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Stellungskrieg:

14 Jan 2005 - 00:27 | Version 5 |

Das Scheitern der deutschen Blitzkriegsstrategie hing auch damit zusammen, dass sich die taktische Kriegsführung seit dem 19. Jahrhundert entscheidend verändert hatte. Im Zeitalter moderner Waffentechnik mit Maschinengewehren und schwersten Artilleriewaffen erwies sich die Defensive als die überlegene Form der Kampfführung, die durch das Anlegen von Schützengräben, Feldbefestigungen und Stacheldrahtsperren die Position des Angreifers zusätzlich schwächen konnte.

Nachdem sich die Gegner in ihre Stellungen eingegraben hatten, waren die folgenden Kriegsjahre geprägt von Versuchen, durch immer größeren Einsatz von Menschen und Material wieder Bewegung in die Fronten zu bringen. An die Stelle der offenen Feldschlacht war der Abnützungskrieg* getreten. 1915/16 versuchten die Alliierten mehrfach an verschiedenen Frontabschnitten, durch massiertes Artilleriefeuer ihren Infanterieeinheiten einen Weg freizuschießen, um endlich einen Durchbruch durch das Grabensystem des Gegners zu erzwingen, was jedoch nicht gelang. Eine der größten Materialschlachten, die alliierte Offensive an der Somme (Juni bis November 1916) kostete 400 000 Briten, 400 000 Deutsche und 200 000 Franzosen das Leben und brachte so gut wie keinen Geländegewinn. Ähnlich verlief die deutsche Großoffensive auf die französische Maasfestung Verdun (21. Februar bis Ende Juni 1916), mit welcher der Chef der Obersten Heeresleitung (OHL), Erich von Falkenhayn, das französische Heer durch „Ausbluten” zermürben wollte. Trotz gigantischen Materialaufwandes und ungeheurer Verluste auf beiden Seiten (in der „Hölle von Verdun” starben um 338 000 deutsche und 364 000 französische Soldaten) gelang dem deutschen Heer kein Durchbruch. Im Osten kam es von Juni bis Dezember 1916 auf alliiertes Drängen hin zu drei Großoffensiven Russlands unter der Führung General Brussilows („Brussilow-Offensiven”), deren erste die österreichisch-ungarische Front in der Bukowina durchbrechen konnte und Russland weit über 200 000 Kriegsgefangene einbrachte.In einer groß angelegten Gegenoffensive gelang den deutschen Truppen die Eroberung des größten Teiles von Rumänien (einschließlich seiner Erdölquellen), das mittlerweile auf Seiten der Entente in den Krieg eingetreten war.

Wenngleich die Mittelmächte den Ansturm der Alliierten an den verschiedensten Fronten noch abzuwehren vermocht hatten, so zeigte der Kriegsverlauf des Jahres 1916 doch angesichts der Überlegenheit des Gegners an Menschen und Material, dass auf Dauer der Krieg für Deutschland und seine Verbündeten nicht zu gewinnen war. Es kam daher am 12. Dezember 1916 zu einem ersten Friedensangebot der Mittelmächte, das jedoch von den Alliierten als Propagandamanöver (KriegsPropaganda) zurückgewiesen wurde, nicht nur, weil die Mittelmächte es versäumt hatten, ihre Kriegsziele offen zu legen, sondern auch weil sich ein Endsieg der Alliierten abzeichnete und diese sich die Aussicht auf territoriale Gewinne und Reparationszahlungen nicht mehr nehmen lassen wollten.

http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/stellung/index.html

-- PhilippSchaufelberger - 19 Jan 2003