Illyrer

Die Griechen bezeichneten alle das an Epirus und Makedonien grenzende Land besiedelten Stämme als Illyrer, obwohl die eigentlich nur ein kleinerer Stamm waren. Sie bildeten keinen einheitlichen Staat, sondern alle Stämme behielten ihre Eigenart und Selbständigkeit. Wichtige von ihnen waren die MoLosser, die ChAonen, die DaRdaner oder die ArDiäer. Die Illyrer waren als gefürchtete Seeräuber bekannt. Einer Sage zufolge soll KaDmos, der Gründer Thebens, Illyrien erobert haben. Die Illyrer haben in der Eisenzeit riesige Gräberfelder erstellt. Bekannt von ihnen sind vor allem die zahlreichen Bleifiguren, die als Beigaben in den Grabehügeln gefunden wurden.

-- KathrinArnold - 26 Nov 2002

Vorgeschichte.

14 Jan 2005 - 00:27 | Version 4 |
Bei Feld- und Forstarbeiten, bei Graben- und Strassenbau werden in der Erde oft Töpfe oder Topfscherben gefunden. Auf manchen Aeckern liegen viele solcher Scherben an der Oberfläche, aber wir gehen meistens achtlos daran vorüber. Leider kommt es noch oft vor, dass die Gefässe zerschlagen werden. Sie sind aber von unschätzbarem Wert für die Erforschung unserer Geschichte, weil sie die einzigen Zeugen aus grauer Vorzeit sind, die uns Kunde von der Art und dem Leben der Völker geben, die lange vor uns unsere Heimat besiedelt und bewohnt haben. Durch die mühsame Arbeit unserer Forscher erhalten wir ein Bild jener längst versunkenen Kulturen. Um diese wichtige Arbeit nicht zu gefährden, bestimmen unsere Gesetze, dass die Bodenaltertümer geschützt sind, und dass jeder Bodenfund sogleich dem berufenen Vertrauensmann gemeldet werden muss. So kann jeder an seinem bescheidenen Teil der Forschung helfen. Es ist nur ein Scherben, den wir da in der Hand halten, aber ein Schauer der Ehrfurcht ergreift uns; vor Jahrhunderten, Jahrtausenden, in der Bronzezeit hat ihn ein Mensch wie wir so fein gebildet, mit schönen Verzierungen versehen und sich am fertigen Werk erfreut. Die Töpferscheibe war noch nicht im Gebrauch, und wenn du nun versuchst, einen ähnlichen Topf zu formen - aber natürlich auch ohne Töpferscheibe - so wirst du merken, wie geschickt diese Töpfer der Bronzezeit waren. Ueberall, wo sie früher wohnten, finden wir heute ihre kunstvollen Gefässe und können dadurch ihr Siedlungsgebiet bestimmen: das südl. und östl. Brandenburg, das angrenzende Sachsen bis zur Saale, das westl. Polen bis zur Weichsel, Böhmen, Schlesien und weiter nach Südosten das DonAuland. “Illyrer” wird diese Volk heute genannt, und ihre hochentwickelte Töpferkunst, durch die sie sich von ihren Nachbarvölkern unterschieden, wird als Keramik der “Lausitzer Kultur” bezeichnet. Diese Illyrer sind auch die Erbauer der Rundwälle. Sie legten sie zum Schutz gegen die vordringenden Nachbarn an wichtigen Stellen ihres Landes an. Auch in unserm Kreise sind solche Anlagen noch erhalten, der Horstberg bei Zützen, die Ringwälle bei Kasel, Giessmannsdorf, Riedebeck und an anderen Orten. Oestlich von den Illyrern wohnten die Slaven, nördlich und nordwestlich die Germanen und westlich die Kelten.

Die Dörfer der Illyrer waren auf trockenen Anhöhen angelegt. Zahlreiche Scherben auf unseren Aeckern kennzeichnen noch heut diese Siedlungsstellen. Dichter Wald und unwegsamer Sumpf boten Schutz gegen Ueberfälle. Aus Baumstämmen und Stangen, Lehm und Schilf waren die Häuser erbaut. Starke Pfosten wurden im Rechteck senkrecht eingegraben. Sie waren am unteren Ende angekohlt und standen auf untergelegten Feldsteinen. Armdicke Stangen wurden mit Weidenruten dichtaneinander waagerecht an die Pfosten gebunden und die so entstandenen Wände mit einer Lehmschicht beworfen. Das Satteldach, wie wir es ja meistens heute noch haben, wurde mit Schilf oder Stroh gedeckt. Eine Querwand teilte den Innenraum, und in dem grösseren war die Herdstelle, aus Feldsteinen zusammengesetzt. Hier wurde das kostbare Feuer sorgsam gehütet. Hier briet an offener Flamme das Fleisch von Elch und Ur. Auch der Biber wurde gejagt, wie auf dem Horstberg bei Zützen gefundene Knochenteile dieses Tieres zeigen. In Feld und Wald wurden die Früchte gesammelt und der Ueberfluss in grossen Vorratsgefässen für den Winter aufbewahrt. Mit der Handmühle mahlten sie aus dem geernteten Getreide das grobe Mehl. Emsig spannen und webten die Frauen oder formten die verschiedenartigsten Töpfe. Von fernher brachten Händler die seltenen Bronzegeräte und -schmucksachen. Kupfer und Zinn fanden sich nicht im Lande, und so ist auch die Bronzetechnik von den Illyrern in unserer Heimat wenig geübt worden. Bedeutende Personen, Häuptlinge und ihre Frauen, trugen Goldschmuck. Spiralen und Zierplättchen aus diesem edlen Metall wurden in unserm Kreise bei Sonnewalde, Schönewalde i.Spr., Freiwalde und Niewitz, goldene Stirnbänder bei Hörlitz und Lauta im Kreise Kalau gefunden.

