time. love. creativity. death. spirit.

Menschliche Gefühls(re)aktionen





Es gibt verschiedene menschliche Reaktionen die sich in Form von spontanen Gefühlen bemerkbar machen. Teilweise sind dies Reaktionen auf echte, vorhandene, Gefühlsausdrücke bei Anderen, kann aber auch die Reaktion auf gespielte, künstliche Gefühlsausdrücke des Gegenübers sein (z.B. Ich spiele möglichst echt, also würde ich weinen, um zu sehen, wie mein 3-jähriger Sohn darauf reagiert). Daneben gibt es noch viele andere Varianten, die oft als identisch angenommen werden, bei denen es aber klare, deutliche, definierbare und teilweise auch neurologisch messbare Unterschiede gibt. Zu solchen Gefühlsreaktionen gehören unter anderen:

Noch zu diskutieren bleiben (angestossen von Marc Pilloud, danke Marc) die Unterschiede zwischen Gefühl und Emotion (von lat.: ex „heraus“ und motio „Bewegung, Erregung“). Was man auf jeden Fall unterscheiden kann sind Gefühle, die unabhängig von der unmittelbaren relativen Welt entstehen ("Ich fühle mich, scheinbar ohne Grund, heute so depressiv. Muss wohl der Vollmond sein") und solche die auf eine unmittelbare Reaktion auf die relative Welt zurückzuführen sind ("Ich muss weinen, da ich gerade meine tote Grossmutter vorgefunden habe."). Marc schlägt auch folgende Definition vor: "Gefühl - was ich subjektiv in mir fühle (Traurigkeit, Aufgestelltheit ...) und Emotion was von aussen an Regungen zu sehen ist (Tränen, rot anlauf ...)." Ich sehe zwar einen Unterschied zwischen "Gefühl - was ich subjektiv gerade fühle" und "Emotion - was mit be-wegt" aber ich stehe der Definition von Marc teilweise skeptisch gegenüber. Den Unterschied der beiden Begriffe sehe ich eher im Fokus auf die Ursache. "Was ich fühle" > Blick von Innen nach Innen, der die vorhandenen Gefühle beobachtet und zur Kenntnis nimmt bzw. "was mich bewegt" > Blick von Innen nach Aussen, auf die Ursachen der eigentlichen Gefühle.

  • Empathie, Einfühlung (engl. Empathy): ist kein Sich-Gleichmachen mit dem Anderen, sondern ein Erschließen des immer unerkennbar bleibenden Realen. Statt sich mit dem Analysanten zu identifizieren (Ich empfinde, was Du meinst), sorgt der Einfühlende für genügend Fremdheit, die dem Anderen erst die Begegnung mit dem eigenen unbewussten Begehren ermöglicht (Bedingt nicht unbedingt ein konkretes Gegenüber. Kann auch aus einem generellen Verständnis und einer Verallgemeinerung entstehen, z.B. im Buddhismus: «Alle fühlenden Wesen sind durch Alter, Krankheit, Tod mit dem Leiden konfrontiert. Das weiss ich aufgrund eigener Erfahrung. Selbst wenn ich mir - gerade in diesem Moment - kein konkretes, fühlendes Wesen gegenüber habe. Aber ich gelobe, alles in meiner Macht stehende dafür zu tun, um alle fühlenden Wesen von diesem Leiden zu befreien.»

  • Zuneigung, Sympathie (engl. sympathy, franz. sympathie): Sympathie ist ein Zustand von harmonischer Resonanz, also Harmonie und Vereinbarkeit (das, was der Andere in sich trägt, trägt man selbst in sich und fühlt sich deshalb mit ihm verbunden) gegenüber einer Person oder Gruppe oder Gesellschaft oder einer Idee oder einem System.

