Philosophische Frage: Wie rechtfertigt der Mensch das Töten von Tieren?

Ecriture automatique: Tiere töten

Du sollst nicht töten. Tiere sind Lebewesen. Fleisch essen heisst Tiere töten. Ich esse Fleisch, töte aber die Tiere, die ich verzehre nicht selber. Inkonsequenz. Ich weiss nicht, ob ich ein Tier töten könnte (abgesehen von einer Mücke, ...). Weshalb hat man weniger Probleme, eine Mücke zu töten als eine Kuh? Wo ist die Hemmschwelle bezüglich dem Töten von Tieren? Ist Gott für das Töten von Tieren? Wie geht ein Metzger mit dem Töten von Tieren um? Die Mensch en zeigen zuwenig Achtung vor den Tieren. Respektlosigkeit. Das Leben von Tieren wird nicht gewürdigt. Das Tier ist noch immer eine Sache, anders als dei heutige Gesetzesverordnung es vorschreibt. Fleisch ist zu billig, was zu unwürdigen und inakzeptablen Haltungsbedingungen führt. Qualität von Fleisch sollte bei der Haltung beginnen. Der Mensch ist biologisch gesehen kein reiner reiner Pflanzenfresser, benötigt aber für das Überleben auch kein Fleisch. Tierversuche sind insofern nötig, dass daraus Gesundheit bzw. Medikamente gegen Krankheiten resultieren. Tierversuche werden zu oft und zu undifferenziert angewandt. Man überlegt sich nicht, ob ein Tierversuch wirklich sinnvoll, für den Menschen lebenswichtig ist, sondern man führt ihn einfach durch, da mit ihm ja bloss das Leben eines Tieres aufs Spiel gesetzt wird. Das Leben eines Tieres hat ja keinen Wert. Pelze, Kosmetika und sonstige Luxusgüter tierischen Ursprungs sollten verboten werden. Flora und Fauna sollten mehr geschützt werden. Man sollte mehr Sorge zur Natur (und somit zu den Tieren) tragen. Ich bin nicht für ein Tötungsverbot von Tieren. Nutztiere sollten aber ebenso wie Haustiere mit Respekt und Achtung vor dem Leben behandelt werden.

Links:

Portrait von P. Singer http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer

P. Singer's Homepage: http://www.princeton.edu/~psinger/

Interview mit P. Singer: http://www.heilpaedagogik-online.com/heilpaedagogik_online_0103.pdf (S. 49ff)

Text: Das Tötungsproblem in der Tierethik (Konrad Ott)

Inhalt in Stichworten:

  1. Tötungsverbot unbegründet
  2. Nicht-egalitaristische Position vs. (moderaten) Speziesismus
  3. Diskussion über Tötungsproblem noch nicht abgeschlossen; Ansatzpunkte für Weiterführung bekannt
  4. Beide Positionen konnten nicht endgültig bewiesen bzw. widerlegt werden
  5. Unterschiedlich starke Gerechtigkeitsgrundsätze
  6. Vorschlag Birnbaums (1995)
  7. Otts Stellungsnahme zu diesem Vorschlag
  8. Drei Bedingungen, welche bei einer Tötung erfüllt sein sollten (aber oft nicht sind)
  9. Zwei unteschliedliche Maximen (liberalistische/permissive vs. tutioristische Einstellung)
  10. Persönliches Fazit Otts

Begriffe:

egalitaristisch
Theorie der Gleicheit, hier als Gegenpol zom Speziesismus
Speziesismus
Ungleichheit der (Tier-)Arten (auch der Mensch)
permissiv
etw. erlaubend, nicht einschränkend
tutioristisch
auf Sicherheit (hier Unschuld) bedacht

Inhaltsangabe:

Im vierten Teil seines Aufsatzes Das Tötungsproblem in der Tierethik kommt Konrad Ott zum Schluss, dass der Diskurs über das genannte Problem noch nicht endgültig abgeschlossen sei. Es folgt der ihm plausible Lösungsvorschlag Birnbaums (1995) und abschliessend unterscheidet er das menschliche Verhalten bezüglich dem Tötungsproblem von Tieren anhand von zwei Maximen, aus welchen er sein persönliches Fazit zieht.

