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Artikel aus: NZZ am Sonntag, Ressort Hintergrund, 22. Dezember 2002, Nr.41, Seite 28

Einsicht in einen historischen Streit

Stuart Eizenstats Buch über die Holocaust-Klagen hat einen Wirbel ausgelöst, bevor es erschienen ist. Vor allem seines Titelbildes wegen. Im Januar kommt das Werk des ehemaligen US-Unterstaatssekretärs in den Verkauf. Die Lektüre zeigt: Es ist kein Pamphlet, sondern eine subjektiv geprägte Dokumentation. Wir zitieren aus Schlüsselstellen des Buches. Sie zeigen, wie eine tiefe Missstimmung zwischen Schweizer Bankiers und den jüdischen Organisationen entstand. Bei den Schweizer Banken gebe es Konten, die Holocaust-Opfern gehörten, monierten Vertreter jüdischer Organisationen zu Beginn der neunziger Jahre. Sie erhoben deshalb die Forderung, dass die Banken diese Vermögen zurückerstatten sollten, und präsentierten sich als Sprecher der Opfer. 1998 kam es zum berühmten Banken-Deal, in dem sich die Schweizer Banken verpflichteten, 1,25 Milliarden US-Dollar zu zahlen. Eizenstat schildert in «Unvollendete Gerechtigkeit . . .», wie die Gespräche 1995 in der Schweiz begannen und die folgenden Banken-Hearings verliefen.

«Unmittelbar nach unserem Abendessen in Brüssel (im September 1995) flogen Bronfman und Singer nach Bern, um dort mit Vertretern der Schweizerischen Bankiervereinigung über die nachrichtenlosen Bankkonten von Holocaust-Opfern zu sprechen. Diese wollte, mit Blick auf seinen politischen Einfluss, direkt mit Bronfman und dem Jüdischen Weltkongress verhandeln. Andere jüdische Organisationen wären vielleicht kompromissbereiter aufgetreten, aber sie besassen eben nicht das politische Gewicht. (. . .)

Die Gruppe um Bronfman stattete zunächst Bundesrat Kaspar Villiger einen Höflichkeitsbesuch ab, um ihm für die Worte zu danken, mit denen er sich kurz zuvor für die restriktive Flüchtlingspolitik der Schweiz entschuldigt hatte. Bronfman lobte Villigers Mut. Dies sollte für einige Jahre eine der wenigen positiven Begegnungen zwischen Schweizer und jüdischen Vertretern sein. Schon das nächste Treffen setzte eine offenbar unaufhaltsame Abwärtsspirale in Bewegung.»

Warten im Salon Rouge «Bronfman und seine Gruppe gingen zu Fuss vom Amtssitz des Bundesrats zur ‹Grande Société› (im Obergeschoss des Restaurants du Théâtre), wo ein Treffen mit Vertretern der SBVg geplant war. Bronfman erinnert sich, dass er in einen holzgetäferten Raum geführt wurde, in dem es keinerlei Sitzgelegenheit gab, und er und seine Begleiter zehn Minuten stehend warten mussten. Als die Delegation der Bankiers eintraf, war der ungeduldige Bronfman schon verärgert.

Nach einigen knappen Höflichkeitsfloskeln wurde, so erinnert sich Bronfman, im Zimmer ein Pult aufgestellt. Der Präsident der SBVg, Dr. Georg F. Krayer, trat dahinter und verlas eine vorbereitete Rede. Er verkündete, dass der Ombudsmann der Banken nach gründlicher Überprüfung aller nachrichtenlosen Konten der Schweizer Banken nur 774 nachrichtenlose Konten mit lediglich 38 Millionen Schweizerfranken aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gefunden habe, die möglicherweise Holocaust-Opfern zugeordnet werden könnten. Bronfman kochte schon längst. Später sagte er mir: ‹Sie dachten, wir seien eine Bande von Schnorrern. Sie wollten uns einfach loswerden.› (. . .)

