichtigen Unterschied: Der Verstand ist das "niedrige Erkenntnisvermögen" und die Vernunft das "obere Erkenntnisvermögen".
(siehe Darstellung auf dem Thesenblatt zur Vernunft von Fränzi und Manu)

Das Böse
Nach Kant besteht das radikal Böse nicht, da der Mensch von Grund auf gut ist. Jeder Mensch besitzt von Natur aus ein moralisches Gesetz in seiner Maxime kategorischer Imperativ. Wir Menschen werden nun von Triebfedern, von Kräften, ob positiv oder negativ beeinflusst; sie zielen auf unser sinnliches Wohl und werden von unserer Maxime aufgenommen. Wie gut wir schlussendlich sind, hängt nun davon ab, wie weit unten sich das moralisches Gesetz in unserer subjektiven Prioritätenliste der …. steht. Nehmen wir an, jemand stellt das Bedürfnis zu morden über sein moralisches Gesetz, so wird er keinen Skrupel haben zu morden und daher aus unserer Sicht ein schlechter, ein böser Mensch sein. Jemand, der das Bedürfnis zu morden jedoch weit unter das moralische Gesetz setzt, wird sich selber, durch das höher stehende moralische Gesetz verbieten zu morden und ist somit ein guter Mensch. Somit geht aus Kant's Theorie hervor, dass der Mensch zwar von Grund auf gut wäre, durch äussere Einflüsse im schlimmsten Fall immer böser wird, sein moralisches Gesetz also immer weiter herunter setzt, dass er aber niemals radikal böse werden kann, da das moralische Gesetz immer noch besteht, wenn auch an letzter Stelle. Das moralische Gesetz können wir nicht einfach löschen, sondern es bleibt in uns drinnen, auch wenn alles andere wichtiger wird.
In diesem Punkt stimme ich Kant absolut zu. Zuerst habe ich zwar gedacht - doch, es gibt doch Menschen, welche wirklich kein Fünkchen Gutes in sich haben - zum Beispiel Hitler. Doch dann musste ich an den Film "Der Untergang" denken, in welchen Hitler auch von seiner menschlichen Seite gezeigt wurde. Erläuterungsbedürftig! - DB Und ich muss sagen, bei längerem Nachdenken komme ich zu der Überzeugung, dass wirklich kein Mensch absolut böse sein kann. Denn wie Hitler, hat meiner Meinung nach auch der schlimmste Bösewicht irgendeine, auf seine Art, liebenswürdige Seite und wenn er diese nur seinem Hund, seiner Frau, seiner Sekretärin oder seinem Auto gegenüber zeigen kann.
Nach Frau Neiman ist das Böse nicht ein Ding an sich, auch kein Abstraktum, sondern etwas, das sich in der Geschichte entwickelt. Wir können zwar sagen, wenn wir etwas sehen, ob es böse ist oder nicht. Doch das Böse hat immer wieder neue Gesichter, es ist niemals gleich. Ob wir etwas als böse oder gut bezeichnen hängt von sehr vielen Faktoren ab – von den Umständen, der Person, den Handlungsgründen und vielen mehr. Präsident Bush zum Beispiel, hat ganz klare Vorstellungen, davon, was es heisst böse zu sein. Er verurteilt so ganz klar einige Staaten zu seinen Feinden, da sie in seinen Augen böse sind, sowie auch die Attentäter vom 11. September von Bush aus gesehen wohl das Böse überhaupt darstellen. Die Soldaten im Irak, die irakische Kriegsgefangene foltern, bezeichnet er nicht als böse. Er sieht darin eher eine Notwendigkeit, die dazu dient im Irak die Demokratie einzuführen. Doch denken seine Feinde, die Schurkenstaaten nicht gerade umgekehrt, was die Definition von Gut und Böse anbelangt? Ich denke schon und darum darf man sich selber nicht vorgeben, man wisse was gut und böse sei, denn dann verschlisst man die Augen vor dem, was man selber böses tut.
Auch Frau Neiman stimme ich hier vollkommen zu. Oft bemerke ich an mir selber, dass ich gewisse Dinge an anderen Personen bemängle oder sogar verurteile, die ich dann später an mir selber feststellen muss. Dies können schon nur kleine Dinge sein, wie wenn man zu jemandem aus Wut auf jemanden anderen unfreundlich oder unfair ist. Doch auch das ist eine Art von Bosheit, eine Art böse zu sein, die dann aber je nach dem eigenen momentanen Gemütszustand, nach der Sympathie für eine Person, nach der Antipathie für die andere Person, verschieden und somit absolut subjektiv beurteilt wird. Daher kann man das Böse meiner Meinung nach nicht objektiv erfassen. Auch ist das Böse sehr wandelbar - es entwickelt sich in und mit der Geschichte. Noch vor 50 Jahren war eine Scheidung als "böse" und absolut unakzeptabel anzusehen, während dies heute (leider) praktisch eine Normalität ist. Und andersherum war im Mittelalter das Foltern von Menschen, die es "verdient" hatten Arg Foltern meines Wissens nicht Strafmassnahme, sondern - freilich verfehltes - Mittel der Wahrheitsfindung. - DB , absolut nichts schlimmes, nichts böses - es wurde als gut und gerecht angesehen, während dies heute (wenigstens in Europa) glücklicherweise nicht mehr erlaubt und absolut verruflich und unmenschlich gilt.

Geschichtsphilosophie
Es gibt 3 verschiedene Theorien Theorietypen! der Geschichtsphilosophie: die lineare, die zyklische und die Kritiker von beidem.
Zyklisch: Hier wiederholt sich die Geschichte immer wieder. Es funktioniert in einem Kreislauf, daher gibt es kein Anfang und kein Ende. Diese Auffassung vom Geschichtsablauf vertraten unter anderem: Heraklit, Herodot und Thukydides, Aristoteles und Giovanni B. Vico.
Linear: Der lineare Geschichtsablauf wird unterteilt in die Theorie der 3 Stufen, der Idee des Fortschritts und der Idee des Verfalls. Die 3 Stufen sind immer wieder in verschiedenen Geschichtsphilosophischen Theorien sichtbar: In der christlichen Auffassung am Beispiel der 3 Reiche: das Reich des Vater, des Sohnes und des heiligen Geistes. Oder eine weitere Auffassung, welche die Geschichte in 3 Teile aufteilt: in das Zeitalter der Religion, der Metaphysik und der Industrialisierung. Diese 3 Stufen-Theorie wurde unter anderem von Joachim di Fiore, Gotthold E. und Lessing vertreten. Die Idee des Fortschritts sieht den Menschen in einer stetig anhaltenden Entwicklung, in der er immer besser und immer gescheiter wird. So werden wir schlussendlich alle unsere Probleme selber lösen können und uns so unser Paradies erschaffen. Diese Auffassung von Geschichtsphilosophie vertraten unter anderem diverse Aufklärer wie: Voltaire, Antoine M. de Condorcet, Herder, Karl Marx, Hegel, wie auch Immanuel Kant. Die Idee des Verfalls wird von Philosophen wie Rousseau vertreten. Er sieht das Kind als perfekten Mensch, der im Laufe seines Lebens immer mehr zerstört wird. Durch Fortschritt wird alles schlechter, niemals besser. Somit ist die Idee des Verfalls genau das Gegenteil zur positiven Idee des Fortschritts. In all diesen drei linearen Theorien wird die Geschichte als Verlauf mit einem Anfang und einem Ende angeschaut, sie durchläuft also nicht wie bei der zyklischen Geschichtstheorie einen Kreislauf.
Kritiker: Die Kritiker der Geschichtsphilosophie sehen in der Geschichte keinen Ablauf, sie verneinen die Existenz einer Geschichtsphilosophie. Kritiker wie Jakob Burckhardt, Theodor Lessing, Karl Jaspers, Jean-François Lyotard, Oswald Spengeler und viele andere sagen, dass man aus der Geschichte weder etwas lesen, noch lernen kann, es passiere einfach alles so, wie es passiere.
(weitere Informationen stehen auf den Thesenblättern zur Geschichtsphilosophie von Rahel, Jaqueline und Edith)

Ich stimme am ehesten dem zyklischen Verlauf der Geschichte zu. Für mich spricht vor allem für diese Theorie, dass die Menschheit dieselben Fehler immer und immer wiederholt. Jeder Krieg, der geführt wird, beruht schlussendlich auf denselben Ursprüngen - es geht um Macht, um Vorteile gegenüber anderen und um die Ehre des eigenen Staates. All diese Phänomene kann man im heutigen Irakkrieg beobachten, wie auch im trojanischen Krieg, der vor über 2500 Jahren stattfand. Was haben die Menschen gelernt aus den Fehlern ihrer Vorfahren? Nichts! Hitler schaffte es an die Macht zu kommen, Stalin, Lenin - Bush wurde ein zweites Mal gewählt. Es ist mir klar, dass man nicht nur das Kriegsgeschehen der Menschen beurteilen darf, wenn es um den Fortschritt geht, den die Menschheit macht. In der Medizin zum Beispiel, in der Raumfahrt, im Computertechnischen Bereich - welch grosse Fortschritte wurden stetig gemacht! Darum habe ich am Anfang geschrieben, dass ich dem zyklischen Verlauf der Geschichte am ehesten zustimmen würde. Das heisst, ich stimme dem nicht in jedem Punkt zu - ich sehe auch Ansätze anderer Theorien. Ich denke aber einfach auch, dass die Welt, ausgehend von der Natur, ein Kreislauf ist - ein Kreislauf der alles beinhaltet, der alles schlussendlich wieder der Natur zukommen lässt, dem somit auch die Geschichte unterstellt ist. Zur Vertiefung könnten/sollten Sie hier unterscheiden: a) zyklisch = Mit Anfang, Aufstieg, niedergang und Ende. b)immer die gleichen Fehler machen = stagnierende, vielleich eher wellenartige Entwickklung. - DB

