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Sonja Wild: Deutsch-Material

27 Apr 2006 - 07:22 | Version 29 |

Deutsch Klasse 1D

Hörspiel von Ilse Aichinger

Woher stammt das Geräusch hinter der Wand in der Knopffabrik, wo die Knöpfe Namen tragen wie Vernon, June oder Margaret? Die junge Arbeiterin Ann geht dieser Frage nach, obwohl solche Fragen dort nicht erwünscht sind. Sie gibt nicht auf, bis sie weiss, woher die Knöpfe kommen und warum ihre Arbeiterkollegin nicht mehr zur Arbeit erscheint.

Auf mich wirkte der Text zunächst undurchsichtig, auch etwas verwirrend, da noch keine Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Handlungen hergestellt werden können. Man spürt, dass etwas Unheimliches geschieht hinter dieser Wand, aber was? Dass die Knöpfe und die Frage nach deren Herkunft eine zentrale Rolle spielen wird bald offensichtlich. Man macht sich eigene Gedanken bezüglich der Herkunft der Knöpfe. Als dann plötzlich ein Knopf auftaucht, der den Namen der ehemaligen Arbeiterkollegin trägt, scheint schnell klar, dass diese hinter der Wand zu Knöpfen verarbeitet wurde.

Das Hörspiel wurde 1953 geschrieben und gehört somit zur Trümmerliteratur. Es entsteht sowohl eine zeitliche, als auch eine historische Distanz. So erscheint es für uns rückständig, dass die Knöpfe in einer Fabrik von Hand sortiert werden und die Arbeit nicht mit der Maschine erledigt wird. Was die Leute von damals von den Leuten von heute trennt, ist der Umstand, dass die Leute von damals einen schrecklichen Krieg erleben mussten. Sie waren unmittelbar betroffen und waren auch Jahre danach noch von diesen Erlebnissen gezeichnet. Das Hörspiel ist in einfacher Sprache geschrieben, so dass jeder Leser die Geschichte versteht.

Das Hörspiel ist in Dialogform geschrieben. Man erfährt so relativ wenig über das Innenleben der Figuren, ausser wenn sie direkt über ihre Gefühle sprechen. Die Gespräche zwischen den Figuren sind kurz, keine langen Monologe in komplizierter Sprache. Es gibt auch häufig Szenenwechsel, welche aber chronologisch geschehen. Ein Thema, das im Hörspiel angesprochen wird, sind die verschiedenen sozialen Schichten. Die Arbeiterinnen stammen aus der untersten Gesellschaftsschicht, sie sind arm und von ihrer Arbeit abhängig, obwohl der Verdienst sehr klein ist und kaum zum leben reicht. Die Vertreter der Fabrik hingegen, Jack und Bill, sind nicht arm, da sich die Knöpfe gut verkaufen, sie besitzen Macht. Ein weiteres Thema ist das Geschlechterverhältnis. Die Arbeiterinnen unterwerfen sich den Männern und folgen ihrem Willen. Die Männer besitzen Macht, die Frauen gehorchen widerstandslos. Die einzige, die sich schlussendlich nicht unterkriegen lässt, ist Ann.

Ein Motiv, das immer wieder vorkommt, sind die Knöpfe. Sie verkörpern das Böse; Unterwürfigkeit, harte Arbeit und schlussendlich den Tod. Als Ann schliesslich die Arbeit in der Fabrik aufgibt, entzieht sie sich gleichzeitig auch der Gefahr, selber zum Knopf zu werden.

Ilse Aichinger hat mit ihrem Hörspiel ein gelungenes Werk geschrieben. Was anfangs noch undurchsichtig und ohne Zusammenhang schien, hat mich als Leserin bald gepackt und Neugierde geweckt. Ich wollte erfahren, ob Ann kurz vor Schluss aufgibt oder ob sie es wirklich schafft. „Knöpfe“ ist nicht einfach nur ein Hörspiel, es fordert einem auf, den eigenen Verstand zu gebrauchen, sich nicht alles gefallen zu lassen und Mut zu beweisen, auch wenn es bequemer scheint, über die Wahrheit hinwegzusehen. Die Geschichte spielt zwar vor mehr als einem halben Jahrhundert, das Thema ist aber auch heute noch aktuell, hat also einen deutlichen Gegenwartsbezug. Der Text regt dazu an, Dinge zu hinterfragen, nach den Antworten zu suchen und dabei nicht aufzugeben.