Beim Mittagessen im Nebenraum wurde die Situation immer kritischer. (. . .) Immer wieder fragten die Schweizer Bankiers, wie viel Geld Bronfman haben wolle, was er und Singer demütigend fanden. Bronfman forderte, die Konten der Schweizer Banken von einer internationalen Revisionsfirma überprüfen zu lassen. Die Schweizer stimmten diesem Gedanken grundsätzlich zu, hatten aber andere Vorstellungen, was die praktische Durchführung anging. Den Schweizern war möglicherweise nicht klar, wie sehr sie Bronfman mit ihrer ‹grauenhaften Art› (Bronfman) gekränkt hatten. ‹Hätten sie sich bei der ersten Begegnung anständig verhalten, hätten sie viel Geld für Revisionen und Anwälte sparen können›, sagte Bronfman später. Mit ihrer unkooperativen und selbstherrlichen Art hätten sie letztlich ‹ihren Ruf ruiniert›.

Die Schweizer widersprechen dieser Darstellung auf das Entschiedenste. Krayer schrieb anderthalb Jahre später, am 13. März 1997, an Bronfman. Er wies darauf hin, dass die Begegnung wegen Bronfmans ungeplantem Besuch bei Bundesrat Villiger verspätet begonnen habe und dass jeder in der ‹Grande Société› - Schweizer wie Amerikaner - habe stehen müssen. Er bestritt, dass die Presseerklärung der SBVg auf ein Diktat hinausgelaufen sei, und entschuldigte sich dafür, ihm nicht einen der vielen Stühle im Salon Rouge angeboten zu haben. Die Schweizer bestehen darauf, Bronfman und dessen Begleiter höflich und würdevoll behandelt zu haben. (. . .) Die völlig gegensätzlichen Darstellungen sollten typisch sein für die Art und Weise, wie Amerikaner und Schweizer aneinander vorbeiredeten, typisch für das Ausmass der Missverständnisse, aus denen bald tiefes Misstrauen wurde. (. . .)

Am 7. Februar 1996 trafen die Schweizer Banken eine fatale Entscheidung. An diesem Tag gaben sie auf einer Pressekonferenz bekannt, dass noch weniger nachrichtenlose Konten gefunden worden seien, als man erwartet habe. Für diese einseitige Erklärung war Heinrich Schneider verantwortlich, der wegen seines ungeschickten Verhaltens in dieser und anderen Angelegenheiten seinen Posten als Vizedirektor der Schweizerischen Bankiervereinigung loswurde. Bronfman kam sich ausgetrickst vor. Die Situation glich einer Wiederholung jener katastrophalen Begegnung im September in Bern, als die Schweizer versucht hatten, ihn mit Geld abzufinden. Der Jüdische Weltkongress zog daraus die Konsequenz, dass im Umgang mit Schweizer Banken nur eine öffentliche Kampagne sinnvoll sei, vergleichbar derjenigen, wie man sie 10 Jahre zuvor gegen Waldheim durchgeführt hatte.

Kurz nach dieser fatalen Pressekonferenz telefonierten Bronfman und Singer mit Senator D'Amato und baten offiziell um Anhörungen vor der Bankenkommission des US-Senats. Das war D'Amatos Chance: Bronfman und die ungeschickt agierenden Schweizer Bankiers präsentierten sie ihm gewissermassen auf einem silbernen Tablett. (. . .) D'Amato beschloss, diesem Top-Projekt all seine Energie zu widmen. In den nächsten zweieinhalb Jahren sollte er aus dem Streit mit den Schweizer Banken herausholen, was nur herauszuholen war. (. . .)»

Gut und Jagmetti warnen «Angesichts des drohenden Senats-Hearings wurde den Schweizer Banken klar, dass sie sich dem Konflikt stellen mussten. Rainer E. Gut, der Chef von Credit Suisse First Boston, verstand besser als alle anderen Schweizer, wie gefährlich die Kontroverse für sein amerikanisches Geschäft werden konnte. Statt auf dem renommierten Augusta National Golf zu spielen, traf er in Washington mit dem Schweizer Botschafter Carlo Jagmetti und den Anwälten Marc Cohen und Lloyd Cutler zusammen, die die Schweizer Banken vertraten. D'Amatos Mitarbeiter Gregg Rickman hatte die Anwälte vorgewarnt, dass D'Amato ein ‹gnadenloses› Hearing veranstalten werde. Gut machte Jagmetti klar, dass die Schweizer Regierung sich unbedingt einschalten müsse, und zwar so schnell wie nur möglich; und auch Jagmetti war klar, dass die bevorstehenden Senats-Anhörungen nicht bloss die Banken angingen.