Was haben nun diese Begriffe mit der „Idee einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ von Kant zu tun?
Idee: Aus Kants Definition der Idee kann man schliessen, dass dieser perfekte Staat, wie er angestrebt wird, niemals erreicht werden kann, da es eine „Idee einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ ist. Auch ist diese Idee nicht eine Erfindung von Kant, sondern von der Menschheit allgemein, da unser Verstand ja solche Ideen hervorbringt. Die „Idee einer allg. Gesch. in weltbürgerl. Absicht“ erlaubt als eine Idee das Weltgeschehen zu ordnen und systematisieren, doch wir werden niemals erkennen ob es diesen Fortschritt bis hin zu einer weltbürgerl. Absicht Arg Gesellschaft! - DB gibt, denn eine Idee ist nicht erfahrbar, also bleibt diese Idee nur eine Idee.
Vernunft: Die Möglichkeit sich selber zu entwickeln, wie es in der „Idee e. allg. Gesch. i. weltb. Abs.“ von Kant dargelegt wird, ist entscheidend mit der Vernunft des Menschen verknüpft. Nur durch die Vernunft ist der Mensch lernfähig und nur durch die Vernunft kann der Mensch Gründe finden und suchen – der Mensch kann erst durch die Vernunft Ideen entwickeln; so auch die „Idee e. allg. Gesch. i. weltb. Abs.“.
Das Böse: Böse Menschen können Kants „Idee e. allg. Gesch. i. weltb. Abs.“ nicht schädigen, da es keine Alternative zwischen Gut und Böse gibt, es gibt nur ein Spannungsverhältnis. Das böse gefährdet zwar schon den Fortschritt, wenn zum Beispiel alle das moralische Gesetz dem Egoismus unterordnen würden, doch da es niemanden gibt, der nur absolut böse ist, besteht nach Kant keine Gefahr für die „Idee e. allg. Gesch. i. weltb. Abs.“.
Geschichtsphilosophie: Kants Gesch.philosophie ist die Idee des Fortschritts, er sieht die Geschichte also als einen linearen Ablauf. Auch ist das 3 Stufen – Modell bei Kant zu finden. Es gibt 3 Phasen bis zur weltbürgerlichen Absicht: Die erste ist der natürliche Zustand der Menschheit – der Egoismus herrscht. In der zweiten Phase erreicht der Mensch die Fähigkeit sich gegenseitig Rechte zu anerkennen und in der dritten Phase erreicht die Menschheit dann die weltbürgerliche Gesellschaft, welche aufgrund der Definition der Idee zwar nicht erreicht werden kann, jedoch angestrebt und so ähnlich als möglich gelebt. Dieses 3 Stufen – Modell hat Kant also auch nur übernommen, da es auf christliche Vorstellungen zurückgeht – also erliegt auch Kant höheren Schemen.

Testfragen
1. Kann man nach Kant erkennen, dass es Gott gibt? (einbezüglich der Begriffe: Vernunft, Idee)
2. Welche Grundformen der Geschichtsphilosophie gibt es?
3. Welche Grundform der Geschichtsphilosophie dominierte im 18. Jh. und welche im 20.Jh.?
4. Inwiefern sind Menschen zwar von Natur aus böse, aber niemals absolut böse?
5. Warum ist es nicht sinnvoll, nach dem Wesen des Bösen zu suchen? (Neiman)

Antworten
1. Nein! Gott ist nur eine Idee des Menschen, also nicht real, nicht erreichbar, nicht mit Erfahrung überprüfbar – daher kann man ihn nicht erkennen. Die Idee von Gott kann nur regulativ wirken. Ideen aber stammen aus unserer Vernunft, wir selber entwickeln solche Begriffe wie Gott, wir können sie aber niemals erkennen.
2. Zyklisch, linear (unterteilt in die 3 Stufen, Idee des Fortschritts und die Idee des Verfalls) und kritisch.
3. 18. Jh.: Linear - Fortschrittsidee / 20.Jh.: kritisch
4. Durch Kräfte wie Egoismus, usw. setzt der Mensch sein moral. Gesetz hinunter. So ist er nicht mehr absolut gut, da sein moral. Gesetz nicht zuoberst steht. Aber er ist auch nicht absolut böse, da moral. Gesetz immer noch da ist, auch wenn es ganz zuunterst steht, ist es stets da. Jeder hat das moral. Gesetz in sich versch. Kräften unterzuordnen, doch niemand hat das Böse zum Gesetz. (siehe oben: „Das Böse“)
5. Weil das Böse nicht gefunden werden kann, da das Böse nicht als das Böse definiert werden kann, weil es kein objektives Böses gibt. Das Böse wäre nicht das Böse, wenn es sich festnageln liesse. (siehe oben: „Das Böse“) __Danke für Ihre ausserordentlich ausführliche Aufarbeitung, die ja sehr viel mehr als nur den Inhalt der drei Lektionen umfasst. Besonders wertvoll, dass sie konsequent in eigenen Worten formulieren, was freilich bei Kant, der eine sehr trennscharfe Terminologie pflegt, zu einigen Unschärfen führt. (Im Teil über das Böse habe ich die Unschärfen nicht angemerkt, man müsste den Text nochmals beiziehen.) - DB

NoraRohner - November04

02.11.04

Geschichtsphilosophie

Entwicklung der Geschichtsphilosophie

Zuerst müssen wir uns vergegenwärtigen, dass der vorliegende Text: „ Entwicklung der Geschichtsphilosophie“, ein Modell der Geschicht sphilosophie! - DB ist, welche wiederum ein Modell der Wissenschaft der Geschichte ist und diese wiederum ein Modell der Ereignisse und Handlungen darstellt.

Die Geschichtsphilosophie ist der Versuch, Geschehenes in einen systematischen Vermittlungszusammenhang zu stellen. Missverständlich. Genau das tut Geschichte als Wissenschaft ja auch. - DB

Unter anderem gibt die Geschichtsphilosophie Antworten auf folgende Fragen: - Welche Gestalt hat die Menschheitsgeschichte? Gibt es nachweisbare Entwicklungslinien? Zum Beispiel Beweise für Fortschritte? Oder für die ewige Wiederkehr des Immergleichen? Oder lässt sich nur ein sinnloses Durcheinander feststellen?

- Wenn eine bestimmte Richtung angenommen wird: Was treibt die Geschichte in diese Richtung? - Welche Gesetzmässigkeiten zeigen sich eventuell? Haben etwa vergleichbare Situationen aus vergleichbarer Notwendigkeit zu vergleichbaren Lösungen geführt?

Vertiefungen auf folgender Homepage:

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsphilosophie Sinnvoller Hinweis, Danke. - DB

Ist die Geschichtsphilosophie eine Gesetzmässigkeit, nach der sie sich entwickelt? Unverständliche Formulierung! Geschichtsphilosophische Theorien zeigen Gesetzmässigkeiten geschichtlicher Entwicklungen auf. Die Frage ist, ob die geschichtsphilosophischen Theorien selber sich nach feststellbaren Gesetzmässigkeiten entwickeln, dies im Sinne einer Theoriegeschichte. Z.B. zeigt sich, dass Theorien, die mit linearen Geschichtsverläufen rechnen, häufig ein dreistufiges Entwicklungsmodell annehmen. - DB

Im Mittelalter entwickelte sich die Geschichte zyklisch (Christlich lineare Heilsgeschichte). In mehrfacher Hinsicht unglücklich:
  1. inhaltlich: zyklische Geschichtsvorstellungen herrschten in der Antike vor.
  2. inhaltlich: Die Klammer passt nicht zum Satz davor.
  3. logisch: Verwechslung von Theorie und Gegenstand der Theorie: In der Antike gab es Theorien, die einen zyklischen Geschichtsverlauf (= Gegenstand der Theorie) annahmen.
- DB

In der Neuzeit blieb die lineare Entwicklung jedoch nach der Drei-Stufen-Variante, sprich weltlich als auch religiös Unklar! - DB . Das 19.Jahrhundert zeichnete sich durch Abfolge von Phasen des Fortschritts und Phasen des Verfalls (Rückschläge) aus Vgl. oben, Punkt 3. - DB. Im 20.Jahrhundert wurde Kritik und Skepsis gegenüber der Entwicklung der Geschichte ausgeübt Vgl. oben, Punkt 3. - DB.

Weitere Überlegungen:

- Die Menschen möchten aus der Geschichte lernen. Doch tun sie dies wirklich?

Nimmt man den 2. Weltkrieg als Beispiel würde sich diese Frage erübrigen; warum einen 2. Weltkrieg wenn zuvor ja ein 1. stattgefunden hat? Haben die Leute nichts daraus gelernt? Macht die Entwicklung der Geschichte einen Rücktritt Wortwahl - DB? Von der Technologie her gesehen wäre hier klar ein Fortschritt zu erkennen Ein paar Stichworte als Beleg! - DB , jedoch von den Ursachen, welche zum Krieg führten und den Vorkenntnissen über die Folgen des Krieges eher nicht. Das verdiente einige vertiefende Überlegungen. So bleibt es bei einer These, die nur formal ist: Ein ZWEITER Weltkrieg erübrigt sich, da man doch schon einen ERSTEN gehabt hat. - DB

- Wir in der heutigen Zeit sehen die Entwicklung nicht als zyklisch. Eine Wiederholung der Jahreszeiten und Jahrestage findet zwar statt, aber weiter denken wir die Zukunft als fortschrittliche Gegensatz zu zyklisch ist: linear - DB Entwicklung.

Bestes Beispiel hierfür: Die Technologie Ein paar Stichworte als Beleg! - DB

- Die Entwicklung doch zyklisch? Was hiesse das genau? Erläutern! - DB

Sicherlich ändern sich die Menschen meiner Meinung nach nicht in ihrer Einstellung zum Leben, das heisst, viele Menschen streben nach Ansehen, Reichtum und Macht – und das seit Ewigkeiten. Somit ist das Ziel vieler Generationen das Selbe. Die Rahmenbedingungen haben sich zwar geändert und somit die Umsetzung deren Ziel, jedoch nicht deren Tatendrang. Müsste, wie kurz auch immer, konkretisiert werden. Z.B. was für Rahmenbedingungen? Ausserdem ist nicht nachvollziehbar, inwiefern das für oder gegen eine zyklische oder lineare Entwicklung spricht. - DB Weiter ist auch klar ersichtlich, dass die Menschen auch von früheren Menschen lernen. Sie als Vorbilder nehmen, als Wahrheit. (z.B. Aristoteles, Sokrates etc.) Was schliessen Sie daraus? - DB

- Während Hegel (1770-1831) dem Westen im Allgemeinen eine stetige Weiterentwicklung zubilligt, glaubte er, dass der Rest der Welt im ständigen Stillstand seiner geschichtlichen Entwicklung verharren würde (insbesondere China). Auf welche Quelle beziehen Sie sich? - DB Ich stimme Hegel zu, dass sich der Fortschritt, sprich das Neuste Fortschritt = Neustes??? - DB sicherlich im Westen entwickelt. Beispiel? - DB Doch auf den reinen Fortschritt eines Landes bezogen, würde ich es nicht so beschreiben, denn die „Entwicklungsländer“ machen für ihre Verhältnisse grosse Fortschritte, wenn auch mit Hilfe der Menschen aus dem Westen. Von daher ist Hegels Aussage für mich von der Technologie her gesehen sicherlich richtig, bei der Kultur jedoch entwickeln sich die Menschen aus den „Entwicklungsländern“ stärker als die Menschen aus dem Westen. Das müssen Sie erklären? Was hiesst Kultur? Inwiefern ist das so? usw. - DB Dies rührt vielleicht auch daher, dass die im Westen schon so weit sind mit ihrer Entwicklung, das scheint mir aber keine Garantie dafür, dass jene Menschen bessere sind. Auch das: erklären - DB

-- DanielaMoor - 16 Nov 2004


26.10.04

Überblick der 3 Lektionen:

  • Probebesprechung der Probe vom 19.10.04
  • Kants Satz 9 und 5 Thesen
  • Überlegungen zu drei Thesen-> Diskussion
  • Ergänzungen zu Kant: 4 Themen (Geschichtsphilosophie, Idee, das Böse, Vernunft) -> Arbeitsauftrag: Thesenblatt erarbeiten
  • Selbständiges Arbeiten

Zu Kants 9. Satz aus "Idee zu einer allgemeinen Geschichte"

In Kants 9. Satz geht es darum, dass ein philosophischer Versuch die allgemeine Weltgeschichte nach einem Plan der Natur zu bearbeiten als möglich angesehen werden muss und dies zudem förderlich für diese Naturabsicht wäre. Anm.: der Plan der Natur zielt auf die vollkommene bürgerliche Vereinigung der Menschengattung ab.

