Friedrich Glauser: Die Fieberkurve (Rezension)

01 Dec 2005 - 18:15 | Version 6 |

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Bibliographische Angaben

Autor/in: Glauser, Friedrich
Titel: Die Fieberkurve
Thema: Mord
Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1938
Seitenzahl: 216
ISBN ISBN:3293203337
Rezensent/in: DanielForrer
Rating: 4

Erste Leseerfahrung

Das Buch von Friedrich Glauser ist in seinem Aufbau sehr linear und liest sich dementsprechend recht flüssig bis auf die wenigen eingestreuten schweizerdeutschen Sätze. Glauser geht bei seiner Beschreibung sehr ins Detail. Ebenso faszinierend ist sein Talent zwischen den verschiedenen Sprachen hin und herzuwechseln. Das Buch baut mit seinen verwobenen familiären Beziehungen und natürlich mit den verschiedenen Morden und der damit verbundenen Verwirrung enorm Spannung auf.

Verstehenshorizont

Das Buch spielt zu der Zeit, in der es geschrieben wurde. Also zur Zeit zwischen dem 1. und dem 2. Weltkrieg. Erstmals publiziert wurde es 1938. So finden sich im Text Anspielungen auf "die Roten" also die Kommunisten. Die historische Distanz ist damit recht gross, wirkt sich aber sprachlich nur wenig aus.

Beschreibung

Inhalt
Wachtmeister Studer, sein französischer Kollege Madelin und sein kleiner Gehilfe bei der französischen Polizei Godofrey sitzen in einer Pariser Beiz. Ein Pater, genauer Pater Matthias erzählt den Dreien von einem mysteriösen Vorfall in der Fremdenlegion. Dort soll ein Korporall Collani Hellseherische Kräfte besitzen und ihm von seinem seit 15 Jahren verstorbenen Bruder erzählt haben. Ausserdem glaubt dieser Pater, dass seine angeblichen Schwägerinnen um ihr Leben fürchten müssten. Daraufhin reisst Studen zurück nach Basel, wo er sogleich an den Schauplatz eines Mordes berufen wird. In kurzem Abstand sterben die besagten zwei Schwägerinnen. Pater Matthias gerät immer mehr in Studers Visier indem er falsche Fährten legt, auf die Studer sogleich anspricht. Immer mehr Personen mit verwirrenden Namen tauchen in diesem rätselhaften Fall auf. Gegen Schluss führt es den Wachtmeister sogar bis in die Fremdenlegion, wo er den Fall auf unkonventionelle Weise im Haschischrausch löst.

Form

Erzählform: Er/Sie personal.

Standort: Autor und Erzähler treten im Buch nicht in Erscheinung. Dem Leser werden die Geschehnisse direkt über die Augen, Ohren und Gefühle der Hauptfigur Studer vermittelt. Der Standort wechselt dabei stets von Aussen- nach Innensicht. Der Author ist sehr nahe am Detail.

Erzählerrede Szenische Darstellung, z.T. Kommentar

Figurenrede Indirekte Rede, bei Gedanken: Bewusstseinstrom

Komposition Direkter Einstieg("Da lies!") Die Erzählung erfolgt kontinuirlich und chronologisch, mit Rückblenden zur Detektion Das Ende ist sehr überraschend!

Zeitgestaltung zeitdeckend, selten zeitraffend oder zeitdehnend bei der Beschreibung

Spannungsaufbau mit offenen Fragen zu den unzähligen Personen mit ähnlichen Namen. Die Spannung bleibt hoch bis zum Schluss.

Figuren Die Charakterisierung erfolg indirekt. Die Figuren sind komplex.

Zum Teil ist

Deutung

Glauser verarbeitet mit seinen Romanen sein Leben. So ist der Wachtmeister Studer eine Figur, die er in seinem Leben kannte. Ebenso der Traum der Fremdenlegion. Glauser steht dem Hauptcharakter Studer sehr ambivalent gegenüber. Einerseits entsprang die Idee für diese Figur einer wahren Begebenheit, bei der ihn ein Berner Wachtmeister an der Grenze empfing, um ihn in eine Heilanstalt zu bringen, der Wachtmeister zeigte damals sehr viel Respekt, andererseits hatte er immer wieder mit Polizisten zu tun und dies waren meistens für Glauser negative Erlebnisse.

Glauser zeigt hier auch seine Ablehnung gegenüber den klassischen Kriminalromanen mit ihren klassischen Figuren und Handlungssträngen. Der grosse Fall, den er seiner Hauptfigur Studer zuschanzt entpuppt sich als dummer Zufall. Ebenso ist der Wachtmeister Studer, ein normaler Mensch ohne besondere Begabung, der mit Hilfe des Zufalls als mit Brillianz den Fall löst.

Über den ganzen Roman verteilt finden sich viele schweizerdeutsche Worte und Bemerkungen, die allesamt darauf hindeuten, dass Glauser seinem Roman Authentizität und das typisch Schweizerische aufdrücken. Glauser verflechtet viele verschiedene Sprachen in seinem Roman ohne dass diese wirklich gesprochen werden.

Wertung

Das Buch ist sehr verwirrend. Um vollständige Klarheit über die passierten Morde und deren Detektion zu erhalten sollte man das Buch mindestens 2 mal lesen. Der Schluss ist sehr dahingeschludert, weil Glauser von seinem Redakteur überredet wurde den Schluss für einen Studerroman klassisch enden zu lassen. Dieser Schluss entspricht ganz und gar nicht den Vorstellungen des Authors, der den Wachtmeister Studer lieber in einem Haschischrausch belassen hätte. Der Fall hätte sich dann fast von selbst gelöst. Dies erklärt die Passivität der Hauptfigur am Ende des Romans.

Verfasser/innen

DanielForrer, Neue Kantonsschule Aarau, Schüler ("Student"?)

Rating

Es können halbe Noten von 1-6 erteilt werden. Es können auch weitere Kriterien zur Anwendung gebracht werden, z.B. Spannung, Humor, Figuren.

  Note
Inhalt 3
Form 5
Schnitt 4