You are here: NKSA » MaturaArbeit » SchulblattArtikel

Von der Schwierigkeit, das Einfache zu sehen

14 Jan 2005 - 00:25 | Version 2 |

Ist der Unterrichtsstoff an der Kanti wirklich so schwierig, wie er oft gelehrt wird?

Oder könnte man gewisse Themen allenfalls sogar Primarschülern beibringen? Und falls ja, auf welche Art, mit welchen Mitteln?

Wir, zwei Schülerinnen der Neuen Kantonsschule Aarau, gehen im Rahmen der Maturaarbeit diesen Fragen nach.

Begonnen hat alles mit der Idee, etwas Praktisches mit Kindern zu machen. Betreut von Beat Trottmann, unserem Psychologie- und Pädagogiklehrer, fanden wir bald ein spannendes Thema: Wir möchten testen, ob es möglich ist, komplexe Materie soweit zu vereinfachen, dass sie für Primarschüler zugänglich ist. Aus unseren Ergebnissen möchten wir eine eigenständige Vereinfachungstheorie zusammenstellen, welche möglichst universell für den Unterricht angewendet werden kann. Daraus entstand schon bald die Zusammenarbeit mit Doris Läser, der Lehrerin der 3. und 4. Klasse in Schlossrued. Sie gab uns die Möglichkeit, eine Doppelstunde lang zu unterrichten. Wir setzten uns zum Ziel, den Schülern etwas über die Zelle beizubringen. Aber nicht nur oberflächlich, sondern genau das, was wir in der Kanti im Biologieunterricht gelernt hatten. Vor dem Unterrichten lag eine äusserst intensive Vorbereitungszeit. Es ging nicht nur darum, den Stoff zu vereinfachen, wir mussten ihn zuerst nochmals für uns selber erarbeiten, und ihn von einer ganz anderen Seite her betrachten. Wir merkten bald, dass wir das Thema in der Kanti zwar ausführlich behandelt hatten, aber um es wirklich zu verstehen, fehlte noch einiges. Danach ging es ans Vereinfachen. Aus Theorien von Schulz von Thun und anderen Pädagogen hatten wir schon einige Ideen dazu, aber das Meiste mussten wir uns selbst erarbeiten. Neben dem Ersetzen oder Erklären des Sachwortschatzes mussten auch passende Beispiele her, die Texte für den Werkstattunterricht mussten einfach und kurz, der Frontalunterricht verständlich und packend sein. Der Unterricht gestaltete sich dann auch für uns sehr lehrreich, wir erkannten schnell, was unverständlich war, denn die Kinder gaben uns jeweils sofort ihr Feedback. Eine Woche später besuchten wir die Klasse nochmals, um ihre Meinung zum Unterricht und auch zur Idee dahinter zu hören. Alle waren begeistert, vor allem vom Mikroskopieren und natürlich von unserem selbstgebastelten Maskottchen namens Zelli. Danach liessen wir die Schüler eine Probe schreiben, was viele nicht so freute. Trotz ihren Rückmeldungen, dass sie alles verstanden hatten, bekundeten einige Schüler schon bei einfacheren Fragen Mühe. Andere Schüler hingegen waren erfreut über die Herausforderung und meisterten sie auch ganz gut.

Unser Fazit: Wir sind erstaunt, wieviel die Kinder verstanden haben. Das Interesse und die Motivation waren überwältigend, die Freude am Neuen, Speziellen gross. Wir mussten aber auch merken, dass hinter solchem Vereinfachen ein immenser Aufwand steht. Soll man mit solchen Themen also warten, bis die Schüler es mit kleinerem Aufwand verstehen, dafür aber wohl längst nicht mehr so begeisterungsfähig sind?

-- ChristineBertschi - 28 Nov 2004