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-- AnneFlueckiger - 20 Sep 2005

Rezension von Wolf Haas' Komm, süsser Tod

14 Nov 2005 - 10:29 | Version 5 |

Alle Rezensionen auf einen Blick.

Bibliographische Angaben

Autor/in: Haas, Wolf
Titel: Komm, süsser Tod
Thema: Krimi
Genre: Roman
Erscheinungsjahr: 1998
Seitenzahl: 222
ISBN ISBN:3499228149
Rezensent/in: AnneFlueckiger, AlainSchiffmann
Rating: 4.5

Erste Leseerfahrung

[Anfangs wirkte das Buch auf uns recht einfach aufgebaut, und die Jargon-Sprache kam uns sympathisch und amüsant vor. Allerdings dauerte es nicht lange, bis wir uns beide über die Umgangssprache und die unvollständigen Sätze ärgerten, denn sie machen die ganze Geschichte komplizierter als sie ist und verunmöglichen ein flüssiges Lesen.]

Verstehenshorizont

[Haas hat sich offensichtlich mit den beiden Rettunsdiensten Wiens auseinandergesetzt, und hat uns von daher einiges voraus was das betrifft. Wenn wir das Buch zu lesen beginnen, wissen wir noch nichts, werden aber sofort mit den Rettungsdiensten konfrontiert. Mit der Zeit entwickelt sich ein gewisses, sicher nicht ausgefeiltes Verständnis für die Funksprüche und die Eigenheiten vor allem der Kreuzretter. Darüber hinaus verwendet Haas den sehr umgangssprachlichen Wiener Dialekt, der uns oft unverständlich ist und ein wenig befremdlich wirkt. Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings daran und weiss entweder, was was bedeuten soll, oder kümmert sich nicht mehr darum. Haas beschreibt die Quartiere Wiens nicht und gibt eine Erklärungen dazu ab. Er erwartet also, dass man sich in Wien auskennt. Unser Horizont diesbezüglich hat sich allerdings auch nach der Lektüre nicht wirklich erweitert, man kann also davon ausgehen, dass die Lokation Wien gar nicht entscheidend ist für das Buch - es könnte auch Berlin sein, London oder Paris.]

Beschreibung

a) Inhalt
[Der Krimi behandelt den mysteriösen Mord an einem Arzt und dessen Geliebten, ein Schuss, zwei Tote. Im Laufe des Buches sterben einige weitere Personen und eine Katze, und langsam aber sicher löst sich auf, wer die Morde begangen hat und warum. Plötzlich sieht man im Zusammenhang, was anfangs ziemlich lose aneinander geschrieben wurde. Im ganzen Buch wird auch mit einem gewissen schwarzen Humor und einigem an Sarkasmus der Krieg zwischen den beiden Wiener Rettungsdiensten Kreuzretter und Rettungsbund behandelt, der plötzlich eine ungeahnte Wichtigkeit annimmt und härter wird, als erwartet.]

b) Form
[Das Buch wird uns eigentlich erzählt von einer Person, die wir nicht kennen. Eine Frau, eine Mann, alt, jung, wir wissen es nicht. Aber sie weiss ganz offensichtlich alles von sämtlichen wichtigen Personen. Man könnte annehmen Wolf Haas himself sieht von seiner göttlich-auktorialen Wolke hinab und erzählt uns, was er eben erzählen will - und möglicherweise gar nicht wichtig ist für den Text. Durch sein Allwissen und die teilweise persönlichen Details, die er uns über den Hauptcharakter erzählt, entsteht eine gewisse Nähe zur Geschichte und zum Geschehen. Man bekommt den Eindruck, wirklich dabei zu sein. Meistens allerdings sehen wir die Personen von aussen, ihre Gedanken bleiben stark verborgen. Erzählt werden nur äussere Handlungen, Sicht- und Spürbares. Dennoch erkennt man zumindest bei den Hauptfiguren ihre Vielschichtigkeit und Komplexität, und es fällt nicht schwer, ihren Charakter herauszufühlen. Grundsätzlich ist der Erzähler sehr beschreibend in seinen Ausführungen, oder kommentiert was seine Kollegen, die Hauptdarsteller, tun und lassen. Ausserdem vermittelt er eine sehr bildhafte Darstellungen, man fühlt sich wie in einem Film. Im Kopf laufen die Szenen mehr oder weniger ab, ohne dass man sich selber viel dazudenken muss was die Bilder anbetrifft. Fördernd dafür ist die recht zeitdeckenden Erzählung, nur selten wird leicht gedehnt. Raffungen sind höchst selten bis nicht existent. Recht oft werden uns wichtige Dinge vorenthalten, nur um sie später aufzudecken und Dinge zu erklären, die vorher völlig sinnlos schienen. Solche Rückblenden sorgen für Spannung und Verwirrungen im Text. Der ganze Text ist sehr humorvoll und mit einer grosszügigen Portion Ironie geschrieben. Nicht selten vergreift sich der Erzähler an den Hauptcharakteren und erlaubt sich, seine Witze über sie zu reissen und sie ein wenig fertig zu machen.]

Deutung

[Mit seinem Roman macht sich Haas über den wienerischen Lebensstil lustig. Er macht leicht lächerlich darüber, wie man in Wien lebt - den Drang, ein wenig die Ruhe, Einfachheit und Bequemlichkeit früherer Zeit beizubehalten. Auch dass er den Erzähler diesen wiener Jargon sprechen lässt, ist eine Art, ein wenig Kritik zu üben. Er lässt seine Hauptcharakteren und den Erzähler leicht dümmlich wirken, weil sie irgendwie keinen vollständigen Satz formulieren können. Grundsätzlich kann man sagen, Haas arbeiten sämtliche Wien-Klischees auf, die es gibt. Von der angeblichen Ruhe über den Grossstadt-Dorf-Konflikt bis zum Donau-Inselfest. Vielleicht übt er damit auch ein wenig Kritik an der prominentesten Stadt Österreichs.]

Wertung

[Alains Werung: Das Buch ist nervig, jedoch interessant. Hat man einmal damit begonnen, will man es möglichts schnell fertig gelesen haben. Aus 2 gründen: 1. Man will möglichts schnell diesen schrecklichen schreibstil hinter sich haben. 2. Der Krimi ist gut geschrieben( Aufbau ), und bis ans ende spannend.

Annes Wertung: Ganz ehrlich? Ein sch..limmes Buch, dessen Sprache genau die ersten zwei Kapitel witzig ist, danach aber erstens an Witz, zweitens an Charme und drittens mein Interesse verliert. Wäre es mir nicht auferlegt worden, hätte ich wahrscheinlich irgendwo in der Mitte die Lektüre abgebrochen. Die Geschichte mag ja ganz raffiniert sein, aber wenn sie wirklich nur spannend sein kann, wenn man unvollständige Sätze und unverständliche Wörter braucht, dann ist etwas falsch gelaufen. Für mich ist es absolut kein lesenswertes Buch und ich finde es schade, dass man mittlerweile gespielt schlecht und billig schreiben muss, um Erfolg zu haben.]

Verfasser/innen

BeatKnaus, Neue Kantonsschule Aarau, Deutschlehrer

Rating

Es können halbe Noten von 1-6 erteilt werden. Es können auch weitere Kriterien zur Anwendung gebracht werden, z.B. Spannung, Humor, Figuren.

  Anne Alain
Inhalt 5.5 5.5
Form 2.5 4.25
Schnitt 4.0 4.875