KurzgeschichteSonja

19.11.04

Auszug aus einer Theaterprobe des Stückes "Hilferuf aus der Badewanne"

Regisseur: Stop!! Das Ganze noch mal von vorn. Alle in die richtige Position uuuuuuuund los!!!

Das Klingeln eines Telefons ist zu hören.

Beamter: Küstenwache Kopenhagens, Heiner am Apparat.

Telefonstimme: SOS, SOS. Dies ist ein Hilferuf!! Bitte, schnell, wir sind in Not!! Retten sie uns, das Wasser steht uns bis zur Brücke.

Beamter: Wie, langsam, ich habe nicht verstanden.

Regisseur: Halt! Ihr Gesichtsausdruck, Schaller, sie müssen viel verwirrter dreinschauen. Nochmal bitte.

Beamter: Wie langsam, ich habe nicht verstanden.

Telefonstimme: Wir-sind-in-Not. Schi-cken- Sie-uns-Hil-fe!

Beamter: Ich kann folgen, weiter im Text.

Telefonstimme: Ich bin Kapitän. Mein Schiff ist am Sinken. Es hat bereits eine Neigung von 45 Grad. Meine Besatzung ist in Panik.

Regisseur: Unterbruch. Müller, denken Sie daran, sie sind in Seenot, Sie schweben in Lebensgefahr. In Ihrer Stimme muss das zu hören sein. Also, weiter im Text.

Beamter: Wo, ich brauche ihre Position.

Telefonstimme: Ich kann ihnen die Daten nicht durchgeben, die Maschine spielt verrückt. Etwa 10 Kilometer westlich der Bornholminsel.

Beamter: Ich schicke sofort einen Rettungstrupp. Halten sie durch. Behalten sie ihre Nerven. Rennt von der Bühne

Regisseur: Sehr gut, der letzte Teil. Jetzt wäre die Pause. Wir machen fünf Minuten Pause, dann gehts weiter mit dem zweiten Teil.¨

Regisseur:Gut, weiter gehts. Bitte Aufstellung und los!

Beamter kommt durchnässt und dreckig auf die Bühne. Er setzt sich seinem Vorgesetzten gegenüber und fängt an zu berichten.

Vorgesetzter: Bitte berichten Sie mir ausführlich von diesem Rettungseinsatz.

Beamter: Nun ja, da gibt es nicht viel zu berichten. Wir sind an die angegebene Stelle, also 10 km westlich der Bornholminsel, gefahren und hielten immer Ausschau nach diesem Schiff, das sich in Not befand. Aber da war nichts und niemand. Nach drei Stunden haben wir die Suche abgebrochen und sind zurückgekehrt. Ich schwöre Ihnen, da war niemand.

Vorgesetzter: Tja, das kann ich nicht berurteilen, da ich selber nicht dagewesen bin. Gehen Sie sich ausruhen und ziehen Sie sich trockene Kleider an, ich werde mich um diesen Fall kümmern. (Beide gehen von der Bühne)

Regisseur: Sehr gut!! Haben Sie über Nacht geübt? Das war fantastisch. Dieser Ausdruck von Niedergeschlagenheit in ihrem Gesicht, Schaller, wie angeboren. Aber genug des Lobes, bitte weiter, ich wollte nicht unterbrechen.

Vorgesetzter kommt auf die Bühne, gefolgt von vier Polizisten, die einen Mann in ihrer Mitte führen.

Vorgesetzter: Bitte setzen Sie sich und berichten Sie, was Sie zu diesem Vorfall zu sagen haben und lassen Sie nichts aus.

