Frage: Arbeit - Lust oder Last?

04 Apr 2005 - 14:28 | Version 4 |

Brain Storming

Lust:

Vervollkommnung, Selbstverwirklichung, Erfüllung, Verdienst

Last:

Arbeitsdruck, Pünktlichkeit, Keine Fehler, Leistungsdruck, Routine, Arbeitslosigkeit, Moralische Pflicht

Fragen:
  • Arbeiten wir um zu leben oder leben wir um zu arbeiten?
  • Gehört Arbeiten zum Wesen des Menschen?
  • Ist Arbeit eine Pflicht, ein notweniges Übel oder ein ursprüngliches Bedürfnis des Menschen?
  • Hilft sie bei unserer Selbstverwirklichung oder hält sie uns davon ab?

Texterschliessung:

Jean-Jacques Rousseau: "Arbeiten als Pflicht innerhalb der Gesellschaft"

Begriffsklärung:

  • Naturzustand

"Rousseau konstruiert einen Naturzustand - von dem er selbst sagte, daß es ihn vielleicht nie gegeben habe. In ihm lebe der Mensch als starker Einzelgänger in einer natürlichen Ordnung. Er stütze sich auf sein Gefühl, Vernunft gebe es noch keine. Es gebe eine allgemeine Freiheit und Gleichheit aller Menschen. Der Mensch sei grundlegend von der Selbstliebe bestimmt, die noch kein Egoismus sei. Aus ihr entspringe u. a. auch Mitleid. Aus diesem Naturzustand entstünden einfache Gesellschaften, die Freiheit und Gleichheit nicht aufhöben. [Auf grund unserer heutigen naturwissenschaftlichen Kenntnisse über die Zustände im Tierreich, die Evolution des Lebens und die Frühzeit der Menschheit kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, daß es solche Zustände nie gab! Näheres weiter unten.]" (vgl. http://www.philolex.de/rousseau.htm#)

"Der Mensch im Naturzustand: Im Gegensatz zu Hobbes, der das Individuum als gefährdetes und egoistisches Wesen betrachtet, ist der Mensch bei Rousseau im Naturzustand vollkommen. Er lebt als starker Einzelgänger ganz in der natürlichen Ordnung und kann sich auf seine Gefühle verlassen, z.B. Mitleid. Die daraus entstehenden primitiven gesellschaftlichen Ordnungen verletzen nicht die bestehende Gleichheit und Freiheit." (vgl. http://www.dhg-westmark.de/rousseau.html)

Zusammenfassung des (vollständigen) Textauszugs aus Emile oder über die Erziehung:

Der Mensch allein

Ein Mensch, der in seinem Naturzustand bleiben will (alleine bleiben) würde gegen den Selbsterhaltungstrieb verstoßen. Denn nach dem Prinzip des "Mein und Dein" besäße er nur einen Körper.

Gesellschaftliche Beziehungen

Nach dem "Mein-Dein-Prinzip" entwickelt Emile langsam eine Vorstellung von gesellschaftlichen Beziehungen. Er erkennt den Nutzen und die Notwendigkeit des Tauschens. Sobald Emile erkennt, was leben heißt, muß er sich seinen Lebensunterhalt verdienen. Rousseau unterscheidet auch hier nicht zwischen den Menschen (Rang, Güter, Stand). Mensch ist Mensch, da alle die gleichen Grundbedürfnisse haben (essen, schlafen, ect.) und alle die gleichen Mittel, sie zu befriedigen. Der Mensch muß zum Menschen erzogen werden (denn ein verarmter Reicher wirkt nur noch lächerlich).

Gesellschaftsordnung

Die Menschen (zu Rousseaus Zeiten) verlassen sich blind auf die bestehende Gesellschaftsordnung und vergessen, daß Schicksalsschläge die Dinge ändern können (reich wird arm, Monarch wird Untertan, ect.). "Wir nähern uns einer Krise und dem Jahrhundert der Revolutionen." (Anm.: was für eine Voraussicht: er hat völlig Recht behalten!) Die Natur allein ist unvergänglich: sie bringt allein Menschen hervor. Rousseau verachtet diejenigen, die nur durch den Stand und den Status existieren.

Was der Mensch der Gesellschaft schuldet

Der Mensch und Bürger kann der Gesellschaft nur sich selbst geben, denn die Güter, die er besitzt, gehören ohnehin der Gesellschaft. Man existiert zudem unabhängig von der Leistung der Eltern. Wenn ein Vater reich ist, hat der Sohn dennoch zu arbeiten, ansonsten wäre er ein nutzloses Mitglied der Gesellschaft und ein Dieb, da er auf Kosten der anderen lebt. "Arbeiten ist also eine unerläßliche Pflicht des Menschen innerhalb der Gesellschaft." (vgl. http://www.carelounge.de/sozialberufe/wissen/klassiker_jj_rousseau_emile_3.php)

-- RahelvonArx - 29 Mar 2005