Jahr 1914

Unmittelbarer Auslöser des 1. Weltkrieges war die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin am 28. Juni 1914 in Sarajevo durch den Studenten Gavrilo Princip. Die europäische Öffentlichkeit war von diesem Verbrechen schockiert.Dieses für sie so günstige Klima wollte die Donaumonarchie nutzen, um mit einer harten militärischen Strafaktion Serbien (der russische „Brückenkopf” auf dem Balkan) „als politischen Machtfaktor auszuschalten”, wie Kaiser Franz Joseph in einem Brief an Wilhelm II. vom 5. Juli 1914 schrieb. Ein möglichst lokal begrenzter Konflikt in Südosteuropa, in dem Serbien zu einem abhängigen Staat herabgedrückt und so das Nationalitätenproblem ein für alle Mal gelöst werden sollte, war das machtpolitische Ziel der österreichischen Regierung, die damit auch das Risiko eines europäischen Krieges einkalkulierte. Denn Serbien konnte sich der Unterstützung Russlands sicher sein, und hinter Russland standen seit Gründung der Tripelentente (1907) Großbritannien und Frankreich.

Das Deutsche Reich stand bedingungslos hinter einer österreichischen Militäraktion gegen Serbien und ließ Franz Joseph über den deutschen Botschafter in Wien zusichern, dass der deutsche Kaiser „im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns stehen” werde. Bei der Erteilung dieser vorbehaltlosen Rückendeckung spielte auch eine Rolle, dass das sich von den übrigen europäischen Mächten „eingekreist” fühlende Deutsche Reich nicht auch noch seinen letzten Bundesgenossen verlieren wollte. Mit dieser „Blankovollmacht” im Rücken richtete die österreichische Regierung schließlich am 23. Juli 1914 ein äußerst hartes, auf 48 Stunden befristetes Ultimatum an Serbien, in dem sie u. a. die Unterdrückung jeglicher Aktionen und Propaganda gegen die territoriale Integrität der österreich-ungarischen Monarchie verlangte und eine gerichtliche Untersuchung des Attentats unter Mitwirkung österreich-ungarischer Beamter forderte.

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Kommentar zum Bild:Im August 1914 stießen die deutschen Truppen entsprechend dem Schlieffenplan durch die Niederlande und Belgien in Richtung Nordfrankreich vor; ihr Ziel war die Hautpstadt Paris. Den französischen Truppen unter General Joseph Joffre gelang es jedoch, den deutschen Vorstoß an der Marne zu stoppen und zum Gegenangriff überzugehen. Die Soldaten der Pariser Garnison – mehrere tausend – waren in etwa 600 Taxis an die Front transportiert worden; General Gallieni, der Gouverneur von Paris, hatte die Taxis für die Armee requiriert.

Damit war aus der JuliKrise auf dem Balkan ein europäischer Großkonflikt und schließlich ein Weltkrieg geworden, in dessen Verlauf den vier MittelMaechten (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Türkei und Bulgarien) 28 alliierte bzw. assoziierte Mächte (darunter Großbritannien, Frankreich, Russland, Italien, Japan und die USA) auf beinahe allen Kontinenten und großen Meeren gegenüberstanden.

Der Frankreichfeldzug begann im Sommer 1914: Unter massiver Verstärkung der Westfront (an der Ostfront wurde lediglich ein geringes Truppenkontingent zur notdürftigen Sicherung zurückgelassen) gelang den deutschen Truppen gemäß dem Schlieffenplan zunächst der schnelle Durchmarsch durch Belgien (handstreichartige Eroberung Lüttichs vom 6. bis 16. August) und der Vorstoß bis zur Marne. Dort führte eine starke britisch-französische Gegenoffensive aus Paris und von Süden her zur MarneSchlacht (5. bis 12. September), die der deutsche Generalstabschef Helmuth von Moltke trotz günstigen Verlaufs abbrach, als zwischen der 1. und 2. deutschen Armee eine Lücke entstand, in der die Briten durchzubrechen vermochten. Er gab den Befehl zum Rückzug hinter die Aisne. Damit war das Kernstück des deutschen Kriegsplanes, die rasche Umfassung und Vernichtung der französischen Truppen (Schlieffen nannte es „Cannae von gewaltigem Ausmaß”), gescheitert. Der nun einsetzende „Wettlauf zum Meer”, mit dem beide Seiten versuchten, eine Umfassung des Gegners durch weites Ausholen nach Norden bis zur Kanalküste zu erzwingen, endete ergebnislos. Mit dem Scheitern des deutschen Angriffs an der Yser und vor Ypern (September bis November 1914) erstarrte der Bewegungskrieg schließlich zum Stellungskrieg. Von der Nordseeküste bis zu den Alpen entstand eine geschlossene Front, an der sich die feindlichen Heere in schwer überwindbaren Befestigungen eingruben.

Quellen: encarta.msn.de, Manuel (das bin ich)

-- ManuelBurkhardt - 27 Jan 2003