Der Mann setzt sich und die Polizisten nehmen an der Türe Aufstellung.

Vorgesetzter: Nun, ich warte.

Mann: Ja also, das war so: Ich kam nach einem langen Arbeitstag nach Hause und gönnte mir ein warmes Entspannungsbad mit einem tüchtigen Schluck Wein. Ich muss etwas viel getrunken haben, denn plötzlich verwandelte sich die Welt um mich herum in ein schäumendes Meer.

Regisseur: Halt. Sie sind verunsichert, machen Sie etwas mehr Pausen zwischen den Sätzen, dies ist ein Geständnis. Weiter!

Mann: Nun ja, dann war ich plötzlich Kapitän auf dem Spielzeugschiff meiner Tochter. Meine Besatzung war in höchster Not und einer meiner Männer war bereits über Bord gespült worden. Also rief ich die Rettungsmannschaft an, damit sie uns rettete...

Vorgesetzter: ...und wir bekamen den Notruf, schickten zwei Schiffe um jemanden zu retten, der gar nicht in Not war! Das ist ja die Höhe. Steht auf und lehnt über den Tisch Jetzt bringen Sie das bitte noch meinen Mitarbeitern bei, die bei Nacht und Sturm ausgerückt sind, um unter eigener Lebensgefahr einem Schiff zu Hilfe zu eilen, das nicht in Not war. Sie können sich auf eine Anklage gefasst machen. Zu den Polizisten gewandt: bringen Sie ihn mir aus den Augen, bevor ich meine Beherrschung verliere. Ich meinen Mitarbeitern die Sache erklären. Sie werden von ihnen hören. (Polizisten nehmen den Mann in die Mitte und führen ihn nach draussen)

(Vorgesetzter geht nach draussen)

Regisseur: Sehr gut, Vorgesetzter, Sie verschaffen sich Autorität mit Ihrem bestimmten Auftreten, ich bin zufrieden. Feierabend für heute. Den Rest proben wir morgen. Einen schönen Abend wünsche ich.


_Kommentar bk: Ich finde Ihre Idee mit der Theaterprobe vortrefflich. So gelingt es Ihnen, den Regisseur das sagen zu lassen, was aus den Aussagen der Figuren nicht hervorgeht. So kann er auf Gefühle aufmerksam machen usw. Natürlich ist das nicht nur überzeugend, sondern auch witzig. Wahrscheinlich könnten Sie diesen Witz noch mehr verstärken, indem der Regisseur z.B. noch mehr Einfluss nimmt auf seine Figuren, sie noch mehr kritisiert. Oder wie wäre es, wenn Sie die Schauspieler sich in Ihre Rolle hineinsteigern lassen würden - so dass der Regisseur sie nur noch mit Mühe stoppen kann? Was ich sagen will: Ihre Idee hat noch mehr Potential, versuchen Sie noch mehr daraus zu machen._