Zur Herkunft des Begriffs Empathie und dessen Abgrenzung zum Begriff Sympathie hat Marc Pilloud folgenden Textausschnitt aus dem Buch "Die empathische Zivilisation" von Jeremy Rifkin (S. 22) gesendet: «Wegbereiter der Empathie war die Sympathie – ein Begriff, der zur Zeit der europäischen Aufklärung in Mode kam. Der schottische Ökonom Adam Smith verfasste 1759 eine Theorie der ethischen Gefühle. Auch wenn sich Smith vor allem als Markttheoretiker einen Namen gemacht hat, widmete er der Frage der menschlichen Empfindungen doch beträchtliche Aufmerksamkeit. Sympathie war für ihn ebenso wie für David Hume und andere Denker jener Zeit die Anteilnahme am Kummer und am Leid eines anderen. Doch erst im 19. Jahrhundert war das psychologische Bewusstsein so weit entwickelt, dass der Begriff der Empathie aufkommen konnte. Dieser hat einiges mit dem der Sympathie gemein, unterscheidet sich aber auch deutlich von ihm. Der deutsche Kunsthistoriker Robert Vischer prägte 1873 »Einfühlung« als Grundbegriff der Ästhetik. Das Wort Einfühlung bezog sich in diesem Zusammenhang darauf, wie ein Beobachter seine eigenen Empfindungen auf ein Objekt der Bewunderung oder der Betrachtung überträgt, und diente als Erklärung dafür, warum man die Schönheit eines Kunstwerks würdigen und sich daran erfreuen kann. Der Philosoph Wilhelm Dilthey entlieh den Begriff aus der Ästhetik und beschrieb damit die geistigen Vorgänge, die ablaufen, wenn sich eine Person so in eine andere hineinversetzt, dass sie weiß, was diese fühlt und denkt. Der amerikanische Psychologe Edward B. Titchener übersetzte 1909 den Begriff »Einfühlung« mit empathy und führte ihn damit in den englischen Sprachraum ein. Titchener hatte in Leipzig bei Wilhelm Wundt, dem Vater der modernen Psychologie, studiert. Wie viele junge Psychologen seiner Zeit war er vor allem am Schlüsselkonzept der Introspektion interessiert – der Methode also, mit der ein Mensch seine eigenen Empfindungen, Triebe, Gefühle und Gedanken erforschen kann, um zu verstehen, wie sich seine Identität und sein Selbst herausbilden. Der Wortteil »-pathie« weist darauf hin, dass wir uns in die Gefühlslage eines anderen hineinbegeben und seinen Schmerz spüren, als wäre es unser eigener. Der Begriff Empathie stand für ein bedeutungsvolles neues Konzept und wurde bald zum Gegenstand einer heftigen Kontroverse unter Wissenschaftlern. Diejenigen, die sich mehr der Vernunft der Aufklärung verpflichtet fühlten, abstrahierten von der affektiven Bedeutung des Begriffs und definierten Empathie als eine kognitive Funktion, die dem Gehirn eingeprägt ist, jedoch kulturelle Anpassung erfordert. Der US-amerikanische Philosoph und Psychologe George Herbert Mead vertrat die These, dass jeder Mensch sich in die Rolle eines anderen versetzt, um dessen Gedanken, Verhalten und Absichten abzuschätzen und so zu einer angemessenen Reaktion zu finden. Dem widersprach der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget. Seiner Theorie zufolge lernt ein Kind im Laufe seiner Entwicklung immer besser, den anderen zu »lesen« und auf dieser Basis soziale Beziehungen zu knüpfen. Die Anhänger der kognitiven Theorie weisen – zwar nicht offen, aber doch implizit – der Empathie einen instrumentalisierenden Charakter zu: ein Einschätzen des anderen, um die eigenen sozialen Interessen voranzutreiben und gewünschte soziale Beziehungen zu festigen. Allerdings ist es nicht so, dass der empathische Beobachter sein Ich-Bewusstsein verliert und mit dem anderen und dessen Erfahrungen verschmilzt – ebenso wenig, wie er nüchtern und unbeteiligt die Erfahrungen des anderen »liest«, um Informationen zu sammeln, mit denen er sich selbst einen Vorteil verschaffen könnte. Empathie geht viel tiefer, wie der Psychologe Martin L. Hoffman erklärt. Er beschreibt Empathie als Ensemble »psychischer Prozesse, die bewirken, dass eine Person Gefühle hat, die mit der Situation eines anderen mehr im Einklang sind als mit seiner eigenen«. Hoffman und seine Mitstreiter bestreiten die Rolle der Kognition keineswegs, neigen jedoch eher dazu, Empathie als die gesamte Reaktion auf die Not einer anderen Person zu interpretieren, ausgelöst durch die tiefe emotionale Teilnahme an der Situation des anderen und begleitet von deren kognitiver Bewertung, auf die dann eine affektive und einfühlende Reaktion folgt, die auf die Bedürfnisse des anderen eingeht und dessen Leid zu mildern sucht.» Und hier das Buch als PDF zum Downloaden: "Die empathische Zivilisation" von Jeremy Rifkin

  • Mitgefühl (engl. compassion, franz. compassion): Das Sich-in-den-anderen-hineinversetzen um dessen Gefühle zu reproduzieren und damit den anderen und dessen Situation und Gefühle besser verstehen zu können. (Bedingt ein konkretes Gegenüber)