Thesen zu Satz 9 (aufgestellt von Herrn Burger)

  1. Die Weltgeschichte im Hinblick auf die bürgerliche Vereinigung ist möglich. Wenn man es einsieht sogar förderlich
  2. Natur bezüglich Spiel der Freiheit planvoll (Voraussetzung)
  3. Fortschritt in Staatsformen (Griechen, Römer usw.)
  4. Menschheit lernt aus der Geschichte
  5. Massstab zur Beurteilung von Politik/Herrscher ist die Leistung zur Förderung der weltbürgerlichen Gesellschaft

Zuerst wurden die These 2, 3 und 5 in Gruppen besprochen und auf ihre Aussagekraft überprüft. Danach wurde im Plenum darüber diskutiert. Dazu bekamen wir folgende Diskussionsanregungen von Herrn Burger:

Zu These 2: Natur funktioniert nach Naturgesetzen!

Zu These 3: Fortschritt der Staatsformen? Sind heute die Staatsformen besser als damals zu Kants Zeit?

Zu These 5: Wir beurteilen die Politiker, was sie zur/für die weltbürgerliche Gesellschaft getan haben!

Diskussions Ergebnisse:

Zu These 2: Darüber wurde in der Klasse nicht diskutiert

Eigene Überlegung:

%DRAWING%

Immer bleibt ein Keim der Aufklärung!
  • Somit war jede Revolution eine Vorbereitung für eine höhere Stufe der Verbesserung
  • also wie ein Leitfaden (siehe Kreislauf der Graphik) Unklar: Was ist wie ein Leitfaden? Nicht die Revolution? - DB
  • deshalb: kann man z.T. Staatsveränderungen vorhersehen-> tröstende Aussicht in die Zukunft

Zu These 3 gab es folgende Beiträge:
  • Ja, es gibt Fortschritte in den Staatsformen! Die Demokratie hat sich entwickelt. Es gibt praktisch kein Staat mehr, in dem nicht irgendeine Wahl durchgeführt wird. Das demokratische Prinzip scheint sich also durchzusetzen, obwohl die Demokratie zwar nicht zu 100% ausgereift ist. Trotzdem scheinen wir mit der Demokratie zufrieden zu sein, weil wir nichts besseres kennen!?
  • In unserem Land gab es Fortschritte. In gewissen anderen Ländern aber nicht! Zum Beispiel wenn man daran denkt, dass es in anderen Ländern noch eine Strafe (Steinigung) für Ehebrecher Aber nur weibliche! - DB gibt oder in gewissen Ländern noch Folterung als Strafe angewendet wird. Was aber nicht heisst, dass es keine Fortschritte gibt oder gab. Eine Tatsache ist doch, dass man in diesen Ländern beginnt zu rebellieren und zu kämpfen
  • Massstab für Fortschritt: Freiheit eines jeden!

Eigene Überlegungen:

Ich denke, die Staaten, die bis heute eine demokratische Staatsform haben, haben aus Kants Sicht einen (gewaltigen) Fortschritt gemacht. Denn die Demokratie garantiert am besten die Freiheit und Würde des Menschen. Inwiefern nämlich? - DB Jedoch denke ich, fordert sie von den Staatsbürgern auch Verantwortung. Denn Demokratie ist eine Staatsform im Namen, im Auftrag und unter Aufsicht des Volkes. Jedoch denke ich, müsste man eine weiterführende Überlegung diesbezüglich machen. Es gibt verschiedene demokratische Staatsformen:
  • direkte Demokratie (allgemeine schweizerische Regierungsform),
  • indirekte Demokratie (die meisten Monarchien und Republiken im freien Europa,
  • parlamentarische Demokratie (z.B. Deutschland, Italien etc.)
  • präsidiale Demokratie (Frankreich, USA) (aus Staatskundelexikon, Alfred Huber)
Ein weiterer Schritt wäre doch, diese Demokratien zu beurteilen. Man müsste sich fragen, welche dieser Staatsformen am besten Freiheit und Würde garantieren. Für mich persönlich erfüllt die direkte Demokratie, wie wir sie in der Schweiz haben, diese Kriterien bis heute am Besten. Ein paar Stichworte zur Erklärung: Z.B. warum besser als präsidiale oder parlamentarische Demokratie? - DB Wenn bestimmt diese Staatsform auch noch Fehler und Lücken aufweist Nämlich... - DB, garantiert sie doch bis zu einem hohen Prozentsatz Kants Forderungen, denn für Kant war ja jene Staatsform die Beste, in der jedes Individuum mitdenken, mitreden und mitbestimmen konnte. Ich denke, die "Revolutionen" sind heute in einem demokratischen Staat nicht mehr so spektakulär und überhaupt nicht mehr so blutig wie früher, sondern eher Wortgefechte und Debatten, die zu einer Gesetzesänderung und meistens auch zu Gesetzesverbesserungen führen Beispiel für eine Verbesserung? - DB. Im grossen und ganzen setzt sich also Kants Theorie (sein "Leitfaden") auch heute noch fort.

Ich pflichte eigentlich auch der Aussage bei, dass der Massstab für den Fortschritt eines Staates nach Kants Auffassung "die Freiheit eines jeden" ist. Doch finde ich, dass man sich dabei auch fragen muss, inwiefern diese Freiheit Grenzen braucht in Form von Gesetzen, um diese Freiheit zu garantieren und die der anderen!. Wichtig ist sicherlich dabei auch, dass grundlegende Gesetze (Menschenrechte etc.) eingehalten werden und vom Volk akzeptiert werden. Dies denke ich stellt in der heutigen Zeit noch ein grosses Problem dar. Eine entscheidende Rolle dabei spielen sicherlich die verschiedenen Religionen und ihre Idealbilder von Staatsformen. Ich denke Kant hat seine Überlegungen aus der Sicht der christlichen Überzeugung gemacht, die in der westlichen Welt am verbreitesten war. Dort hatte deshalb auch das Volk diese Überzeugung und jeder einzelne Bürger strebte die heutige demokratische Staatsform an. Dieser Rückhalt im Volk ist sicherlich der Grund, dass sich in der christlichen, westlichen Welt die Staatsformen der Demokratie durchgesetzt hat. Pointierte These. Bedenken Sie aber, dass in der abendländischen Geschichte - auch zu Kants Zeit - die Kirche sich besser mit stark hierarchischen Staatsformen vertrug als mit offenen, auf Mitbestimmung beruhenden. --> Inwiefern ist Kants Aufsatz ("Idee...") der christlichen Religion verpflichtet? - DB Umgekehrt könnte das eine Erklärung sein, wieso in vielen "islamischen" Ländern die demokratische Staatsform noch nicht so verbreitet ist. In diesen Ländern wird Religion und Gesetz nicht getrennt. Man orientiert sich am Glauben und an der Scharia (islamisches Religionsgesetz). Hier wird es wahrscheinlich länger dauern, bis sie Kants Ziel einer demokratischen Staatsform erreicht haben, denn es wäre sicherlich falsch, diese Staaten zu einer Demokratie zu zwingen, weil die Menschen dafür "reif" sein müssen. Die Basis damit ein demokratischer Staat auch funktioniert, muss also eine gemeinschaftliche Überzeugung der Menschheit in einem Staat sein. Sie müssen ähnliche Auffassungen haben (was meiner Meinung nach die Religionsfreiheit nicht ausschliessen muss), um auch diese Freiheit zu garantieren.

Zu These 5 gab es folgende Beiträge:
  • das Centre Pompidou liess Georges Pompidou (Staatspräsident Frankreichs) erbauen; François Mitterrand (ebenfalls ein Staatspräsident Frankreichs) liess eine Bibliothek erstellen. Beide Politiker liessen diese Bauwerke als Errinnerung an ihre Amtszeit errichten. Man könnte so daran feststellen, dass der Massstab der franz. Politik an den erstellten Bauwerken gemessen wird.
  • Im Gegensatz zu den Politikern, die sich nur für ihr Land und ihre Partei einsetzten, kümmerte sich Mutter Theresa in den Armutsvierteln Indiens um das Wohl der Menschen
  • Hitler, Stalin beurteilte man nach dem vergrösserten Einzugsgebiet Vielmehr nach der Grausamkeit ihrer Herrschaft und deren entsetzlichen Folgen. - DB
  • Gorbatschow erzwang die Durchsetzung der Freiheit

Eigene Überlegung zur These 4:

"Menschheit lernt aus der Geschichte"

Bei der These 4 handelt es sich meiner Meinung nach um eine wichtige Kernaussage von Kant. Ich denke aber, der Satz wäre besser formuliert, wenn man sagt: "die Menschheit sollte aus der Geschichte lernen." Denn nach Kants Auffassung lernt der Mensch nicht automatisch von der Geschichte. Sondern Kant formuliert es als eine Aufforderung, " was ein philosophischer Kopf (der übrigens sehr geschichtskundig sein müsste) noch aus einem anderen Standpunkt versuchen könnte." Ein philosophischer Kopf könnte meiner Meinung nach jeder Mensch sein, der Kants Prinzip durchschaut und akzeptiert hat.

Ergänzungen zu Kant:

In Zweier- oder Dreiergruppen mussten wir eines der folgenden Themen aussuchen, um näher darauf eingehen zu können! Folgende Themen standen zur Auswahl:

  1. Geschichtsphilosphie
  2. Das Böse
  3. Idee
  4. Vernunft

Die Aufgabe ist ein Thesenpapier in Zweier- und Dreiergruppen zu dem gewählten Thema auszuarbeiten!