Seenot 10.09.04

Wenn ich mich richtig erinnere, war es im Januar oder Februar vor zwei oder drei Jahren in meinem Büro in Kopenhagen oder so. Irgendeinmal im Verlaufe des Morgens läutete mein Telefon und..., nein, es war das meines Kollegen, aber weil er nicht da war, ging ich an den Apparat. Zuerst bin ich nicht drausgekommen, oder, weil der am anderen Ende so komisches Zeug geschwafelt hat, weil..., nein, er hat einfach seine Worte verschluckt, so dass es kaum möglich war, irgendetwas zu verstehen, oder, aber dann hat er mir unmissverständlich klargemacht, dass er und seine Besatzung, etwa 12, vielleicht auch 15 Menschen oder sonst irgendwer, weiss nicht mehr so genau, in höchster Gefahr schweben. Es war schon recht unheimlich, wie man da im Hintergrund gurgelndes Wasser gehört hat oder irgendetwas, das wie starker Wind tönte. Ich bekam eine Gänsehaut, wenn ich an die armen Matrosen dacht, die da in dem eiskalten Wasser zweifellos ertrinken, vielleicht auch erfrieren würden, wenn ich nicht sofort eine Bergungstruppe losschickte. Also liess ich mir die Koordinaten durchgeben. Irgendetwas mit 4..., nein ich glaube es war etwas mit 3, ach, ich weiss es nicht mehr, ist ja auch egal, oder? Auf jeden Fall war es bei der Ost-, vielleicht auch Westseeinsel Dornh.., nein, Moment mal, wie hiess sie doch gleich noch? Ach ja, Bornholminsel oder so. Wir fuhren also mit ein paar Booten so schnell es ging dorthin und wollten..., nein, zuerst musste ich natürlich nachschauen, wo diese lag, denn ich kannte mich nicht wirklich aus dort, die Bornholminsel war mir irgendwie noch nie aufgefallen bei meinen Studien. Wir fuhren also dorthin mit unseren Booten und hielten Ausschau nach den Verunglückten. Aber irgendwie war da niemand, also, das heisst es war da ein Fischerboot, aber das schien irgendwie nicht in Not zu sein. Zur Sicherheit fuhren wir trotzdem hin und fragten vorsichtig nach, ob sie etwas gesehen hätten. Ich weiss nicht mehr so genau, was sie geantwortet haben, aber irgendetwas Verneinendes. Wir fuhren also wieder zurück zur Zentrale um dort Bericht zu erstatten, aber, also zuerst suchten wir noch etwa zwei Stunden, vielleicht auch weniger, keine Ahnung. Wir waren ziemlich verfroren, als wir wieder im Büro waren und berichteten dann unserem Vorgesetzten, ich glaube es waren sogar zwei, die zuhörten, was passiert war. Sie sagten sie nähmen das in die Hand. Später wurden wir, glaube ich, in Karls Büro gerufen und dann war da die Polizei, oder so. Mann, bin ich da erschrocken. Ich sah dann da einen Mann, jung, oder alt, keine Ahnung mehr, ich glaube aber eher alt, der an dem Tisch sass. Die Polizisten berichteten, dass dieser Mann aus der Badewanne, ich glaube es war kein Swimmingpool, für den war es zu kalt, einen Notruf gesendet hat. Wenn ich mich recht erinnere, war er besoffen, Verzeihung, also nicht ganz beisammen. Irgendwie hat er dann eine Besatzung erfunden und das Boot, irgendetwas mit 45 Grad, aber das hab ich nicht so wirklich gecheckt. Die anderen Besatzungsmitglieder meiner Einheit schienen ziemlich sauer. Auf jeden Fall waren wir ziemlich verarscht worden, glaub ich jetzt auf jeden Fall. Schlussversion(Korrigiert von Sonja und Marita)


_Kommentar bk: Sie ahmen die mündliche Redeweise recht gut nach, v.a. das Abgehackte, z.T. fast Unverständliche. Dabei kann man sich auch den Ton der Stimme recht gut vorstellen, kann sich ansatzweise ein Bild machen von der Person. Dies könnten Sie noch weiter verbessern: Wer spricht da? Warum ist der oder die so zerstreut? Nur, weil es lange her ist? Und zu wem spricht die Person? Einem Freund? Einer Kollegin? Einem TV-Publikum? Sie müssen die Person möglichst genau vor Augen haben, wenn Sie aus ihrer Perspektive schreiben._


