Jasmin Lüscher: Die Schachnovelle (Rezension)

28 Jan 2006 - 15:57 | Version 7 |

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Bibliographische Angaben

Autor/in: Zweig, Stefan
Titel: Die Schachnovelle
Thema: Zwiespältigkeit
Genre: Novelle
Erscheinungsjahr: 1974
Seitenzahl: 110
ISBN ISBN:3-596-21522-6
Rezensent/in: JasminLuescher
Rating: 5.35

Erste Leseerfahrung

Als ich mit dem Lesen dieses Buch begonnen habe, so konnte ich mich schlecht konzentrieren, weil ich mich ständig an den doofen Einband mit dem langweiligen Schachbrett darauf, erinnerte. Ich kann kein Schach spielen. Es ist mir schlicht zu kompliziert. Aber als ich am einem Abend diese Novelle zu Ende gelesen hatte, war ich sehr begeistert. Noch nie in meinem Leben hatte ich für ein Buch, egal welcher Länge, weniger als mind. 4 Monate gebraucht um es zu lesen. Doch bei Zweig's Schnovelle war es ganz anders. Das Buch ist sehr einfach geschrieben und leicht verständlich. Perfekt für meine bisherigen Lesekenntnisse. Meine erste Leseerfahrung war also sehr positiv. Seit ich dieses Buch gekauft und gelesen habe, lese ich viel lieber, habe seither schon mehrere Bücher zu Ende gelesen. Es motivierte mich also.

Verstehenshorizont

Sprachlich: Die Schachnovelle ist sehr verständlich geschrieben. Es gibt kaum Fremdwörter, ausser ein paar wenigen Audrücken, meistens aus dem Schachspiel.

Geschichtlich: Die Geschichte spielt nicht weit weg der heutigen Zeit, denn die Handlung ist parallel der Geschehnisse der Vorzeit des Zweiten Weltkrieges. Auch der Höhepunkt des Lebens des Autoren, Stefan Zweig, ist gut dieser Zeit einzuordnen. Somit kann das Buch dann auch biografisch gedeutet werden.

Kulturell: Die kulturelle Distanz ist auch gering, macht aber am meisten aus im Vergleich zu heute. Denn es herrschen keine Kriege mehr (so nahe wie der Zweite Weltkrieg), die Frauen sitzen nicht mehr zu Hause und sorgen für Haus und Sprösslinge. Vieles hat einen Zeitwandel durchgemacht, Bildung, Interessen, Freizeit. Aber die Kultur spielt in der Geschichte sowieso nicht eine grosse Rolle, da die Geschichte während einer ca. 3 tägigen Schiffsreise spielt.

Beschreibung

a) Inhalt
Die Schachnovelle beginnt mit der Abfahrt eines Passagierschiffes nach Buenos Aires. Der Erzähler reist auf diesem Schiff und erzählt die Handlungen, die er beobachtet. Denn auf diesem Schiff fährt der Schachweltmeister und ein ehemaliger Schizophrener mit. Ganz am Anfang erfährt man die Lebensgeschichte des Mirko Czentovic, der als Waisenkind bei einem Pfarrer aufgewachsen ist. Er ist Analphabet, ungebildet, desinteressiert. Man meint sein erfolgloses Leben sei schon voaussehbar. Der Erzähler erfährt, dass sich der Weltmeister auch auf diesem Schiff befindet. Er überredet den reichen, schottischen Tiefbauingenieur, Czentovic zu bezahlen und gegen ihn zu spielen. Logischerweise verliert Mc Conner. Bei der Revanche greift der ruhige Dr. B. ein, welcher mit wenigen und schnellen Zügen, Mc Conners siegt erreicht. Dr. B. möchte sich sofort zurückziehen.

b) Form
Die Schachnovelle ist, wie der Titel schon sagt, eine 110 seitige Novelle, die leicht geschrieben und leicht verständlich ist. Die Figuren sind recht genau und typisiert chrakterisiert, ein Durcheinander ist also nicht möglich. Die Geschichte Beginnt mit der Abfahrt des Passagierdampfers in New York und Endet mit dem Anlegen am Hafen von Buenos Aires. In dieser kurzen Zeit spielt eine leich verständliche, aber spannende Handlung, die in der Gegewart beginnt, zwei Rückblendungen (zwei Lebensgeschichten) hat und wieder in der Gegenwart endet. Das Leitmotiv des Schachbretts und des unausgebildeten Vorstellungsvermögens von Czentovic leitet einen durch die Geschichte. Die Handlung wird von einem Erzähler berichtet. Es ist personales Erzählverhalten. Denn man bekommt nur immer das mit, was der Erzähler sieht und erlebt.

Deutung

Ich deute diese Novelle geschichtlich und biografisch. Denn wenn man die Biografie des Autoren, Stefan Zweigs vergleicht mit der Lebensgeschichte und dem Verhalten von Dr. B. so können sehr viele Parallelen erkennt werden. Beide waren sehr intelligent und gebildet, hatten einen Job. Dr. B. war Anwalt und half nebenbei beim Verstecken von kirchlichen Reichtümern Österreichs. Durch einen Verrat bei der Gestapo wurde dies aufgedeckt und er wurde festgenommen für eine sehr lange Zeit. Man erhoffte sich durch seine Verhöre auf die Verstecke zu kommen. Dr.B. wird in seiner Haft schizophren, weil er seinen Hunger nach Geschriebenem irgendwie stillen muss, spielt er gegen sich selber Schach. Das führt ihn in den Wahnsinn. Und wenn das Buch nicht genau da enden würde wo es endet, würde er schliesslich wieder zurück in die Zwiespältigkeit fallen. Stefan Zweig war auch sehr intelligent und ich glaube, dass er seinen Gedanken seinen Tod zu verdanken hat. Er wohnte wie Dr. B. auch in Wien und studierte da. 1936 wurden seine Bücher von den Nazionalsozialisten verbrannt und verboten. Ich glaube mit dieser tragischen Wendung in seinem Leben ist er nicht klargekommen, mit dem Regiem von Hitler.

Wertung

Wie schon in meiner ersten Leseerfahrung zu erkennen hat mir das Buch allgemein sehr gut gefallen. Ich konnte es ohne Proleme schnell lesen und es gefiel mir mich in die Geschichte hineinzudenken und mir Gedanken über verschiedene Aspekte zu machen. Mir war auch sofort meine eigene Deutung klar. Was mich in der Geschichte sehr irritiert ist, wie leicht das Schachspiel dargestellt wird. Ein dummer, nichtswissender, uninteressierter Junge wird in so kurzer Zeit zu einem Schachweltmeister. Aber ein intelligenter, gut gebildeter Dr. B., der es schon in der Schule gelernt hatte, braucht eine so lange Haft, in der es sich aber jede Minute mit dem Schach befasst, um so gut zu werden. Wiederum hat heute jeder Schachweltmeister ein bildliches Vorstellungsvermögen, denn ohne dies wäre der Erfolg im Schachspiel nicht möglich. Doch der plötzlich so sehr talentierte Czentovic schafft es ohne bildliche Vorstellungskraft, den ersten Rang im Schach zu erreichen und dass alles in dieser kurzen Zeit.

Verfasser/innen

BeatKnaus, Neue Kantonsschule Aarau, Deutschlehrer

Rating

Es können halbe Noten von 1-6 erteilt werden. Es können auch weitere Kriterien zur Anwendung gebracht werden, z.B. Spannung, Humor, Figuren.

  Note
Inhalt 5.5
Form 5.2
Schnitt 5.35

-- JasminLuescher - 15 Nov 2005