FranziscaMerkofer - 01 Nov 2004


21.09.04

Anm. Besser noch mehr weg vom Verlaufsprotokoll! Keine zeitliche Situierung des Inhalts nötig, sondern der sachliche Zusammenhang ist wichtig. - DB

Als erstes haben wir die Syllogismen-Übungen, die wir als Hausaufgaben gelöst haben, korrigiert.

Hier die Lösungen:

Aufgabe 6:
  • ungültig: Fehlschluss, da der Konsequens bejaht wird.
  • Wenn etwas gut ist, heisst es nicht, dass es teuer ist.

Aufgabe 7:
  • Wenn p dann q,
  • nun nicht p
  • also nicht q
  • (Also sollte man N.N. nicht wählen.)
  • ungültig: Fehlschluss, da das Antecedens verneint wird.

Aufgabe 8: a)
  • Wenn die Läden geschlossen sind, dann ist Sonntag.
  • Nun sind die Läden geschlossen.
  • Also ist heute Sonntag.
  • gültig: Bejahung des Antecedens.

Aufgabe 8: b)
  • Wenn man den Stoff auswendig lernt, hat man schlechte Noten.
  • Nun hat X den Stoff auswendig gelernt.
  • Also hat X eine schlechte Note.
  • gültig: Bejahung des Antecedens.

In der zweiten Hälfte vom Nachmittag besprachen wir die Sätze von Kant. Zuerst repetierten wir die Sätze von letzter Woche (Sätze 1 bis 5).

Satz 1: Alle Naturanlagen entwickeln sich einmal vollständig.

Satz 2: Die menschliche Naturanlage der Vernunft entwickelt sich vollständig nur in der Menschheit, nicht in einzelnen Menschen.

Satz 3: Die Natur verlangt, dass der Mensch sich aus sich selbst heraus entwickelt.

Satz 4: Die menschlichen Anlagen entwickeln sich, weil sie widersprüchlich angelegt sind. Oder der Antagonismus der menschlichen Anlagen ist das Mittel für die Entwicklung derselben, wobei dieser Antagonismus zu einer gesetzmässigen Ordnung führt.

Satz 5: Die grösste Aufgabe der Menschen ist das Erreichen einer bürgerlichen Gesellschaft. Dazu wird der Mensch von der Natur gezwungen.

Nach der Repetition dieser Sätze besprachen wir die neuen Sätze 6 und 7.

Bei der Zusammenfassung des 6. Satzes wird von einer „weltbürgerlichen Gesellschaft“ gesprochen. Die wird aber bei Kant erst im 7.Satz erwähnt. Also sollte es hier „bürgerliche Gesellschaft“ heissen. Ausserdem ist das angesprochene Problem nicht „unlösbar“, sondern „nicht gänzlich unlösbar“. Der Mensch muss das Problem lösen, kann es aber nicht. Das Oberhaupt, von dem im dritten Abschnitt die Rede ist, wird dem Mensch gleichgestellt. Bei der ersten These des sechsten Satzes stellt sich die Frage, ob es Potential zum Bösen gebe. Gibt es Leute, die bewusst Schlechtes tun?

Bei der Zusammenfassung des 7. Satzes müsste noch hinzugefügt werden, dass durch diese Probleme eine bürgerliche Verfassung nicht möglich ist. Anm. Missverständlich, weil Bezug des Demonstrativpornomens unklar. - DB Bei den Thesen wird noch folgendes ergänzt: Die Konkurrenz zwischen Staaten hemmt die moralische Entwicklung ihrer Bürger.

Hier ist ausserdem folgendes anzufügen:

Ruhigkeit: Kant spricht davon (Zustand der Ruhigkeit) Anm. Warum anfügen? Bedeutung? - DB

Kultur:
  • Kunst und Wissenschaft: Idee der Moralität
  • Zivilisation: Anstand, Umgangsform, Konventionen
  • Moralität: das Gute aus guter Gesinnung tun

In der dritten Lektion diskutierten wir in zwei Gruppen die Thesen der Sätze vier bis sieben. Wir suchten Einwände und Erweiterungen. Die jeweiligen ExpertInnen leiteten die Diskussion bei dem eigenen Satz. Jemand hielt das Diskutierte in Stichworten fest. Die Notizen haben wir abgegeben. Die folgenden Aspekte sind hauptsächlich eigene Überlegungen, die aber zum Teil mit dem Diskutierten übereinstimmen:

Satz 4

Der These, dass der Mensch gesellig und ungesellig zugleich ist, stimme ich zu. Jeder Mensch ist gern manchmal alleine ohne weitere Gesellschaft. Er ist aber sicher auch gerne mit anderen Menschen zusammen. Es kommt auf den Typ Mensch an, ob er lieber mehr oder weniger mit anderen Menschen zusammen ist, oder wie oft er gerne alleine ist. Auch mit der zweiten und der dritten These bin ich einverstanden. Ich bin der Meinung, dass diese beiden Thesen eigentlich dasselbe aussagen. Wenn wir uns nicht mit anderen Menschen messen würden, würde jeder weniger leisten, als dass er jetzt leistet. Durch den Konkurrenzkampf will jeder besser sein als der andere und wird somit immer wieder angetrieben mehr zu machen, sich weiterzubilden und sich weiterzuentwickeln. Auch der letzten These stimme ich zu. Eigentlich will jeder Mensch, dass es ihm und den anderen gut geht. Doch warum gibt es dann so viel Leid auf dieser Welt? Wahrscheinlich ist der Wille für das eigene Wohl stärker als der für das Wohl anderer. So handelt der Mensch egoistisch und kann somit anderen Menschen und der Natur schaden. Aber am liebsten wäre es dem Menschen schon, wenn es allen Menschen gut ginge und alle in Frieden miteinander leben könnten.

Satz 5

Bei der ersten These bin ich mir nicht sicher, ob dies wirklich zutrifft. Ist es wirklich der Wille der Natur, dass sich die Menschheit so breit macht und alle ihre Wünsche auslebt? Genauer sein! SInd "Wünsche" das Gleiche wie "Anlagen"? Ich denke, die höchste Absicht der Natur ist nicht die Entwicklung der menschlichen Anlagen, sondern eine Entwicklung der menschlichen Anlagen, die für alle und alles, also für die ganze Natur am Besten wäre. Sinnvolle Ergänzung: Kant hat die Einbettung des Menschen in der oder in die Natur nicht im Blick. Ihr ökologisches Anliegen lässt sich m.E. gut in Kants Konzept einbauen! Der zweiten These stimme ich zu. Der Mensch braucht Freiheit, damit er machen kann, was er will und was ihn weiterbringt. Wenn aber jeder nur das tun würde, was für ihn gut ist, würde es nur zu egoistischen Handlungen und zu einem Chaos kommen. Also braucht der Mensch gewisse Einschränkungen. Er braucht Gesetze. Es wäre zum Beispiel nicht möglich, ohne Geschwindigkeitseinschränkungen Auto zu fahren. Es würden viele zu schnell fahren, sodass es zu Unfällen führen würde. Ausserdem würden vielleicht einige Menschen von anderen stark ausgenützt werden, da ja nicht alle Menschen gleich gesinnt sind. Die gutgesinnten Menschen wären ohne Gesetze stark im Nachteil. Wie gesagt ist das Grundanliegen Kants nicht die Ordnung ("kein Chaos"), sondern die individuelle Freiheit, die ihre Grenze in der Freiheit anderer findet. Die dritte These haben wir in der Diskussionsgruppe nicht verstanden. Wir konnten uns unter positiven und negativen Neigungen nichts vorstellen. Vielleicht braucht es positive und negative Neigungen, damit jeder für sich selbst entscheiden kann, ob er dem Positiven oder dem Negativen nachgehen soll. Er hat die Freiheit, sich zwischen einer Anzahl Möglichkeiten zu entscheiden, die Möglichkeiten sind ihm aber vorgegeben. Dies würde wieder auf die zweite These zurückführen. Der Mensch besitzt Freiheit, aber ihm sind gewisse Grenzen gesetzt. Wodurch gestzt? vgl. oben.

Satz 6

Der ersten These stimme ich zu. Ich denke, dass jeder manchmal gerne seinen Trieben und Instinkten nachgehen würde. Da der Mensch aber ein vernünftiges Wesen ist und weiss, dass es sicherlich nicht gut wäre, wenn er immer nur das machen würde, was er gerne möchte, hält er sich an gewisse Gesetze, Vorschriften, Verbote und Pflichten. Bei der zweiten These konnten wir uns in der Gruppe nicht auf richtig oder falsch einigen. Was genau ist das Oberhaupt? Ist es das Gesetz, Gott, eine bestimmte Person? Wenn es kein Oberhaupt gäbe, gäbe es auch keine Gesetze und Vorschriften. Wer oder welche Institution ist demnach in der Schweiz "das Oberhaupt"? - DB Also könnte sich der Mensch an nichts halten. Und wenn wir davon ausgehen, dass der Mensch sowohl die Freiheit, als auch gewisse Gesetze braucht, damit er sich wirklich richtig entwickeln kann, stimmt diese These. Da man davon ausgehen kann, dass jeder Mensch im Innersten immer zuerst aus egoistischen Gründen handelt Trifft das so absolut zu? Überprüfen Sie dieses GESETZ doch einmal in ihrer alltäglichen Umgebung., ist es wirklich nicht möglich, dass Menschen einen perfekten Staat verwirklichen können. Voraussetzung reflektieren! Was verstehen sie unter einem perfekten Staat, und warum verhindert der menschliche Egoismus einen solchen? Kant jedenfalls führt im vierten Satz Gründe gegen Ihre Auffassung an. Zugespitzt: Es ist gerade der Egoismus, der die Menschen dazu treibt, sich selber Gesetzen zu unterwerfen. Vom vierten Satz her wissen wir aber, dass der Mensch selbst Eintracht will. Also zwingt die Natur den Menschen, sich mit seinen Mitmenschen möglichst gut zu verstehen. Mit der vierten These bin ich auch einverstanden. Ich denke, dass der Mensch zuerst begreifen muss, was er von einer gerechten Verfassung erwarten kann. Danach muss er den guten Willen aufweisen, etwas zu tun, um dies zu erreichen. Er muss vielleicht Dinge aufgeben, etwas an seinem Verhalten ändern oder sich anpassen. Wenn er etwas Falsches getan hat oder etwas, das nicht zum erhofften Ziel geführt hat, sollte er versuchen aus den Fehlern zu lernen, um es das nächste Mal besser zu machen und nicht sofort aufgeben.

