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Knossos

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Knossos, neben Malia und Phaistos die größte der Palastanlagen auf Kreta, wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts vom Engländer Sir Arthur Evans entdeckt. Evans tätigte im Zuge seiner Ausgrabungen umstrittene "Renovierungsarbeiten", die damals zwar möglicherweise zum Teil wegen des schlechten baulichen Zustandes der Fundstätte erforderlich und somit gerechtfertigt waren und die unserer Vorstellungsfähigkeit heute vor Ort an zentralen Stellen wie etwa dem sogenannten Thronsaal auf die Sprünge helfen, die aber in Fachkreisen als zumindest problematisch angesehen werden. Es werden auch Bedeutungszuordnungen, die Evans Räumlichkeiten und Gegenständen gab, angezweifelt, da sie eher seinen spontanen Assoziationen entsprungen denn auf der Grundlage systematischer Analyse entwickelt worden sein dürften. Das historische Verdienst von Sir Arthur Evans soll damit keinesfalls geschmälert werden, allerdings hat sich auch die Perspektive der Wissenschaft, haben sich ihre Arbeitsmethoden und Interpretationsverfahren im Lauf der letzten Jahrzehnte verändert, und so präsentieren sich eben Vorgehensweisen aus vorangegangenen Zeiten in einem anderen Licht. Zudem sei an dieser Stelle erwähnt - zumindest habe ich davon gehört -, dass mittlerweile auch eine Diskussion darüber stattfand bzw. stattfindet, ob Knossos nicht überhaupt eine riesige NekroPole, also eine Wohnstatt für die Toten war, vergleichbar den ägyptischen NekroPolen, und der gesamte bauliche und kommunale Aufwand einem überdimensionierten Totenkult diente. Dann hätte wohl der König und seine Gefolgschaft einen anderen Wohnsitz besessen, wäre das Verwaltungszentrum des Gemeinwesens andernorts zu vermuten.

In Knossos wurden mehrer Phasen baulicher Tätigkeit realisiert. So datieren die ältesten Funde menschlicher Zivilisation hier gar in die Zeit des Neolithikums, also bis in eine Zeit um 5700 v. Chr. Um ca. 1900 v. Chr. entstand auf dem Gelände einer älteren Siedlung die erste grosse Palastanlage, die um 1700 vermutlich von einem grossen Erdbeben stark zerstört wurde. Danach bauten die Minoer einen neuen Palast, und auch dieser wurde nach etwa zweihundertfünfzig Jahren des Bestehens um ca. 1450 v. Chr. wiederum durch Erdbeben zerstört. Heute befindet sich Knossos etwa vier Kilometer südöstlich von Heraklion und vom Meer entfernt, zur damaligen Zeit lag es wegen eines anderen Küstenverlaufs vermutlich direkt am Meer. Was wir dort zu sehen bekommen ist ein riesiges Gelände, auf dem sich die Überreste der weitverzweigten mehrstöckigen Palastanlage befinden. Ohne qualifizierte Begleitung ist aber schwer zu erkennen, was davon wirklich noch im Original vorhanden und was Ergebnis von Rekonstruktion ist. So empfiehlt es sich tatsächlich, an einer Führung durch das Gelände teilzunehmen.

Bild von: http://www.kreta-treff.de/infos/ort.php4?ort_id=595&kat_id=2&art_id=2164&groesse=g

-- JossenMichael - 27 Nov 2002 -- EdyWermelinger - 27 Nov 2002