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Die Sowjetunion im Kaukasus

14 Jan 2005 - 00:27 | Version 10 |

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Übersicht

Aufs Neue eskaliert im Kaukasus der Konflikt zwischen Russland und Tschetschenien, und diesmal greift er auch auf die angrenzende russische Republik Dagestan über. Armenien und Aserbaidschan rüsten für den nächsten Waffengang. Osseten und Inguschen werden nur mit Mühe von russischen Truppen auseinander gehalten. Weiter südöstlich bedroht der Bürgerkrieg in Afghanistan das benachbarte Tadschikistan. Nicht nur auf dem Balkan wird ethnisch gesäubert, vertrieben, werden Krieg und Bürgerkrieg um territoriale, religiöse und nationale Ansprüche geführt. Die ganze Südflanke der ehemaligen Sowjetunion und das nordwestliche China stehen immer wieder mit ähnlichen Schlagzeilen in den Medien. Die Mehrzahl der Konfliktherde liegt auf jenem geografischen Gürtel von China bis zum Mittelmeer, auf dem die Völker Asiens – Hunnen, Mongolen, Türken – immer wieder ihren Weg nach Westen suchten und auf dem heute tradierte östliche Kulturen mit westlicher technischer Zivilisation eine neue Verbindung eingehen.

Der Kampf um den Nordkaukasus

Zeittafel

1802-1810

Teils durch Verhandlungen, teils durch Waffengewalt gewinnt Russland von kaukasischen Völkern wie Osseten,Lesgiern,Mingrelen und einigen anderen besiedelten Gebiete.

1813

Persien muss die Khanate Karabach, Schirwan, Baku und andere Gebiete am Kaspischen Meer endgültig an Russland abtreten. Jahrzehnte später erhalten sie eine grosse wirtschaftliche und strategische Bedeutung, da die Ausbeutung der kaspischen Ölquellen begann.

1816

Russische Truppen unternehmen einen Feldzug ins kaukasische Bergland.

1818

Der russische Oberkommandierende im Kaukasus Jermolow befiehlt die Festung Grosnaja (heute Grosny) zu bauen.Sie sollte, wie der Name zeigt, abschreckend auf die Bergvölker wirken.

1828-1829

Die Türkei muss die Khanate Erivan und Nahitschewan(Armenien) sowie die Festungen Anapa und Poti(an der Schwarzmeerküste) an Russland abtreten.

1829

Russland verstärkt den Kriegseinsatz gegen nordkaukasische Bergstämme.

1832-1839

Die gesamte Ostküste des Schwarzen Meeres, wie davor die Westküste des Kaspischen Meeres, gerät in russische Hand. Die Eroberung des nordkaukasischen Berglandes wird damit zur Abrundung und Absicherung russischer Besitzungen im Kaukasus unerlässlich.

1839

Beginn eines neuen verlustreichen Feldzuges gegen Schamil, Begründer eines theokratischen, fundamentalistischen Staates.

1857-1859

Eroberung Tschetscheniens. Gefangennahme Schamils.

1860-1865

Zerschlagung des tscherkessischen Widerstandes. Eroberung des westlichen Teils des kaukasischen Berglandes.

1877

Erneuter Aufstand der Tschetschenen, der mit einem Blutbad endete.

1913

Wieder Aufstand der Tschetschenen. Ihre teilweise Aussiedlung aus der Heimat.

Ende 1917

Die transkaukasischen Länder Georgien, Armenien und Aserbaidschan proklamieren ihre Unabhängigkeit.

Oktober 1917

Die „Union der kaukasischen Bergvölker“ beschliesst die Gründung eines unabhängigen Staates im Nordkaukasus.

Dezember 1917

Der Volkskomissar der bolsch. russ. Regierung., J.W. Dshugaschwili (Stalin)ruft die muslimischen Bergvölker des Kaukasus auf, ihr nationales Leben „frei und unabhängig“ zu gestalten.Daraufhin leisten sie den Truppen des ehemaligen zaristischen Generals Denikin, der „das geeinigte und unteilbare Russland“ wiederherstellen wollte, erbitterten Widerstand.

1918-1919

Die Bergrepublik im Kaukasus wird von Aserbaidschan, Georgien, Deutschland und der Türkei als unabhängig anerkannt und ist im Völkerbund vertreten. Tschetschenien bleibt abseits. Die Macht in Grosny üben streckenweise die Bolschwiken, streckenweise ihre Gegner aus. Beide Seiten sind gegen ein unabhängiges Tschetschenien, wenn auch aus verschiedenen Gründen.

1920-1922

Die siegreiche Sowjetmacht lehnt die Unabhängigkeit der kaukasischen Völker ab mit der Begründung, sie sei mit den Klasseninteressen des Proletariats unvereinbar. Die transkaukasischen Länder werden zu Teilstaaten der Sowjetunion. Die Bergvölker des Nordakaukasus erhalten Autonomie innerhalb der Russischen Föderation, dem grössten Teilstaat der Sowjetunion.

1929-1930

Die Aufhebung des freien Bauernstandes und die Zwangszusammenlegung der Bauernhöfe zu Pseudokooperativen, der Staatskontrolle unterworfen, sorgten für neue Unruhen in Tschetschenien.Das ganze Bergland wird zum Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen tschetschenischen Freischärlen und den Streitkräften des Staates.

1936-1938

Der sowjetische Geheimdienst inszeniert in Tschetschenien wie in den übrigen Gegenden der Sowjetunion eine beispiellose Verhaftungs- und Hinrichtungswelle. Fast die gesamte Führungsriege der Autonomen Republik der Tschetschenen und Inguschen wird ausgewechselt.

1940-1943

Neues Auflodern des tschetschenischen Widerstands. In den Bergen wird ein unabhängiger tschetschenischer Staat ausgerufen. Bergsiedlungen werden von der sowjetischen Luftwaffe bombardiert.

1944

Tschetschenen und Inguschen (wie andere Bergvölker auch)werden auf Befehl des sowjetischen Diktators Stalin vollzählig (über eine halbe Million) aus dem Kaukasus deportiert. Die Autonome Republik der Tschetschenen und Inguschen wird aufgelöst. Etwa ein Viertel der Tschetschenen kommt während der Deportation und in den Verbannungsorten,vorwiegend in Kasachstan, um.

1957

Im Zuge der „Entstalinisierung“ nach Stalins Tod (1953) wird die Anschuldigung der bestraften Völker des Nordkaukasus, mit den „deutschen Faschisten“ kollaboriert zu haben, zurückgenommen und die Autonome Republik der Tschetschenen und Inguschen wiederhergestellt. Es beginnt die Rückkehr der Tschetschenen und Inguschen in die Heimat.

Seit 1958

Latente Unruhen in Tschetschenien. Die zurückgekehrten Tschetschenen und Inguschen fordern von den russischen (kosakischen) Neuansiedlern Häuser und Grundstücke zurück. Es kommt zu Mordtaten und Brandstiftungen. Sowjetische Truppen -greifen ein.

1988

Aufschwung der nationalen Befreiungsbewegung in Transkaukasien. Nationalistische Ausschreitungen gegen ethnische Minderheiten dienen der Sowjetregierung als Vorwand zur militärischen Einmischung.

1991

Zerfall der Sowjetunion. Als erster Teilstaat der Russischen Föderation proklamiert Tschetschenien seine Unabhängigkeit von Russland. Der sowjetische Luftwaffengeneral Dschochar Dudajew, tschetschenischer Abstammung, wird zum Präsidenten der abtrünnigen Republik gewählt. Seinen Amtseid schwört er auf den Koran.