Tommy der Dieb

Totenstille herrscht in dieser Nacht. Tiefe Dunkelheit liegt über dem Garten von Alan Daffin. Plötzlich ist ein schleifendes Geräusch zu hören, ein Schaben auf den Steinplatten, wie wenn ein grosser Gegenstand über die Steinplatten gezogen würde. Er hat wieder mal zugeschlagen, der Schrecken aller Bewohner des Eastwood in Taunton. Mit grösster Anstrengung zieht er seine Beute über den Rand des Hauseingangs, an dessen linker Seite sein unentbehrliches Schlupfloch angebracht ist. Als nächstes hört man das holzige Knarren des Türchens und das dumpfe Geräusch, mit dem der nächtliche Dieb seine Beute fallen lässt. Dann dringt der Geruch nach Minze und Bratkartoffeln mit Erbsen durch die Öffnung nach draussen. Prüfend zieht er die Luft durch die Nase ein. Alles in Ordnung, kein fremder Geruch, nur der Duft nach einem guten Abendessen und Frauchens Parfum. Vorsichtig vergräbt er ein weiteres mal seine spitzen Zähne in den weichen Stoff, was ihm ein deutliches Naserümpfen entlockt, denn der Geruch eines fremden Katers hängt noch an dem Kleidungsstück. Bestimmt setzt er seine linke Vorderpfote über die Schwelle hinweg und schlüpft durch die kleine Öffnung. Im Haus ist es ganz still, nur das Rascheln des Kleides und dann das dumpfe Zuschlagen des Türchens hinter ihm ist zu hören. Regungslos verharrt er einige Sekunden und zieht noch einmal prüfend die Luft ein, um sich zu vergewissern, dass Frauchen auch wirklich schläft. Dann schleicht er durch die Stube. Der dicke Perserteppich verschluckt seine Schritte, sodass kein Laut zu hören ist. Mit einem Aufatmen lässt er seine Beute auf den Boden vor dem Sofa fallen, wo sein Frauchen das teure Kleidungsstück am Morgen mit Bestimmtheit entdecken würde. Als er dann ins weiche Kissen in seinem gemütlichen Körbchen sinkt. Im Traum stellt er sich vor, wie sie nach der Entdeckung mit einem wütenden Schrei zu seinem Körbchen rennen würde und ihm böse Wörter an den Kopf schmeissen würde. Ja, er hatte wahrlich ein tolles Hobby, dachte er und schlief dann tief und fest, bis das Trampeln seines Frauchens und ihre wütenden Schreie ihn weckten.

Grundidee: Mein Text soll von Werwölfen in einer Vollmondnacht handeln, was sie für Wesen sind, wie sie leben und wie sie dem Vollmond dienen. Der Text soll unheimlich sein und eine Spannungskurve enthalten, bis dort, wo die Wölfe ein Opfer finden.

Regeln: Formal: Der Text soll mit Attributen (Adjektive, dynamische Verben) ausgeschmückt sein. Die Sätze müssen zusammenhängend sein und durch Konjunktionen miteinander verbunden werden. Inhalt: Der Text muss aus Einleitung, Hauptteil und Schluss bestehen. Einleitung: Zuerst wird die Nacht beschrieben, wie der Vollmond durch die Wipfel der Bäume schimmert. Interessant wäre, wenn der Text aus Sicht eines Wolfes geschrieben wäre, als allwissender Beobachter. Im Hauptteil wird das Wesen dieser Bestien näher beschrieben, was sie sind und wie sie sind. Am Schluss verschwinden die Werwölfe.

Deutsch Klasse 1D

Die Wölfe kommen

Es herrscht tiefe Nacht. Die einzige Lichtquelle ist der Mond, der rund und hell am tiefschwarzen Himmel steht und durch die Bäume schimmert. Kein Stern wagt in dieser Nacht zu leuchten. Der Vollmond taucht die Nebelschwaden über dem Moor in gespenstisches Licht. Kein Mensch wagt sich in dieser Nacht aus dem Haus und kein Tier verlässt sein sicheres Versteck. Nur der Schrei eines Kauzes zerreist die Totenstille. Ein leises Rascheln und dann das Tappen vieler Pfoten kündigt sie an. Sie sind erwacht, sie sind dem Ruf des Mondes gefolgt. Er verlangt ein neues Opfer, denn er braucht dessen Blut. Sie morden aus Gier. Sie kennen keine Furcht, keine Gnade, nur Rache und Grausamkeit. Jeden Monat erwachen sie und folgen seinem Ruf. Ein neues Opfer ist gewählt. Das ganze Rudel trabt durch den Wald, bis sie den Rand des Dorfes erreicht haben. Die Türen und Fenster sind verschlossen und verriegelt, doch auch das kann sie nicht aufhalten. Sie teilen sich auf und dringen in die Häuser ein. Die Opfer sind schnell gefunden, zitternd und ängstlich in Nischen versteckt. Manche werden getötet als Opfer für den Mond. Viele werden gebissen, damit auch sie dem roten Mond dienen und jeden Monat die Verwandlung durchmachen und seinem Ruf folgen. Nur wenige werden verschont, doch auch sie werden einmal Opfer sein.