  • Idiot Compassion nach Chögyam Trungpa aus The Collected Works of Chögyam Trungpa, Volume 2, Pages: 407-408, 410: «Idiot compassion is the highly conceptualized idea that you want to do good… Of course, [according to the mahayana teachings of Buddhism] you should do everything for everybody; there is no selection involved at all. But that doesn't mean to say that you have to be gentle all the time. Your gentleness should have heart, strength. In order that your compassion doesn't become idiot compassion, you have to use your intelligence. Otherwise, there could be self-indulgence of thinking that you are creating a compassionate situation when in fact you are feeding the other person's aggression. If you go to a shop and the shopkeeper cheats you and you go back and let him cheat you again, that doesn't seem to be a very healthy thing to do for others.» Diese Definition ist mir (Roger) relativ unverständlich. Ich bilde mir zwar ein, ich könnte etwas darunter verstehen, Trungpa vielleicht sogar verstehen, aber wenn ich mich dann kritisch selber hinterfrage stellt sich heraus, dass ich seine Definition absolut nicht verstehe. Zum Beispiel: Wieso sollte es aus Sicht des Shopkeepers nicht gut sein sich ein zweites Mal übers Ohr hauen zu lassen? Ich bin mir sicher, der hat nichts dagegen.

    Hier ein Text über idiot compassion (auch von Marc erhalten, danke) von Pema Chödrön: «Idiot compassion is a great expression, which was actually coined by Trungpa Rinpoche. It refers to something we all do a lot of and call it compassion. In some ways, it's whats called enabling. It's the general tendency to give people what they want because you can't bear to see them suffering. Basically, you're not giving them what they need. You're trying to get away from your feeling of I can't bear to see them suffering. In other words, you're doing it for yourself. You're not really doing it for them.»

    Marc Pilloud dazu: Hier kommt dann auch ein mir einleuchtendes Verständnis des Begriffs der Enthaltsamkeit ins Spiel (engl. renunciation). Ich ent-halte mich davon (mit idiot compassion), [sic] die Löcher/Bedürftigkeit des anderen zu füllen (den sie sind endlos (sucking)).

    Ich (Roger) glaube, was Marc meint ist allerdings: Hier kommt dann auch ein mir einleuchtendes Verständnis des Begriffs der Enthaltsamkeit ins Spiel (engl. renunciation). Ich ent-halte mich davon, (mit idiot compassion) die Löcher/Bedürftigkeit des anderen zu füllen (,denn sie sind endlos (sucking)).

  • Abneigung, Antipathie (engl. antipathy, franz. antipathie): Antipathie wird in Wikipedia sehr treffend beschrieben als «[…] eine Form der spontanen Abneigung, die sich primär dann entwickelt, wenn ein Mensch sein Gegenüber nicht leiden kann oder nicht mag. Von Bedeutung ist auch die Schärfung des Begriffs in Relation zu seinem Antonym «Sympathie»: «[…] Während die Sympathie einen Zustand von harmonischer Resonanz, also Harmonie und Vereinbarkeit beschreibt, beschreibt die Antipathie einen Zustand von disharmonischer Resonanz (Dissonanz) und deutet auf eine Unvereinbarkeit oder einen Widerspruch hin.»
    Und weiter: «[…] Auch der Körpergeruch kann Gefühle von Antipathie oder Sympathie auslösen. Jeder Mensch (auch Tiere) strahlt Pheromone (Duftstoffe) ab, die von anderen Menschen, in der Regel unbewusst, wahrgenommen werden. Die Reaktionen auf diese Pheromone sind meist ebenso unbewusst und werden durch Instinkte gesteuert. Da Pheromone Informationsträger sind findet hier eine Kommunikation zwischen den Lebewesen statt. Insbesondere können die gleichen Pheromone bei einer Person ein Gefühl von Sympathie, bei einer anderen Person jedoch ein Gefühl von Antipathie auslösen («man kann sich nicht riechen», Anm. des Autors). Auf diese Weise hat die Natur einen Mechanismus entwickelt, der durch das Zusammenspiel von Sympathie und Antipathie das Verhalten von Lebewesen steuert.»
    Sympathie und Antipathie kann also gegen unseren eigenen Willen gefühlt werden. Beispiel: Man weiss z.B. vor einem Treffen mit einer Person, dass diese aus einem unsympathischen Lager oder einer unsympathischen Partei stammt und erwartet eine starke negative Gefühlsentwicklung gegenüber diesem Menschen. Beim Treffen, ist man sich dann erstaunlich sympathisch, so sympathisch, dass man schlussendlich einen ganzen Abend in angenehmer, angeregter Atmosphäre zusammen verbringt und ein neues, privates Treffen vereinbart. Oder gegenteiliges Beispiel: Auf dem Foto und im Lebenslauf war eine junge Dame, die zum Job-Vorstellungsgespräch kommen wird, äusserst symphatisch. Man freut sich und erwartet, seinen geeigneten Kandidaten gefunden zu haben. Als diese, tatsächlich sehr attraktive, Dame dann jedoch erscheint, kann man sich selber kaum erklären, wieso man sich nicht sympathisch ist. Irgendwie fehlt die Harmonie, die Anziehung, der Geist... Es würde nicht einmal an ihrer Job-Kompetenz liegen, die ausgezeichnet ist, aber man kann sie «einfach nicht riechen» (obwohl man eigentlich ja gerne würde!).
    Man kann also Symphatie und Antipathie weder lernen noch trainieren.

