Der Konflikt zwischen China und Tibet:

Die einzelnen Nomadenstämme des tibetischen Hochlandes wurden im 7.Jh. unter einem starken König vereinigt und eine militärische Größe, mit der auch das angrenzende, chinesische Kaiserreich rechnen mußte.
Erbittert begann man sich um das heutige Xinjiang und Gansu zu streiten, doch Tibet erlangte die Kontrolle über die Seidenstraße durch den wichtigen Knotenpunkt Kashgar und plünderte schließlich die chinesische Hauptstadt Chang'an, die größte Metropole der damaligen Welt.
Der Aufstieg des "Königreiches" von Tibet wurde jedoch jäh unterbrochen, als einer der Herrscher im 9. Jh. das Land in sich zu entzweien begann. Aus machtpolitischen Erwägungen heraus unterdrückte er den tibetischen Buddhismus zugunsten der ursprünglich einheimischen, schamanistischen Bon-Religion und spielte die einzelnen Kräfte seines Landes gegeneinander aus. Nach seiner Ermordung zerfiel das Reich in kleine, miteinander rivalisierende Fürstentümer. Als sich nach zwei Jahrhunderten der Anarchie schließlich im 11. Jh. der Lamaismus durchsetzte, erlangten die geistlichen Führer die politische Macht. Nun begannen die Klöster diverser buddhistischer Richtungen und Auslegungen miteinander um den Vorrang zu kämpfen.
Nachdem im 13. Jh. in China die mongolische Yuan-Dynastie an die Macht gekommen war, sandte der Khan einen Trupp nach Tibet, um dort ein Oberhaupt auszumachen, mit dem man in Verhandlungen treten könne - man lernte die tibetischen, religiösen Führer schätzen. Der Lamaismus mit seiner Tendenz zu schamanistischen Praktiken lag den mongolischen Großkhanen, die ebenso wie die Tibeter einen naturverbundenen, nomadischen Hintergrund hatten, viel eher als der völlig abstrakte, rein philosophische Chan-Buddhismus (Zen) der Chinesen. Schnell wurden enge Verbindungen aufgebaut. Die Mongolen gliederten Tibet in ihre bis ins Detail durchstrukturierte Administration ein.
Auf Basis dieser Tradition - schließlich hatten die tibetischen Führer seinerzeit die"chinesische" Oberhoheit anerkannt - kam es dann auch unter der berühmten Ming-Dynastie (1368-1644) und den Mandschu(1644-1911) dazu, daß China die Oberhoheit über Tibet beanspruchte. Die Mandschu nutzten dabei den Fall, daß 1717 die Dsungaren in Tibet einfielen. Das chinesische Reich "befreite" Lhasa und sah Tibet fortan als "Protektorat" an.
Inzwischen hatte Tibet mit einer grundlegenden Reform des Lamaismus viele innere Spannungen überwunden und sich unter dem Oberhaupt der Gelbmützen zu einem regelrechten, theokratischen Staat konsolidiert. Dieser Führer wurde seit dem 16. Jahrhundert "Dalai Lama" genannt. 1903/1904 gelang es einer britischen Militärexpedition in das streng abgeschirmte und für jeden fremden Zutritt verbotene Lhasa ("Ort der Götter") vorzudringen. Fortan begannen Rußland und Großbritannien sich um Tibet zu streiten, erkannten aber letztendlich beide die chinesische Oberhoheit offiziell an. In den Wirren der chinesischen Revolution von1911 und nach dem Sturz des letzten, chinesischen Kaisers schien es für kurze Zeit, als könnte sich Tibet aus der Umklammerung befreien. Die Armee und der chinesische Verwaltungsapparat wurde aus dem Land getrieben. Dennoch war dies alles nur von kurzer Dauer. Schon drei Jahre später, 1914, sprach man auf einer Konferenz im britischen Simla abermals Teile von Ost-Tibet ganz offiziell China zu. Selbst wenn der größte Teil von Tibet sich weiterhin souverän gab, staatsrechtlich war und blieb dies eine Grauzone.
Für diesen, sich souverän wähnenden Staat Tibet nahm das Verhängnis seinen Lauf, als mit dem Ende des chinesischen Bürgerkrieges1949 unter stolzen Paraden und pompösen Feiern die Volksrepublik China gegründet wurde. Es dauerte gerade mal ein Jahr, dann sandte Mao 1950 seine Volksbefreiungsarmee nach Tibet. In Peking pochte man auf die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte und beschloß feierlich die "Rückkehr" Tibets in die Volksrepublik. Der Dalai Lama fügte sich der Annexion unter der Bedingung, daß man die politischen, sozialen und religiösen Gefüge des Landes der Welt unangetastet lasse. China sicherte regionale Autonomie zu, doch konnte das Versprechen nicht halten. Die Konflikte der kommunistischen Zentralregierung mit dem lamaistischen Klerus, der noch immer die politische Führung des Landes in seinen Händen hielt, waren vorprogrammiert.
Unruhen brachen immer wieder auf. Stärkste Opposition entbrannte gegen die chinesische Oberhoheit. Am 17.März 1959 entlud sich das Ganze schließlich in einem Aufstand, den die chinesische Zentralregierung brutal niederschlug. Die Situation war eskaliert. Das geistliche und weltliche Oberhaupt, der 14. Dalai Lama, wurde von seinen Beratern zur Flucht gedrängt, um nicht in die Hände der Unterdrücker zu fallen.
In einem nicht enden wollenden Strom flohen mehr als 100.000 Tibeter in die angrenzenden Himalayaländer.
Die Chinesen setzten den Panchen Lama als Oberhaupt ein, der nach 5 Jahren im Jahre 1964 eine Rede an das Volk hielt, bei der er den einzig und alleinen Führungsanspruch dem Dalai Lama zusprach. Daraufhin wurde er von der chinesischen Regierung in sogenannte Umerziehungslager interniert, wo er 14 Jahre festgehalten wurde. Der Dalai Lama formierte in Indien eine Exilregierung. In Tibet wurde der "sozialistische Aufbau" eingeleitet. Am 09.09.1965 errichtete man die "Autonome Region Tibet". Abermals schützte die zugesicherte Autonomie nicht davor, daß - besonders in der Kulturrevolution (1966-69) - dort wie überall in China zahllose Klöster zerstört, Bücher verbrannt, Kunstschätze unwiederbringlich vernichtet wurden. Man nahm die Zwangsansiedlung anderer chinesischer Bevölkerungsgruppen in Tibet vor und unterdrückte die angestammte Sprache und Kultur, um eine weitreichende ,kommunistische "Egalisierung" der Volksrepublik zu erreichen. Im Herbst 1987 entbrannte aus eine Serie von Demonstrationen ein neuerlicher Volksaufstandfür ein freies Tibet. China schoß in die Menschenmenge, unterdrückte die Revolution mit Militär- und Polizeigewalt.
Die Welt wird nun Aufmerksam auf die Geschehnisse im fernen Tibet. Der Dalai Lama richtete sich immer wieder an sein Volk, versuchte es zu beruhigen. Unaufhörlich rief er zum buddhistischen Pfad, zum " Weg des gewaltlosen Widerstands" auf - dem einzigen Weg, den Tibet gehen dürfe.Für seinen unermüdlichen Einsatz um Frieden, Harmonie und Gewaltlosigkeit, wurde ihm am 14.10.1989 der Friedensnobelpreis verliehen.
Fünf Jahre lang war das "Dach der Welt" für Ausländer weitestgehend gesperrt. Seit 1992 treten zunehmend wieder Lockerungen ein. [Ziemlich subjektiv]