Eine Zeugin berichtet: Es war so schrecklich. Irgendwann nach Mitternacht hörte ich plötzlich das Geräusch von berstendem Holz. Ich weckte sofort meinen Mann und rannte zum Fenster. Zuerst konnte ich gar nichts erkennen, es war so dunkel, doch dann sah ich, dass es die Wölfe waren, die sich an den Fensterläden meiner Nachbarn zu schaffen machten. Ich rannte sofort zum Telefon um sie zu warnen, doch niemand nahm das Telefon ab. Also ging ich wieder zum Fenster und beobachtete weiter. Unser Haus war ja nicht gefärdet, da wir ja keine Kinder haben. Mein Mann hatte unterdessen die Schrotflinte geholt, wagte aber nicht auf die Bestien zu schiessen, da sie uns dann vielleicht angegriffen hätten. Also haben wir alles aus sicherer Entfernung beobachtet. Etwa fünf Minuten später kamen sie wieder aus dem Haus und schleppten die zwei jüngsten Kinder von Kathy mit. Ich hörte sie schreien und weinen, also waren sie noch nicht tot. Dann sind die Wölfe in der dunklen Nacht in Richtung Wald verschwunden. Etwa eine halbe Stunde später haben wir gehört, wie sie den Vollmond angeheult haben. Die einen sagen, dass die Kinder auf der Lichtung getötet werden, als Opfer sozusagen, andere sagen, sie werden nur gebissen und werden dann auch zu solchen Bestien, die weitere unschuldige Kinder rauben. Ich weiss nicht, was ich glauben soll. Ich finde es einfach schrecklich. Natürlich habe ich Kathy am Morgen sofort besucht und versucht, sie und ihren Mann zu trösten, doch der Verlust zweier Kinder auf diese Weise können die beiden kaum verkraften. Ich hoffe nur, sie werden in Zukunft von solch schrecklichen Ereignissen verschont.

13 Kinder den Wölfen zum Opfer gefallen

Die letzte Vollmondnacht hat auch diesmal wieder zahlreiche Opfer gefordert. Eine Zeugin berichtet, wie die Wölfe kurz nach Mitternacht vom Westen her ins Dorf eingefallen seien und etliche Häuser aufgebrochen hätten. "Da war plötzlich ein grosser Lärm von berstendem Holz, und als ich dann zum Fenster rausschaute, sah ich, wie diese Bestien ins Haus von Frau K. eindrangen, obwohl sie die Tür und die Fenster verriegelt hatte, und kurze Zeit später mit zwei ihrer Kinder herrauskam." , so Frau J. Wie schon erwähnt rauben sich die Wölfe vorwiegend Kinder, die ihr fünfzehntes Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Nur selten wird eine erwachsene Person gebissen oder entführt, ausser sie würden versuchen, ihre Kinder zu schützen. Ein Mann, der vor zwei Jahren von einem Wolf gebissen wurde berichtet: "Es war in jener Nacht, als die Bestien unsere Anita holten. Sie sind ins Haus eingebrochen und sind geradewegs ins Zimmer von Anita gerannt, als wüssten sie, wo sie ihr Zimmer hat. Als sie mit ihr wieder herauskamen, verlor ich die Nerven und schoss einen von ihnen mit der Flinte nieder, worauf sie mich angefallen haben und mich aufs Übelste zugerichtet haben. " Es wird deshalb von vielen Seiten geraten, die Kinder im kritischen Alter zu verstecken, sich doch keinesfall gegen die Wölfe, von allen nur Bestien genannt, zu wehren. Die Angehörigen der geraubten Kinder werden psychologisch betreut und die Verletzten gepflegt. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 2000 Franken.