Der Druck wurde allmählich immer grösser. Das Nationalarchiv gab in regelmässigen Abständen sensationelles Material frei. (. . .) Die Schweizer Banken, die angesichts der massiven Vorwürfe in Panik gerieten, schrieben sofort an D'Amato und boten eine unabhängige Überprüfung an. Ihr Brief traf nur Stunden vor dem Hearing ein. Zwischenzeitlich beauftragten sie Hans Bär, Chef des Bankhauses Julius Bär, Bronfman zu einer massvollen Aussage vor der Kommission zu bewegen. Zufällig gab Bronfman am selben Abend in seiner Wohnung in Manhattan ein Fundraising-Dinner für die Demokraten, an dem Hillary Clinton als Ehrengast teilnahm. (. . .) Bronfman nutzte die Gelegenheit, um der First Lady einen im ‹New York Magazine› erschienenen Artikel über Greta Beer zu überreichen. Und er bat sie, dem Präsidenten von seinem persönlichen Engagement zu berichten. Mrs. Clinton wollte wissen, ob die Amerikaner die Schweizer Banken dazu bringen könnten, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Schlagfertig erwiderte Bronfman: ‹Mit Hilfe Ihres Gatten sehr wohl.› Mrs. Clinton rief später an und berichtete, dass sich der Präsident mit ihm treffen wolle, sobald er vor der Senatskommission ausgesagt habe. (. . .)»

«Ich war angenehm überrascht, dass die Schweizer Bankchefs sofort zu einem Gespräch mit den Anwälten der Sammelkläger bereit waren, dazu an einem Sonntag, dem einzigen Tag, der in meinem übervollen Terminkalender noch frei war. Ich arrangierte einen halbtägigen Zwischenaufenthalt in Zürich. Am Morgen des 14. Dezember 1997 landete ich in Kloten - eine zarte Schneedecke betonte die Schönheit der Stadt. Ich fuhr direkt in das Savoy Hotel, um mit Paul Volcker zu frühstücken, der zu einer Sitzung seines Prüfungskomitees nach Zürich gekommen war. Volcker würde zwar nicht an unseren Gesprächen teilnehmen, aber gelingen konnten sie nur mit seinem Segen. (. . .)

Geheimtreffen im «Savoy» Anschliessend begab ich mich in den Konferenzraum des ‹Savoy›, wo das Treffen stattfinden sollte. Alle Parteien hatten Stillschweigen vereinbart, die Presse sollte nicht erfahren, dass diese Gespräche überhaupt geführt würden, geschweige denn Termin und Ort. Doch Ed Fagan, der nicht daran teilnahm, war nach Zürich gekommen und hatte mit Presseterminen für Schlagzeilen gesorgt. Ich bin fast sicher, dass die ‹Neue Zürcher Zeitung› über ihn von der Konferenz erfuhr und sie ankündigte. Als ich nach dem Frühstück in die Halle des ‹Savoy› trat, wurde ich von Kameras und Reportern belagert, die mir Fragen zuriefen. Ähnlich erging es der Schweizer Delegation. Keiner von uns sagte ein Wort, aber jeder war schockiert, dass alle Welt inzwischen von unserer Konferenz wusste. Die Schweizer trugen Anzug und Krawatte - das Zürcher Establishment war noch nicht bei lockerer Wochenend-Garderobe angekommen. Die drei Bankenchefs, Mathis Cabiallavetta von der Bankgesellschaft, Marcel Ospel vom Bankverein und Lukas Mühlemann von der Credit Suisse Group, waren ein eindrucksvolles Trio. Bennett Freeman, inzwischen mein wichtigster Berater, ein unabhängiger Geist und eigenwillig gekleidet, meinte scherzhaft zu Cabiallavetta, dass ihm seine Krawatte mit den Dinosauriern gefalle. Das fanden die Schweizer nicht witzig.

(. . .) Marcel Ospel, treibende Kraft hinter der Fusion der beiden Grossbanken und zweiter Mann nach Cabiallavetta, galt als einer, der geradeheraus zu reden pflegte. Er war ein ziemlicher Kettenraucher, so dass einige von uns Amerikanern sich bald nach frischer Luft sehnten. Anders als in den USA gab es in der Schweiz kein Rauchverbot. Lukas Mühlemann von der Credit Suisse Group hatte die Harvard Business School besucht, bei IBM gearbeitet und war Direktor bei dem Unternehmensberater McKinsey gewesen. Er war mit den USA und den amerikanischen Geschäftsgepflogenheiten bestens vertraut.»