Nach Konrad Ott ist das Tötungsverbot von Tieren bis heute noch nicht vernünftig begründet. Sowohl eine nicht-egalitaristische Position als auch ein moderater Speziesismus basiere auf schlagkräftigen Argumenten. Man wisse daher nicht, wie die Diskussion über das Töten von Tieren endet, wohl aber an welchen Punkten man zu einer Weiterführung derselben ansetzen müsse; nämlich ob und inwiefern Tiere bezüglich des Tötungsverbotes mit uns Menschen gleichgesetzt werden könnten. Im Übrigen sei, so Ott, die Anwendung des Tötungsverbotes auf die gesamte Tierwelt bislang nicht vernünftig begründbar. Daraus schliesst er, dass eine endgültige Lösung des Problems bis auf weiteres am individuell stark unterschiedlichen Gerechtigkeitsempfinden der Menschen scheitern werde.

Im Folgenden gibt Ott den Vorschlag Birnbaums (1995) wieder, der darauf beruht, die den Menschen ähnlichsten Tierarten wie Menschenaffen, Delphine oder Wale in das Tötungsverbot einzuschliessen, während bei andere Arten haufenweise Ausnahmen oder gar überhaupt kein Tötungsverbot gelten. Demnach, so Ott, dürften gewisse Tierarten ohne Bedenken getötet werden. Nur bei höher entwickelten Säugetieren erhebt er zusätzliche Bedingungen, welche bei einer Tötung erfüllt werde muss. Erstens müssten die Tiere ein gewisses Alter erreicht haben, zweitens artgerechtes gehalten worden sein und drittens einen angst- und schmerzlosen Tod erleiden. Er sei sich aber durchaus im Klaren, dass dies bei den meisten Tötungen nicht der Fall ist.

Ott sieht neben dem individuell unterschiedlichen Gerechtigkeitsempfinden noch ein zweiter Punkt, bei dem sich die Meinungen in der Gesellschaft teilen und der folglich den Diskurs hemmt wenn nicht sogar verunmöglicht. Er unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Maximen, nach welchen die Menschen eine Handlung als erlaubt oder verboten beurteilen. Für die einen sei das gut, was moralisch nicht ausdrücklich untersagt ist, für die andern jenes, womit sie sich unter keinen Umständen irgendwie schuldig machen können. Ott nennt die erste der beiden Einstellungen liberalistisch, permissiv und die zweite tutioristisch.

Für Ott folgt daraus, dass es mit Sicherheit vernünftig sei, wenig Fleisch zu essen, nicht zuletzt, da ein geringer Fleischkonsum sich auch auf die Gesundheit auswirke. Fleischkonsum sei eine derjenigen Handlungsweisen, welche moralisch zwar erlaubt sind, dennoch aber nicht allzu oft erfolgen sollten.

Deutung:

Im vierten Teil des Textes geht Konrad Ott auf die zuvor im Aufsatz erwähnten Informationen ein und versucht, diese zu vereinen. Wie ich allerdings schnell bemerkte, beabsichtigte er nicht, daraus einen allgemeingültigen Schluss zu ziehen, beziehungsweise den Diskurs über das Tötungsproblem endgültig abzuschliessen. Er war sich, wohl auch durch die Auseinandersetzung mit dem Problem, bewusst geworden, dass er sich in einer Grauzone befindet. Obwohl er mit der Nennung der beiden Maximen die Gesellschaft in zwei Lager geteilt hatte, ist er nicht der Meinung, dass die Diskussion mit Schwarzweissmalerei weitergeführt werden könne. Er nannte ja sogar explizit die Punkte, wo man bei einer weiterführenden Diskussion ansetzen müsse. Meiner Meinung nach sollte sich ein Dialog zwischen den Liberalisten und den Tutioristen ergeben, der darin enden sollte, dass sich beide Seiten einander annähern. Dieser Zustand wäre nach Ott, so denke ich mir, dann erreicht, wenn der allgemeine Fleischkonsum auf ein geringes Niveau gesunken wäre und die dennoch unerlässlichen Tötungen seine geforderten Bedingungen erfüllen würden.

