-- PhilippWassmer - 15 Nov 2005

Friedrich Glauser: Die Fieberkurve (Rezension)

22 Nov 2005 - 07:38 | Version 3 |

Alle Rezensionen auf einen Blick (http://www.lese.ch.vu).

Bibliographische Angaben

Autor/in: Glauser, Friedrich
Titel: Die Fieberkurve
Thema: Mehrfachmord
Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1938
Seitenzahl: 216
ISBN ISBN:3293203337
Rezensent/in: PhilippWassmer
Rating: 5

Erste Leseerfahrung

ich fand das buch von anfang an ziemlich gut. mich faszinierte am anfang vorallem die bildlichen, ausführlichen beschreibungen von gegenständen und personen. auch cool finde ich, wie er mit den eigenheiten der verschiedenen sprachen spiel, studers name in die verschiedenen sprachen anpasst ("stüdère", "stiudaa") und auch unser wunderbares mundart in seine dialoge packt!

Verstehenshorizont

das buch spielt zu der zeit in der es geschrieben wurde, der zwischenkriegszeit, die geschichte hängt auch mit dem ersten krieg zusammen, ist doch die bedeutung einzelner personen im krieg im buch ebenfalls von bedeutung. weiter ist die funktion/das verhalten von studers frau wohl sehr typisch für diese zeit, steht sie doch voll und ganz hinter ihren mann zurück und kümmert sich um sein wohlergehen und das ihrer familie.

Beschreibung

a) Inhalt

wachmeister studer erfährt in paris in anwesenheit zweier pariser kollegen von pater matthias, dass in nächster zeit in der schweiz 2 frauen umgebracht werden sollten und zwar die 2 frauen des verstorbenen alois victor cleman; diese geschichte habe er von einem hellseherkorporal names collani. als dies dann auch schritt für schritt geschieht, wittert der wachmeister der bernerpolizei DEN grossen fall, da clemans vergangenheit bis in die fremdenlegion zurück reicht und dies ein grosser traum studers ist. gleichzeitig wie der wachmeister studer mit der aufklärung des falles beginnt, beginnt der autor glauser sein verwirrspiel. die detektion führt studer von basel via einem längeren halt in bern zurück nach paris, von dort weiter nach marrokko, wo er an verschiedenen orten der vergangenheit clemans auf die spur geht. während dieser detektion tauchen immer wieder neue namen auf, rückt pater matthias immer wieder in ein schlechtes licht und ist studer von der reinheit und unschuld von clemans tochter marie überzeugt. diese marie ist es, die studer die fieberkurve ihres vaters gibt, den schlüssel zur vergangenheit clemans. nach einer langen jagd nach der wahrheit, die studer in viele schwierige situationen bringt (es werden zwei ihm bekannte kleinkriminelle auf ihn angesetzt, in frankreich wird er als spion verdächtigt, in marokko geht er auf einen drogentripp, u.v.m.) stellt sich heraus, dass cleman noch lebt, dass er der gleiche ist, wie collani und noch mehr namen, die im verlauf der geschichte auftauchen. dafür ist pater matthias nicht der, den er zu sein vorgiebt und es stellt sich heraus, dass der anscheinend so grosse fall (in dem es immerhin nebenbei noch um sehr viel geld geht) nur durch einen blöden zufall zustande kam! und als abschluss der geschichte verwirklicht studer sich noch einen traum, indem er einen mantel der fremdenlegion anziehen kann!

b) Form

der text ist personal erzählt, glauser schreibt durch studers blickwinkel. man hat auch einblick in dessen gedanken. glauser ist sehr nahe am geschehen dran. die figuren werden indirekt charakterisiert und sind vielschichtig/komplex. die story ist ein erzählbericht mit sowohl szenischem erzählen, als auch indirekten reden und bewustseinsströmen (träume) studers. die handlung läuft chronologisch linear ab, da aber die meisten verbrechten in der vergangenheit stattfanden, gibt es sehr viele rückblenden in der detektion studers.

Deutung

glauser hat einen aus meiner sicht sehr autobiographischen text geschrieben. studers werdegang in diesem buch hat viele ähnlichkeiten mit glausers. er kommt an allen orten vorbei, an denen glauser mal war, sie haben beide den grossen traum, teil der fremdenlegion zu sein, frau tschumi und ihre tanzschule gabe es wirklich, und glauser war auch mal mit ihr liiert, etc.

er schrieb aber auch einen text, der total gegen die herkömmlichen texte diese genres ist, ist doch der grosse fall nur zufall und der detektiv alles andere als ein übermensch, was sich in seiner einfachen denkweise und seinem ganz normalen umfeld zeigt.

historisch gesehen spielt sicherlich der vorangegangene weltkrieg eine rolle: spielen doch die kontakte, die cleman dort knüpfte, eine wichtige rolle; der weltkrieg lässt auch das missvertrauen der franzosen in studer und auch sonst die haltungen gegenüber anderesstaatlichen.

Wertung

ich finde das buch sehr gut, mag das grandiose verwirrspiel, jedoch ist die auflösung ziemlich billig und man beginnt schon blad zu ahnen, dass da am ende verschiedene personen zusammenfallen! wie schon bei der ersten leseerfahrung angedeutet mag ich die absolut bildlichen beschreibungen glausers. auch pluspunkte macht bei mir als schweizer natürlich, dass er immer wieder berndeutsche ausdrücke, zum teil sogar ganze sätze verwendet, jedoch denke ich, dass das es für andere deutschsprachige leute oder gar für leute, die deutsch als fremdsprache lerenen, durch das zum teil ganz schön schwer zu lesen wird.
zusammenfassend sage ich, dass es ein gutes, aber kein überragendes buch ist, das ich jedoch weiterempfehle zu lesen, aber nicht unbedingt, wenn man darüber eine prüfung haben wird...

Verfasser/innen

PhilippWassmer, Neue Kantonsschule Aarau, Kantonsschuleschüler

Rating

Es können halbe Noten von 1-6 erteilt werden. Es können auch weitere Kriterien zur Anwendung gebracht werden, z.B. Spannung, Humor, Figuren.

  Note
Inhalt 5
Form 5
Auflösung 3.5
Verständlichkeit für Fremdsprachige 3.5
Perfektionierung des Verwirrspiels 6
Genialität 6
Schnitt 5