Landwirtschaft im Kaukasus

14 Jan 2005 - 00:27 | Version 12 |


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Die Landwirtschaft im Kaukasus ist auch heute noch einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren des ganzen Kaukasus. Die verschiedenen Teilgebiete der Landwirtschaft haben jedoch je nach Region und Klima unterschiedliche Anteile. In Armenien, Georgien und Azerbaijan überwiegt die Viehwirtschaft, im Nordkaukasus, d.h. im russischen Teil des Kaukasus dominiert hingegen der Ackerbau. Dies ist auch der untensthenden Grafik zu entnehmen, wobei der Anteil des Ackerlandes pro Person im Nordkaukasus etwa 83% beträgt, haben Armenien und Georgien zuwenig Ackerland.

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Ackerland, Weideland und Wälder im Kaukasus pro Person


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Landwirtschaft im Kaukasus unter der Sowjetunion

Der Kaukasus war unter dem Sowjetregime ein wichtigstes Landwirtschaftsgebiet, welches Waren in die gesamte UdSSR lieferte. Dazu gehörten auch Mais, Trauben, Tabak, Baumwolle, vesch.Früchte, Tee und Zitrusfrüchte. Die Produktion des Kaukasus erreichte zeitweise bis zu 20% der Gesamtproduktion der UdSSR, wobei die Fläche des Kaukasus lediglich 2% betrug. Die landwirtschaftliche Überproduktion bot auch eine Grundlage für die Entwicklung der Lebensmittelindustrie, wie Konservenfabriken, Winzereien u.s.w..

Die grosse Spezialisierung der Landwirtschaft führte jedoch dazu, dass die kaukasische Bevölkerung mit vielen Primärprodukten nicht versorgt werden konnte. Durch dieses Defizit an Nahrungsmittel mussten und müssen auch heute noch verschiedene Produkte aus anderen Ländern importiert werden. (Aserbeijan importierte 2000 für 186.48 Mio USD Nahrungsmittel)

Durch die schlecht ausgerüstete Infrastruktur und die ineffiziente Nutzung der Ressourcen fuhr der Landwirtschaftssektor jedoch hohe Verluste ein, wobei durch die unsachgemässe Nutzung auch die Qualität des Bodens immer mehr abnahm und so zu einer weiteren Abnahme der Effizienz führte.

Nach dem Zerfall der UdSSR wurde die Struktur der Landwirtschaft drastisch geändert. Die Kaukasus-Republiken realisierten, dass es unsinnig ist grosse Überschüsse zu produzieren, wobei nicht einmal die Grundnahrungsmittel genügend gedeckt waren. Deshalb wurden zahlreiche Plantagen und Obstgärten zu Weiden, Ackerland und Getreidefelder umgewandelt.

Probleme der Landwirtschaft

  • Der Anteil des urbaren Landes im Kaukasus nimmt immer mehr ab, bedingt v.a. durch Landübernutzung, Versalzung.

  • Sommerweiden bilden die Grundlage der Viehwirtschaft im Kaukasus. Im Nordkaukasus, sowie in Azerbaijan sind diese zur Genüge vorhanden, in Georgien hingegen hat es verhältnissmässig wenig Sommerweiden. Dies führt dazu, dass vor allem in Voralpinen und alpinen Zonen die Felder oft übernutzt werden.

  • Durch die immer grössere Abnahme an nutzbarem Land wurden in den letzten 30 Jahren immer mehr Halbwüsten und Steppen, sowie Sümpfe urbar gemacht, dadurch zerstörte man jedoch auch den Lebensraum vieler Tiere.