Wertung:

Konrad Ott bringt das Wesentliche sehr treffend zum Ausdruck. Seine Gedankengänge waren für mich klar ersichtlich und nachvollziehbar. Die manchmal etwas komplex geratenen Passagen verstand ich spätestens beim zweiten Durchlesen. Bemerkenswert ist seine zurückhaltende Erzählhaltung. Ich hatte vom letzten Teil etwas mehr propagierenden oder gar bekehrenden Charakter erwartet. Doch meine Befürchtungen hatten sich nicht bewahrheitet. Bei seinen Ausführungen berücksichtigte Ott stets Befürworter als auch Kritiker und liess beide Seiten zu Wort kommen. Trotz der mehrheitlich neutralen Erhaltung war nicht selten ein gewisser kritischer Unterton zu bemerken. Da ich die ganze Tötungsproblematik aber selbst auch eher kritisch betrachte (nach Ott wäre ich aber wohl eher ein Verteidiger, kein Kritiker), habe ich mich nicht daran gestört. Etwas vermisst habe ich allerdings Begriffserklärungen. Spätestens bei der Benützung von Wörtern, welche nicht einmal im Duden aufgeführt sind (Bsp. Tutioristisch), wären entsprechende Erklärungen angebracht. Im Grossen und Ganzen aber habe ich die Lektüre als sehr informativ und lesenswert empfunden.

Bezug zu meiner Frage:

Isoliert betrachtet hat mir der vierte Teil von Otts Aufsatz bei der Beantwortung meiner Frage nach der Rechtfertigung zur Tötung von Tieren nicht sehr weitergeholfen. Was ich daraus nehmen konnte war aber beispielsweise der Begriff des Speziesismus. Nur mit einer speziesistischen Haltung, so moderat sie auch sein mag, ist die Tötung eines Tieres zu rechtfertigen (sofern das Tötungsverbot beim Menschen gilt). Des Weitern erwähnt Ott, dass es bislang nicht gelungen sei, die strikt speziesneutrale Ausweitung des Tötungsverbotes auf Tiere zu begründen.

Sicher ist aber, dass mich der Aufsatz zu weiteren Überlegungen angeregt hat:

Wie viel Fleisch ist ein angemesseer Fleischkonsum?

Wie ist die angst- und schmerzfreie Tötung zu interpretieren?

Wissen wir Menschen überhaupt genug über Tiere, um sie als minderwertig zu betrachten?

Wo, bzw. bei welchen Tieren wird die Grenze des Tötungsverbotes gezogen?

Kann eine solche Grenze sinnvoll gezogen werden?

Ist der heutige Fleischkonsum und der Umgang mit Tieren moralisch gerechtfertigt?

Obwohl sich der Vegetarismus in den letzten Jahrzehnten stark ausbreitete und auch bei Kindern und Jugendlichen Anklang fand, isst die Mehrheit der Menschen Fleisch und dies nicht selten im Übermass. Vielerorts wird täglich Fleisch konsumiert. Morgens etwas gebratenen Speck, mittags zartes Filet und abends ein saftiges Entrecote. Zu einer reichhaltigen und ausgewogenen Mahlzeit gehört Fleisch nun mal dazu. Fleisch ist ja bekanntlich auch sehr gesund. Tierisches Eiweiss ist unabdingbar für unseren Körper, vor allem für Kinder im Wachstum. Soviel zur weit verbreiteten Meinung über Fleisch. Dieser sehr pragmatischen Betrachtungsweise widersprechen die Vegetarier vehement. Sie sind der Ansicht, dass Fleisch für unseren Organismus nicht lebenswichtig sei. Diesen Streitpunkt endgültig zu klären, ist bis heute nicht gelungen. Die Argumentation von Biologen und Medizinern, welche anhand unseres Gebisses oder unseres Magens dem menschlichen Körper die Bestimmung zu geringem Fleischkonsum zuteilen, scheint mir aber nahe liegender als jene der Vegetarier. Ihnen liegt aber auch bedeutend mehr an einer moralischen Auseinandersetzung mit dem Tötungsproblem, als an einer wissenschaftlich empirischen. Auf diese wollen wir uns im Folgenden einlassen.

In einem ersten Schritt untersuche ich den Unterschied zwischen uns Menschen und den Tieren, welcher ein kritischer Punkt in der Behandlung dieses Themas darstellt. In einem zweiten Schritt gehe ich näher auf den Akt des Tötens ein und versuche anhand eines Beispieles die Problematik aufzuzeigen. In einem weiteren Schritt nehme ich einige Rechtfertigungsansätze genauer unter die Lupe und schliesse mit einem Fazit ab.

