-- LeeMuritu - 15 Nov 2005

Rezension von Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen

02 Dec 2005 - 13:22 | Version 5 |

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Bibliographische Angaben

Autor/in: Dürrenmatt, Friedrich
Titel: Das Versprechen
Thema: Krimi
Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1958
Seitenzahl: 157
ISBN ISBN:3257228120
Rezensent/in: LeeMuritu
Rating: 5.25

Erste Leseerfahrung

Der Roman bestitzt eine Rahmengeschichte, in welcher ein Autor über eine Autofahrt berichtet, die er mit einem ehemaligen Polizeikommissar teilt. Während dieser Autofahrt erzählt der Ex-Kommissar den tragischen Fall eines Kindermordes und seinem früher fähigsten Mann in einfachen Sätzen, wobei er sehr viele Kommentare einfliessen lässt.

Verstehenshorizont

Zum Verständnis des Romans Bedarf es keinerlei Vorkenntnisse oder zusätzliche Information. Obwohl die Geschichte in den 50er Jahren spielt, treten kaum irgendwelche Unverständlichkeiten auf, weshalb die Geschichte sich auch in unserer Zeit ereignen könnte und authentisch wirkt.

Beschreibung

a) Inhalt
Matthäi ist der fähigste Mann bei der zürcher Kantonspolizei und steht kurz vor einem hochdottierten Job in der Regierung von Jordanien. Doch während den letzten paar Tagen seines Dienstes in der Schweiz, erreignet sich ein Mord an einem kleinen Mädchen auf dem Lande. Er nimmt sich diesen Fall, welcher ihn schlussendlich ins Verderben führen sollte. Denn er gibt der Mutter des ermordeten Gritli das Versprechen den Mörder, bei seinem Seelenheil, zu finden. Schnell wird ein örtlicher Hausierer als Hauptverdächtiger ausgemacht und nach langem Verhör gesteht er die Tat auch. Kurz nach seinem Geständnis bringt sich der Hausierer in seiner Zelle um. Der Fall scheint gelöst zu sein und wandert in die Akten. Doch Matthäi glaubt nicht ganz an seine Schuld und befürchtet, dass der wahre Mörder noch auf freiem Fuss ist. Er sagt seine Versetzung nach Jordanien ab und forscht nun alleine und privat, den Polizeidienst musste er quittieren, an dem Fall weiter. Grundstein seiner Recherchen bieldet eine Zeichnung welche Gritli wenige Tage vor ihrem Tod gemalt hatte, auf der, wie Matthäi meint, der Mörder abgebildet zu sein scheint. Dies bedeutet, dass sie ihn bereits vorher gekannt hatte und ihm auch vertraute. Die Erreignisse überschlagen sich. Der einst noch so grundanständige und seriöse Matthäi verfällt der Trink- und Tabaksucht, verbeisst sich in dem Fall, wirft alles andere hin und kauft eine Tankstelle an jener Strasse, an der er vermutet, dass der Kindermörder jeweils nach Opfern suchend vorbeifährt. Als "Köder" lädt er eine ehemalige Prostituierte und ihre Tochter, die dem Typ Mädchen gleicht, welche der Serienkindermörder zu bevorzugen scheint, ein bei ihm auf der Tankstelle zu wohnen. Matthäi, stetz auf dem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn, geht dann sogar so weit, das Leben des kleinen Mädchens aufs Spiel zu setzen, in einer durch eine Spezialtrupper der Polizei unterstützten Operation ohne es der Mutter zu sagen. Der von Matthäi gesuchte Mörder wird jedoch niemals gefunden. Jedoch nicht, weil er nicht existiert, sondern weil er bei einem Autounfall ums Leben kommt, wie der Kommandant dann Jahre später erfuhr. Doch es war bereits zu spät. Matthäi hatte nun völlig den Verstand verloren und wartete weiterhin einsam und sinnlos darauf, dass der Mörder nun endlich nach dem kleinen Mädchen (welches nun auch bereits 16 Jahre alt war und im gleichen Geschäft wie ihre Mutter tätig...) käme und er seine These beweisen könnte. So endet die Erzählung des Ex-Kommissars ohne die geringste Form von Happy End.

b) Form
Die Geschichte wird durch einen Ich-Erzähler erzählt. Zu Beginn und in kurzen Unterbrüchen ist dies ein Autor, welcher in Chur eine Vorlesung hat und von der Rahmengeschichte berichtet. Diese Figur stellt womöglich Dürrenmatt selbst dar. Dieser trifft auf einen Ex-Polizeikommandanten, welcher ihm nun von einem alten spannenden Fall berichtet. Mit dem Erzähler wechselt auch das Erzählverhalten. Ist es zu Beginn eher personal und beschreibt das Leiden und die Verzweiflung des Autors, wird das Erzählverhalten in der eigentlichen Erzählung auktorial, da de Ex-Kommandant allwissend scheint. In der Geschichte dominiert die szenische Erzählung mit der dafür typischen direkten Rede. Nur selten kommen auch mal innere Monologe vor. Die Rahmengeschichte wirkt zeitdeckend, da man das Buch wahrscheinlich etwa so schnell liest, wie die beiden Herren von Chur nach Zürich haben inklusive Rast und Abendessen im Restaurant zum Schluss. mit der Kerngeschichte verhält es sich jedoch anders, die ist zeitraffend, da sie über Monate oder gar Jahre spielt. Das wichtigste Leitmotiv des Buchs ist Matthäis Geisteszustand, welcher von Genialität zu Wahnsinn wandelt und ihn schlussendlich einsam und verzweifelt enden lässt. Typisch für Krimis wird der Fall erst ganz am Schluss aufgelöst.

Deutung

Psychologisch: Dürrenmatt hat versucht mit der Figur des Matthäis den schmalen Grad zwischen Genialität und Wahnsinn zu zeigen. Wie ein einfaches Versprechen und die Besessenheit dies einzuhalten einen Menschen von Grund auf und unwiderruflich ändern kann.

Wertung

Dieser Roman ist durchaus empfehlenswert für Freunde des Krimis, welche nach einer kleinen Abwechslung suchen. Eine heikle Form des Verbrechens wird angesprochen und durch eine überaus kreative und nicht alltägliche Detektion gelüftet. Die Geschichte beinhaltet eine äusserst interessante Hauptfigur, die sich stark von seiner Konkurrenz (Hercule Poirot und Konsorte) unterscheidet.

Verfasser/innen

LeeMuritu, Neue Kantonsschule Aarau, Deutschlehrer

Rating

Es können halbe Noten von 1-6 erteilt werden. Es können auch weitere Kriterien zur Anwendung gebracht werden, z.B. Spannung, Humor, Figuren.

  Note
Inhalt 5.5
Form 5
Schnitt 5.25