  • Die Landwirtschaft im Kaukasus würde nicht funktionieren ohne Bewässerungs- und Entwässerungssysteme. Gerade im Ostkaukasus, wo vor allem Getreide, Reis und Baumwolle angebaut werden, wäre eine landwirtschaftliche Nutzung ohne Bewässerung unmöglich. Die Bewässerung verbraucht jedoch einen grossteil der Wasserressourcen der Region, da die Veluste in den Systemen hoch sind und Wasser ineffizient verwendet wird. Die intensive Bewässerung führt zudem zu einer Zerstörung des Bodens, durch Versalzung und Erosion. Da im Südkaukasus zudem vor allem Wasser mit hohem Salzgehalt verwendet wird führt dies zu einer zusätzlichen Ansammlung von Salzen im Boden.
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  • Durch die grossen Einsätze von Düngemittel und Pestiziden unter dem Sowjetregime haben sich viele Schwermetalle im Boden abgelagert. Dies führt teilweise zu einer Verseuchung der Nahrungsmittel und zur Abnahme der Bodenqualität. Zudem werden DDT und andere unerlaubte Schädlingsbekämpfungsmittel von Schmugglern illegal über die Grenze eingeführt.

  • Da Forst- und Landwirtschaft im Kaukasus am Boden sind, fehlt es an Einnahmequellen. Dies veranlasst viele Bewohner zu räuberischen Übergriffen in den Wäldern und am Grosswild.

Massnahmen

In den Ländern am Kaukasus sollten dringend Landreformen durchgeführt werden, da das Land momentan sehr ungerecht verteilt ist und viele Menschen unter dem Existenzminimum leben. Auch auf die mehr oder weniger unberührt gebliebene Hochgebirgslandschaft sollte mehr Acht gegeben werden.

Deshalb hat die UNESCO 1999 ein grosses Gebiet im Kaukasus zum Weltnaturerbe ernannt. Daher will man im Territorium von Georgien, Armenien und Aserbeijan ein BioSphaerenreservat errichten.Mit diesem Biosphaerenreservat sollen die verfeindeten Staaten Aserbeijan und Armenien sich einander annähern.

Weinanbau


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Weinrebenplantage

Der Weinanbau ist eine wichtige Einnahmequelle der Länder im Kaukasus. Im Osten Georgiens gibt es die grössten Weinplantagen, deshalb kommen etwa 500 von 4000 Weinsorten, die auf der ganzen Welt im Handel sind, aus diesem Gebiet.

Der Weinbau ist sehr arbeitsintensiv und verlangt viel Zuwendung, deshalb ist auch das Leben der Kaukasier sehr auf ihre Weine ausgerichtet und in einem georgischen Sprichwort heisst es sogar: Die Rebe verlangt soviel Zuwendung wie ein neugeborenes Kind. Dies zeigt auch, dass der Weinbau bis heute fast reine Handarbeit geblieben ist und kaum mechanisiert werden kann.

Nach der Auflösung der UdSSR ging die Weinproduktion drastisch zurück, auf Grund der Anti-Alkohol Politik von Michail Gorbatschow. In der Zwischenzeit hat sich der Markt aber wieder etwas erhohlt.

Verarbeitung

Heute noch geschieht die Weinverarbeitung in kleineren traditionellen Betrieben. In einem Bottich werden die Trauben mit den Füssen gestampft. Wenn sie ausgepresst sind und der Gärungsprozess abgeschlossen ist, wird der junge Wein in Tongefässen im Boden vergraben. Dort bleibt er bis er ausgereift ist.


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Tongefäss, welches im Boden vergraben wird

Gute Links:

Landwirtschaft im Kaukasus

http://www.gridtb.org/projects/CEO/ch1_2_1_3.htm

Landwirtschaft in Georgien, speziell Weinbau

http://www.georgien.net/Geographie/landwirtschaft.html

Biosphärenreservat

http://www.sws.sochi.ru/sochi/siti/bio-zap-eng.htm

http://www.agrowebcaucasus.org/

http://www.nabu.de/nh/archiv/kaukasus198.htm

http://www.wsl.ch/lm/publications/e-publ/forum/2000/Succow.pdf

Christine und Catherine