Vor vielen Jahren lebte ein Mädchen mit dem Namen EuRopa in einem fernen Land. Ihre Eltern waren die Regenten dieses Landes: Der König AgeNor und die Königin Telephassa. Da EuRopa wunderschön war, hatte der Oberste der griechischen Götter, ZeuS, es auf sie abgesehen. Der wiederum, ein richtiger Casanova des OlYmp, traute sich nicht, sich ihr in seinem richtigen Aussehen zu nähern. Denn ZeuS war verheiratet, und seine Frau HeRa konnte rasend werden wegen seiner vielen Frauengeschichten. Eifersüchtig verfolgte sie ständig ihren Göttergatten, deshalb mußte der sich immer wieder eine neue Verwandlung einfallen lassen.

ZeuS verwandelt sich

Deshalb entschloß sich ZeuS zu einer List, um sich an EuRopa ran zumachen. Er verwandelte sich in einen Stier, aber nicht in irgendein gewöhnliches Rind, sondern in ein herrlich imposantes, strahlendes Tier. Da es allerdings auffällt, wenn ein Stier ganz allein durch die Gegend spaziert, beauftragte Zeus seinen Boten Hermes damit, eine ganze Herde in die Nähe von Europa zu treiben, und in der Stiergestalt, die er nun angenommen hatte, mischte sich Zeus kurzerhand unter die Herde.

ZeuS ergreift die Initiative

Europa war gerade mit ihren vielen Freundinnen unterwegs. Sie hatten eine wunderschöne Blumenwiese entdeckt und pflückten bunte Sträuße. Anschließend setzte sich die Mädchenclique um ihre "Anführerin" Europa auf die Wiese, um bunte Kränze zu binden. Zum Dank für die Blumenpracht wollten sie diese den Nymphen schenken. Jetzt nutzte der Stier-Zeus die Gunst der Stunde , um sich seiner Angebeten zu nähern. Er löste sich aus der Herde und trabte zu der Mädchengruppe. Alle sprangen erschrocken auf, denn ein Stier kann ja auch gefährlich sein. Doch der ZeuS-Stier gab sich ganz friedlich und zahm, so daß die Furcht der Mädchen nachließ. Er trabte langsam zu Europa und kauerte sich zu ihren Füßen nieder. Europa war so von seiner Schönheit und Friedfertigkeit eingenommen und wagte es, das Tier zu streicheln.

Die Entführung

Der Stier wandte ihr einladend seinen Rücken zu. Die Königstochter zögerte kurz, aber schließlich konnte sie nicht widerstehen und sprang auf seinen Rücken. ZeuS erhob sich, denn nun hatte er ja, was er wollte, und machte sich jetzt recht schnell vom Acker. Die Freundinnen versuchten zwar noch mit dem Stier und der Europa Schritt zu halten, aber er war natürlich viel schneller. In Windeseile erreichte Zeus das Meeresufer, er stürzte sich in die Brandung - Europa war das Ganze längst nicht mehr geheuer. Einmal auf dem offenen Meer schwamm der Stier weiter und immer weiter, den ganzen Tag, eine ganze Nacht und den darauffolgenden Tag, bis sie ein anderes Ufer erreichten, das Ufer der Insel Kreta. (Der Sage nach war Kreta der Geburtsort von Zeus.) Dort ließ Zeus Europa von seinem Rücken gleiten und entfernte sich wieder, aber nur, um sich noch einmal zu verwandeln, diesmal in einen stattlichen jungen Mann, und dann kehrte er wieder zu der Unglücklichen zurück.

Happy End?

Europa hatte schreckliches Heimweh zu ihrer Familie und ihren Freundinnen, doch sie konnte nicht zurück. ZeuS versprach ihr, sie in der Fremde zu beschützen, wenn sie sich ihm hingab. Es blieb ihr keine andere Alternative und sie willigte ein. Die Beziehung schien dann doch lange gedauert zu haben, denn sie bekam von Zeus drei Kinder. Da ZeuS ja wieder zu seiner Frau zurück mußte, heiratete Europa später aber einen anderen, den König der Insel Kreta. Leider hat sie Ihre Familie und ihre Heimat nie wieder gesehen. Aber zum Trost hat die griechische Liebesgöttin Aphrodite den ganzen Erdteil nach ihr benannt: Europa. Und so kommt es, daß, der griechischen Göttersage nach, der Erdteil Europa nach der entführten Königstochter Europa benannt ist.

Quelle: www.mythologica.de

-- AndreasBucher - 20 Nov 2002

-- AdrianMarti - 20 Nov 2002