Aufsatz Staatskunde

vgl. AufsaetzeStaatskunde

Sind Politiker/innen Hampelmänner/-frauen?

Diese Frage hat was an sich: Ein ganz aktuelles Beispiel:

Vor Kurzem war die SVP-Tagung im Kanton Aargau. Anwesend war unter anderen auch der Bundesratskandidat Toni Bortoluzzi. Auch Oskar Freysinger war dabei, der Walliserkantonalpräsident, der als Provokateur bekannt war, was sich auch bald bestätigte. Herr Freysinger las nämlich ein Gedicht vor, welches äusserst ausländer- und frauenfeindlich war. Doch Bortoluzzi hörte es nicht und so verlief die Tagung ruhig weiter. Erst als Bortoluzzi zuhause war, bemerkte er den Zettel mit dem Gedicht, den ihm Oskar Freysinger zugesteckt hatte. Später bei einem Pressetermin sagte Bortoluzzi, er sei zu tiefst empört. Als ihn die Pressepersonen fragten, ob er als Bundesratkandidat etwas unternehme, antwortete er für ihn sei die Sache erledigt.

In einem solchen Fall hätte Bortoluzzi nach meiner Ansicht reagieren müssen. Er hätte Stellung beziehen müssen, z.B. das gerade ein Parteipräsident Frauen und Männer vertreten sollte, so das solche Aussagen Tabu sind. Doch er wollte anscheinend als SVP-Bundesratskandidat seine SVP-Wähler nicht verärgern und er wollte auch nicht schlechte Schlagzeilen über die SVP bringen, was andere Stimmbürger gegen die SVP aufgebracht hätte und der Partei damit noch mehr Schaden gebracht hätte. Genau solche taktische Spiele machen es aus, dass viele Leute den Eindruck haben, Politiker machen ihre Meinung immer nach dem Wind!!

Wieso Hampelmann? Ein Hampelmann lässt sich von anderen bewegen, er bewegt sich nicht von selbst. So wie in dieser Sache Bortoluzzi, er heisst zwar die Aussage seines Parteifreundes nicht gut, aber er nimmt nicht klar Stellung zum Problem Frauen- und Ausländerdiskriminierung, weil dies für SVP-Mitglieder ein zu heisses Thema wäre.

-- CorinneMorf - 21 Nov 2002