Ist Selbstmord gerechtfertigt?

  • Ist der Mensch nicht nur fähig, sondern auch berechtigt, seinem Leben willkürlich ein Ende zu setzen?
  • Ist das Recht auf Leben, zugleich eine Pflicht zu leben?
  • Gibt es so etwas wie ein Recht zu sterben?
  • Sind dem Menschen Grenzen gesetzt in seiner Entfaltung?
  • Hindert nicht die Vernunft selbst den Menschen vor einem Selbstmord? Gibt es also eine vernunftmässige Verpflichtung zum Leben?
  • Kann sich der Mensch zwingend dazu verpflichtet fühlen, zu leben, selbst unter ungünstigen, gefährlichen oder grausamen Bedingungen?
  • Rechtfertigt, keinen Sinn mehr im Leben zu sehen, einen Selbstmord?
  • Hat jeder die Freiheit selbst bestimmen zu können, wann und wie er sterben will?
  • Ist Selbstmord jenseits der Rechtfertigung?

Vorverständnis

Jeder will in Würde sterben, für die einen ist es der Selbstmord für die anderen der natürliche Tod.

Dass es ein Recht auf Leben gibt, darf nicht bestritten werden. Nur frage ich mich, ob dieses Recht zu leben gleichzusetzen mit einer Pflicht zu leben ist. Niemand wurde gefragt, ob er geboren werden will. Sollte dann dem Mensch nicht wenigstens die Entscheidung überlassen werden, wann er das Leben verlassen will?

Ich glaube, dass noch niemand ein Leben wegwarf, das zu erhalten der Mühe wert war. Alter, Krankheit oder Unglück können vielleicht das Leben schlimmer als seine Vernichtung zu einer Last machen. Ist in einer unerträglichen, ausweglosen Lage ein Selbstmord gerechtfertigt? Ich sehe auch die Verpflichtungen gegenüber Anderen, die ein Mensch hat. Trotzdem ist der Mensch ja mehr als nur Teil einer Gesellschaft. Er ist auch eine individuelle Persönlichkeit mit individuellen Bedürfnissen. Sollte er dann nicht über sein Leben frei verfügen können, jedoch ohne den Anderen dabei zu vergessen? Wo liegt die Grenze zwischen Selbstbestimmung und Selbstverpflichtung? Ich verstehe es irgendwie auch, wenn ein Mensch, der durch schrecklichste Übel dem Leben überdrüssig geworden ist, sich das Leben nehmen will. Aber ob eine derartige Lebenskrise einen Selbstmord rechtfertigen kann, bleibt meines Erachtens fragwürdig.

Anhand der Texte von Kant und Camus möchte ich der Frage, ob Selbstmord gerechtfertig ist, nachgehen.

Eigene Hypothese: Es gibt die Pflicht zu leben und kein Recht auf einen selbst bestimmten Tod.

Begriffsdefinitionen

Selbsttötung (Selbstmord, Freitod, Suizid): Unter Selbsttötung wird die absichtliche Vernichtung des eigenen Lebens verstanden. Selbsttötung lässt sich, anthropologisch gesehen, als Ausschöpfung spezifisch menschlicher Freiheit deuten. Nur der Mensch kann seinen eigenen Tod herbeiführen. In der Sicht der Psychologen handelt es sich bei den meisten Selbsttötungen und Selbsttötungsversuchen um eine kurzschlussartige Flucht aus einer nicht mehr zu bewältigenden Welt. Häufig werden dabei Rettungsmöglichkeiten offen gelassen, so dass die Tat letztlich als Appell um Hilfe verstanden werden kann. Selbsttötung ist weder als Mord oder Totschlag noch sonst wie strafbar. Das moralische Verbot des Selbstmords befindet sich jedoch noch immer in fast unbestrittener allgemeiner Geltung, zumindest in den Ländern europäisch-christlicher Tradition. (Quelle: kommt noch)

Rechtfertigung: Unter Rechtfertigung wird die rationale Begründung von Einstellungen und Handlungen verstanden. Die Möglichkeit der Rechtfertigung im Sinne der Begründbarkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für die intersubjektive Verständigung über Werte und Normen. (Quelle: kommt noch)

Philosophische Texte

1. Text: Immanuel Kant: Von der Selbstentleibung

Kant verneint das Recht der Menschen sich selbst das Leben zu nehmen.

2. Text: Albert Camus: Der Selbstmord in einer absurden Welt

Albert Camus hat gesagt: "Es gibt nur ein wirklich ernsthaftes philosophisches Problem: den Selbstmord. Die Entscheidung, ob das Leben sich lohne oder nicht, beantwortet die Grundfrage der Philosophie."