Zahlreich sind die Begräbnisstätten der Illyrer, und obwohl schon viele bekannt sind, werden immer wieder neue entdeckt. Unsere Heimat ist also damals dicht besiedelt gewesen, weil die Bevölkerung in langen, friedlichen Zeiten zu Wohlstand kam und wuchs. Gewiss gibt es auch auf eurer Dorfmark einen Urnenfriedhof. Er steht unter unserm besonderen Schutz; denn hier ruhen die Toten der Bronzezeit. Auf dem Brandplatz an der Seite des Totenfeldes schichteten die Freunde des Verstorbenen den Holzstoss auf. Unter feierlichen Bräuchen wurde der Tote hinaufgelegt und von dem heiligen Feuer verzehrt. Die Knochen wurden aus der Asche gesammelt und in bestimmter Reihenfolge (Glieder-, Rumpf- und Schädelknochenreste) in eine Urne gelegt, mit einer grossen Schale zugedeckt und in einer flachen Grube bei den älteren Gräbern beigesetzt. Aber damit war das Leben nicht aus. Nur der irdische Körper war dahin, die Seele lebte im Totenreich weiter. Deshalb wurde in den Boden der Urne vorsichtig das “Seelenloch” gebrochen. Nun konnte die Seele des Toten ein- und ausgehen, wie einst im Leben sein Atem über die Lippen kam und ging. Deshalb brachten Verwandte und Freunde ihre letzten Gaben, Schalen, Töpfe und Kännchen mit Speise und Trank, die sorgsam um die Urne mit dem Leichenbrand gestellt wurden. Zuletzt wurden faust- bis kopfgrosse Feldsteine um die Gefässe gelegt und die Gräberstätte mit Erde überdeckt. Noch heute fühlt der aufmerksame Beschauer dieser alten Begräbnisstellen die Liebe und Verehrung, mit der die Bronzezeitleute die Ruheplätze ihrer Toten umgaben.

Ein Jahrtausend, von 1500 bis 500 v.Chr., haben die Illyrer unsere Heimat bewohnt. Oderabwärts reichte ihr Gebiet bis zur Ostsee, und auch die heutige Mittelmark hatten sie besiedelt. Ihre Kultur hatte sich in langen Friedenszeiten zu reicher Blüte entfaltet. Da drohte vom Nordwesten her feindlicher Einfall. Es waren die Germanen, die landhungrig vordrängten. Dem stärkeren Feind suchten die Illyrer in Burgen Widerstand zu leisten. Aber mit Ungestüm eroberten die Heerhaufen des nordischen Volkes ein Bollwerk nach dem anderen. Immer weiter wurden die Illyrer zurückgedrängt. Da kam um 500 v.Ch. aus dem Osten neuer Schrecken. Es waren die Skythen, Reiterscharen, die aus den östlichen Steppengebieten raubend und plündernd in die reichen Siedlungsgebiete der Illyrer einfielen. Rauchende Trümmer zeigten den Weg, den sie genommen hatten. Kein Buch gibt uns von den Geschehnissen Kunde, aber die dreiflügeligen Pfeilspitzen, die nur die Skythen hatten, und die im Brandschutt vieler illyrischer Burgen gefunden wurden, dazu der prächtige skythische Goldschmuck von Vettersfelde bei Guben, reden eine deutliche Sprache. Diesen Ansturm der Feinde ringsum konnten die Illyrer nicht standhalten, und so endete eine der grössten und bedeutendsten Kulturen der Vorzeit, schwand ein Volk, dem man während seiner Blütezeit wohl eine grössere Zukunft vorausgesagt hätte, mit seiner eigenartigen Kultur, seinen zahllosen Gefässen, Bronzen und seinem Golde.” In den folgenden Jahrhunderten wanderten die Germanen in unsere Heimat und weit darüber hinaus auch in die östlichen Gebiete ein. Ernst tausend Jahre später, in der Zeit der Völkerwanderung verliessen sie das Land wieder, um im Süden eine neue Heimat zu suchen.

Um 600 n.Ch. wanderten in den ostdeutschen Raum slavische Völkerschaften ein. Auch über dieses Ereignis geben uns Bodenfunde Aufschluss. Nun wird von polnischen Gelehrten behauptet, die Slaven hätten schon immer in Ostdeutschland gesessen, dieses Gebiet sei ihre Urheimat, und auch die bronzezeitliche Kultur, die den Illyrern zugeschrieben wird, sei urslavisch. Nur zu deutlich merken wir dabei, dass sie damit weitere deutsche Gebiete begehren und diese Ansprüche wissenschaftlich begründen wollen. Ernste Forscher haben aber nach eingehender Prüfung aller Funde festgestellt, dass sie slavische Kultur in keiner Beziehung zu der “Lausitzer Kultur” steht. Es ist ein grober Missbrauch, der mit der Urgeschichte getrieben wird, wenn sie in dieser Weise in den Dienst der Politik gezwungen wird. Immerhin droht dem Deutschtum hierdurch eine ernste Gefahr, und so muss es unsere Sorge sein, durch die Wissenschaft des Spatens einwandfrei die Unhaltbarkeit dieser offensichtlich deutschfeindlichen Behauptungen zu beweisen. In der Geschichte kommt es aber nicht auf wissenschaftliche Gedankengebäude an. Das Volk, das seinen Raum durch zahlreiche und gesunde Menschen besiedeln kann, das stark und wehrhaft ist, jeden Feind Trotz zu bieten, wird das Land besitzen bis in die fernste Zukunft

-- FabianFrei 27 Nov 2002

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