Im zweiten Teil der Doppelstunde bin ich viel besser vorwärtsgekommen. Ich habe eine sehr genaue Vorstellung im Kopf, doch ich habe Mühe, sie auf Papier zu bringen. Vorallem die Stimmung des Waldes konnte ich nicht einfagen, so wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe vor, aus diesem Text einen Zeitungsbericht zu verfassen, was sicherlich besser geht, da ich das Gerüst des Textes ja schon habe.

Werwölfe-Diener des roten Mondes Werwölfe haben grosse Ähnlichkeit mit den herkömmlichen Wölfen. Sie sind muskulöser und von etwas grösserem Wuchs, doch sonst sind sie rein äusserlich von normalen Wölfen kaum zu unterscheiden. Ihre Lebensart und ihr Verhalten jedoch ist sehr unterschiedlich.

Tommy der Dieb

Totenstille herrscht in dieser Nacht. Tiefe Dunkelheit liegt über dem Garten von Alan Daffin. Plötzlich ist ein schleifendes Geräusch zu hören, ein Schaben auf den Steinplatten, wie wenn ein grosser Gegenstand über die Steinplatten gezogen würde. Er hat wieder mal zugeschlagen, der Schrecken aller Bewohner des Eastwood in Taunton. Mit grösster Anstrengung zieht er seine Beute über den Rand, des Hauseingangs, an dessen linker Seite sein unentbehrliches Schlupfloch angebracht ist. Als nächstes hört man das holzige Knarren des Türchens und das dumpfe Geräusch, mit dem der nächtliche Dieb seine Beute fallen lässt. Dann dringt der Geruch nach Minze und Bratkartoffeln mit Erbsen durch die Öffnung nach draussen. Prüfend zieht er die Luft durch die Nase ein. Alles in Ordnung, kein fremder Geruch, nur der Duft nach einem guten Abendessen und Frauchens Parfum. Vorsichtig vergräbt er ein weiteres mal seine spitzen Zähne in den weichen Stoff, was ihm ein deutliches Naserümpfen entlockt, denn der Geruch eines fremden Katers hängt noch an dem Kleidungsstück. Bestimmt setzt er seine linke Vorderpfote über die Schwelle hinweg und schlüpft durch die kleine Öffnung. Im Haus ist es ganz still, nur das Rascheln des Kleides und dann das dumpfe Zuschlagen des Türchens hinter ihm ist zu hören. Regungslos verharrt er einige Sekunden und zieht noch einmal prüfend die Luft ein, um sich zu vergewissern, dass Frauchen auch wirklich schläft. Dann schleicht er durch die Stube. Der dicke Perserteppich verschluckt seine Schritte, sodass kein Laut zu hören ist. Mit einem Aufatmen lässt er seine Beute auf den Boden vor dem Sofa fallen, wo sein Frauchen das teure Kleidungsstück am Morgen mit Bestimmtheit entdecken würde. Als er dann ins weiche Kissen in seinem gemütlichen Körbchen sinkt. Im Traum stellt er sich vor, wie sie nach der Entdeckung mit einem wütenden Schrei zu seinem Körbchen rennen würde und ihm böse Wörter an den Kopf schmeissen würde. Ja, er hatte wahrlich ein tolles Hobby, dachte er und schlief dann tief und fest, bis das Trampeln seines Frauchens und ihre wütenden Schreie ihn weckten.

Text von Tommy dem Kater (Todesanzeige) siehe Anhang

Schwächen: Ich kann nicht länger als eine Doppelstunde an einem einzigen Auftrag arbeiten, denn dann gehen mir die Ideen aus und ich komme nur stockend vorwärts. Stärken: Ich beherrsche das Zehnfingersystem ziemlich gut, so dass ich beim Schreiben gut vorwärts komme. Ausserdem bin ich in kurzer Zeit sehr produktiv.