Stuart E. Eizenstat: Imperfect Justice. Looted Assets, Slave Labor and the Unfinished Business of World War II, New York 2003.

Das Buch kommt am 7. Januar in den Handel. Die Passagen aus der amerikanischen Originalversion wurden übersetzt von Matthias Fienbork.

«Lohnende Lektüre für Schweizer»

Quelle: NZZ am Sonntag, Ressort Hintergrund, 22. Dezember 2002, Nr.41, Seite 29

Die Schweiz sei erpresst worden. Das beweise Eizenstats Buch, wenn man es richtig lese, sagt Norman G. Finkelstein, der Autor von «Die Holocaust-Industrie». NZZ am Sonntag: In der Schweiz gibt es manche, die Eizenstats Buch «Imperfect Justice» als beleidigend für das Land empfinden. Zu Recht?

Norman G. Finkelstein: Das kommt darauf an, wie man den Text liest. Eizenstat hat ein typisch amerikanisches Buch geschrieben. Es handelt davon, wie die USA dem Rest der Welt eine Lektion in Moral und Gerechtigkeit erteilt haben sollen: darüber, wie geldgierig und moralisch korrupt die Schweiz im Zweiten Weltkrieg war, wie man später die widerstrebenden Banken dazu brachte, wenigstens ein wenig Gerechtigkeit zu schaffen. Das werden die meisten lesen. Man kann es aber auch anders lesen.

Wie zum Beispiel?

In seiner selbstgerechten Arroganz gibt uns Eizenstat ein paar erhellende Einblicke in die Verhandlungen im Zusammenhang mit den Klagen gegen die Schweizer Banken. Wer die Fakten und die Hintergründe kennt, wird in vielen Passagen im Buch Beweise dafür finden, dass es ihm und den jüdischen Organisationen nie um Gerechtigkeit für die Opfer ging. Es ging ihnen ums Geld. Das kommt klar zum Ausdruck. Und deshalb ist das Buch für Schweizer eine lohnende Lektüre.

In der Schweiz war viel von Erpressung die Rede. Dieses Wort sucht man in Eizenstats Buch vergeblich.

Aber er liefert Anhaltspunkte dafür. Zum Beispiel gibt er ausdrücklich zu, dass man, ausser im Bereich der nachrichtenlosen Konten, keinerlei Beweise gegen die Schweiz hatte und es deshalb «externen Drucks» und der «Intervention der US-Regierung» bedurfte. Das ist eine schöne Umschreibung für Erpressung. Man hat den Banken 1,25 Milliarden Dollar abgepresst. Stuart Eizenstat war sich dessen sehr wohl bewusst.

Nun lässt sich ja aber nicht leugnen, dass auf Schweizer Bankkonten Geld von Opfern der nationalsozialistischen Judenvernichtung lag.

Natürlich nicht, und ich bin sehr dafür, dass diese Schulden beglichen werden. Nur hatten sich die Banken dagegen gar nicht gewehrt. Eizenstat schreibt selber, dass die Banken schon im September 1995 einer internationalen, unabhängigen Revision zugestimmt hatten. Anstatt Druck aufzusetzen, hätte man tun sollen, was vereinbart war: die Bankarchive nach den entsprechenden Konten durchkämmen und auszahlen, was man findet. Paul Volcker, der die Revision dann durchführte, hatte in einem Gespräch mit Richter Korman geschätzt, dass man insgesamt rund 200 Millionen Dollar auszahlen würde. Vielleicht wäre es nicht einmal so viel geworden. Jedenfalls wäre man so zu einer gerechten und wahrhaftigen Lösung gekommen. Eizenstat, Israel Singer und Edgar Bronfman vom Jüdischen Weltkongress haben diese aber torpediert. Sie setzten weiter Druck auf - weil sie genau wussten, dass bei einer aussergerichtlichen Einigung viel mehr herausspringen würde.

In seinem Buch wirft Eizenstat dem Bundesrat vor, nicht in die Verhandlungen eingegriffen zu haben. Die Schweizer Regierung kommt schlecht weg.

