Yves Suter: Das Versprechen (Rezension)

21 Nov 2005 - 18:35 | Version 6 |

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Bibliographische Angaben

Autor/in: Dürrenmatt, Friedrich
Titel: Das Versprechen
Thema: Lustmorde
Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1958
Seitenzahl: 157
ISBN ISBN:3257228120
Rezensent/in: YvesSuter
Rating: 5

Erste Leseerfahrung

Das Buch beginnt sehr gemächlich. Es ist ein etwas schleppender Einstieg in die Erzählung welche aber spätestens nach dem Lesen des Buches völlig entschuldigt ist und sogar als sehr angenehm entschuldigt wird. Jedoch macht die ganze Situation die erste Leseerfahrung etwas fad und da die ersten paar Seiten oftmals über de Verwendung als Staubfänger oder andernfalls als Empfehlung an der nächsten Buchrunde bestimmen, überzeugt Dürrenmatt meiner Ansicht nach nicht.

Verstehenshorizont

Der Stil ist auf einer leserfreundlichen Basis gehalten und übersteigt den Verstehenshorizont in keiner Weise. Der markante Zeitunterschied von ungefähr einem halben Jahrhundert beinflusst das Verständnis ebenfalls nicht negativ. Die Identifikation mit den Figuren vermag schon eher einem Mühe zu bereiten. Vor allem Matthäi, der Protagonist der Erzählung, ist komplex und befindet sich in stetiger Wandlung. Auf die eine Art ist er uns zu intelligent, zu steif, zu formell. Auf die andere Seite verfällt er dem Alkohol, beginnt zu rauchen, ist regelrecht besessen von der Aufgabe den Mörder zu fassen.

Beschreibung

a) Inhalt
In Mägendorf wird ein kleines Mädchen tot aufgefunden. Alle sind von der Schuld von Guntens, einem vorbestraften Hausierers überzeugt, welcher auch die Tote der Polizei gemeldet hat. Als dieser nach dem Dauerverhör aus Verzweiflung gesteht und sich gleich darauf in der Zelle selber erhängt, scheint der Fall abgeschlossen zu sein. Nur Kommissar Matthäi, welcher der Familie der Toten das Versprechen gegeben hat er werde den Fall aufklären, ist nicht überzeugt. Er verzichtet auf seine Versetzung nach Jordanien und nimmt auf eigene Faust den Fall noch einmal auf. Eine Kinderzeichnung der Toten sowie geographische Begebenheiten zwei ähnlicher Morde sind seine einzigen Anhaltspunkte. Er mietet sich eine Tankstelle, schafft sich eine Haushälterin die eine Tochter hat welche allen drei früheren Opfern äusserst ähnlich ist an und nimmt die Spur auf. Der grosse Schwarze Wagen auf Gretlis Zeichnung lassen ihn auf eine amerikanische Edelkarosse, der Gemsbock auf den Kanton Graubünden, die Tannen auf einen Wald und kleine Igel auf Schokoladentrüffs schliessen. Monatelang ist Matthäi damit beschäftigt Autokennzeichen aufzuschreiben und diese persönlich zu überprüfen. Die Zeit vergeht und der Perfektionist ergibt sich, verursacht durch seinen bisherigen Misserfolg, dem Alkohol und beginnt zu rauchen. Als dann aber die Tochter seiner Haushälterin öfters zu spät und mit Schokoladentrüffeln nach Hause kommt und von einem misteriösen Zauberer erzählt welchen sie regelmässig im Wald trifft, schöpft Matthäi neuen Mut. Doch auch tagelanges warten in der Begleitung seiner ehemaligen Polizeikameraden erbringt keinen Erfolg. Die Polizei zieht wieder ab und die Akte wird zum zweiten Mal und definitiv geschlossen. Es stellt sich später heraus dass der geistig leicht Behinderte Mörder der vorhergehenden Opfern von seiner Frau erwischt wurde, sie in ein Streit verfielen und er auf dem Weg seinem nächsten Opfer das leben zu verkürzen mit einem Lastwagen kollidierte und verstarb. Auch zehn Jahre später befindet sich Matthäi noch immer an der Tankstelle. Alt, verrückt, dem Alkohol verfallen.

