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Martina Kuenzle // Champion III // Urs Luethi // 1976

14 Jan 2005 - 00:25 | Version 3 |

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So bin ich

Was schaust du mich so an? Hast du noch nie einen Menschen auf einem Stuhl sitzen gesehen? Ach so, du denkst ich, sei speziell. Du denkst ich sei anders. Das denke ich nicht. Ich bin so, wie ich bin, und im Grunde genommen sind wir doch alle gleich. So so, du störst dich also daran, dass ich Pelz trage. Na ja, es ist eine gute Art mich darzustellen. Ich meine, wenn man Geld hat, kann man das doch zeigen. Nein, falsch ich repräsentiere nicht den Reichtum, ich zeige, wie ich bin und was ich habe. Kleidung sagt doch eine Menge aus über den Menschen, den sie trägt. Nein, ich hasse Tiere nicht, auf keinen Fall, ich habe zu Hause eine Katze. Ach, das ist doch bloss dummes Gerede, Tierquälerei, dass ich nicht lache. Solche Argumente bringen nur Leute, die sich selbst keinen Pelz leisten können. Für mich ist Pelz etwas Elegantes, etwas Edles, etwas mit Stil, etwas das zu mir passt. Aber das verstehst du wohl nicht. Hören wir besser auf mit diesem Thema, du verstehst ja doch nichts davon. Oh, das ist ja nett, dass du nach meinem Befinden fragst, das hat schon lange keiner mehr getan. Mir geht es ausgezeichnet, danke. Nein, ich fühle mich nicht einsam, wieso sollte ich? Ich habe so viele Geschäftsfreunde, ich bin glücklich. Ich habe genug Geld, genügend Menschen um mich herum, die mich toll finden, was will ich mehr. Ach, weisst du, ich finde meine Welt gar nicht so kalt und dunkel, aber ich werde oft darauf angesprochen. Ich sehe das Problem dabei nicht ganz, warum lässt man mich nicht einfach so, wie ich bin. Mir gefällt es hier und ich fühle mich nicht alleine, ganz und gar nicht. Überhaupt nicht. Du findest das also seltsam, was bitte soll an mir seltsam sein? Ich bin halt einfach nur glücklich, vielleicht ist es das, was mich von anderen unterscheidet. Sicher kann man in so einer Welt richtig glücklich sein, was denkst denn du? Du bist wohl eifersüchtig. Ja ja, es gibt viele Leute, die einem den Erfolg nicht gönnen. Nein, ich lüge nicht, ich bin wirklich zufrieden, schau mich doch an, ich lächle. Doch, ich lächle, oder wie würdest du es nennen, wenn man beide Mundwinkel nach oben zieht? Ah, du meinst ich trage eine Maske? Ach, Schätzchen, tragen wir denn nicht alle Masken? Zeigst du immer deine wahren Gefühle? Gib’s doch zu, du bist auch nicht immer ganz ehrlich mit deinen Mitmenschen. Ich meine diese ganz kleinen Momente, in denen du lieber lächelst, als deiner Wut freien Lauf zu lassen, nur um dir das Leben ein kleines Bisschen einfacher zu machen. Gibt es so etwas in deinem Leben etwa nicht? Also bitte, genau das meine ich, wir tragen doch alle unsere Masken. Weshalb verurteilst du mich also. Auf eine gewisse Weise sind wir doch alle gleich oder willst du mir da widersprechen? Ach so, dieses Thema war Madame wohl unangenehm, deshalb lenken wir geschickt davon ab. Wieso willst du in meine Augen sehen? Ach so, verstehe, das Tor zur Seele und so. Du glaubst doch wohl nicht an diesen Quatsch? Bei mir gibt es nichts zu sehen in meinen Augen. Nichts, gar nichts. Ich habe dir doch schon gesagt, ich bin glücklich. Doch, ehrlich! Lass mich einfach in Ruhe, ich trage nun mal diese Maske und ich möchte nicht, dass irgendeine Dahergelaufene in meine Augen schaut, akzeptiere das einfach! Wo bleibt denn bitte die viel gerühmte Toleranz der heutigen Gesellschaft? Ich habe noch selten jemanden gesehen, der mir so auf die Pelle gerückt ist. Wie meinst du das, Toleranz kann auch zu Gleichgültigkeit werden? Nein, lass, ich will es gar nicht hören, es ist mir egal! Geh einfach und lass mich in Frieden. Ich habe es gar nicht nötig, mit dir zu diskutieren und mir von dir mein Leben analysieren zu lassen. In meinem Leben gibt es nichts zu verbessern, mir geht es super. Mein Leben ist perfekt. So bin ich nun einmal, ich will nichts daran ändern. Na klar sehe ich müde und erschöpft aus, wenn du mir so auf den Wecker gehst. Da ist es doch klar, dass ich die Schultern hängen lasse, was hast du erwartet. Wie, ich lache trotzdem? Ach so, na klar lächle ich trotzdem, du könntest es doch gar nicht ertragen, wenn ich hier mit traurigem Gesicht sitzen würde. Das ist doch das Problem, niemand, der mich fragt, wie es mir geht, will wirklich eine Antwort. Wenn die Antwort nicht heisst, danke gut, hört man doch gar nicht mehr hin. Aber ehrlich, mit mir ist alles in Ordnung, mach dir keine Sorgen. Mir geht es gut. Ich bin glücklich. Ich bin wirklich sehr glücklich,....... schrecklich glücklich, ....schrecklich ......glücklich.