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Gegensätze ziehen sich an

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Strand, Jungen, Meer, dunkle Wolken, sehr hohe Felswand – eine Kurzbeschreibung dieses Bildes. Doch wo liegt was, welche Farben brauchte der Maler, wie sind die Stimmungen und die Bedeutungen?

Man scheint das Rauschen des Meeres zu hören, das Kreischen der Möwen und das nahende Gewitter. Doch wirkt das Bild auch still, fast als ob jemand die Zeit angehalten hätte. Die Wogen des Meeres sind erstarrt, der schmückende weisse Schaum scheint dafür bestimmt zu sein, für immer auf diesem hellbraunen Sand liegen zu müssen. Fast sieht er aus wie Schnee, der die vielen Sandkörner bedeckt. Im Wasser und am Strand liegen verschieden grosse graue Steine, die teilweise karg mit grünem Gras bewachsen sind. Auf einem der grösseren stehen zwei Jungen, einer etwas kleiner als der andere. Vielleicht Fischer aus dem nächsten Dorf. Der Betrachter kann ihre Gesichter nicht erkennen, er weiss nicht, was sie fühlen oder sprechen. Vorstellbar ist, dass sie die Strandidylle geniessen oder sich über die dunklen, fast schwarzen Wolken am Himmel unterhalten, auf die der eine Junge mit seinem Arm zeigt. Diese Wolken nehmen fast den ganzen Himmel ein, sie wirken bedrohlich und weisen auf ein Gewitter hin, das irgendwo in der Ferne vorbei zieht. Sie scheinen das Meer zu berühren und nur die leicht unterschiedlichen Farben erlauben es, das Meer von den Wolken zu unterscheiden und somit den Horizont zu erkennen.

Rechts des Meeres, hinter den beiden Jungen, erkennt man eine hohe Felswand, die senkrecht, ja fast überhängend gegen den Himmel zu wachsen scheint. Sie hat viele Spalten und Risse und ist vom Wind über die Jahre geschliffen worden. Oben ist sie spärlich mit Gras bewachsen. Einerseits wirkt auch sie wie die Wolken bedrohlich, andererseits hat sie eine Schutzwirkung, denn die Felswand strahlt durch ihre Grösse und Stärke Geborgenheit und Wärme aus. Das an ihr brechende, türkisblaue, fast künstliche Meer ist dazu ein purer, verwirrender Gegensatz, über dessen Bedeutung man sich streiten kann. Genauso wie über die des gesamten Bildes. Jeder findet seinen eigenen Sinn darin. Glückliche Leute sähen wohl das wunderschöne Meer, die Wellen und den Strand und wünschten sich, dort zu sein, um an diesem für sie wunderschönen Platz dem Alltag zu entfliehen. Etwa so ergeht es auch mir beim Betrachten des Bildes. Unglücklichen Menschen hingegen würden eher die Gewitterwolken und die Felswand ins Auge stechen. Die Bedeutung für den Maler lässt sich nicht herausfinden, vielleicht kennt er sie selbst gar nicht.

Bei etwas distanzierter Betrachtung fällt einem auch auf, dass das Bild farblich senkrecht gespalten ist. Auf der linken Seite die blau-schwarzen Wolken und darunter das türkisblaue, gegen den Horizont und den Strand hin fast weiss-gräuliche Meer und rechts die hellbräunliche, mit etwas Gras durchsetzte Felswand und der praktisch gleichfarbige Sandstrand. Obwohl dieses Bild von Gegensätzen wimmelt, ja fast lebt, passt doch alles zusammen und schliesslich könnte dieser Landschaftsausschnitt durchaus irgendwo auf der Erde existieren. Natürlich mit der Voraussetzung, dass auch die Stelle hinter dem Bild, also eigentlich der Platz, wo der Betrachter steht, dazu passt. Dies ist eine weitere Frage und auch da gibt es keine klare Antwort. Am naheliegendsten ist natürlich ebenfalls Strand und Felsen mit einigen Pflanzen. Aber es könnte durchaus auch ein Dorf oder ein Leuchtturm sein, von wo die zwei Jungen wohl gekommen sind. Sie scheinen völlig einsam auf dem genannten Stein zu stehen. Doch absolut bedeutungslos können sie ja nicht sein, sonst wären sie nicht da. Durch den ausgestreckten Arm des einen Jungen wird die Aufmerksamkeit des Bildbetrachters sicherlich auf die Wolken gelenkt. Doch von diesen löst sich der Blick schnell. Irgendwie strahlen die zwei eine wohltuende Ruhe aus und man wird aus den vielen Fragen und Gedanken herausgerissen, in die einen der Maler versetzt hat, und man ist um ihre Anwesenheit froh. So kehrt man wieder in seine eigene Welt zurück.