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Jessica Weber // The Champion III von Urs Lüthi

14 Jan 2005 - 00:25 | Version 3 |

                               
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Wasser, normalerweise still. Nicht so an dieser Stelle des unendlichen Meeres, hier ist das blaue Nass gekräuselt, die See scheint unruhig zu sein. Der düstere Himmel am Horizont komplettiert das Bedrohliche. Eine undefinierte Leere erfüllt das Bild zu beiden Seiten des Portraits des Mannes, der in der Mitte des Ozeans weilt. Er ist einsam, verlassen und abgeschieden vom Rest der Welt. Abgeschieden vom pulsierenden Grossstadtleben und den lärmenden Menschenmassen. Der Grund dafür ist unschwer erkennbar; sein verunstaltetes Gesicht. Es scheint voller Narben und Verätzungen zu sein, wie das Resultat einer vermasselten Schönheitsoperation oder eines Racheakts, so wirkt es nicht sehr anziehend. Wer hat ihm das bloss angetan?

Geschah es aus Neid? Neid, wegen dem Reichtum des Mannes? Er scheint vermögend zu sein: aufgrund des exquisiten Ringes mit einem Wappen am Ringfinger seiner linken Hand und aufgrund der Pelze, die seinen Schoss bedecken. Pelze, die sich zu Bergen auftürmen, einer kostbarer als der andere könnte man glauben. Doch dies sind im Gegensatz zu dem, was das Gesicht darstellt, nur unbedeutende Kleinigkeiten. Auch der Stuhl aus dunklem Edelholz und der unauffällige, schwarze Pullover geraten, im Zusammenhang mit dem düsteren Gesamteindruck, in den Hintergrund.

Kein Farbtupfer hat sich auf die Leinwand verirrt, nur das teigigweisse Antlitz des Mannes sticht heraus, so, dass sich jeder Betrachter einfach fragen muss, wieso sich der Maler mit solch einem grotesken Bild identifiziert. Ja, es ist ein Selbstportrait, doch welche Gedanken und Gefühle muss ein Mensch haben, um sich so darzustellen?

Befremdlich ist auch, dass man die Augen nur in den schwarzen Höhlen erahnen kann. Es ist unmöglich von ihnen abzulesen was er denkt. Dabei würden doch gerade die Spiegel der Seele etwas über den Gefühlszustand verraten. Keine Chance, hier sieht man nur zwei ungleichgrosse dunkle Stellen im Gesicht. Doch immerhin lächelt er, auf eine Art freundlich, gleichzeitig liegt aber auch etwas Feindseliges und ein bisschen Hohn im Ausdruck, wenn man die kräftige linke Hand des Mannes in der Mitte ins Blickfeld einbezieht.

Und wie kommt man nun dazu, sich einen solch glamourösen Titel wie ‚The Champion III’ auszudenken, obschon das Bild alles andere als einen Preisgekrönten darstellt. Unter einem Titel wie diesem stellt man sich strahlende Sieger vor, aber nicht so etwas. Man ist schon fast ein wenig enttäuscht und überprüft gleich nochmals, ob man auch wirklich das richtige Schild gelesen hat; man hat.

Doch was wäre, wenn sich der Abgebildete einfach nur einen Scherz mit den Betrachtern erlaubt? Er könnte sich leicht, oder mit Hilfe eines Maskenbildners, eine Maske hergestellt haben. Wer weiss, möglich wäre es auch, dass er sich so verändert hat, weil er ein umstrittenes Statement, wie eine heftige, politische Meinung, abgeben will. So, würde das Meer die Einsamkeit inmitten der Bevölkerung darstellen, in die er wegen seiner von der Norm abweichenden Denkweise gekommen ist. Ein weiterer Hinweis der auf einen Scherz deutet, ist, dass es einfach auf eine Art gestellt wirkt. So als ob man alles schön vorbereitet hätte, um dann drauflos zu knipsen oder hier auf eine Leinwand zu kopieren.

Doch für wen ist dieses Bild? Will er jemanden schockieren, oder will er darauf aufmerksam machen, dass es in dieser Welt, in der immer alles heil scheint, auch etwas gibt, das nicht perfekt ist und definitiv auch Fehler und Ungerechtigkeiten vorhanden sind. Es könnte auch ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, dass man die Menschen nicht nur nach dem Äusseren beurteilen soll; man besser auf die Einzelnen eingehen und den Charakter dahinter wahrnehmen soll.