Um überhaupt Grund zu einer Diskussion über den Unterschied zwischen Mensch und Tier zu haben, bedarf es der Evolutionstheorie. Gehört man zu strikten Verfechter der christlichen Schöpfungsgeschichte, steht der Mensch in der Hierarchie der Lebewesen unbedingt an oberster Stelle. Folglich habe ich mich auch weitgehend mit Ansichten beschäftigt, deren Argumentationsgrundlage nicht die Bibel ist. Für Vertreter der Evolutionstheorie ist es bei genauerer Betrachtung wesentlich schwieriger, den Unterschied zwischen Mensch und Tier bis ins Detail zu begründen. Es stellt sich hier die Frage, ob der Mensch zum jetzigen Zeitpunkt der Evolution als höchstentwickelte Spezies betrachtet wird, oder ob es sich beim Menschen bloss um eine von vielen, beinahe ebenbürtigen Arten handelt. Erklärt man die Spezies Mensch für die am höchstentwickelte, wovon ein Grossteil der Menschen sicherlich überzeugt ist, besteht ein eindeutiger Unterschied zwischen Mensch und Tier, was uns Menschen zu Recht in eine übergeordnete Position bringt. Ist der Mensch aber eine Spezies unter vielen, so kann nicht ohne weiteres von einem markanten Unterschied zwischen Mensch und Tier gesprochen werden. Schenkt man dem Text „Ist der Übergang vom Tier zum Menschen fliessend?“ von Peter Singer Glaube, so haben hoch entwickelte Tiere wie Menschenaffen ähnliche, wenn nicht gar gleiche Fähigkeiten wie wir Menschen. Singer erzählt exemplarisch von einem Schimpansenweibchen namens Washoe, welchem man bis zu einem gewissen Grad die Gebärdensprache beibringen konnte und welches sich nun damit verständigen und sogar ganze Sätze bilden kann. Er betont, dass sich Washoe sogar ihrer selbst bewusst war. Was das Selbstbewusstsein anlangt, so zögert Washoe nicht, wenn man ihr das eigene Spiegelbild zeigt und fragt: „Wer ist das?“, zu antworten: „Ich, Washoe.“ Sofern dieses Experiment wahrheitsgetreu wiedergegeben worden ist, erachte ich es als ungerechtfertigt, Tiere als minderwertiges Leben zu bezeichnen. Es fragt sich, ob wir überhaupt in der Lage sind, Tiere in ihrem Wesen endgültig zu ergründen. Fraglich ist ebenfalls, ob wir überhaupt genug über Tiere wissen, um klassifizierende Urteile fällen zu können.

Den nun folgenden Teil über die Tötung von Tieren und die daraus resultierenden Probleme, beginne ich mit einem etwas gewagten Gedankenexperiment. Man stelle sich das kommunikationsfähige Schimpansenweibchen Washoe vor; daneben einen werdenden Fötus im Bauch der Mutter. Der einige Tage oder Wochen alte Zellklumpen ist, etwas plakativ gesagt, mit unserer Schimpansin rechtlich gleichgestellt. Beide dürfen mehr oder weniger ohne triftige Gründe getötet, beziehungsweise abgetrieben werden. Im Gegensatz zu Washoe aber geniesst der Fötus (in der Schweiz) ab der zwölften Woche nach der Zeugung rechtlichen Schutz vor einer Abtreibung. Washoe, das nach meinem Verständnis intelligente, beinahe soziale Schimpansenweibchen, ist nie in den Genuss eines solchen Schutzes gekommen, nicht einmal, als sie die Gebärdensprache erlernt hatte. Was hat wohl der Fötus im Bauch seiner Mutter, was Washoe fehlt? Ist ein Tier denn so viel weniger Wert als ein Fötus? Ein Fötus, der weder sprechen noch denken kann?

Ich habe dieses Gedankenexperiment mit Leuten aus meinem Bekanntenkreis durchgespielt. Führt man meinen Ansatz weiter, so kommt man unweigerlich zum Schluss, dass hier eine Ungerechtigkeit vorliegt. Auch meine Gesprächspartner und -partnerinnen sind an jenem Punkt angelangt, an dem sie keine Antworten auf meine Fragen mehr hatten. In dieser Situation haben die Versuchspersonen oft eine egalitaristisch Position eingenommen. Dies äusserte sich, indem sie plötzlich nicht nur dem Fötus, sondern auch Washoe einen bedingungslosen Tötungsschutz zusprachen, beziehungsweise einen solchen für angemessen hielten.