Klar. Eizenstat ärgert, dass sich der Bundesrat nicht von ihm in die Falle locken liess. Der Bundesrat sollte seine Kritik als Kompliment auffassen. Es war das einzig Richtige, sich nicht einbinden zu lassen. Natürlich wollte man die Schweizer Regierung in den Handel verwickeln. Man wollte, dass der Bundesrat sich schuldig bekennt. Dann hätte man nämlich auch den Staat zur Kasse bitten können und nicht nur die Banken. Nur wollte der Bundesrat offenbar nicht an einer erpresserischen Operation teilnehmen.

Immerhin hat der Bund eine «Task- Force Schweiz - Zweiter Weltkrieg» eingesetzt . . .

. . . deren Chef, Thomas Borer, dauernd vor den jüdischen Organisationen den Buckel gemacht hat, ja. Dass er von Eizenstat gelobt wird, müsste eigentlich zu denken geben.

Sie tun so, als sei Eizenstat vollkommen auf der Seite der jüdischen Organisationen gestanden.

Natürlich ist er das, da gibt es keinen Zweifel. Er hat schon unter Präsident Jimmy Carter die jüdischen Interessen in der Regierung vertreten, das war dann im Wesentlichen auch seine Aufgabe in der Administration von Präsident Clinton. In seinem Buch räumt er ja auch ein, es sei ihm vollkommen klar gewesen, dass es in den Verhandlungen mit den Schweizer Banken nicht um Gerechtigkeit ging, sondern um Politik. Auch heute ist die Angelegenheit für ihn eine politische Sache. Das zeigt sich auch darin, wie er die Sprache einsetzt.

Das müssen Sie erklären.

Eizenstat ist ein Meister darin, mit unklaren Formulierungen in die Irre zu führen. In seinem Buch schreibt er beispielsweise über die Londoner Goldkonferenz: «Die deutsche Delegation bestätigte, dass Raubgold in die Schweiz geflossen sei, und schätzte, dass Gold im Wert von 14,5 Millionen Dollar von den Opfern der Konzentrationslager stammte.» Flüchtige Leser werden diesen Satz so verstehen, dass für 14,5 Millionen Dollar Opfergold in die Schweiz geflossen ist. Damit erweckt Eizenstat absichtlich einen falschen Eindruck. Tatsächlich kam nämlich nur Opfergold im Wert von 138 000 Dollar in die Schweiz.

Das ist schlimm genug.

Ja, aber es steht einem ehemaligen Regierungsbeamten der USA schlecht an, das zu kritisieren. Tatsache ist, dass auch die USA mit Nazideutschland Goldhandel trieben, obwohl man vom Raubgold wusste. Erst der Kriegseintritt hat das beendet.

Auch das macht das Verhalten der Schweiz nicht besser.

Aber es zeigt, wie moralisch korrupt Eizenstat operiert. Statt vor der eigenen Haustüre zu kehren, greift er die Schweiz an. Es ist beispielsweise völlig klar, dass die USA neben der Schweiz das Land waren, wo die grössten jüdischen Vermögen lagen. Hat Eizenstat jemals den Versuch unternommen, in den amerikanischen Banken nach nachrichtenlosen Konten zu suchen? Nein. 500 000 Dollar Entschädigungszahlungen gab es, fertig. Und von den Schweizer Banken verlangt man über eine Milliarde Dollar. Das ist ungeheuerlich.

Immerhin hat die Schweiz dank amerikanischem Druck ihre eigene Geschichte aufgearbeitet . . .

. . . und Eizenstat zitiert genüsslich aus dem Schlussbericht Ihrer Bergier- Kommission. Ich verstehe nicht, wie Bergier zu derart anderen Ergebnissen kommen konnte als der Report von Paul Volcker. Wahrscheinlich hat sich die Kommission eingebildet, es sei mutig, die Schweizer Banken als blutsaugende Monster darzustellen. Es ist lächerlich, wenn sich Bergier jetzt über Eizenstats Buch entsetzt. Zuerst liefert er ihm die Munition, und dann beklagt er sich, wenn auf die Schweiz geschossen wird. Manchmal habe ich wirklich den Eindruck, ihr Schweizer habt es nicht anders verdient - weil ihr nie für die Wahrheit kämpft.

Interview: Pascal Hollenstein

KommentareZuEizenstat

-- PhilippSchaufelberger - 25 Dec 2002