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Der Gärtner war's!

„Das soll es werden! Nein das! Oder nein, nochmals zurück, soll es vielleicht doch dieses sein?“ Fragen, die wohl Nationen spalten. Doch dieser Zwiespalt sollte nicht all zu lange währen. Eine Kopfdrehung, ein Blick, eine Entscheidung. Das Wechselbad der Hilflosigkeit war entschwunden, alle Zweifel verflogen und die Entscheidung getroffen. „Das soll es sein.“ Landschaft mit Baum. Doch welche Faktoren können das Recht haben mich so zu beeinflussen eine solch konkrete und hemmungslose Entscheidung treffen zu können. Es muss das Motiv sein, sag ich mir. Oder nein, die Farben sind der ausschlaggebende Punkt. Falsch, die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, lässt mich nicht los. Oder alles zusammen? Ich bin mir nicht sicher, ich muss mich damit befassen. Das Motiv ist schnell und einfach abgehandelt. Landschaft mit Baum. Natürlich nicht. Baum ja, Landschaft beinahe zwingend auch. Doch was für eine? Ein Zaun, der Weg und Garten mit Baum klar trennt, drei Häuser und ein Hügel, der sich dahinter befindet. Oder doch ein grüner Strand? Wenn Strand, dann Meer, wenn Hügel, dann Himmel am Horizont. Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Motiv mich in so kurzer Zeit hätte beeindrucken können. Es ist zu einfach, zu langweilig, zu unkreativ. Ich bin doch clever, das darf nicht mein Niveau sein. Blödsinn. Genau diese Einfachkeit löst in mir eine Zufriedenheit aus. Ich fühle mich nicht überfordert. Doch sollen so meine Gedanken arbeiten, wenn ich ein Bild betrachte? Ich überlege mir insgeheim, ob das Motiv mir gefällt und ob es meinem momentanen geistigen Stand entspricht? Ist dies der Grund, weshalb sich der Bildgeschmack im Lauf der Jahre ändert und mir gewisse Bilder von heute auf morgen plötzlich in völlig anderem Licht sehen? Absurd. Ich lenke über zu den Farben, sie sind es ganz bestimmt. Rot, Blau, Grün. Natürlich etwas Weiss und Schwarz, doch sie werden offiziell nicht als Farben gehandhabt. Also diese drei Farben sollen diese magische Anziehung auf mich ausgeübt und mich verzaubert haben. Warum sollten sie? Fast alle Bilder beinhalten diese Farben. Sie sind nicht speziell, sie sind sogar die gewöhnlichsten. Komplementärfarben, aus denen alle anderen Farben zwanghaft entstehen müssen. Doch hier treten sie in einer beruhigenden Reinheit auf. Nicht nur dies. Sie sind dunkel gehalten und selbst blau wirkt neben rot und grün nicht aufbrausend. Ich weiss es! Ich kann mich mit ihnen direkt identifizieren. Ich bin kein Freund des Mischens und vermale am liebsten die Farben direkt aus der Tube. Der Künstler auch? Suche ich mir bei meiner Bildwahl Vergleichungspunkte, die ich nachvollziehen kann? Dinge, bei denen ich sagen kann: Das hätte ich auch so gemacht. Oder sogar: Dieses Bild hätte ich genau so gemalt, das ist genau mein Stil. Jeder, der gut malen oder zeichnen kann, ist völlig angetan vom Realismus, exakter Malerei, vergleichbar mit einer Fotografie. Völlig an den Haaren herbei gezogen. Ich muss mich weiter mit der Frage beschäftigen, weshalb ich ein solches Bild wählen konnte, ich muss tiefer graben. Die Geschichte die sich hinter dem Bild verbirgt, was will es mir erzählen. Erste Gedanken: Krieg. Der rote Himmel und auch der Rotstich an den Häusern und dem Weg sollen das Blutvergiessen, das Leid, die Grausamkeit eines Krieges symbolisieren. Doch es ist 1913 entstanden, ein Jahr vor dem ersten Weltkrieg. Soll es eine Vorahnung sein? Ich sage nein. Es ist klar, dass die Weltkriege, Superlativen des Grauens, die Menschheit überaus geprägt haben, doch sehe ich keinen Grund ein solches Bild darüber zu malen, geschweige denn noch ein Jahr zuvor. Nicht jeder Maler kann Hellseher sein. Ja aber, was soll dann die Geschichte sein? Aufgrund des verwahrlosten Gartens schliesse ich, dass der Gärtner leider der Altersschwäche erlegen war und nun die gesamte Gemeinde an seinem Grab um ihn trauert. Nun stellt sich natürlich die Frage, wer seinen Posten einnehmen wird. Niemand möchte das. Jeder weiss, dass, wenn jemand auf mysteriöse Weise sein Leben verliert, immer der Gärtner Schuld ist. Jeder kennt die klassischen Kriminalromane. Ach du meine Güte! Klar scheint mir das die naheliegenste Geschichte zu sein, der Schaffer hatte bestimmt dieselben Gedankenzüge. Lachhaft. Ja aber, ist es überhaupt wichtig dass das Bild eine Geschichte hat? Ist es nicht eine völlig überflüssige und vor allem krampfhaft erzwungene Eigenschaft, die wir pflegen. Es ist einfach dass, wonach es aussieht. Ein Baum in der Landschaft. Vielleicht probiert man hier eine Geschichte hinein zu interpretieren, weil es uns schon wieder zu simpel erscheint. Es darf nicht sein, dass wir ein Bild schön finden, dass so einfach ist. Ich hingegen komme auf meinem Selbsterfahrungstrip in Sachen Bildwahl zu einem, so wie ich glaube, klaren Fazit. Das Bild weckt die kindliche Seite in mir. Die Farben sind ungemischt gewählt, das Motiv ist simpel, der Zeichnungsstil einfach und spielerisch und es gibt keine brutale Geschichte dahinter. Ich fühle mich wohl.

Entschuldigungsschreiben

Ich möchte mich hiermit ausdrücklich für meine absolut grenzenlose Unfähigkeit (blödblödblöd...), ein Attachement an meine eigene Email-Addresse zu senden, entschuldigen. Hofgeknickst, Yves Suter und Management P.s. Bild und Text werden nachgeliefert