Satz 7

Mit der ersten These bin ich einverstanden. Sie besagt, wie schon in vorherigen Sätzen, dass der Mensch ohne Gesetze nicht leben kann. Hier wird vor allem das Verhältnis der verschiedenen Staaten angesprochen. Die Gesetze sollten bei allen Staaten möglichst gleich sein. Denn nur so kann auch eine Gleichberechtigung bei den verschiedenen Staaten entstehen und niemand muss sich benachteiligt oder bevorzugt behandelt fühlen. Bei der zweiten These wird die erste noch verdeutlicht. In jedem Staat sollte jeder Mensch nach den gleichen Rechten, Sicherheiten, Vorschriften behandelt werden. So wird der Konkurrenzkampf, das „Besser sein wollen“ etwas zurückgeschraubt. Es würde Harmonie herrschen, da nicht jeder immer für sich schauen müsste. Durch das Gesamtwohl der Bevölkerung ginge es ihm automatisch auch gut. Auch der dritten These stimme ich zu. Solange nicht jeder gleichberechtigt ist, muss er für sein Recht kämpfen. Auch will jeder Staat grösser und besser sein als der andere. Deshalb bekämpfen sie sich gegenseitig, was zu Krieg führt. Erst wenn alle mit ihrem Leben, mit ihrem Staat, ihrem Beruf und allem was sie haben, zufrieden sind, wird es keinen Krieg mehr geben. Die letzte, im Unterricht dazugefügte These kann ich auch nachvollziehen. Durch die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Staaten muss jeder für sich schauen, dass es ihm gut geht. Der Mensch handelt so, dass es für ihn selbst am meisten Vorteile einbringt und nicht so, wie es für jeden am Besten wäre. Er handelt nicht aus guter Gesinnung, sondern aus egoistischen Gründen. Wenn diese Konkurrenz nicht wäre, würde er aus guter Gesinnung handeln. Er würde also so handeln, dass es für die ganze Menschheit vorteilhaft wäre, und nicht nur für ihn selbst. Er würde sich um das Wohl der Menschheit kümmern und nicht als erstes um sein eigenes.

Ich frage mich, ob es irgendeinmal möglich sein wird, dass alle Menschen in Frieden zusammenleben können, ob die Menschen irgendeinmal nicht mehr egoistisch, sondern für das Gesamtwohl der Menschheit denken und handeln werden. Oder besser gesagt frage ich mich, warum dies bis jetzt noch nie so gewesen ist und auch in Zukunft nie so sein wird...

Ausführliche und hilfreiche Stellungnahme zu den einzelnen Thesen Kants. Sie hat ein paar korrigierende oder ergänznede Hinweise ermöglicht. Ihre abschliessenden Fragen fallen allerdings weit hinter Kant zurück, auf ein vorphilosophisches Niveau. Von Kant ausgehend liesse sich doch genauer, ergiebiger darauf eingehen. - DB

AngelaGraeni - 18 Oct 2004


14.09.04

In den ersten zwei Lektionen haben wir uns vorwiegend mit der Logik befasst und auch einen Probetermin zur Logik festgelegt: 19.10.04

Um einen Überblick über das Thema Logik zu erhalten und zu sehen, was wir schon alles bearbeitet haben und was wir noch besprechen werden, haben wir ein Blatt mit den Lernzielen der Logik erhalten (vgl. Blatt PPP: Lernziele Logik). Heute haben wir uns mit den letzten drei Punkten befasst:
  • Die Gültigkeit von Syllogismen prüfen
  • Schlüsse mit Konditionalaussagen / Bedingungssätzen bilden und deren Gültigkeit prüfen
  • In „kurzen Schlüssen“ die fehlende Prämisse ergänzen können

Hier noch eine Korrektur der Kärtchen zu den verschiedenen Syllogismen. Dies betrifft den Syllogismus Nr. 15. Das Beispiel würde korrekt so lauten:

  • Einige Europäer sind keine Schweizer.
  • Alle Europäer sind Menschen.
  • Also sind einige Menschen keine Schweizer.
[Eine Liste schafft Übersicht; Schlüsselbegriffe, hier S, P und M durch Fettdruck hervorheben!] - DB

Übungen zum Syllogismus:

Um praktische Übungen zu machen, haben wir Aufgabe 3 auf dem Übungsblatt für Syllogismen versucht zu lösen. Doch wie sich herausstellte, fand niemand der Klasse den Mittelbegriff dieses etwas komplizierteren Satzes von René Descartes heraus. Die Lösung sieht folgendermassen aus:

  • Subjekt: Der gesunde Verstand
  • Prädikat: Die bestverteilte Sache der Welt
  • Mittelbegriff: Das, wovon alle genug haben und niemand mehr will

Folglich der Syllogismus: [Für einen Zeilenumbruch das html-Element <br> einfügen! Natürlich könnte man auch mit einer Tabelle Übersicht schaffen.] - DB

1. Prämisse: Das, wovon alle genug haben und niemand mehr haben will, ist die bestverteilte Sache der Welt. (M a P)
2. Prämisse: Der gesunde Verstand ist das, wovon alle genug haben und niemand mehr will. (S a M)
* Konklusion: Der gesunde Verstand ist die bestverteilte Sache der Welt. (S a P)

Lösungen Aufgabe 4:

a) Also ist kein Verrückter ein Philosoph.

b) Also sind einige Schwimmer keine Fische.

Lösungen Aufgabe 5 (nach den Kriterien 1-3, vgl. Blatt Ergänzungen: Gültigkeit von Syllogismen):

c) 1. trifft nicht zu

2. trifft nicht zu

3. trifft zu

folglich ist der Syllogismus ungültig.

d) 1. trifft zu

2. trifft zu

3. trifft zu

folglich ist der Syllogismus gültig.

e) 1. trifft nicht zu

2. trifft nicht zu

3. trifft zu

folglich ist der Syllogismus nicht gültig.

f) 1. trifft nicht zu

2. trifft nicht zu

3. triff zu

folglich ist der Syllogismus nicht gültig.

Eine kleine Denkaufgabe von Herrn Burger:

Formulieren Sie einen gültigen Schluss, in dem nur ein einziger Begriff distribuiert ist.

Um so einen Syllogismus zu formulieren, muss man in zwei Schritten vorgehen:

1. Eine Aussage finden, wo entweder das Subjekt oder das Prädikat distribuiert ist -> A- oder O- Aussage
[ Welcher Begriff des Syllogismus muss distribuiert sein, damit der Schluss gültig wird? S, P oder M? Vgl. Regel 1!] - DB

2. Eine Aussage finden, wo keiner der beiden Terme distribuiert ist. -> I-Aussage

Beispiel: Alle Frauen sind schlau. (M a P)

Einige Frauen sind blond. (M i S)

Also sind alle Blondinen schlau.(S i P)

Aussagenlogik

Soentgen S. 130 bis 132 oben

Eigenes Beispiel:

1. Form: Wenn das Wetter schön ist, ist Angela glücklich.

Nun ist das Wetter schön, also ist Angela glücklich.

2. Form: Wenn das Wetter schön ist, ist Angela glücklich.

Nun ist Angela aber nicht glücklich, also ist das Wetter nicht schön.

1. Fehlschluss: Wenn das Wetter schön ist, ist Angela glücklich.

Nun ist Angela glücklich, also ist das Wetter schön.

2. Fehlschluss: Wenn das Wetter schön ist, ist Angela glücklich.

Nun ist das Wetter nicht schön, also ist Angela nicht glücklich.

Wieso sind die letzen beiden Beispiele Fehlschlüsse? Beim ersten Fehlschluss ist es eindeutig: Das Wetter ist nicht abhängig davon, ob Angela glücklich ist, sondern umgekehrt. Angela hat keinen Einfluss auf das Wetter! Beim zweiten Fehlschluss muss man schon ein wenig mehr überlegen, um den Fehler zu finden. Das Problem ist folgendes: Angela kann auch andere Gründe haben, glücklich zu sein, zum Beispiel, wenn sie eine gute Note in der Philosophieprüfung erhält. wink

Herr Burger hat noch einige Fachbegriffe zum Thema Aussagenlogik eingeführt. Als Beispielsatz hat er folgenden genommen:

Wenn Maria Malaria hat (p), dann hat sie Fieber (q).

p(das Antecedens) ) q(Das Konsequens)

In der ersten Form sieht das dann folgendermassen aus:

p -> q „Wenn A B (p) ist, dann ist C D (q).“

p „Nun ist A B (p).“

__

q „Also ist auch C D (q).“

= modus ponens, Bejahung des Antecedens

Und die zweite Form:

p -> q „Wenn A B (p) ist, dann ist C D (q).“

¬q „Nun gilt aber nicht, dass C D (q) ist.“

__

>p „Also ist A auch nicht B (p).“

= modus tollens, Verneinung des Konsequens

Erklärung der Zeichen:
  • -> : wenn, dann
  • ¬ : nicht [Das Negationszeichen ¬ ist auf der Tastatur mit "Alt Gr" + "6" zu erzeugen.] - DB

Beim ersten Fehlschluss wir das Antecedens verneint, beim zweiten wird das Konsequens bejaht.

Kurze Schlüsse

Soentgen S. 133 bis 134

Beispiel: A: „Der Mörder wurde gefunden!“

B: „Wann ist er verhaftet worden?“

Hier schliesst Sprecher B aus der Aussage von A automatisch, dass der Mörder verhaftet wurde. Doch wo sind die Prämissen? Lösung:

1.Prämisse: Alle Verbrecher werden verhaftet. (M a P)

2.Prämisse: Alle Mörder sind Verbrecher. (S a M)

Konklusion: Alle Mörder werden verhaftet. (S a P)
[ Einwand: Die zu ergänzende Prämisse müsste den Schluss vervollständigen. Ihre Lösung tut das aber nicht. ] - DB