Ausflüchte, wie etwa die fehlende Seele bei Tieren, welche den Unterschied zwischen Mensch und Tier möglicherweise ausmacht, musste ich ebenfalls dementieren. Wer selbst (Haus-)Tiere besitzt, weiss sehr genau, dass diese eine Art Seele besitzen und demnach empfindungsfähige Wesen sind. Je länger ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, desto unschlüssiger wurde ich, ob und wie sich der Mensch vom Tier abhebt.

Um die Tötung von Tieren dennoch zu rechtfertigen, gibt es haufenweise Ansätze. Neben der scheinbar existentiellen Notwendigkeit von Tierversuchen in der Kosmetikbranche wie in der Pharmaindustrie, wird die Tötung von Tieren oft auch mit der langen Tradition der Praxis, Tiere zu züchten, begründet. Diese Ansätze halten Tierethiker aber für keine guten Gründe, da diese das Tötungsproblem moralisch diskutieren wollen, wobei der Verweis auf geltende Gesetze nur wenig zählt (→ Kohlbergstufen). Auch wirtschaftliche Gründe sind bei der moralischen Auseinandersetzung mit dem Tötungsproblem irrelevant, da jene auch vorerst im Lichte moralischer Gründe überprüft werden sollen (Konrad Ott, Biologie & Ethik, S.128ff). Moralisch gesehen bleibt die Tötung eines Tieres eine schlechte Handlung. Um Fleisch zu konsumieren, wird Leben ausgelöscht und nicht Leben geschützt und gefördert. Eine vernünftige Rechtfertigung, ein Tier zu töten gibt es meiner Meinung nach nicht.

Viel schlimmer als die „blosse“ Tötung eines Tieres erachte ich aber die Art und Weise, wie wir dies heutzutage vielerorts zu tun pflegen. In riesigen Tierfabriken werden Tiere zu höchst fragwürdigen Bedingungen gehalten. In der Schweiz ist man glücklicherweise bereits so fortschrittlich, dass Käfighaltung bei Hühnern und das Fixieren von Mastschweinen und Kühen untersagt ist. Trotzdem wird auch hierzulande dem Tier viel zu wenig Achtung geschenkt. Die meisten Leute sind sich ihres Handelns nicht wirklich bewusst, wenn sie Fleisch, sprich tote Tiere, konsumieren. Aus dieser Unbewusstheit resultiert auch der zweite Punkt, den ich vehement kritisiere, nämlich die Menge des Fleischkonsums. Nach den aktuellsten medizinischen Erkenntnissen (die Meinungen driften allerdings immer noch auseinander) ist ein geringer Fleischkonsum durchaus gesund. Mehr als zweimal Fleisch und zweimal Fisch pro Woche ist aber für unseren Körper das Maximum.

Konrad Ott zählt in seinem Aufsatz Das Tötungsproblem in der Tierethik drei wesentliche Bedingungen auf, welche bei einer Tötung in Bezug auf höher entwickelte Tiere erfüllt werden sollten: a) Ein Tier muss eine gewisse Lebenszeit erreicht haben, b) ein Tier ein angenehmes Leben unter tier- bzw. artgerechten Bedingungen geführt haben, c) die Tötungsumstände müssen möglichst angst- und schmerzfrei sein. Kauft man heute Fleisch mit einem Label wie Naturaplan bei Coop oder Bio7 bei Migros, so erfüllt dieses unter anderen Otts Bedingungen. Schade ist nur, dass ein Grosseil der Konsumenten zu egoistisch denkt und somit nur den tiefen Preisen und nicht dem damit verbundenen Leiden der Tiere seine Beachtung schenkt. Fleischkonsum, welcher die drei Bedingungen erfüllt, kann, wie Ott es bezeichnet, schlimmstenfalls als eine Art „lässliche“ Sünde gedeutet werden. Auch ich erachte den gelegentlichen Konsum von tierischen Produkten nicht als ein Verbrechen. Ich möchte einzig und alleine an das Bewusstsein aller appellieren, welche regelmässig Fleisch zu sich nehmen. Jedes Stück Fleisch war einmal ein Lebewesen. Qualität statt Quantität; auch für die Tiere!

-- ThomasBrack - 05 Apr 2005