  • Mitleid (engl. pity, franz. pitié): In Wikipedia wird Mitleid definiert als «[…] die gefühlte Anteilnahme an Schmerz und Leid anderer.»

  • Barmherzigkeit (engl. (to show) mercy, franz. clémence): Gemäss Wikipedia (m.E. sehr treffend und gut beschrieben als): «Die Barmherzigkeit (Lehnübersetzung von lat. misericordia) ist eine Eigenschaft des menschlichen Charakters. Eine barmherzige Person öffnet ihr Herz fremder Not.
    Die umgangssprachliche Formel „Mitleid und Barmherzigkeit” deutet an, dass hier Unterschiedliches vorliegt, dass es also bei der „Barmherzigkeit” weniger um ein Mit-Fühlen als um eine dessen nicht bedürftige Großherzigkeit geht. Sie gilt als eine der Haupttugenden und wichtigsten Pflichten der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum, Islam, Bahai sowie anderer Religionen wie dem Buddhismus und dem Hinduismus.»

  • Gefühlsansteckung (engl. Emotional Contagion): z.B. Gähnen, Lachen, Panikreaktion, Fluchtreaktion, gewisse Aggressionsreaktionen

  • Emotion: Marc Pilloud sagt dazu: "Beim begriff der emotion denke ich hast du eine sehr psychoanalytische erklärung erwischt ... Ich schwinge als gegenüber eben nicht unkontrolliert mit, dass es nicht einfach einen gefühlsumpf gibt sondern bin eher in einer spiegel zurückwerf situation ..(ich will es auch ein bisschen nicht verstehen, dass das gegenüber tiefer gräbt und an die motivation kommt) ... Vielleicht wäre eine emotionale beteiligung ... Nicht unbedingt mit der selben emotion sondern mit einer angemessem emotionalen reaktion auch eine interessante beschreibung" (obwohl ich zum Zeitpunkt der Entstehung des obigen Textes das Wort "Emotion" auf dieser Seite noch gar nicht definiert hatte wink .

  • Stimmung: Im Vergleich zu Stimmungen sind Emotionen relativ kurz und intensiv. Während Stimmungen und deren Auslöser oft unbemerkt bleiben, sind bei Emotionen das auslösende Objekt und die psychologischen, seelischen und physiologischen Komponenten üblicherweise im Fokus der Aufmerksamkeit.

  • Affekt: Dazu steht in Wikipedia: "Mit Affekt ist eine Gemütserregung (englisch: occuring emotion etwas, was einem passiert) gemeint, die eine Ausdrucksdimension, eine körperliche Dimension und eine motivationale Dimension hat. Ein Lächeln ist beispielsweise ein Ausdruck für den Affekt Sympathie, Erröten ist im körperlichen Bereich bezeichnend für den Affekt Scham und die Bereitschaft, mit der Faust auf den Tisch zu hauen, ist eine charakteristische Motivation aus dem Affekt Zorn heraus.
    Affekt ist eine besondere Qualität von Gemütsbewegung, deren definierende Merkmale eine relative Quantität (in Relation zur Grundstimmung) und die Akzidenz der Erregung sind. Seine jeweilige Benennung (zum Beispiel Eifersucht, Trauer, Neugier usw.) erhält der Affekt von der Emotion, die er in Gang bringt und der er sprachlich zugeordnet wird. So kann zum Beispiel Eifersucht nicht nur in Gestalt des Affektes auftreten, sondern auch als Gefühl, als Zwangsgedanke, als Motiv usw. Aus dem Kontext der sprachlichen Verwendung (zum Beispiel rasende Eifersucht) geht dann hervor, ob Affekt oder eine andere Qualität von Gemütsbewegung gemeint ist. Affektiv (synonym: emotional) wird somit ein Verhalten genannt, das überwiegend von der Gemütserregung und weniger von kognitiven Prozessen bestimmt wird.*

  • Wahrnehmung:

  • Empfindung:

  • Gefühl

  • Emotion

  • Gemüt





RogerLeMarie - 28 Feb 2010

Topic revision: r7 - 13 Aug 2011, RogerLeMarie
 
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