b) Form
Der Autor (wahrscheinlich Dürrenmatt) erzählt von einem Erlebnis, bei welchem er eiene Ex-Polizeikommandanten auf dem Weg von Chur nach Zürich trifft, der ihm von einem vergangenen, interessanten Fall berichtet. In der Geschichte findet man eine Ich-Erzählung, wobiei die Perspektive zwischen Polizeikommandant und dem Autor in der Gescihchte wechselt. Das Erzählverhalten ist zu Beginn noch personal, wird jedoch, wenn der Kommandant erzählt, auktorial, da er allwissend zu sein scheint. Der Erzählstandort ist sehr nahe gewählt. Es ist trotzdem eine Aussensicht, da man die Handlung, jedoch nicht die Gedankegänge mitverfolgen kann. Es gibt sehr viele szenische Darstellungen. das meiste ist in direkter Rede verfasst doch kommt auch in Kapitel 28 auf zwei Seiten innerer Monolog vor. Der Anfang des Buches ist ein kurzer Gedankenbericht. Die Rahmenerzählung ist zeitdeckend, die Erzählung zeitraffend. Die Erzählung ist zudem eine grosse Rückblende. Der Schluss des Buches ist zwar überraschend aber geschlossen. Die auffälligsten Leitmotive sind: Geisteszustand Matthäis', das Restaurant Krone, die Tankstelle, Rauchen/Alkoholkonsum. Am Anfang des Buches steht die Rahmengeschichte welche als eine Art Einleitung in das Geschehen ist. Die eigentliche Handlung findet in der Erzählung statt welche von Zeit zu Zeit wieder durch die Rahmengeschichte unterbrochen wird was dieser die Funktion des Spannungsauf- sowie Spannungsabbau gibt. Diese kann auch als stilistisches Merkmal genannt werden da Dürrenmatt mit dem Leser spielt. Über das ganze Buch entsteht ein Spannungsbogen der erst im letzten Kapitel aufgelöst wird. Der Stil des Buches ist auf einem eher durchschnittlichem Niveau gehalten. Das Buch lässt sich, obwohl es vor etwa 50 Jahren geschrieben wurde, ohne Verständnisprobleme lesen. Es ist zeitlos. Die Figuren sind in gewisser Weise stereotypisch gehalten obwohl die meisten, vorne weg Matthäi, eine personelle Wendung durchlaufen was sie natürlich auch sehr dynamisch macht. Sie sind zudem emotional. Die Zeit spielt keine Grosse Rolle ausser dass noch einmal angemerkt werden sollte wie zeitlos die ganze Geschichte ist. Dies beweist auch der Film The Pledge welcher auf dem Roman basiert.

Deutung

Politisch/Soziologisch: Auffällig ist die Beschuldigung des Hausierers welcher von allen als Person deklassierter Sozialstufe behandelt wird. Durch seine Unterwürfigkeit wird dies noch weiter bestätigt. Die Rangordnung der Polizei/eines Polizisten, wird ganz anderst dargestellt. Gutverdienend und einer höheren Schicht angehörig.

Feministisch: Frauen werden als unterwürfig und in minderwertiger Perspektive dargestellt. Sie haben nichts zu sagen. Dies kann, bezogen auf die heutige Zeit, als Provokation angesehen werden, doch muss beachtet werden dass dies vor 50 Jahren als normal gehandhabt wurde. Es ist somit zu bezweifeln dass Dürrenmatt dies geplant hatte.

Wertung

Dieses Buch ist ein Muss für jedermann. Ein Klassiker der ganz besonderen Art. Einfach zu lesen und trotzdem genial geschrieben und gespickt mit humorvollen Anspielungen. Es regt zum Nachdenken an und liefert bestimmt hitzigen Gesprächsstoff beim nächsten Kaffeekränzchen. Zwei Daumen hoch von meiner Seite.

Verfasser/innen

YvesSuter, Neue Kantonsschule Aarau, Schüler 3C

Rating

Es können halbe Noten von 1-6 erteilt werden. Es können auch weitere Kriterien zur Anwendung gebracht werden, z.B. Spannung, Humor, Figuren.

  Note
Inhalt 5.5
Form 4.5
Schnitt 5.0