Kant

Um den Einstieg von der Logik zu Kant zu vereinfachen, hat Nora einen Zeitungsartikel aus „Die Zeit“ kurz zusammengefasst. Der Artikel heisst „Aliens wie du und ich“, wobei es sich um ein Interview mit dem Paläobiologen Simon Conway Morris handelt, welcher nicht an den Zufall in der Evolution glaubt. Er bezeichnet sich als Darwinist, jedoch ist er der Meinung, dass „der Darwinismus die Resultate der Evolution nicht ausreichend erklärt“. Morris geht davon aus, dass alle natürliche Anlagen der Natur [Red] unabhängig voneinander entstehen bzw. sich entwickeln. Ein Beispiel, das er nennt, sind die Glied[er]füssler: „So ist etwa gut kommentiert, dass die Gliederfüssler und die Fische das Land mindestens dreimal unabhängig voneinander erobert haben. Ich gehe also davon aus: Früher oder später wird ein Tier im Wasser Beine ausbilden. Und sobald es das getan hat, wird es beinahe zwangsläufig an Land krabbeln“. Als ein weiteres Beispiel erwähnt er, dass sich der Neandertaler und der Homo sapiens unabhängig voneinander entwickelt haben. Deshalb nimmt er an, dass die Evolution bei einer intelligenten Spezies überall früher oder später zwangsläufig stattfinden wird [ bei und überall -> Ww ]. Er geht sogar noch weiter und sagt, dass [es] dieses Prinzip auch auf anderen Planeten gibt. Wenn es irgendwo intelligentes Leben gäbe, dann hätte es dieselben Augen wie wir (weil ein intelligentes Wesen den Evolutionsprozess zwangsläufig durchmacht [ Arg ] . Ausserdem ist das Linsenauge in der Evolutionsgeschichte mindestens siebenmal unabhängig voneinander erfunden worden).
Ich persönlich finde die Theorie von Morris ganz interessant, doch sie ist schwer zu glauben, denn er hat keine Beweise, nur Vermutungen, welche er aufgrund der Geschichte aufgestellt hat. Ich mag es eben, wenn ich etwas stichhaltiges in der Hand haben kann. Aber es ist eine sehr interessante Theorie, die zu Gesprächen anregt und über die man sich viele Gedanken machen kann, philosophische Gedanken. Wie sind wir hergekommen? Wieso sind wir hier? Was ist unsere Aufgabe, was bezweckt unser Körper mit unseren natürlichen Anlagen?
[ Beweise / Vermutungen / glauben: Wir müssen versuchen, da genauer zu sein. Was Morris anführt, sind nicht nur Vermutungen, sondern diese Vermutungen stützen sich auf Erfahrung, auf empirische Belege wie z.B. auf das Vorkommen eines bestimmten Typs von Augen oder won Zellen bei biologisch nicht verwandten Arten. Die Frage drängt sich auf: Warum halten Sie eine Theorie, die die Evolution kausal, allein aufgrund von Selektion und Adaption erklärt, für stichhaltiger? Denn auch so eine Theorie kann sich ihrerseits nur auf empirische Belege stützen! Allerdings stützt sich auch Morris nicht überall auf Erfahrung, etwa dann, wenn er schliesst, die teleologische Erklärung der Natur lege es nahe, einen Schöpfergott anzunehmen.]
Wir sollten auch versuchen, uns nicht gleich in den letzten und darob auch unbantwortbaren Fragen nach dem Sinn des Universums und dergleichen zu verlieren. Denken wir bescheidener, dafür ergiebiger.
- DB

Um die Parallele zu Kant zu verdeutlichen, hier noch einmal die These von Kant: Alle Naturanlagen sind dazu bestimmt, sich vollständig und zweckmässig zu entwickeln.

Übrigens finde ich das eine sehr gute Idee, ein Thema mit aktuellem zu vergleichen, so wie wir (bzw.) Nora das jetzt gemacht hat, denn so sieht man, dass die Themen durchaus aktuell sind. Nicht nur Kant hat sich um 1780 mit der Frage der Naturanlagen und ihren Nutzen beschäftigt, sondern auch heute ist es noch eine viel gestellte Frage. Wird sie wohl je einmal ganz und endgültig geklärt sein? Ich weiss es leider nicht.

3.Satz

Hauptthese: Die Vernunft läuft nicht wie ein genetisches Programm ab, sondern sie muss sich selbst einen Weg suchen, der Mensch soll sie selbst zum Vorschein bringen lassen. Die Natur hat zwar den Menschen eingerichtet, aber es läuft nicht automatisch ab, der Mensch ist durch die Vernunft eigenständig und kann selbst wählen, wie er seine Naturanlagen einsetzt. Somit ist der Mensch frei.

Nebenthese: Der Mensch ist von Natur aus so eingerichtet, dass es für ihn wichtiger ist, selbst zu bestimmen und herzustellen als einfach glücklich zu sein und sich wohl zu fühlen. Ausserdem sind es die negativen Eigenschaften des Menschen die bewirken, dass er sich entwickelt.
[ Eigene Überlegungen deutlich von Inhaltsangabe abtrennen!] - DB Wären wir glücklich wenn wir nichts tun müssten, einfach da sein könnten ohne etwas für unser Wohlbefinden zu tun? Hätte dann das Leben überhaupt noch einen Reiz? Ich glaube kaum, manchmal wird einem in den langen Ferien schon langweilig, wenn man nicht verreist und nichts zu tun hat. Ich verspüre dann immer den Drang, etwas zu tun und aktiv zu werden. Herausforderungen machen somit das Leben interessant und unvorhersehbar.
[ Bezug zu Kant deutlich machen: Er spricht ja davon, dass die Menschheit sich nicht weiter entwickeln würde, wenn wir im Schlaraffenland lebten. Die einzelnen Mensch wären nach Kant im Schlaraffenland sehr wohl glücklich; wenn es denn nicht die ungesellige Seite gäbe usw.] - DB

4.Satz

Die Zusammenfassung des 4.Satzes haben Jaqueline und Rahel heute für uns zusammengefasst und abgegeben. Ich füge noch Ergänzungen von der Besprechung hinzu und gebe die Korrekturen von Herrn Burger an.

Korrekturen:
  • Zeile 1: ...Antagonismus in den Anlagen...

  • Zeile 2: ...“ungesellige Geselligkeit“

  • 3.These: Ohne Ungeselligkeit/egoistischen Wünsche...(die Ungeselligkeiten und egoistischen Wünsche sind der Widerstand)

Erklärung des Begriffs „pathologisch Abgedrungen“ (Immanuel Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, S.8, Z. 8): Ursprünglich wird der Mensch gezwungen, sich zusammen zu tun (auch wenn er nicht will). Somit sucht der Mensch also die Gesellschaft, flieht sie aber auch. (näheres siehe Thesenpapier) Somit ergibt sich nach und nach eine gerechte Gesellschaft. Wie schon im 3.Satz erklärt, würde nichts geschehen, wenn wir alle zufrieden wären, denn dann würden wir nur faul herumliegen.

5.Satz

Auch hier werde ich gleich vorgehen wie beim 4.Satz.

Korrekturen:
  • Ergänzung zur Einleitung vom Thesenpapier: Die Natur stelle dem Menschen die Aufgabe, eine bürgerliche Gesellschaft zu erreichen, die durch Rechte geregelt wird.

  • Die erste These beschreibt eigentlich den 1. Satz.

  • Ergänzungen zur 2.These: Die bürgerlichen Gesetze geben dem Einzelnen die grösstmögliche Freiheit, die die Freiheit anderer nicht einschränkt.

Der zentrale Satz der These: „In diesen Zustand des Zwanges zu treten, zwingt den sonst für ungebundene Freiheit so sehr eingenommenen Menschen die Not; und zwar die grösste unter allen, nämlich die, welche sich Menschen untereinander selbst zufügen, deren Neigungen es machen, dass sie in wilder Freiheit nicht lange nebeneinander bestehen können.“ (Immanuel Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, S.9, Z.18-23)

Auf die Frage, wieso es Gesetze braucht, erhält man eigentlich immer dieselben Antworten wie:

„Für ein friedliches Zusammenleben“

„Sonst gäbe es ein riesen Chaos“

...

Hierbei bezieht sich eigentlich alles auf den gleichen Grundsatz. Doch Kants Antwort auf diese Frage lautet: “Es braucht Gesetze, damit man frei sein kann.“
[ Eigene Überlegungen deutlich von Inhaltsangabe abtrennen!] - DB Für mich ist das absolut einleuchtend und logisch, nachdem wir Kants These ausführlich besprochen haben. Die Frage „Wieso braucht es Gesetze“ finde ich eine der interessantesten. Denn eigentlich bestimmen die Gesetze unser alltägliches Leben und unser Verhalten. Wo würden wir landen, wenn wir keine Gesetze hätten? Jeder würde tun und lassen was er will, wo er will und wann er will. Ich könnte nicht mehr ohne Angst, angegriffen zu werden, aus dem Haus gehen, also wäre meine persönliche Freiheit eingeschränkt.

Das Thema „Gesetz“ wäre sicher ein sehr interessantes Thema, dass man auch noch unter anderen philosophischen Aspekten betrachten könnte. Deshalb fände ich es eine sehr gute Idee, dieses Thema einmal näher in der Philosophie zu besprechen...

Als letztes möchte ich noch, eine offene Frage in den Raum zu stellen: „Sind alle unsere natürlichen Anlagen vollkommen ausgeschöpft oder sind sie noch zu mehr fähig?“
[Als Zusatzfrage: Was sagt denn Kant dazu?] - DB

Allgemeines: Ich hatte sehr viel Mühe, meine Formatierung ins Wiki zu übertragen. Leider konnte ich nicht alles so gestalten, wie ich es gern wollte und im Word vorgesehen habe, deshalb ist es wahrscheinlich manchmal ein bisschen mühsam zu lesen/verstehen...:(
[Einige Formatierungshinweise habe ich weiter oben gegeben. Mit etwas Übung kriegt man, glaube ich, ganz brauchbare Resultate. Es lohnt sich aber erfahrungsgemäss, den Text direkt in WIKI einzugeben, ohne den Umweg über WORD.] - DB

-- SarahDodd - 20 Sep 2004

31.08.04

Das Hauptgewicht der drei Lektionen lag beim ersten Satz von Immanuel Kants Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht.

Bevor ich das Hauptthema behandle, möchte ich noch kurz einige Aspekte zum Feedback der ersten Stunde erläutern [ _Gehört also schon zu den eigenen Überlgungen_ smile - DB]:
  • Für mich waren im Besonderen selbständige Themen ergiebig. Es ist eine willkommene Abwechslung zum Unterricht, weil man eigenständig etwas erarbeiten und präsentieren kann.Bei den Grundpositionen der Ethik haben wir Power Point Präsentationen und Thesenblätter verfasst, ich denke künftige Klassen sollten auch von dieser Methode profitieren, weil sie das teamorientierte Denken und die Fähigkeit zu präsentieren fördert.
  • Zum zweiten Punkt: Die Proben sind aus meiner Sicht sinvoll gestaltet in Bezug auf den Lernstoff. Es ist sinvoller, wenn die Proben nicht aus sturem Auswendiglernen bestehen, sondern das eigene Denken fördern. Ich würde es begrüssen, wenn nicht auf jedes Thema eine schriftliche Arbeit folgt, es ist auch möglich eine Gruppenarbeit, eine Präsentation oder einen Kurzvortrag zu halten.
  • Insgesamt beurteile ich den Philosophieunterricht durchaus positiv; er ist lehrreich und vielseitig. Aus meiner Sicht ist er jedoch manchmal zu seriös und zu korrekt. Das zeigt sich beispielsweise im Protokoll auf Wiki: die Idee des Protokolls erscheint mir durchaus sinvoll als Nachschlagewerk und Ergänzung zu den eigenen Notizen. Ein wenig zu aufwendig hingegen erscheinen mir die Punkte, die auf das Weiterführen der Lektion ziehlen (eine stillschweigende Voraussetzung aufdecken, eine Gegenposition entwickeln, eine offene Frage formulieren und beantworten). Gerade weil die Lektionen sehr genau geplant sind, wird eine Weiterführung zu einer zeitintensiven und komplizierten Angelegenheit.
_[Danke für die Bescheinigung von Seriosität und Korrektheit! Wir sind es der Philosophie oder dem Denken schuldig, gewissenhaft und genau zu sein. Der Spass, der einem das Denken verschaffen kann, ist nicht ohne Anstrengung zu haben. Das ist vielleicht wie beim Sport?!_

