Wie soll man mit Sterbehilfe umgehen?

Formulieren einer Philosophischen Frage

Eine W-Frage, die aber weniger auf Informationen als auf einen Denkprozess hin zielen, wäre beim Thema Sterbehilfe sicherlich angebracht. Warum es Sterbehilfe gibt, ist nicht besonders ergiebig. Die Frage nach dem wie scheint mir hier passender: Wie soll man mit Sterbehilfe umgehen? Es gibt Gegener und Befürworter, verschiedene Positionen und Antworten, vorallem aber Denkprozesse auf diese Fragestellung – eine ideale Voraussetzung für eine philosophische Frage.

Vorverständnis zur Frage

Sterbehilfe ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, deshalb fallen meine Vorkenntnisse bezeichnenderweise recht bescheiden aus: ich weiss, dass in der Schweiz aktive Sterbehilfe verboten ist. Bei diesem Begriff gerate ich aber bereits in Schwierigkeiten. Was versteht man unter aktiver (respektive passiver) Sterbehilfe genau? Was sind Argumente dafür und/oder dagegen? Bei den Contra-Argumenten habe ich die Vorstellung, dass das naheliegenste Argument die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens sein könnte, weil die Frage nach der Abtreibung ähnlich beantwortet wird. Offensichtlich besteht hier immer noch ein grosser religiöser Einfluss in unserer Gesellschaft, die Unantastbarkeit des Lebens kommt ja aus dem Gebot: „du sollst nicht töten“. Den religiöse Einfluss möchte ich genauer unter die Lupe nehmen: in wie fern ist unser Denken davon beeinflusst, ohne dass wir es realisieren? Welche Konsequenzen zur Betrachtung der Sterbehilfe folgen daraus? Gibt es nicht-religiöse Argumente für und/oder gegen die Sterbehilfe? Wie elaboriert sind diese? Zusammenfassend darf man sagen, dass mein Vorversändnis mehr auf Fragen als auf Wissen basiert. Wer könnte auch von sich behaupten, auf eine solch heikle Frage alle Antworten zu besitzen?

Begriffsdefinitionen und Rechtslage

Damit wir alle dasselbe unter dem Begriff Sterbehilfe verstehen, möchte ich einige Begriffe definieren und eine genauere Unterscheidung einführen.

  • Sterbehilfe (auch Euthanasie): Medizinische Entscheidung am Lebensende, welche in Kauf nehmen oder zum Ziel haben, möglicherweise oder sichen den Todeseintritt des Patienten zu beschleunigen.

  • Passive Sterbehilfe: Verzicht auf beziehungsweise Abbruch von lebenserhaltenden Massnahmen

  • Indirekt aktive Sterbehilfe: Einsatz von Mitteln zur Leidensmilderung, welche als Nebenwirkung die Überlebensdauer herabsetzen können.

  • Suizidbeihilfe: Bereitstellung oder Verschreibung eines tödlichen Medikamentes mit dem Ziel, dem Patienten die Selbsttötung zu ermöglichen.

  • Aktive Sterbehilfe auf Verlangen beziehungsweise ohne ausdrückliches Verlangen: Geziehlte Verabreichung eines tödlichen Medikamentes auf beziehungsweise ohne ausdrückliches Verlangen des Patienten.
(Quelle: Angora08, Sterbehilfe-Frei bis in den Tod)

  • Rechtslage: In der Schweiz ist die aktive Sterbehilfe strafbar, selbst wenn sie auf ausdrückliches Verlangen hin erfolgt (Art.114 des Schweizerischen Strafgesetzbuches). Nicht strafbar sind dagegen die passive und indirekt aktive Sterbehilfe. Ebenfalls nicht strafbar ist die Behilfe zum Suizid, solange diese nicht aus selbstsüchtigen Beweggründen erfolgt (Art. 115StGB)

-- TobiasDietmann - 02 Apr 2005