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Am Sempachersee

14 Jan 2005 - 00:25 | Version 3 |
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Mittwochnachmittag. Kurz nach 13 Uhr. Exkursion mit Herrn Knaus ins Aargauer Kunstmuseum. „Wieder einmal ein Museumsbesuch“, dachte ich, denn ein Museumsliebhaber bin ich nicht – Kunstmuseumsliebhaber schon gar nicht. Aber ich riss mich zusammen, denn ständig wurde ich wieder daran erinnert, dass wir ja einen literarischen Text über ein Werk schreiben sollen. Dazu kam, dass ich ohnehin schon nicht besonders guter Laune war. Der Regen und die Kälte, die schon längere Zeit über Aarau herrschten, hatten einen schlechten Einfluss auf meine Psyche, sie drückten sie extrem in die Tiefe. Weg wollte ich. Irgendwohin, wo ich meine Ruhe habe. Ich suchte nach Wärme und Geborgenheit. Ich hatte zu nichts Lust.

„Sie haben jetzt etwas Zeit für sich selbst, schauen Sie sich in aller Ruhe um und dann treffen wir uns in einer Stunde wieder hier unten“, gab die Museumsführerin bekannt. – „Na toll, wenigstens keine langweilige Führung“.

Ich versuchte mich zu konzentrieren. Einige Bilder betrachtete ich längere Zeit, andere weniger lang. Ich bestimmte den Rhythmus und die bereitete mir schon ein wenig Spass. Vorbei an Bild zu Bild. Da ein kurzer Blick, dort schnell ... ja ... hm ...ok ... und zum nächsten ... Treppe hoch ... ja, schön ... aber ... nächstes ... Labyrinth ... weisse Wände ... Tageslicht von oben ... keine künstliche Beleuchtung ... ein Sofa ... ich setzte mich darauf und begann auf ein Bild zu starren, welches mir nicht mehr ermöglichte, meinen Blick davon abzuwenden. Ich konnte nicht mehr klar denken. Ich schloss meine Augen, öffnete sie wieder und das Werk begann mich zu blenden.

Sofort zogen die Wolken am Himmel in Richtung der Berge davon und machten der Sonne Platz. Das Boot legte am Steg an und ich ging an Land. Schnell passierte ich den Holz spaltenden Grossvater, überholte Mutter mit den zwei kleinen Geschwistern, setzte mich beben das Mädchen und den Hund und beobachtete den fischenden Jungen. Keiner der genannten Personen sagte etwas noch scheuten sie zu mir auf. Aber ich fühlte mich wohl. Es war warm. Ich stand auf um die Füsse im Bächlein ein wenig zu baden. Es plätscherte so schön vor sich hin. Einzelne Sonnenstrahlen durchbrachen die Wasseroberfläche. Plötzlich zog der Junge eine Forelle aus dem Bächlein, liess sie jedoch sofort wieder los. Ich überquerte das Bächlein, fand ein kleines Sonnenplätzchen unter den Bäumen und legte mich auf das sanfte Moos nieder. Noch einmal hob ich meinen Kopf mit Blick zum Knaben, zum Mädchen und dem Hund, doch die Augen fielen mir zu ... zurück ... „He Flo, wir treffen uns in zehn Minuten!“ Ich war wieder zurück. Zurück von einer kurzen Reise an einen Ort, den ich nicht so schnell wieder vergessen werde.

Dieser Ort nennt sich : Am Sempachersee, wie ich es auf der Bildlegende erkennen konnte. Ich wusste sofort, dass dieses Bild das richtige ist. Ich spürte Genugtuung, denn ich hatte soeben in diesem Ort gelebt, wo ich alles fand, wonach ich zu dieser Zeit auf der Suche gewesen war – Ruhe, Wärme, Idylle. Ich spürte, wie ich ein wenig davon in meinem Reisekoffer mitgenommen hatte.

Auch wenn es diesen Ort vielleicht ja gar nicht gibt (Robert Zünd hat dieses Bild bekanntlich aufgrund einer Ausstellung zum Thema „Lebensfreude“ gemalt), hat er enorm viel in mir ausgelöst.

Nehmen Sie sich Zeit und tauchen Sie in eine Welt voller Idylle, Ruhe, Geborgenheit und Wärme ein.

-- FlorianLier - 30 Jun 2004