_Wozu weiterführende Überlegungen?_
  • _Der Philosophieunterricht soll oder muss das eigene Denken der Teilnehmer/innen anregen und einbeziehen. Es kann nicht nur darum gehen, am Schluss zu wissen, was Aristoteles so gedacht hat usw. In Diskussionen kommt zwar das eigene Denken zum Ausdruck, aber nicht von allen und nur in mündlicher Form. Die der Philosophie angemessene Genauigkeit ist besser schriftlich zu erreichen._
  • _Im Maturasemester plane ich, dass alle sich mit einer selber gewählten philosophischen Frage selbständig auseinandersetzen. Die weiterführenden Überlegungen in den "Philosophischen Spuren" sind eine Vorstufe dafür._
  • _Noch besser als ein reines Protokoll zeigen mir eigene Überlegungen, wie die Sache aufgenommen, verstanden worden ist._
  • _Die Note soll den Aufwand und die Leistung der Autor/innen würdigen!_
  • _Wir werden das Projekt Ende dieses Semesters evaluieren! (Bitte erinnern Sie mich daran, sollte ich es vergessen._ wink - DB]

Beim Thema Aristotelische Logik haben wir die Aufgabe 1c) besprochen; die Lösung sieht wie folgt aus:

Alle Edelsteine sind Schmuckstücke(P a M)

Eine Diamanten sind keine Schmuckstücke(S o M)

Also sind einige Diamanten keine Edelsteine(S o P)

Der erste Satz Kants formuliert den Grundsatz, dass alle Naturanlagen eines Lebewesens darauf angelegt sind, sich einmal vollständig und zweckmässig zu entwickeln.

Kant bestätigt seine These mit den gesetzmässigen Ordnungen der Natur, falls diese nicht vorhanden wären, wäre nach Kant die Natur nur ein zufälliges Spiel ohne jeglichen Leitfaden der Vernunft.
  • Zu diesem Punkt ist folgende Überlegung interessant: Gibt es auch zufällige Ereignisse der Natur oder ist alles logisch und gestzmässig aufgebaut?
Biologisch gesehen ist die Natur ein hochkomplexes System. In sich beinahe perfekt kompensierend, aber eine Komponente bringt Ungleichgewicht: der Mensch! [ *_Gab es im Lauf der Evolution nicht immer wieder Spezies, die ein Ungleichgewicht erzeugten? Z.B. Saurier, deren massive Verbreitung die Entwicklung der Säugetiere be-/verhinderte. - DB ] Wir haben nämlich die Möglichkeit in die Natur einzugreifen, wir können sogar ein Lebewesen an seiner Entwicklung hindern. Die Menschheit scheint in der Natur mehr zu zerstören als zu errichten: ist das eine zweckmässige Entwicklung? Und wo liegt der Leitfaden der Vernunft?

Kant listet folgende Thesen/Argumente auf [ _Liste nicht von Kant selber, sondern meine Rekonstruktion!_ - DB ]:
  • 1.Jedes Potential ist darauf hin angelegt sich zu entwickeln
  • 2.Jedes Organ und jede Anordnung in der Natur hat einen bestimmten Zweck
  • 3.Die Natur ist teleologisch (=zweckmässig) zu erklären
  • 4.Wenn man die Natur nicht teleologisch erklären will, dann kann man sie gar nicht erklären

[ _Auch hier schon eigene Überlgungen:_ - DB ] Zum ersten Punkt: Kant denkt hier zweifelsohne an konstruktive Potentiale, wie sieht es mit bösartigen Potentialen aus? Sollen Terroristen in öffentlichen Schulen [ _Ww_ ] gefördert werden? Diese Frage ist natürlich übertrieben formuliert, weil Kant immer davon ausgeht, dass das System der Vernunft vorherrscht. Ich persönlich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die Vernunft nicht immer mitspielt. Nach Freud wird der Mensch von Trieben geleitet, und nach den Biologen beherrschen die Hormone den Menschen, Hirnforscher wollen sogar beweisen, dass ein freies Entscheiden überhaupt nicht [ # ]. Gute Potentiale sollen sich entwickeln, die ernsthafte Frage, was man gegen „böse“ Potentiale unternehmen soll, bleibt aber im Raum stehen! [ _Kant hat sich_ andernorts _über das "Böse" geäussert. Er zeigt dort, dass niemand absolut böse handelt, sondern dass vielmehr die stets vorhandene Anlage zum Guten durch Egoismus und Triebbestimmtheit überlagert wird._ - DB ]

Zum zweiten Punkt:Leuchtet ein! Tierfelle spenden Wärme und die Farbe tarnt oder warnt Feinde. Weniger einleuchtend scheinen mir meine Weisheitszähne. Deren Zweck besteht scheinbar einzig in einer fetten Zahnarztrechnung, weil sie gezogen werden müssen. Und weil Kant und Adam Smith nicht miteinander bekannt waren und Kant nicht ein homo oeconomicus ist, folgere ich daraus: dass jede Regel auch eine Ausnahme hat! (Mir ist durchaus bewusst, dass Aristoteles an dieser Schlussfolgerung sich die Haare ausreissen würde, weil sie der Logik widerspricht)

Zum dritten und vierten Punkt: Es gibt durchaus andere Erklärungen der Natur, zum Beispiel die theologische [ _# Ein paar Stichworte zur Erläuterung wären hilfreich_ - DB ). Ansichtssache bleibt schlussendlich, welche Erklärung plausibler klingt. Es gibt meistens verschiedene Arten etwas zu erklären, dieses Argument steht meiner Meinung nach auf wackeligen Beinen, weil diese 4.Aussage recht subjektiv ist. [ _Was ist das Subjektive daran? -- Kant beruft sich auf die "äussere [und] innere oder zergleidernde Beobachtung", d.h. auf die Biologie seiner Zeit. Damit entspricht er dem Postulat, dass eine Erklärung sich an der Erfahrung (= Beobachtung) bewähren muss. Es geht also nicht darum, welche Erklärung "plausibler klingt", sondern darum, welche die besseren Erklärungsleistungen erbringt. Die heutige Biologie legt nahe, dass man die Natur besser kausal, statt teleologisch erklärt. Man erklärt sie dann immer noch gesetzmässig, aber mit einer anderen Art von Gesetzmässigkeit._ ) - DB ]

Eigene Überlegung zum Weltbürgertum:

Die Idee des Weltbürgertums ist ja bekanntlich, dass die Vernunft die höchste Instanz ist.
[ _Gleichsetzung greift zu kurz. Aber so weit sind wir im Text noch nicht. Der Filmbeitrag war da eher ungenau_ wink - DB ]
Es wird in die Hand der Bürger gelegt, diese Idee weiterzuführen und durchzusetzen. Kant geht aber von der stillschweigenden Voraussetzung aus, dass der Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben vorhanden ist. Hier steht die Realität im Konflikt mit der Idee: global vernetzt erobern negative Nachrichten die Erde. Krieg wütet in nicht gerade wenigen Ländern und viele Menschen haben nicht einmal genug zu essen. Nicht jeder Mensch hat Arbeit, nicht jeder hat soziale Unterstützung und nicht immer ist eine freie Entfaltung des menschlichen Potentials möglich. Aus meiner Sicht ist die Vernunft nicht die höchste Instanz, und ich mute mir auch nicht zu eine andere höchste Instanz zu nennen. Es ist fraglich ob überhaupt eine höchste Instanz existiert! Vielleicht ist eine höchste Instanz auch nur der verzweifelte Versuch hinter allem einen Sinn und eine Erklärung zu erkennen! Für einige Menschen ist der eigene Wohlstand die höchste Instanz oder andere materielle Ziele. Für die westliche, kapitalistische Welt tönt Vernunft als höchste Instanz zu sehr nach Mutter-Theresa-Moral, wenn ich diesen Ausdruck verwenden darf. Kant ist ja bekanntlich der berühmteste Vertreter der Moral [ _Ww_ ], es gibt aber auch viele Utilitaristen auf dieser Welt: die Globalisierung ist ein Paradebeispiel für den wirtschaftlichen Nutzen – Kant würde die Globalisierung nicht unterstützen, weil nicht die menschliche, sondern die wirtschaftliche Entwicklung im Zentrum steht.

[ _Pflegen Sie Ihre Skepsis weiter! Kant würde Ihnen bei Ihrer Analyse der Welt sicher zustimmen (vgl. Einleitung zu Idee). Aber er nimmt sich vor zu zeigen, dass die die Menschheit IM GANZEN, sich DENNOCH zum Besseren entwickelt...._
  • _Wir müssen uns einmal darüber klar zu werden versuchen, was Vernunft ist._
  • _Eine noch weiter führende Überlegung: Inwiefern ist Nutzen v.a. öknomisch zu verstehen? D.h., müssen Utilitaristen konsequenterweise die Globalisierung - in der heutigen Form - unterstützen? Denken wir an J.St. Mills Einwand gegen Bentham, auch die Qualität des Nutzens sei zu berücksichtigen._ ) - DB ]

-- Tobias Dietmann --


24.08.04

In den drei Stunden haben wir uns einerseits weiter mit dem Skript Aristoteles Logik befasst und insbesondere Syllogismen, als Teil der aristotelischen Logik, kennen gelernt. Andererseits befassten wir uns mit Kants Schrift Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, von der wir jedoch vorerst nur die Einleitung genauer betrachteten.

1) Der Syllogismus (griech. Syllogistai = zusammenrechnen)

Syllogismus nennt man einen formallogischen Schluss. Dazu gehören zwei (oder mehrere) Aussagen, die sogenannten Prämissen, aus welchen sich eine neue Aussage, nämlich die Konklusion ergibt.

Ein Beispiel:

Einige Philosophen sind keine Dichter.

Alle Philosophen sind Denker.

Einige Denker sind keine Dichter.

Schematisch:

Einige A sind keine B. -> Präsisse 1 (Aussagetyp O)

Alle A sind C. -> Prämisse 2 (Aussagetyp A)

Einige C sind keine B -> Konklusion (Aussagetyp O)

Ausformuliert: Da Alle Philosophen Denker sind, nur einige davon aber keine Dichter, liegt es auf der Hand, dass somit auch nur einige Denker keine Dichter sind.

Zu den Begriffen Subjekt und Prädikat gelangt nun noch ein dritter, nämlich der Mittelbegriff. Der Buchstabe A (im Beispiel: die Philosophen), der in beiden Prämissen auftaucht wird Mittelbegriff genannt, da dieser die beiden Sätze miteinander in verbindung bringt. In der Konklusion tauchen dann nur noch Subjekt und Prädikat auf (siehe auch Arisoteles Logik, S.124)

Auf den folgenden Seiten (bis und mit Seite 127) des Skriptes werden weitere Syllogismen vorgestellt, auf welche ich nicht näher eingehen werde, da sie beim Durchlesen selbsterklärend sind.

2) Immanuel Kants Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht

In der Einleitung seines Aufsatzes erklärt Kant sein Vorhaben, nämlich einen Leitfaden zu einer Geschichte nach bestimmtem Plan zu finden (S.4 unten).

Kant stellt fest, dass menschlichen Handlungen, obwohl jeder und jede in seinen/ihren Entscheidungen völlig frei ist, gewisse Gesetzmässigkeiten zu Grunde liegen, wie zum Beispiel Geburten- und Sterberaten. Nicht Weisheit, wie es manchmal scheine, sondern grosse Torheit und kindliche Eitelkeit sei der Antrieb menschlicher Entscheidungen, so Kant. Da man aber bei Menschen nicht von einer eigenen, vernünftigen Absicht ausgehen könne, müsse man versuchen, eine Naturabsicht zu entdecken, aus welcher man trotzdem eine Geschichte nach einem bestimmten Plan ableiten könne (S.4).

Weitere Überlegungen

Kant gibt als veranschaulichendes Beispiel die Sterberate an. Dieses Beispiel ist aber, genau betrachtet, nicht sehr aussagekräftig, da man zumindest über den natürlichen Tod nicht frei entscheiden kann. Folglich steht dieses in geringem Widerspruch mit Kants These, da dieser ja von einer völligen Handlungs- und Entscheidungsfreiheit der Menschen ausgeht. Gut beobachtet, dass das Beispiel aus der Reihe fällt. - DB

Es gibt durchaus treffendere Beispiele, wenn auch nicht gerade sehr naheliegende. Ein solches ist die Länge der Haare bei Frauen in Abhängigkeit zu deren Alter. So stellt man fest, dass Mädchen ihre Haare fast ausschliesslich lang tragen. Mit zunehmendem Alter verpassen sich immer mehr Frauen einen kürzeren Haarschnitt. Im hohen Alter nimmt dann die Neigung für lange Haare wider etwas zu.

Was auf den ersten Blick ziemlich weit hergeholt scheint, entspricht weitgehend Kants These. Obwohl jede Frau selbst über ihre Haarlänge entscheiden kann, müssen diesen Entscheidungen gewisse Gesetzmässigkeiten zugrunde liegen. ......

Voriges Beispiel unterstützt ebenfalls eine zweite These, welche Kant aufstellt, nämlich diejenige, dass nicht Weisheit, sondern Torheit und kindliche Eitelkeit der Antrieb menschlicher Entscheidungen seien. Dies trifft auf die Wahl der Frisur haargenau zu, denn Haare werden bestimmt nicht aus Weisheit geschnitten. Sondern aus Torheit? Ich weiss nicht! Genau lesen! Aus welcher Perspektive schreibt Kant an dieser Stelle (S.4: Unwillen, wenn man Tun und Lassen sieht)? Vertritt er eine These, wie z.B. die von der Naturabsicht in der Entwicklung der Menschheit?

So banal dieses Beispiel auch sein mag, spricht es doch Kants Thesen eine gewisse Gültigkeit zu. Genauer, verbindlicher formulieren: Was heisst eine "gewisse Gültigkeit"? Wie weit reicht sie denn, wie weit nicht? Ausserdem bringt Kant selber ja gewichtigere Beispiele (z.B. Ehe/Partmerwahl) und es liessen sich weitere anführen (z.B Bevölkerungsentwicklung, Migrationsverhalten)._

Man kann also davon ausgehen, dass Kants Ansatz einer allgemeinen Geschichte der Menschheit seine Richtigkeit hat. Vgl. vorangehende Bemerkung. Seine oben genannten Thesen sind auch auf andere Bereiche des Lebens anwendbar. Aber auf welche? Schlussendlich müsste es nach Kant also möglich sein, aus der Naturabsicht die Geschichte wie auch den Verlauf der Menschheit Ww zu erörtern.

Dieser Gedanke scheint sehr spannend zu sein, da man mit solchen Kenntnissen über die Menschheit kommenden Problemen entgegenwirken oder mögliche Erfolge fördern könnte. Konkreter?

Obschon man darau bestimmt positiven Nutzen ziehnen würde, hat eine allgemeine Geschichte auch seine Ww Tücken. Was, wenn die Menschheit auf einen nicht beabsichtigte Bahn zu geraten droht? Oder wenn gar Misserfolge und Unglücke bevorstehen? Könnte man mit diesen Informationen umgehen? Eine solche allgemeine geschichte sähe einem Horoskop ähnlich, mit all seinen positiven und negativen Seiten. Ob, die Menschen längerfristig wirklich davon profitierten, ist zu bezweifeln. Inwiefern trifft diese Analogie zu? Stellt Kant der Menschheit wiklich ein Horoskop?


17.08.04

In diesen drei Lektionen haben wir uns überwiegend mit Aristoteles’ Logik befasst.

Aristoteles (384-324 v. Chr.) galt lange Zeit als Begründer der Logik, obwohl er nicht der Einzige war, der sich mit diesem Thema beschäftigt hat. Auf jeden Fall hat er zum Thema der Logik grosse Beiträge geliefert und hat ein System logischer Schlüsse entworfen, welches über zweitausend Jahre als Basis wissenschaftlicher Argumentationen benutzt wurde.

Die aristotelische Logik befasst sich mit der Frage, wie man von gegebenen Aussagen zu einer neuen gelangen kann. Und dies so, dass sich die neue Aussage aus denen ergibt, die bereits vorliegen.

Dabei tauchen verschiedene Begriffe auf:
  • Aussage: Unter einer Aussage versteht man einen Satz, in welchem dem einen Teil, dem sogenannten Subjekt, etwas zu- oder abgesprochen wird.
  • Begriff: eine Zusammenfassung von Merkmalen, z.B. ein Subjekt oder Prädikat
  • Subjekt: Von dem Subjekt wird entweder etwas bejaht oder verneint.
  • Prädikat: Das Prädikat ist dasjenige, was zu- oder abgesprochen wird.

Beispiel: "Alle Menschen sind Säugetiere."
  • Aussage: Alle Menschen sind Säugetiere
  • Begriffe: Menschen + Säugetiere

  • Subjekt: Menschen
  • Prädikat: Säugetiere

(Informativ, klar und kurz! Nützlich wäre, hier noch die von uns benutzte Quelle anzugeben. DB)

Dazu unterscheidet man in der Logik vier Sorten von Aussagen: (traditionelle Abkürzungen (a,e,i,o) allen Aussagen zuordnen! DB)
  • 1. Alle A sind B. – universell bejahend (affirmo), z.B. alle Menschen sind Säugetiere.
  • 2. Kein A ist B. – universell verneinend (nego), z.B. kein Mensch ist ein Reptil.
  • 3. Einige A sind B. – partikulär bejahend, z.B. einige Menschen haben braune Haare.
  • 4. Einige A sind nicht B. – partikulär verneinend, z.B. einige Menschen haben keine Geschwister.

Gedankenexperiment: (Einbettung des Gedankenexperiments? Hintergrund? DB) Stell dir vor, du hast die Chance wiedergeboren zu werden. Dir steht frei zu wählen in welchem Jahr (in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft) du nochmals leben darfst, doch kannst du nicht bestimmen, an welchem Ort, in welcher sozialen Schicht etc. Ausserdem kannst du dich auch nicht an dein früheres Leben erinnern.

Nach dem Experiment stellte sich heraus, dass sich mehr Schüler für die Gegenwart und Zukunft entschieden haben, da sie sich dort ein sichereres Leben erhofften als in der Vergangenheit.

--> Diese Entscheidung basiert auf irgendwelchen Annahmen. (Annahmen welcher Art? Worüber? DB)

Beispiel: Man stellt sich vor, in der Gegenwart oder Zukunft wird man nicht so elendiglich an Krankheiten sterben wie in der Vergangenheit, da man in der Medizin grosse Fortschritte gemacht hat. Oder dass es im Gegensatz zu früher nicht mehr so viele, brutale Kriege gibt.

Überlegung: In Wirklichkeit bringen einem diese Annahmen genau nichts, da man nur die Zeit bestimmen darf und alles andere dem Zufall überlassen ist. Die Chance ist ziemlich gering, dass man diese Annahmen an dem betreffenden Ort, in der betreffenden sozialen Schicht zutreffen. z.B. könnte man genauso gut in der Gegenwart irgendwo in einem Drittweltland geboren werden, wo die Medizin noch nicht so fortschrittlich ist oder in einer Gesellschaftsschicht, wo die finanzielle Lage eine medizinische Behandlung nicht zulässt.

--> Nur die Entscheidung, zu welcher Zeit man nochmals wiedergeboren werden kann, bringt nichts, da die Entscheidung nur auf Annahmen basieren kann, welche mit grösster Wahrscheinlichkeit sowieso nicht zutreffen. Es müssten mehr Entscheidungen offen sein (Ort, soziale Schicht), um eine wirkliche Entscheidung treffen zu können.

(Was war der Zweck des Gedankenexperiments? Welche stillschweigende Annahme über die Entwicklung der Welt liegt Ihrer Überlegung zugrunde? DB)

-- Rahel von Arx -- 23.08.2004


10.08.04

  • Eine kurze Einführung in die Philosophie des Aristoteles
    • Aristoteles als 8000er der Philosophiegeschichte: seine Bedeutung für die Ethik, Politik, Logik und Ontologie.
    • 1. Kapitel der Metaphysik: Worin unterschiedet sich Aristoteles' Auffassung des Erkennens und der Welt von der Platons?
    • Die Kategorien: Was für Aussagen kann man über einen beliebigen Gegenstand machen, insbesondere "ist"-Aussagen? Wie lassen sich solche Aussagen nach der Wichtigkeit ornden?
    • Substanz vs. Akzidens: Welche Elemente eines belibeigen Gegenstandes sind veränderbar, welche nicht, ohne den Gegenstand zu zerstören?
    • Form und Materie: Man prüfe die These, dass alles, was existiert, aus irgendetwas besteht und in irgendeiner Form existiert.
    • Die vier Ursachen: Man prüfe die These, dass alles aus etwas (causa materialis), durch etwas (causa efficiens), zu einem bestimmten Zweck (causa finalis) und nach einer bestimmten Form (causa formalis) entsteht.

-- DominiqueBurger - 10 Aug 2004